Die Schiffe der La-Fayette-Klasse sind eine Klasse von leichten Mehrzweckfregatten, die von der staatlichen Marinewerft Frankreichs, DCN, gebaut wurden und von den Marinen Frankreichs, Saudi-Arabiens, der Republik China (Taiwan) und Singapurs verwendet werden.

Diese Klasse gehörte zu den ersten einsatzfähigen Tarnkappenschiffen der Welt.

Die französische Variante Konzeption Ende der 1980er Jahre stand die französische Marine vor der Situation, dass lokal begrenzte Konflikte fernab Frankreichs wieder vermehrt in den Fokus rückten. So hatte der Falklandkrieg zwischen Großbritannien und Argentinien gezeigt, dass es nach wie vor wichtig ist, die wenigen verbliebenen, jedoch weit verstreuten Überseegebiete mit schlagkräftigen Verbänden zu schützen. Ebenfalls in dieselbe Zeit fällt die Ausweitung der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) auf 200 sm. Entsprechend der um ein Vielfaches gewachsenen AWZ Frankreichs musste auch die Kontrolle ausgeweitet werden. Als dritter Punkt – in der Planungsphase noch von geringer Bedeutung – rückten auch asymmetrische Bedrohungen zum ersten Mal in den Fokus der Marine. In der vielbefahrenen Straße von Malakka setzte in den 1980er Jahren ein Wiederaufflammen der Piraterie ein. Als noch vor dem Baubeginn der Ostblock und die Sowjetunion – das über Jahrzehnte hinweg dominierende Bedrohungsszenario für alle europäischen Staaten – komplett zusammenbrach, sah sich die französische Marine in ihrer Strategie weiter bestätigt.

Für diese neuen Aufgaben war die französische Marine aber denkbar schlecht gerüstet. Einerseits verfügte Frankreich über eine umfangreiche Flotte von großen Fregatten und Zerstörern, welche zum einen für einen massiven Krieg gegen die Sowjetunion ausgerüstet waren und zum anderen auch zu teuer im Betrieb sind, um damit Patrouillenaufgaben durchzuführen, wo ihre hochtechnisierten Waffensysteme nicht gebraucht werden. Andererseits verfügte die französische Marine über 17 Korvetten der D’Estienne-D’Orves-Klasse, welche zwar wesentlich kleiner und günstiger im Betrieb sind, aber auch ihre Ausrüstung orientierte sich in erster Linie an einer Bedrohung durch die Sowjetunion. Außerdem war bereits Ende der 1980er Jahre das Nutzungsende dieser Klasse von Korvetten absehbar.

Dieser Bedarf an einem neuen Schiffstyp führte zunächst zur Entwicklung und Beschaffung von sechs Einheiten der Floréal-Klasse. Diese kaum 3000 Tonnen verdrängenden Schiffe waren aber im untersten Leistungsspektrum angesiedelt. Bewaffnet nur mit einem 10,0-cm-Geschütz und zwei Exocet-Seezielflugkörpern und komplett nach zivilen Standards gebaut, sind sie ausschließlich für Patrouillentätigkeiten in der AWZ und in den Überseegebieten geeignet.

Zwischen den hochtechnisierten Fregatten und Zerstörern einerseits und der Floréal-Klasse andererseits bestand jedoch nach wie vor eine Lücke. Für militärische Konflikte geringer Intensität oder aber im Kampf gegen gut bewaffnete irreguläre Verbände wäre es nach wie vor übertrieben, gleich die kostenintensiven und hochspezialisierten Fregatten einzusetzen, aber auf der anderen Seite können die Korvetten der Floréal-Klasse mit solchen Bedrohungen nicht fertigwerden. Wie der Beschuss eines israelischen Kriegsschiffes im Jahr 2006 durch die Hisbollah mit einem chinesischen Seezielflugkörper bewies, verfügen einige terroristische Organisation heute über hochtechnisierte Waffensysteme, welchen die Patrouillenschiffe der Floréal-Klasse nicht gewachsen sind.

Aus diesem Bedarf heraus wurde die La-Fayette-Klasse entwickelt. Mit einer Verdrängung von über 3000 Tonnen sind sie größer als die Floréal- und D’Estienne-D’Orves-Klassen und weltweit einsetzbar. Ihr Tarnkappendesign schützt sie vor frühzeitiger Entdeckung und ihre Bewaffnung ist so ausgelegt, dass sie auch in wesentlich komplexeren Szenarien bestehen können.

Geschichte Frankreich bestellte 1988 ein Los von drei Schiffen. 1990 konnte das endgültige Design präsentiert werden und noch im selben Jahr begann die Kiellegung bei DCN. 1992 konnte der Stapellauf des Typschiffs La Fayette erfolgen, welche schließlich 1996 in Dienst gestellt werden konnte. Im Jahre 1992 wurde außerdem der Auftrag über ein weiteres Los von drei Schiffen geordert, wovon das dritte Schiff aus Kostengründen sowie des allgemeinen Abrüstens in allen europäischen Staaten infolge des Endes des Kalten Krieges wieder gestrichen wurde. Somit wurde die fünfte und letzte Einheit im Dezember 2001 bei der französischen Marine in Dienst gestellt.

Während ihrer Dienstzeit wurden drei Fregatten, die Schiffe 1, 3 und 4 modernisiert, unter anderem mit dem Kingklip Mk2 Sonar. Aus Budgetgründen wurden nicht alle fünf Exemplare modernisiert. Auf Grund eines Mangels an Hochsee-Patrouillenbooten entschloss man sich 2024 die nicht modernisierten Schiffe 2 und 5 zu Patrouillenbooten umzuklassifizieren und weiter zu nutzen.French Navy to convert two La Fayette Frigates into patrol vessels. armyrecognition.com, 18. Oktober 2024.

Die Schiffe sind alle nach hochrangigen französischen Militärs benannt, welche sich durch ihr Handeln besonders ausgezeichnet haben: Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette, Robert Surcouf, Admiral Amédée-Anatole Courbet und Vizeadmiral Émile Guépratte.

40px Marine nationale – La-Fayette-Klasse Rumpfnummer Name Kiellegung Stapellauf IndienststellungF 710La Fayette15. Dezember 199013. Juni 199222. März 1996F 711Surcouf6. Juli 19923. Juli 19937. Februar 1997F 712Courbet15. September 199312. März 19941. April 1997F 713Aconit5. August 19968. Juni 19973. Juni 1999F 714Guépratte1. Oktober 19983. März 199927. Oktober 2001

Seit ihrer Indienststellung haben die Fregatten der La-Fayette-Klasse an verschiedenen Übungen und Einsätzen teilgenommen. So verlegte eine der Fregatten 1995 nach Abu Dhabi an die internationale Rüstungsmesse IDEX. 2004 erfolgte ein Einsatz im Rahmen von ONUCI und im Jahr 2005 nahm ein Schiff der La-Fayette-Klasse am NATO-Einsatz Enduring Freedom teil. Der jüngste Einsatz erfolgte im Rahmen von UNIFIL vor der Küste des Libanons.

Die Fregatten der La-Fayette-Klasse werden ab Mitte der 2020er Jahre durch solche der Amiral-Ronarc’h-Klasse ersetzt.

Technik Schiffshülle Bei 124,2 m Länge, einer Breite von 15,4 m und einem Tiefgang von 4,1 m haben die Fregatten der La-Fayette-Klasse eine maximale Verdrängung von 3600 t. Die Besatzung beträgt 141 Mann, es sind jedoch Unterbringungsmöglichkeiten für weitere Personen, wie zum Beispiel Spezialeinheiten, vorhanden.

Der gesamte Rumpf ist aus Schiffsbaustahl hergestellt. Die Aufbauten sind hingegen aus einer Sandwichkonstruktion aus Balsaholz und GFK gefertigt. Einige lebenswichtige Sektionen sind außerdem mit Kevlar gepanzert.

Antrieb Die Antriebsanlage ist als CODAD-Anlage (Combined Diesel and Diesel) ausgelegt. Vier schwingungsgedämpft gelagerte Schiffsdieselmotoren SEMT Pielstick PA6 V280 STC mit einer Gesamtleistung von 14,72 MW sorgen für den Vortrieb. Die Maschinenleistung wird anschließend über zwei Wellen mit fünfflügeligen Verstellpropellern ins Wasser übertragen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 25 kn. Die Maschinenräume sind so großzügig bemessen, dass bei Bedarf auch eine Umrüstung auf ein alternatives Antriebskonzept möglich wäre. In verschiedensten Marinen wird schon seit einiger Zeit über vollelektrische Antriebe nachgedacht, bisher sind solche jedoch nur bei wesentlich größeren Schiffen verwirklicht worden. Drei Dieselgeneratoren von je 750 kW Leistung versorgen die Schiffe mit elektrischer Energie. Antriebsanlage, Stromerzeugung, Stromverteilung und die Schiffsbetriebsanlagen werden zentral durch ein redundant ausgelegtes Integrated Platform Management System (IPMS) gesteuert. Außerdem ist ein Bugstrahlruder eingerüstet, um die Manövrierfähigkeit zu erhöhen.

Tarnkappentechnik Die La-Fayette-Klasse war die erste operationelle Tarnkappenschiffsklasse, die umfassend nach Tarnkappenprinzipien gebaut wurde. So ist zum Beispiel Sea Shadow bereits lange vor der La Fayette gebaut worden, aber es handelte sich bei der Sea Shadow ausschließlich um ein Erprobungsschiff. Die früher in Dienst gestellte Arleigh-Burke-Klasse wurde zwar ebenfalls auf eine geringe Radar- und später Wärmesignatur optimiert, jedoch wurde dies nicht so umfassend durchgeführt wie bei der La-Fayette-Klasse.

Ein Schiff, das nach Tarnkappenprinzipien gebaut ist, ist so konstruiert, dass es von Radarsystemen nur schwer zu orten ist. Das wichtigste dabei ist, die Radarrückstrahlung zu reduzieren. Hierfür wurde beim Bau der Schiffe auf alle zylindrischen Formen verzichtet und alle Außenwände mussten schräg gestellt werden. Außerdem wurden, wie bereits oben beschrieben, bei den Aufbauten spezielle Materialien verwendet. Einigen Sektionen der La Fayette wurden auch eine spezielle radarabsorbierende Beschichtung aufgetragen. Auch Raketenstarter, Geschütze, Beiboote etc. müssen entsprechend verkleidet und gegebenenfalls beschichtet werden. Diese Maßnahmen verleihen allen Tarnkappenschiffen wie der La Fayette ihr charakteristisches Aussehen.

Ein zweiter Punkt ist das Reduzieren der Wärmeabstrahlung, da diese von IR-Sensoren geortet werden kann. Das Hauptproblem sind hierbei die Abgase, die deshalb in einem komplizierten Verfahren mit Luft durchmischt und abgekühlt werden, bevor sie ausgestoßen werden.

Der Vorteil dieser Techniken besteht darin, dass die Schiffe schwerer und somit erst später vom Gegner geortet werden können. Nach der Ortung soll das Schiff für den Gegner nur als sehr kleines Objekt erkennbar sein, deutlich unterhalb der reellen Größe. Hierbei soll der Gegner denken, dass es sich um ein wesentlich ungefährlicheres Schiff handelt, als es in Wirklichkeit ist. Im Falle der La Fayette ist es so, dass die Tarnkappentechnik die Radarsignatur um etwa 60 % reduziert, womit eine Einheit der La-Fayette-Klasse auf die Größe eines großen Fischerbootes schrumpft. Da liegt es nahe, dass ein solches Schiff sich zum Beispiel unter einen Fischerverband mischt und auf der Radaranlage des Gegners dann für ein Fischerboot gehalten wird.

Nachteilig wirken sich diese Maßnahmen jedoch auf die Kosten aus. Außerdem wird zusätzlicher Platz benötigt, um die Durchmischung von Abgasen und ähnlichem unterzubringen.

Bewaffnung mini|Gut zu sehen sind das 10-cm-Geschütz am Bug, der Crotale-Starter am Heck und die Exocets mittschiffs

Entsprechend ihrem Auftrag, Patrouillenaufgaben zu übernehmen und in Konflikten geringer Intensität zu kämpfen, sind die Schiffe der La-Fayette-Klasse zwar umfangreich bewaffnet, aber auf einige als nicht nötig erachtete Systeme wurde verzichtet. So ist keine U-Jagdbewaffnung vorhanden, genauso wie auf die Fähigkeiten zur weiträumigen Luftabwehr und zum Landangriff verzichtet wurde.

Auf der Back befindet sich ein 10,0-cm-Schiffsgeschütz vom Typ Modèle 100 TR vom staatlichen französischen Rüstungskonzern Nexter. Hierbei handelt es sich um das neueste Modell einer Familie von 10-cm-Geschützen. Der komplett tarnkappengerecht verkleidete Turm wiegt inklusive 600 Schuss Munitionsvorrat etwa 22 Tonnen und wird komplett unbemannt betrieben. Die Kadenz liegt bei 78 Schuss pro Minute und die maximale Reichweite beträgt 17.000 Meter. Die effektive Reichweite liegt für Seeziele bei 12.000 Metern und bei Luftzielen bei 6.000 Metern. Die maximale Elevation beträgt 40°.

Mittschiffs sind hinter einer tarnkappengerechten Verkleidung zwei Vierfachstarter für Exocet-Seezielflugkörper eingerüstet.

150px|mini|Crotale-Starter

Am Heck auf dem Helikopterhangar ist ein Achtfachstarter für Crotale-Flugabwehrraketen eingerüstet. Während das Crotale-System mit einer maximalen Reichweite von 13 km den Nahbereich abdeckt, ist es für den Mittelstreckenbereich noch geplant, zwei Senkrechtstartanlagen, welche je acht Aster 15 fassen, einzubauen. Für das Aster-System gibt es zwischen dem Brückenaufbau und dem Geschütz ausreichend Platzreserven, eine Einrüstung erfolgte bisher aber nicht.

150px|mini|2,0-cm-Maschinenkanone F2