Mengen ist eine Stadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Die Stadt wird auch die Fuhrmannsstadt genannt.
Geographie Mengen liegt in der Region Oberschwaben an der Donau, deren Nebenflüsse Ablach und Ostrach bei Mengen in diese münden. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 4980 HektarGemarkungsfläche 49.797.513 m² (Stand 23. Dezember 2010).Angaben nach Sabine Reger, Hauptamtsleiterin der Stadt Mengen, vom 13. Januar 2011. Benachbarte Städte sind Sigmaringen im Westen und Bad Saulgau im Osten.
Nachbargemeinden Beginnend im Osten, grenzt Mengen im Uhrzeigersinn an die Gemeinden Herbertingen, Hohentengen, Ostrach, Krauchenwies, Sigmaringendorf, Scheer (alle Landkreis Sigmaringen) und Altheim (Landkreis Biberach).
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus der namengebenden Kernstadt (mit den Höfen Blank und Granheim und den Häusern Armbruster, Dillmannsches Sägewerk, Dinsersches Sägewerk, Kiesgrube Baumann, Rohnersche Fabrik, Schmölzsche Kunstmühle, Spitalmühle und Walke) und den Stadtteilen Beuren, Blochingen (mit dem Haus Elektrizitätswerk Mengen), Ennetach (mit Waldhof), Rosna und Rulfingen (mit dem Weiler Zielfingen und den Höfen Mühle und Ziegelhütte).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 795–882
Wappen Ortsteil Einwohner(Stand: 20. Dez. 2010) Fläche(Stand: 23. Dez. 2010) 30px|Mengen Mengen (Kernstadt) 5722 1643 ha 16.428.096 m² 30px|Beuren Beuren 267 351 ha 3.510.031 m² 30px|Blochingen Blochingen 902 755 ha 7.548.672 m² 30px|Ennetach Ennetach 1652 832 ha 8.323.239 m² 30px|Rosna Rosna 274 349 ha 3.486.242 m² 30px|Rulfingen Rulfingen 1131 1050 ha 10.501.233 m²
Schutzgebiete
In Mengen gibt es drei Naturschutzgebiete: Den Blochinger Sandwinkel und das Blochinger Ried sowie den Zielfinger Vogelsee.
Daneben hat Mengen Anteil an vier Landschaftsschutzgebieten, dem Mühlbachtal, dem Donau- und Schmeiental, dem Alten Friedhof und dem Missionsberg.
Zwei FFH-Gebiete liegen auf dem Mengener Stadtgebiet: Die Donau zwischen Riedlingen und Sigmaringen sowie die Riede und Gewässer bei Mengen und Pfullendorf. Auch das Vogelschutzgebiet Baggerseen Krauchenwies/Zielfingen liegt teilweise auf Mengener Gebiet.
Mengen gehört außerdem zum größten Teil zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|links|Mengen um 1900 mini|Rathaus der Stadt Mengen mini|Mengen und das Donautal mini|Hauptstraße Nr. 91 bis 105 in Mengen. Die Fachwerkhäuser Nr. 99, Nr. 101 (erbaut 1438) und Nr. 105 wurden mittlerweile abgebrochen. mini|Hauptstraße von Südwesten mini|Hauptstraße mit Martinskirche Vorgeschichte und Antike Das Gebiet um Mengen war schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit bewohnt. So fanden sich bei Mengen zwei spätbronzezeitliche Wagengräber mit vielen Metallartefakten. Römer bauten kurz nach Christi Geburt das Kastell Ennetach auf dem Ennetacher Berg, um einen Handelsweg zu schützen, der vom Mittelmeer zur Donau führte. 70 n. Chr. verlegten die Römer ihre jetzt überflüssige ältere Donaulinie des Raetischen Limes Richtung Schwäbische Alb und Neckar, siedelten aber bis etwa 260 weiter in Ennetach. Danach wurden sie durch die einfallenden Alemannen vertrieben. Diese siedelten sich in der Gegend an und gründeten viele Orte mit den Endungen „-ingen“, dabei auch Me-ingen.
Im Jahr 1876 wurde auf dem Gelände einer ehemaligen römischen Villa Rustica das bisher einzige in Oberschwaben erhaltene Farbmosaik der Römerzeit gefunden. Es zeigt in einem Medaillon das Haupt der Sagengestalt Medusa sowie Reste eines Flechtbandes, an dem sich ursprünglich weitere Medaillons anschlossen. Die übrigen Teile des Mosaikbodens sind nicht erhalten. Die Villa Rustica ist heute vollständig überbaut und nur wenig erforscht. Als „Medusa von Mengen“ bekannt, galt das Mosaikfragment seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Nach der Auffindung im Jahr 2002 im Landesmuseum Württemberg wurde es restauriert und war eine Zeit lang im Römermuseum Mengen-Ennetach zu sehen, ist aber nun wieder als Teil der Schausammlung Legendäre Meisterwerke im Landesmuseum in Stuttgart ausgestellt.
Mittelalter Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde das Gebiet, als Kaiser Ludwig der Fromme im Jahr 819 Gebiete an der Ablach dem Kloster Buchau vermachte. 1170 hielt sich Friedrich I. Barbarossa für einen Hoftag in der Stadt auf. 1257 ist zum ersten Mal ein freies Mengen („Vrie Mengen“) dokumentiert. Das neue, heutige Mengen wurde etwa zwischen 1150 und 1250 besiedelt und entstand neben dem alten Mengen (heute Ennetach). Das alte und das neue Mengen sind durch die Ablach getrennt. Daher wurde, um die beiden Orte zu unterscheiden, das alte Mengen „jenseits des Flusses“ (Ennet ach) genannt.
Am 4. März 1276 erlangt Mengen das Stadtrecht, ausgestellt in Augsburg durch König Rudolf von Habsburg. Seit 1434 hatte Mengen auch das Recht der Blutgerichtsbarkeit.
Mengen war 1276 bis 1805 als eine der sogenannten fünf Donaustädte (zusammen mit Waldsee, Munderkingen, Riedlingen und Saulgau) vorderösterreichisch.
Der Beiname „Fuhrmannsstadt“ erinnert daran, dass Mengen im Mittelalter wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt war.
Frühe Neuzeit Um den 18. Mai 1632 war Mengen während des Dreißigjährigen Kriegs von schwedischen Truppen hart bedrängt, aber nicht eingenommen worden. Die Einwohner hatten intensiv die Gottesmutter angerufen und schrieben dieser daher auch die Errettung der Stadt vor den angreifenden Soldaten zu, weswegen noch heute jährlich das Maifest in Mengen gefeiert wird.Karl Dehner: Chronik von Sigmaringendorf. Heft 1, S. 50.
Im Jahr 1774 gab es in Mengen insgesamt 23 Gastwirtschaften, davon brauten 21 ihr Bier selbst.Reinhard Rapp (rrm): Über früheres Wirtschaften in der Fuhrmannsstadt. In: Südkurier, 6. September 2014
Württembergische Zeit 1806 fiel Mengen im Frieden von Pressburg an das Königreich Württemberg. Es wurde dem Oberamt Saulgau zugeordnet.
Am 7. Oktober 1819 brach in Mengen ein Feuer in der Altstadt aus. Dem „Großen Brand von Mengen“, der mit vergleichbar einfachen Mitteln bekämpft wurde, fielen damals viele Gebäude zum Opfer.
In den Jahren von 1870 bis 1872 wurde Mengen an das Netz der Württembergischen Staatsbahn angeschlossen. 1895/1896 gab es dank einer eigenen Anlage in der Stadt die erste Elektrizität, 1900 erhielt Mengen fließendes Wasser.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Mengen 1938 zum Landkreis Bad Saulgau.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt nicht zerstört, weil ein amerikanischer Bomberverband mangels Jägerschutz seinen Angriff nicht fliegen konnte. Auf dem Flugplatz Mengen-Hohentengen wurde die Dornier Do 335, einer der schnellsten Jäger des Zweiten Weltkriegs, erprobt.
Nachkriegszeit 1945 wurde Mengen Teil der Französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1947 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Mengen hat sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten deutlich gewandelt. Zwar ist der mittelalterliche Stadtkern erhalten geblieben, aber es kamen viele neue Wohngebiete hinzu. Das Wachstum begann zuerst im östlichen Stadtrand bis zum Friedhof und setzte sich später weit darüber hinaus fort. Im Süden entstand eine Siedlung mit Hochhäusern. Auf beiden Seiten der Bahnlinie kamen Industrie- und Gewerbeflächen hinzu, ebenso am südwestlichen Rand von Mengen.
Eingemeindungen und neue Kreiszugehörigkeit Die Gebietsreform in Baden-Württemberg brachte auch für Mengen einige Veränderungen. Am 1. Juli 1972 wurde Ennetach nach Mengen eingemeindet. Die Eingemeindung von Beuren, Blochingen, Rosna und Rulfingen erfolgte am 1. Januar 1975. Bereits seit dem 1. Januar 1973 gehörte Mengen im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg zum Landkreis Sigmaringen.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl der Gesamtstadt Mengen hatte ihren historischen Höchststand am 31. Dezember 2005 mit 10.205 Einwohnern. Seitdem ist sie wieder rückläufig und seit 2009 unter die 10.000er-Marke gefallen. Prognosen sagen, dass die Einwohnerzahl bis 2030 auf 9660 fallen wird.Vera Romeu (vr): Verwaltung ist drittgrößter Arbeitgeber in Mengen. Bürgermeister Bubeck stellt aktuelle Zahlen vor – Der Stadtrat bringt in vielen Sitzungen die Großprojekte voran. In: Schwäbische Zeitung, 24. Dezember 2011
Jahr 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 9.486 9.901 10.111 10.205 9.886 9.869 9.876
Religionen Die Bevölkerung Mengens gehört überwiegend der römisch-katholischen Kirche an. Der evangelische Teil gehört über den Kirchenbezirk Biberach zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Stadtmission Mengen ist dem Süddeutschen Gemeinschaftsverband angeschlossen, einem freien Werk innerhalb der Evangelischen Landeskirche.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Mengen besteht derzeit aus 24 gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie dem Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigtem Vorsitzenden. Er wird nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, das den Ortsteilen von Mengen jeweils eine bestimmte Anzahl an Sitzen im Gemeinderat garantiert, wodurch sich die Gesamtzahl an Sitzen jedoch durch Ausgleichsmandate verändern kann. Die letzte Wahl am 9. Juni 2024 führte im Vergleich zur vorletzten Wahl 2019 bei einer Wahlbeteiligung von 58,7 % (+ 2,6 %p.) zu folgendem Ergebnis (mit Angabe der Veränderung zur Wahl 2019):
+ Gemeinderatswahl 2024 Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− CDU 57,5 % + 8,6 14 + 2 Freie Bürger 34,4 % − 1,5 8 ± 0 Grüne 8,1 % − 1,5 2 ± 0 SPD* – − 5,6 0 − 1Gesamt 100 % 24 * Die SPD ist 2024 nicht angetreten.
Darüber hinaus bestehen für die Ortsteile Beuren, Blochna, Ennetach, Rosna und Rulfingen jeweils eigene Ortschaftsräte.
Bürgermeister Am 6. Juli 2008 wurde Stefan Bubeck (CDU), damals Bürgermeister von Hettingen und Kreisrat, mit absoluter Mehrheit von 82,1 Prozent im ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Christian Lange erhielt 3,1 Prozent (149 Stimmen).Karlheinz Fahlbusch: Sieg für Stefan Bubeck. Bürgermeisterwahl in Mengen. In: Südkurier, 7. Juli 2008 Bubeck wurde am 20. Oktober 2008 vereidigt.Aufbruchstimmung in der Ablachstadt. In: Südkurier, 21. Oktober 2008 2016 wurde Bubeck wiedergewählt, seine Amtszeit endete am 5. Oktober 2024. Bei der Bürgermeisterwahl 2024 trat er nicht erneut an. Am 14. Juli 2024 wurde Philip Schwaiger (CDU), Bürgermeister von Sigmaringendorf, mit 98,5 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 1. November 2024 an.www.schwaebische.de
2000–2008: Christian Lange (FWV) 2008–2024: Stefan Bubeck (CDU) seit 2024: Philip Schwaiger (CDU)
Wappen
Städtepartnerschaften mini|Jumelage Mengen/Boulay Am 11. Juli 2026 konnte Mengen eine 60-jährige aktive Partnerschaft mit der französischen Stadt Boulay-Moselle feiern. Diese Städtepartnerschaft kam aufgrund der Vermittlung der Internationalen Bürgermeister-Union für deutsch-französische Verständigung und europäische Zusammenarbeit in den Jahren 1965 und 1966 zustande und wurde feierlich am 4./5. Juni 1966 in Mengen beurkundet.
Eine weitere Partnerstadt Mengens ist seit 2013 das kroatische Novska im Westen Slawoniens. Die Stadt hatte sich 2007 aufgrund einer Privatinitiative kroatischer Mitbürger erstmals an den „Spielen über Grenzen“ im Rahmen von Mengen-International beteiligt. Seit 2007 haben bereits mehrere gegenseitige Besuche stattgefunden. Aus den freundschaftlichen Beziehungen entstand eine Städtepartnerschaft. Am 1. Juli 2013, dem Tag des kroatischen EU-Beitritts, unterzeichneten die Bürgermeister Stefan Bubeck aus Mengen und Vlado Klasan aus Novska die Partnerschaftsurkunde.
Kultur und Sehenswürdigkeiten