Die Hoflößnitz ist das städtische Weingut in Radebeul (Stadtteil Oberlößnitz) an der Sächsischen Weinstraße. mini|Bildmitte: Die Hoflößnitz; Gutsanlage vom Bismarckturm aus (Links unten der große Bau der ehemaligen Winzerschule des Staatsweinguts) mini|Hoflößnitz und Weingarten Schlossberg, dahinter Elbtal und linksseitige Elbhöhen: Blick vom Eggersweg unterhalb des Bismarckturms aus mini|Das Berg- und Lusthaus, romantisierend auch Schloss Hoflößnitz

In kurfürstlich- und königlich-sächsischer Zeit war das Gut als ein Landsitz der sächsischen Linie der Wettiner fast 500 Jahre lang das Zentrum des höfischen sächsischen Weinbergsbesitzes. Heute ist es zum Sächsischen Weinbaumuseum Hoflößnitz mit Verkaufsstelle und Ausschank eigenen Weins ausgebaut worden. Das Weingut gehört zur Großlage Lößnitz, Einzellage Goldener Wagen.

Die Hoflößnitz mit Berg- und Lusthaus, Presshaus, Kavalierhaus und Weinpresse steht als denkmalpflegerische Sachgesamtheit (Ensembleschutz) unter Denkmalschutz. Darüber hinaus gilt die Frei- und Grünfläche um die Hoflößnitz als Werk der Landschafts- und Gartengestaltung innerhalb des Denkmalschutzgebiets Historische Weinberglandschaft Radebeul. Zur Hoflößnitz gehören auch das unterhalb und rechts des Aufgangs beziehungsweise der Toranlage gelegene Winzerhaus mit angebautem Backhaus sowie der links zum Grund hin gelegene ehemalige Holzhof, ebenfalls mit einem Winzerhaus.

Das Haupthaus der Weingutsanlage wird detailliert in Berg- und Lusthaus Hoflößnitz beschrieben. Die von dem niederländischen Maler Albert Eckhout stammenden 80 Vogel-Ölgemälde an der Decke des dortigen Festsaals sind in der Liste der Vogelgemälde von Albert Eckhout in der Hoflößnitz aufgeführt.

Die Hoflößnitz ist ein „einzigartiges Zeugnis des Weinanbaus im Elbtal und der höfischen Kultur- und Lebensweise in Sachsen vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, [das] Lusthaus mit bemerkenswerter Ausstattung, vor allem den barocken Malereien, [die] Anlage insgesamt von unvergleichlicher städtebaulicher, kunsthistorischer, kulturgeschichtlicher und landschaftsgestaltender Wirkung“.

Begriffsbestimmung Die hier dargestellten Informationen stellen die Hoflößnitz auf dreierlei Weise dar: als historischen Ort, als neuzeitliche städtische Einrichtung und als sächsisches Kulturdenkmal.

Auch wenn sich zur Zeit des Historismus die romantische Bezeichnung Schloss einbürgerte, so war die Hoflößnitz im eigentlichen Sinne ein, wenn auch kurfürstliches beziehungsweise königliches, Weingut. Das Berg- und Lusthaus, also das Weinbergsschlösschen, war weniger ein Landsitz als Dauerwohnsitz eines adligen Gutsbesitzers als eher ein Lusthaus für den Kurfürsten, wenn dieser auf der Hoflößnitz seine Weinfeste feierte oder auf dem Weg zur Jagd dort einkehrte. Das historistisch so benannte Kavalierhaus war als Bergverwalterhaus der eigentliche Verwaltungsmittelpunkt der täglichen Arbeit des einen der beiden für den ganzen sächsischen Weinbau zuständigen Bergverwalter, dem ein Bergvogt sowie Oberwinzer und Winzer mit allen ihren Hilfskräften unterstanden. Der Bergvogt wohnte im unterhalb gelegenen Holzhof.

Benennung mini|Gesüdete Darstellung bei Oeder 1607, Tafel IX, Ausschnitt Lößnitz Der wohl vom altsorbischen lěsnica (Waldbach) abgeleitete Name bezeichnete den 6,7 Kilometer langen Lößnitzbach gleich westlich der späteren Hoflößnitz. Dieser fließt durch die heute Lößnitzgrund genannte Bergschlucht, die die nördlich des Angers von Kötzschenbroda liegende, 1271 als Kötzschbergisches Weingebirge erwähnte Weinbergsflur im Westen von den östlich gelegenen Weinbergen der Dörfer Serkowitz und Alt-Radebeul trennte. 1286 wurde in einer Lehnsurkunde des Meißner Bischofs für das Dresdner Maternihospital erstmals der zu Kötzschenbroda gehörende Weinberg Lezenitzberg erwähnt.

In der Ersten Kursächsischen Landesaufnahme bezeichnete der Landvermesser Matthias Oeder 1607 die Weinberge um den Lezenitzberg .Matthias Oeder: Die erste Landesvermessung des Kurstaates Sachsen Auf Befehl Des Kurfürsten Christian I. ausgeführt von Matthias Oeder (1586–1607). Zum 800Jährigen Regierungs-Jubiläum Des Hauses Wettin. Tafel 9. Stengel & Markert, Dresden 1889. (Online-Version). Die Bezeichnung galt später für die gesamte Weinbergsflur, innerhalb derer die kurfürstliche Hoflößnitz oberhalb von Serkowitz lag, die Christian Gerber 1717 erwähnte:

Hoflößnitz als historischer Ort Mit der Übernahme dreier Weinbergsteile und einer Weinpresse im Jahr 1401 gründeten die herrschenden Wettiner dort das Zentrum des höfischen sächsischen Weinbaus. Auf den zum Gut gehörenden Weinbergen wohnten Winzer mit ihren Hilfsarbeitern und ihren Familien. Das kurfürstliche Weingut gehörte nicht zur Kommune, auf deren Flur es lag, sondern unterstand unmittelbar dem Amt Dresden., abgerufen am 30. Dezember 2012. Die Hoflößnitz war in die Kirche zu Kötzschenbroda gepfarrt, die älteste Parochie der Gegend. Wenn Kurfürst Johann Georg I. auf der Hoflößnitz weilte, war der Kötzschenbrodaer Pfarrer Augustin Prescher für ihn zuständig.Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Band 1, Dresden 1874, S. 76–77. Abgerufen am 30. Dezember 2012. Im Staatslexikon von 1817 ist Hoflößnitz als eigener Ort mit 131 Einwohnern aufgeführt., abgerufen am 30. Dezember 2012 1836, zwei Jahre nach der Umwandlung des königlichen Weinguts in eine Staatsdomäne, als für den Niederlößnitzer Weinbergsverein der Schulbezirk Niederlößnitz-Lindenau geschaffen wurde, waren in der neugebauten Volksschule in Niederlößnitz fünf Kinder aus Hoflößnitz eingeschult. Obwohl die umgebende Oberlößnitz bereits 1839 als Kommune gegründet worden war, dauerte es bis 1875, bis die Hoflößnitz auch Bestandteil dieser Landgemeinde wurde., abgerufen am 30. Dezember 2012.

mini|hochkant|Ausstellungsraum

Hoflößnitz als heutige städtische Einrichtung Die heutige städtische Einrichtung wird durch die Stiftung Weingutmuseum Hoflössnitz getragen, in der neben der Stadt als Hauptstifter der 1992 gegründete Förderverein Kulturlandschaft Hoflößnitz bürgerlicher Mitstifter ist. Die Stiftung arbeitete im Jahr 2011 mit fünf festen Mitarbeitern.Stadtverwaltung Radebeul: Stadtkämmerei: Beteiligungsbericht der Großen Kreisstadt Radebeul: Geschäftsjahr 2011. (PDF; 2,7 MB) Stand: Dezember 2012, abgerufen am 5. Februar 2013, S. 83–88. Neben der Stiftung verfolgt eine GmbH die kommerziellen Interessen der Hoflößnitz. Diese Weingut und Weinstube Hoflößnitz Betriebsgesellschaft mbH hatte 2011 laut Beteiligungsbericht 7,5 Mitarbeiter.Stadtverwaltung Radebeul: Stadtkämmerei: Beteiligungsbericht der Großen Kreisstadt Radebeul: Geschäftsjahr 2011. (PDF; 2,7 MB) Stand: Dezember 2012, abgerufen am 5. Februar 2013, S. 60–68.

In der öffentlichen Wahrnehmung besteht die Hoflößnitz insbesondere aus den beiden Einrichtungen Weingut Hoflößnitz und Sächsisches Weinbaumuseum Hoflößnitz. Dazu kommen noch die Weinterrasse sowie ein Gästehaus.

Der Besitz der heutigen Hoflößnitz umfasst hauptsächlich das Bauwerksensemble mit seiner historischen Ausstattung sowie den südöstlich gelegenen Schlossberg. Dazu kommen weitere gepachtete Weinbergsflächen.

In Zusammenarbeit mit dem Radebeuler Standesamt werden im Festsaal der Hoflößnitz auch Trauungen durchgeführt.

Hoflößnitz als sächsisches Kulturdenkmal Die denkmalpflegerische Sachgesamtheit der Hoflößnitz geht weit über die Grenzen des städtischen Weinguts hinaus: Zur Weinbergslandschaft der Hoflößnitz als denkmalgeschütztes Werk der Landschafts- und Gartengestaltung gehören auch mehrere Steillagen-Weinberge im Norden, von denen beispielsweise der nordwestlich gelegene Goldene Wagen als Staatsweinberg zum Schloss Wackerbarth gehört. Durch die nördlichen Steillagen führt die Spitzhaustreppe, die das hoch oben auf der Hangkante gelegene historische Außengebäude, das Spitzhaus, mit dem Gutshof verbindet. Südwestlich und unterhalb der eigentlichen Hoflößnitz stehen, mit einer weiteren Treppe verbunden, ein Winzerhaus mit Backhaus und der ehemalige Holzhof.

Geschichte des Weinguts Gründungsdatum Die Gründung der Hoflößnitz wird seit 1904, nach einem Artikel des Archivars und Historikers Hans Beschorner in den Dresdner Geschichtsblättern,Hans Beschorner: Die Hoflößnitz bei Dresden. In: Dresdner Geschichtsblätter. 13, 1904, S. 9–226, S. 239–247, hier: S. 209 f. auf den 8. Mai 1401 datiert.

Beschorner bezog sich dabei auf die Original-Urkunde Nr. 5170 im Sächsischen Hauptstaatsarchiv und behauptete: Diesem Kaufvertrag nach zwischen Markgraf Wilhelm und Friedemann Küchenmeister erwarb der Markgraf während der Dohnaischen Fehde von deren Vasallen, den Küch(en)meistern, unter Umgehung der Lehnsherrlichkeit das Presshaus nebst dreier umliegender Weinberge für eine Kaufsumme von 1660 Schock Meißner Groschen (entsprechend 4980 Rheinischen Gulden). In: H. A. Mascher: Die Grundsteuer-Regelung in Preußen auf Grund der Gesetze vom 21. Mai 1861. Döring, 1862. Online-Fassung

Beschorners Argumentationskette, dass die Küchenmeister Lehnsleute der Burggrafen von Dohna gewesen seien und dass diese Oberlehnsherrschaft über irgendwelche Weinberge im Flurgebiet von Kötzschenbroda gehabt hätten, lehnte der Historiker Mike Huth 2001 in 600 Jahre Hoflößnitz ab.Mike Huth: Die historische Quellenüberlieferung zum Weingut Hoflößnitz. In: Die von Beschorner für seinen Schluss herangezogene Urkunde Nr. 635 von um 1373 aus dem Urkundenbuch des Hochstifts Meißen belege zwar die Lehnsträgerschaft der Dohnaer unter dem Bischof von Meißen. Die Urkunde von 1401 belege jedoch nicht die Oberlehnsherrschaft über die betreffenden Weinberge, die als Zubehörungen aufgeführt waren.

Richtig sei vielmehr, dass der Urkunde von 1401 nach Markgraf Wilhelm von Friedemann Küchenmeister für eine Kaufsumme von 1660 Schock Meißner Groschen „das Dorf Kötzschenbroda mit Äckern, Wiesen, Diensten, Pflichten, Weingärten, geistlichen und weltlichen Lehen und allen seinen Zubehörungen in Feld und Dorf“ kaufte, das damit später zum Amt Dresden gehörte. Weiter bezweifelt Huth, dass die genannten drei Weinberge der späteren Hoflößnitz Bestandteil dieses Kaufvertrags gewesen sein können, da diese östlich des Lößnitzbachs auf Serkowitzer Flur lagen, während der Kaufvertrag von 1401 sich auf Kötzschenbrodaer Flur auf der Westseite des Lößnitzbachs beziehe. Auch der im Zusammenhang mit dem Besitz des späteren Hauses Reinhardtsberg genannte Lezenitzberg als Namensgeber der Lößnitz liegt im Westteil der Lößnitz auf ehemals Kötzschenbrodaer Flur, heute Niederlößnitz.

Die Lehnsherrschaft des Meißner Markgrafen auf der Westseite des Lößnitzgrunds, also dem sogenannten Kötzschbergischen Weingebirge, wird urkundlich 1409 festgehalten.

Beschorner behaupte, dass 1401 die drei „Preßteile“ mit der Weinpresse bereits vorhanden waren, was Huth aufgrund fehlender Quellenlage aus jener Zeit jedoch bestreitet. Nach ihm würden erst in einem Bericht von 1548 „drei Preßteile“ der Hoflößnitz erwähnt, nämlich die „Ober-, Mittel- und Nider-Lesenitz“ sowie zusätzlich die „Sandleitte in der Lesenitz“, die später Bestandteil von Neufriedstein war, also in Niederlößnitz, ehemals Kötzschenbrodaer Flur lag. Dagegen gehörten die „Kurberge der Ober, Mittel und Nieder Leßnitz“ zur Serkowitzer Flur.

Huth zieht die Schlussfolgerung, dass das Datum des 8. Mai 1401 zwar den Beginn des wettinischen Besitzes von Weinbergen in einer der Lößnitzortschaften bedeute, es sich aber urkundlich nicht nachweisen lasse, dass damit auch das Presshaus mit den drei nahebeiliegenden Weinbergen der späteren Hoflößnitz urkundlich zu belegen sei.

Wettinisches Hofweingut mini|Hoflößnitz um 1620, Zeichnung des Weinmeisters Nicolaus Hofmeister (noch vor dem Bau des Berg- und Lusthauses) mini|Ansicht Weinberge in der Lößnitz mit Weingut. Johann Paul Knohll: Klein Vinicultur-Büchlein. Frontispiz, 1667. (Der Wendelstein noch in Fachwerk)