mini|hochkant|Bremer Stadtwappen 1562

Die Geschichte der Stadt Bremen umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Bremen von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie ist von der Hanse, vom Handel und der Seefahrt sowie vom Streben nach Selbständigkeit geprägt.

Name und Lage der Stadt Ortsnamen Der alexandrinische Geograph Claudius Ptolemaeus verzeichnete 150 n. Chr. in seiner Beschreibung Germaniens in der Nähe der Wesermündung einen Ort namens . Nach anderen Geografen und Kartografen deutete Matthäus Merian das in seiner Topographia Germaniae irrtümlich auf Bremen. Die Umrechnung der Ptolemäischen Georeferenzierung zeige laut Bill Thayer jedoch, dass das antike Fabiranum nordöstlich der Wesermündung (etwa nahe Bederkesa) zu lokalisieren wäre.Bill Thayer: The Geography of Claudius Ptolemy („Die Geographia des Claudius Ptolemäus“ als Tabelle auf Griechisch und Latein mit englischer Übersetzung), 2. Buch, 4. Karte – Germaniae magnae situs (Europae tabula quarta). In: penelope.uchicago.edu, abgerufen am 12. September 2018 (die Diskrepanz zwischen antiken und englischen Kapitelnummern liegt darin begründet, dass die bekannteste englische Übersetzung die Kapitel anders zählt als der griechische Originaltext).

Der spätere Name Bremen – lateinisch Brema – könnte soviel bedeuten wie „am Rande liegend“ (altsächsisch Bremo bedeutet „Rand“ bzw. „Umfassung“) und bezieht sich möglicherweise auf den Rand der Düne.Rudolf Stein: Romanische, gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen. S. 17.

Im 9. Jahrhundert wurde der Ort deutsch Bremen genannt, latinisiert zu Brema. 937 und auch danach stand in Urkunden der Name Bremun, was der Plural des Lokativs von brem ist. Brem bedeutete an den Rändern; ob an den Rändern des Flusses, der Düne oder der Gemarkung, muss offenbleiben.Herbert Schwarzwälder: Das große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, 2003, ISBN 3-86108-693-X.

Der Dünenrücken am rechten Weserufer war im heutigen Bereich des Bremer Doms zirka 10 Meter hoch, etwa 3 bis 4 Meter höher als das Ufer des Weserarms Balge. Die Siedlung auf dem Dünenrücken war deshalb vor den häufigeren Überschwemmungen des Bereiches an der Balge gesichert. Funde aus der Balge, vom Marktplatz und der Domdüne belegen Siedlungen aus der Zeit der Völkerwanderung. Nachdem sich eine Fährstelle an der unbesiedelten Tiefer (Tiefer = „Tie-vere“ = Fähre zum Tie, also zum Platz oder Thing) entwickelte, wurde die Siedlung auf der Düne in der karolingischen Zeit ein Dorf, das als Fähr- und Etappenort vom Durchgangsverkehr lebte, aber zunächst auch noch von der Viehlandwirtschaft.Erich Keyser: Die Entstehung von Bremen. In: Bremisches Jahrbuch Nr. 45. 1957.

Adam von Bremen schreibt noch im 11. Jahrhundert von Bremon und danach ist auch breman oder bremin als Name zu finden. 1013 wird aus der deutschen und der lateinischen Form in einer Urkunde der Name bremonensis. Aus den Endungen an, on, un, ae, ia oder nur a und e wurde bald die Endung en bevorzugt und somit das mittelhochdeutsche Bremen.Hugo Meyer: Der Name Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Band 1. Bremen 1863, S. 272–284.

Geländesituation Das ältere Bremen liegt auf einem von Nordwest nach Südost verlaufenden ca. 23 km langen Dünenzug, der von Bremen-Burg bis Mahndorf und bis zur Achimer Geest reicht und der beim Bremer Domshof eine Höhe von hat. Nördlich der Lesum schließt sich die Osterholzer Geest an, mit teilweise steilem Abhang zu Weser und Lesum, deren in Bremen-Nord gelegene Teile auch als Rekumer Geest, Vegesacker Geest und Bremer Schweiz bezeichnet werden. Weitere eiszeitliche Geestflächen erheben sich nur ganz gering über das Schwemmland der Flussniederungen, es sind die Huchtinger Geest mit einer maximalen Höhe am Hohen Horst von , eine sandig-kiesige Kuppe in Habenhausen mit und der Hexenberg bei Borgfeld. Zwischen diesen höheren Zonen befinden sich im so genannten Bremer Becken mit durchschnittlichen Höhen um (derzeitige durchschnittliche Höhe der Weser bei Bremen-Mitte) die Marschenlandschaft der Bremer Wesermarsch und der Weser-Aller-Aue, das Blockland, die Borgfelder Wümmeniederung und im Bereich Osterholz, Oberneuland und Borgfeld eine Wesersandterrasse.

Der Sand der Bremer Düne liegt auf Flusssedimenten. Aus 10.000 bis 11.000 Jahre alten Pollenfunden von der Schichtgrenze, also der Unterseite des Dünensandes, wird geschlossen, dass die Düne noch keine Zehntausend Jahre alt ist.

Ur- und Frühgeschichte Steinzeit und Bronzezeit Es gibt Hinweise, dass schon im Pleistozän, also vor und teilweise während der letzten großen Kaltzeiten, Menschen als Jäger und Sammler der Altsteinzeit ins Gebiet des heutigen Bremen gelangt sind. Die sesshafte Lebensweise jungsteinzeitlicher Bauern breitete sich in Norddeutschland deutlich später aus als in den südlicher gelegenen Lößgebieten. Stattdessen hielt sich noch eine mesolithische Lebensweise von Jägern und Sammlern mit hoch entwickelten Geräten.

Aufgrund der in den früheren Jahrtausenden unterschiedlichen Wasserhöhen der Weser und seiner Nebenflüsse konnten weitgehend nur auf den geestigen Gebieten steinzeitliche Funde nachgewiesen werden. Durch Weserbaggerfunde vor Bremen-Mitte und Blumenthal gibt es Steinwerkzeuge aus der mittleren Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum). Durch Lesefunde im Bremer Dünenzug sind mittelsteinzeitliche Schlagplätze, Kernbeile oder ein Scheibenbeil belegt. Einige Funde aus der Jungsteinzeit, der Kupfersteinzeit und der Bronzezeit belegen erste Besiedlungen aus dieser Zeit auf den etwas höher gelegenen Flächen von Bremen.Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Band 2: Bremen, Verden, Hoya. 1965, S. 22 ff.

Eisenzeit Um 650 v. Chr. verbreitet sich die Eisenzeit in den Norddeutschen Raum zwischen Weser, Elbe und westlichem Holstein. Funde aus der Jastorfkultur von etwa 600 v. Chr. bis zur Zeitenwende sind nachgewiesen. Die Verhältnisse von Wirtschaft und Kultur verändern sich stark. Um 250 v. Chr. dringen Sachsen in diesen Raum und vermischen sich mit den bereits ansässigen Chauken.

Chauken und Sachsen Im Gebiet um Bremen siedelte um die Zeitenwende der germanische Stamm der Chauken. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. ist die Bezeichnung Sachsen nachweisbar. Ob sich die Chauken teils den Sachsen und teils den Friesen angeschlossen haben, oder ob Chauken und Sachsen eventuell verschiedene Bezeichnungen für ein und dasselbe Volk waren, konnte bisher nicht geklärt werden. Zwischen dem ersten und dem achten Jahrhundert nach Christus entstanden an der Weser mit ihren verschiedenen Unterläufen erste Siedlungen, gelegen auf der 20–30 Kilometer langen Bremer Düne, die Schutz vor Hochwasser und gleichzeitig guten Zugang zu einer Furt über den Fluss bot.

Mittelalter Bischofsburg und Handelsplatz Erste urkundliche Erwähnung mini|hochkant|Bremer Roland von 1404 auf dem Marktplatz. Zu seinen Füßen der „Krüppel“ aus der Legende der Emma von Lesum

Während der mittelalterlichen Christianisierung Nordeuropas durch Karl den Großen wurde der Missionar und spätere Bischof Willehad 780 in die Weserregion geschickt. 782 erwähnt seine Lebensbeschreibung im Zusammenhang mit der Erschlagung eines Geistlichen mit Namen Gerwal den Ort Bremen zum ersten Mal. In der Vita Willehadi von 838 wurde dieses erwähnt mit dem Satz: „.“ Daraus entstand später die abgewandelte Bemerkung: „… hat man uns aus Bremen vertrieben und zwei Priester erschlagen …“.Vita Willehadi. Verfasser unbekannt; Im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen in Münster I, 228 (saec. XII) 787 wurde der Aufstand niedergeschlagen und Willehad zum ersten Bischof des Bistums Bremen ernannt. Die Stiftungsurkunde der Bistumsgründung von 788 als zweite Urkunde der Existenz Bremens entpuppte sich später als Fälschung.

Bremen war zu dieser Zeit noch ein sehr kleiner Ort, aber in verkehrsgünstiger Lage: Nahe der oberen Grenze des Tidenbereichs war es leicht vom Meer aus mit Schiffen zu erreichen. Von Süden gab es außer dem Wasserweg von Ober- und Mittelweser den Landweg aus Südosten auf dem von Verden aus zwischen die Niederungen von Weser und Wümme ragenden Dünenrücken. Aus Westen und Südwesten ragte die Syker Geest in die Weserniederung, so dass nur wenig Feuchtgebiet zu durchqueren war, um an den Hauptstrom der Weser zu gelangen. Wann und in welcher Form der Fährbetrieb zwischen der Tiefer (thie-veer, „Fähre zum Versammlungsplatz“) und dem linken Weserufer aufgenommen wurde, ist nicht überliefert.

Der erste Bremer Dom wurde aus Holz auf dem höchsten Punkt der Düne errichtet, wohl 789. Man weihte ihn auf den Namen des Apostels Petrus, dessen Attribut, der Schlüssel, zum Bremer Wappen geworden ist. 805 wurde das Bistum Bremen dem Erzbistum Köln unterstellt. Aufgrund der großen Entfernung hatten die Bremer Bischöfe aber relativ freie Hand. Noch im Dombezirk ließ Willehads Nachfolger Willerich südlich des Doms eine Kirche zu Ehren des inzwischen heiliggesprochenen Willehad errichten, die aber wenig später abbrannte. Willerich ließ 820 einen heiligen Hain fällen und aus dem Holz die zerstörte Kirche wiederherstellen und noch eine weitere bauen. Diese Pfarrkirche stand außerhalb des Dombezirks an der Stelle der heutigen Liebfrauenkirche und war Sankt Vitus geweiht.

Der Erzbischof von Hamburg, Ansgar, verlegte 848/849, nach der Plünderung Hamburgs durch die Normannen, seinen Sitz nach Bremen, wo der Bischofssitz gerade vakant war. Es entstand das Erzbistum Bremen. Nicht zuletzt wegen dieses Umzugs wird vermutet, dass der Bremer Dombezirk schon unter den Karolingern eine mit Wall und Graben gesicherte Domburg war. Neben Dom und Domkloster umfasste der Dombezirk das Palatium des Bischofs, die Häuser der Ministerialen und die leibeigener Bediensteter. Rechtlich blieb er bis zum Reichsdeputationshauptschluss bestehen.

Um 850 (andere Quellen um 858) wurde der erste Dom von dänischen Wikingern zerstört. Ansgar ließ danach einen steinernen Dom errichten.

915 wurde Bremen von Ungarn überfallen, die Kirchen niedergebrannt und die Einwohner verschleppt.

Markt- und Münzrecht Neben dem Dombezirk bestanden und gediehen zwei weitere Siedlungen. Dort wohnten Händler und Handwerker. Eine Ufersiedlung, das (lateinisch für ‚Vorstadt‘), lag an Hangseite der heutigen Langenstraße, auf der anderen Seite des Weges waren Schiffsländen, wo man die damaligen kleinen Schiffe aufs Ufer ziehen konnte. Um die Sankt-Veits-Kirche wuchs das (lateinisch für ‚Dorf‘).

888 erlangte Erzbischof Rimbert vom Kaiser Arnulf von Kärnten eine Bestätigung des Marktrechtes, dazu neu Münzrecht und Zollrecht. Die ältesten erhaltenen bremischen Münzen sind jedoch aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Der Markt war zunächst eine periodische Zusammenkunft der Händler. Über die genaue Lage der abgesteckten Marktfläche gibt es unterschiedliche Hypothesen. In den 1950er Jahren war man sich sicher, sie habe in der Nähe der heutigen Liebfrauenkirche gelegen. Inzwischen wurden aber archäologische Kenntnisse zum frühmittelalterlichen Landschaftsrelief gewonnen: in der unteren Hälfte des heutigen Marktplatzes war die Düne sehr flach, bot also keinen hochwassersicheren Baugrund, aber Platz für Marktbuden. Da auch das Ufer der Balge hier flach gewesen sein dürfte, ließen sich damalige Schiffe hier leicht aufs Land ziehen.

Otto I. stellte die Marktsiedlung 937 unter königlichen Schutz und übertrug seinen Grundbesitz in Bremen an den Erzbischof. Er erteilte ihr am 10. August 965 erneut das Markt-, Münz- und Zollrecht. In Bremen ansässigen Kaufleuten versicherte er den gleichen Schutz wie denen königlicher Städte. Drei Jahre später erhielt Bremen die Erlaubnis, jährlich zwei Märkte abzuhalten; einen acht Tage vor Pfingsten und einen Anfang November. Aus letzterem entwickelte sich der Bremer Freimarkt. mini|hochkant|St.-Petri-Dom

Der salische Dom Um 994 und 1020 wurde der Wall um die Domburg wegen zunehmender Bedrohung durch Wikingerüberfälle verstärkt. Ab 1032 wurde der Wall Stück für Stück durch eine Steinmauer ersetzt.