Der Aston Martin DB4 ist ein Sportwagen des Automobilherstellers Aston Martin. Er war eine Neuentwicklung, die kaum Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängermodell DB 2/4 Mark III hatte. Der DB4 und die auf ihm basierenden Nachfolger DB5 und DB6 prägten das Bild der Marke Aston Martin bis zum Ende der 1960er-Jahre. Der DB4, dessen Karosserie Touring in Mailand entworfen hatte, galt als gelungene Synthese von britischer Technik und italienischem Stil. In der Literatur wird der DB4 als das Auto angesehen, das „den Gran Tourismo nach Großbritannien brachte.“Andrew Whyte: The Aston Martin and Lagonda. Volume 1: Six-cylinder DB models. Motor Racing Publications, London 1984, ISBN 0-900549-83-1, S. 95. Es gab verschiedene Karosserie- und Motorvarianten, die miteinander kombiniert werden konnten. Aston Martin leitete von dem DB4 mehrere besonders sportliche Versionen ab, darunter den DB4GT, der mit einer Werkskarosserie oder alternativ mit einem Aufbau von Zagato angeboten wurde.
Entstehungsgeschichte Das 1913 gegründete Unternehmen Aston Martin gehörte seit 1947 zu David Brown, einem britischen Nutzfahrzeughersteller. Zu dem Konzern gehörte außerdem der Sportwagenhersteller Lagonda. Zu Beginn der David-Brown-Ära wurden beide Marken zusammengeführt. Lagonda hatte zu dieser Zeit einen von Walter Owen Bentley konstruierten Reihensechszylindermotor im Angebot, der den veralteten Vierzylindermotoren Aston Martins deutlich überlegen war. David Brown setzte den Lagonda-Motor in den 1950er-Jahren als Standardtriebwerk der Aston-Martin-Modelle ein.Andrew Noakes: Faszination Aston Martin. Parragon, Bath 2006, ISBN 978-1-4054-7900-4, S. 30.Robert Coucher: Lagonda 3 Litre. Classic Cars Spezial 1994: Englische Oldtimer, S. 72. 1955 übernahm David Brown schließlich das in Newport Pagnell ansässige Karosseriebauunternehmen Salmsons & Sons, das seine Produkte unter dem Markennamen Tickford vertrieb und zuvor bereits Aufbauten für die Lagonda-Modelle 2.6 Litre und 3 Litre gefertigt hatte. Diese Übernahme ermöglichte es David Brown, die Aston-Martin-Produktion vom kleinen und veralteten Stammwerk in Feltham in größere Räumlichkeiten in Newport Pagnell zu verlegen.
In den 1950er-Jahren bot Aston Martin den Sportwagen DB2 an, der über die Jahre zum 2/4 Mark III weiterentwickelt wurde. Die Coupés und Cabriolets waren reine Zweisitzer. Seit 1955 arbeitete das Unternehmen unter der Leitung von John Wyer an einem größeren Nachfolger, der vier Personen Platz bieten und von einem neu konstruierten, größeren Motor angetrieben werden sollte. Verantwortlicher Chassiskonstrukteur war Harold Beach, die Entwicklung des Motors übernahm Tadek Marek. Das Ergebnis war der DB4, der im Oktober 1958 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde.Dieter Günther: Wachablösung. Aston Martin DB4, DB5 und DB6 in: Oldtimer Markt, Heft 11/1994, S. 212.Michael Schäfer: Vier gewinnt. Beschreibung des Aston Martin DB4 in: Oldtimer Markt, Heft 11/2008, S. 15.
Der DB4 war der erste Aston Martin, der in Newport Pagnell gefertigt wurde. Das Auto war bei seiner Präsentation nicht ausgereift. Zahlreiche Defekte vor allem im Bereich der Antriebstechnik machten in den folgenden Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung erforderlich, deren Ergebnisse schrittweise in die Serienfertigung übernommen wurden.Michael Schäfer: Vier gewinnt. Beschreibung des Aston Martin DB4 in: Oldtimer Markt, Heft 11/2008, S. 16. Mit Blick auf die einzelnen Entwicklungsschritte werden die Modelle des DB4 in der Literatur üblicherweise in fünf Serien eingeteilt, die aufeinander folgten, teilweise aber auch fließend ineinander übergingen. Das letzte Modell, der DB4 Series V, ist abgesehen von der Motorisierung seinerseits weitgehend baugleich mit der ersten Serie des Nachfolgemodells DB5.
Den DB4 gab es als Fließheckcoupé („Saloon“)Dieter Günther: Wachablösung. Aston Martin DB4, DB5 und DB6 in: Oldtimer Markt, Heft 11/1994, S. 217. und als Cabriolet („Convertible“) mit Stufenheck. Daneben fertigte Aston Martin auch einige Sonderversionen, die sich durch höhere Motorleistung, teilweise auch durch einen kürzeren Radstand auszeichneten. Das begehrteste Sondermodell ist heute der DB4 GT Zagato. Ein Einzelstück namens Jet wurde außerdem von Bertone eingekleidet. Vom DB4 ist auch die 1961 vorgestellte viertürige Limousine Lagonda Rapide abgeleitet.
Technik und Karosserie Motor mini|Tadek Mareks Sechszylindermotor in einem Aston Martin DB4 (Serie 4) Der Aston Martin DB4 wird von einem Reihensechszylinder-Ottomotor angetrieben, den Tadek Marek entworfen hatte. Anfänglich hatte es Überlegungen gegeben, den neuen Aston Martin mit einem Zwölfzylindermotor auszustatten, der unter der Bezeichnung Lagonda bei einigen Motorsportveranstaltungen eingesetzt worden war. Dieser Motor kam letztlich allerdings wegen seiner UnzuverlässigkeitJonathan Wood: Aston Martin DB4, DB5 and DB6: The Complete Story, The Crowood Press Ltd (3. August 2000), ISBN 978-1-86126-330-8, S. 33. nicht für eine Serienfertigung in Betracht. Es gab auch Ideen für einen V8-Motor, letztlich setzte sich aber das Reihensechszylinderkonzept durch.Jonathan Wood: Aston Martin DB4, DB5 and DB6: The Complete Story, The Crowood Press Ltd (3. August 2000), ISBN 978-1-86126-330-8, S. 45.
Der Motor für den DB4 wurde vollständig neu entwickelt. Anders als der Motor des DB2 war Mareks neue Konstruktion quadratisch ausgelegt: Bohrung und Hub betrugen jeweils 92 mm, bei einem Hubraum von 3670 cm³. Anfänglich hatten Marek und Wyer einen Motorblock aus Grauguss vorgesehen. Aston Martin gelang es jedoch in der Entwicklungsphase nicht, eine geeignete Gießerei zu finden.Andrew Whyte: The Aston Martin and Lagonda. Volume 1: Six-cylinder DB models. Motor Racing Publications, London 1984, ISBN 0-900549-83-1, S. 93.Michael Schäfer: Vier gewinnt. Beschreibung des Aston Martin DB4 in: Oldtimer Markt, Heft 11/2008, S. 12. Anfang 1956 entschieden sich Wyer und Marek deshalb für eine Neukonstruktion aus Aluminium. Dadurch wurde der neue Motor um 30 Prozent leichter als sein kleinerer, schwächerer Vorgänger. Die ersten Exemplare überhitzten leicht. Über ein vollsynchronisiertes Getriebe wurde die Kraft auf die starre Hinterachse übertragen. Serienmäßig installierte Aston Martin eine Einscheiben-Trockenkupplung. Für Sporteinsätze wurden bei einzelnen Exemplaren allerdings eine Zweischeiben-Trockenkupplung verwendet.Michael Schäfer: Vier gewinnt. Beschreibung des Aston Martin DB4 in: Oldtimer Markt, Heft 11/2008, S. 19.
Chassis und Karosserie Zunächst ließ Wyer Aston Martins eigenen Designer Frank Feeley eine Karosserie für das neue Modell entwerfen. Feeley gestaltete einen Aufbau mit hoher, nahezu senkrechter Frontpartie, niedrigem Dach und breiter C-Säule, der als sehr konservativ bzw. „altbacken“ empfunden wurde.Michael Schäfer: Vier gewinnt. Beschreibung des Aston Martin DB4 in: Oldtimer Markt, Heft 11/2008, S. 14.Jonathan Wood: Aston Martin DB4, DB5 and DB6: The Complete Story, The Crowood Press Ltd (3. August 2000), ISBN 978-1-86126-330-8, S. 36.Abbildung des Aston Martin DP 114 Aston Martin fertigte einen als DP 114 bezeichneten Prototyp nach Feeleys Vorlagen, das Management lehnte den Entwurf allerdings ab. Der DP 114 existiert noch; er wird heute von Zeit zu Zeit auf Ausstellungen gezeigt.Andrew Noakes: Faszination Aston Martin. Parragon, Bath 2006, ISBN 978-1-4054-7900-4, S: 58. Wyer beauftragte stattdessen die Mailänder Carrozzeria Touring, die bereits kurz zuvor drei Spyder auf der Basis des DB2/4 Mark II entworfen hatte,Jonathan Wood: Aston Martin DB4, DB5 and DB6: The Complete Story, The Crowood Press Ltd (3. August 2000), ISBN 978-1-86126-330-8, S. 39. mit der Erarbeitung einer neuen Karosserie. Touring konstruierte für den DB4 einen eigenen Superleggera-Aufbau, bei dem Aluminiumbleche über ein Stahlrohrskelett gezogen wurden, das fest mit dem Chassis verbunden war. Die Form gestalteten Federico Formenti und Bianchi Anderloni.Dieter Günther: Wachablösung. Aston Martin DB4, DB5 und DB6 in: Oldtimer Markt, Heft 11/1994, S. 213.Jonathan Wood: Aston Martin DB4, DB5 and DB6: The Complete Story, The Crowood Press Ltd (3. August 2000), ISBN 978-1-86126-330-8, S. 44. Die Linien blieben während des Produktionszeitraums abgesehen von Detailmodifikationen weitgehend unverändert; erst mit der Einführung der 5. Serie im Herbst 1962 wurde die Karosserie an der Front- und an der Dachpartie überarbeitet.
Die Superleggera-Struktur der Karosserie ließ sich nicht mit dem Kastenrahmen verbinden, den Harold Beach anfänglich für das neue Modell vorgesehen hatte. Stattdessen gab es für den Aufbau von Touring einen aus mehreren Teilen zusammengesetzten Plattformrahmen.
Die Vorderräder waren einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängt und mit einer Zahnstangenlenkung versehen. (englisch) Die schraubengefederte hintere Starrachse wurde an vier Lenkern längs und einem Wattgestänge quer geführt. An allen vier Rädern waren servounterstützte Scheibenbremsen eingebaut. Aston Martin bezog sie anfänglich von Dunlop, später von Girling.
Modelle DB4 Saloon miniatur|Aston Martin DB4 Serie III Das Standardmodell war der geschlossene Zweitürer DB4. Er wurde in fünf Serien gefertigt, die sich in Details voneinander unterschieden:Die nachfolgende Aufstellung folgt der Übersicht auf der Internetseite (abgerufen am 4. April 2016).
Serie 1 (Oktober 1958 bis Januar 1960; Chassisnummern 101 bis 249). Serie 2 (Februar 1960 bis April 1961; Chassisnummern 250 bis 600): Der Ölkreislauf wurde von 8,5 auf 9,6 und später auf 12 Liter vergrößert. Ein Ölkühler, ein Overdrive und elektrische Fensterheber wurden auf Wunsch und gegen Aufpreis lieferbar. Die Gestaltung der Fensterrahmen änderte sich. Serie 3 (April bis September 1961; Chassisnummern 601 bis 765): Sie ist erkennbar an neu gestalteten Rückleuchten, die nun aus drei Einzelleuchten bestanden und auf einem verchromten Halter ruhten. Serie 4 (September 1961 bis Oktober 1962; Chassisnummern 766 bis 950): Die Hutze auf der Motorhaube wurde verkleinert. Es gab erneut geänderte Rückleuchten und einen neuen Kühlergrill mit sieben Querstäben anstelle der bisherigen Waben. Serie 5 (Oktober 1962 bis Juni 1963; Chassisnummern 1001 bis 1215Die Chassisnummern 951 bis 1000 wurden für die Baureihe Vantage vergeben.): Die Frontpartie wurde neu gestaltet. Der Standard-DB4 erhielt zurückversetzte und mit Plexiglas verkleidete Scheinwerfer, die zuvor bereits am DB4 Vantage installiert waren. Die Dachlinie wurde erhöht; zudem gab es weiter ausgestellte Kotflügel hinten. Beides diente dazu, das Raumangebot im Fond zu erhöhen.
Der DB4 wurde anfänglich nur in Großbritannien verkauft, um Garantiefälle schnell und günstig beheben zu können. Als das Auto in Deutschland über den Düsseldorfer Importeur Peter LindnerDieter Günther: Wachablösung. Aston Martin DB4, DB5 und DB6 in: Oldtimer Markt, Heft 11/1994, S. 215. verfügbar war, kostete es 46.000 DM und damit 13.000 DM mehr als ein Mercedes-Benz 300 SL.Michael Schäfer: Vier gewinnt. Beschreibung des Aston Martin DB4 in: Oldtimer Markt, Heft 11/2008, S. 17.
DB4 Convertible miniatur|Aston Martin DB4 Convertible Serie V Zusammen mit der Einführung des Series IV-Saloon stellte Aston Martin im Herbst 1961 eine Cabrioletversion des DB4 vor, die als Convertible bezeichnet wurde. Die später für offene Aston Martins üblich gewordene Bezeichnung Volante, die sich auch in einigen Publikationen zum DB4 findet, verwendete das Werk bei diesem Modell noch nicht.Jonathan Wood: Aston Martin DB4, DB5 and DB6: The Complete Story, The Crowood Press Ltd (3. August 2000), ISBN 978-1-86126-330-8, S. 79.
Abgesehen von der Dachpartie glich das nicht von Touring, sondern von Harold Beach entworfene offene Modell stilistisch dem geschlossenen Modell. Als die Serie V eingeführt wurde, vollzog das Cabriolet die damit verbundenen stilistischen Änderungen an der Frontpartie nach.