mini|Aufgenähtes Logo auf einem Klepper-Faltboot der 1960er-Jahre mini|Ein Klepper-Faltboot Aerius Quattro Die Klepper Faltbootwerft ist der älteste Faltboot-Hersteller der Welt. Die Werft produziert seit 1907 und trägt den Namen ihres Gründers Johann Klepper. Firmensitz ist das oberbayerische Rosenheim. Seit 1907 hat Klepper weltweit über 250.000 Faltboote verkauft.Klepper-Aktie im vorbörslichen Handel. In: Bankkaufmann.com. Abgerufen am 31. August 2015. Die Aktien des Unternehmens werden an der Börse Berlin gehandelt.
Geschichte 1907–1945: Beginn und erste Blütezeit Johann Klepper war einer der ersten, der in Deutschland moderne Faltkajaks produzierte. 1907 erwarb er von Alfred Heurich die Exklusivlizenz für die Produktion von Heurichs Faltbootkonstruktion und begann auf dem Dachboden der elterlichen Schneiderei mit der Serienproduktion von Booten. 1919 gründete er zusammen mit Karl Stich die Johann Klepper & Co. GmbH. Neben den Faltbooten, die von der Bevölkerung wegen ihres Aussehens auch gern Hadernkahn, Lumpenboot, Plünnen- oder Lumpenkreuzer genannt wurden, produzierte Klepper auch eine Anzahl anderer gummierter Artikel wie Gummischuhe und die Klepper-Mäntel, die er aus einem 1926 entwickelten, mit Gummi imprägnierten Stoff fertigte.
1920 wurde die absolut wasserdichte Haut aus gummiertem Gewebe eingeführt. Das Durchvulkanisieren des verwendeten Naturkautschuks gelang mit roter Farbe angeblich am besten, deshalb waren die Häute in den Anfangsjahren meist rot (mit beigefarbenem Verdeck). Später war die Haut auch schwarz, mit meist rotem Verdeck, oder blau („Blauwal“), bis mit Einführung des T5 (1935) die silberfarbene Haut (mit meist blauem Verdeck) zum jahrzehntelang verwendeten Standard wurde.
Karl Schott war einer der ersten, der mit einem Faltboot von Klepper große Fahrten unternahm. 1923 und 1925 fuhr er mit einem Zweier bis nach Kleinasien und Ägypten. 1928 gelang Kapitän Franz Romer mit einer Faltbootsonderkonstruktion von Klepper eine Atlantiküberquerung in 90 Tagen. Das Faltboot war 6,4 m lang und 1 m breit. Auf der Weiterfahrt aus der Karibik nach New York City geriet Romer allerdings in einen Hurrikan und blieb verschollen.
Als Hans Klepper das Unternehmen 1929 von seinem Vater übernahm, produzierte das Unternehmen täglich bis zu 90 Boote und 1000 Regenmäntel. Es war mit 3000 Angestellten Rosenheims größter Arbeitgeber und dominierte den Faltbootmarkt. Nach einer Statistik des Zollamts Engelhartszell an der Donau passierten 1930 die deutsch-österreichische Grenze 2054 Faltboote, wovon 1017 von Klepper waren. Bis 1936 hatte das Unternehmen über 90.000 Faltboote verkauft.„Der Hadernkahn“, von Ursula und Christian Altenhofer, 3. Auflage 1997, S. 177 Bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin fanden erstmals auch zwei Faltboot-Wettbewerbe statt, und die jeweils drei ersten Plätze wurden mit Klepper-Faltbooten gewonnen.FBB Klepper Super T6 (1938). In: faltbootbasteln.de. Abgerufen am 26. Juni 2014.
1933 wurden stabilisierende Bordwände eingeführt, die die Anzahl der Senten stark reduzierten, Diagonalstäbe überflüssig machten und ein Durchbiegen des Gerüstes verhinderten. Seit der 1935 herausgebrachten „T5-Serie“ veränderte sich die Form des Gerüsts bei Klepper nicht mehr wesentlich. 1936 kamen mit der „T6-“ und „Super T6-Serie“ die bis heute leichtesten Faltboote mit einem Holzgerüst auf den Markt. Das Holzgerüst des 550 cm langen Sportzweier wog 18 kg inklusive Sitze und Lehnen (zum Vergleich: das Holzgerüst (mit Sitzen und Lehnen) des aktuellen Aerius 545 wiegt 23 kg).Gewichtsangaben Holz-Carbongerüst vom Klepper Aerius II. Faltbootforum. Abgerufen am 16. Januar 2016. So wog der 4,50 m lange Sporteiner insgesamt nur gut 20 kg, der 5,50 m lange Sportzweier 26,7 kg. Möglich war dies durch sehr aufwendige Tischlerarbeiten mit unterschiedlichen Holzstärken wie Doppel-T-Trägern bei den Spanten. Auf der EXPO 1937 in Paris erhielt Klepper dafür einen Grand Prix.
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus warben die Klepper-Werke noch mit dem Slogan „Fahre fröhlich in die weite Welt mit Klepperboot und Klepperzelt“. Doch die weitere Entwicklung in Deutschland machte auch vor dem Rosenheimer Unternehmen nicht halt, so endete nach Kriegsbeginn 1939 mit der Zivil- auch die Faltbootproduktion. Weiter hergestellt wurde dagegen die aus Sicht des NS-Regimes kriegswichtige Kleidung. Neben Wehrmacht und Reichsbahn trug auch die Gestapo Mäntel von Klepper, was diesen im Volksmund die Bezeichnung „Gestapo-Mantel“ einbrachte. Bei einem Luftangriff am 18. April 1945 wurden die Klepperwerke schwer beschädigt.Johann Klepper und die Klepperwerke. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 12. Juli 2013.
1945–1978: Erfolgreicher Neuanfang und zurückgehende Nachfrage mini|Klepper-Kleidung dominiert das Kieler Bekleidungshaus Sportmüller (1963) mini|Klepper Aerius von 1968 auf der Ardèche 1949 starb der Gründer Johann Klepper im Alter von 80 Jahren. 1950 kam der bis heute erhältliche Aerius auf den Markt, der ein neuartiges Steck- und Schnappsystem sowie erstmals Luftschläuche besaß, die einen Aufbau deutlich erleichterten.Typen. In: faltboot.org, abgerufen am 20. Dezember 2013 Heutzutage sind fast alle Faltboote nach dem Aerius-Prinzip mit seitlichen Luftschläuchen ausgestattet. Mit einem serienmäßigen Aerius 520 gelang dem Arzt Hannes Lindemann 1956 eine Atlantiküberquerung in 72 Tagen. Bis heute hält Lindemann den Rekord, mit dem kleinsten Boot den Atlantik überquert zu haben. Sein Faltboot ist im Deutschen Museum in München ausgestellt.Stichtag. In: WDR. Abgerufen am 27. Dezember 2013
In den 1950er Jahren arbeiten über 1000 Menschen bei Klepper, unter ihnen viele junge Bootsbauer, die später eigene Unternehmen gründeten, wie der Schneidermeister Walter Langer die Firma Langer für textiles Kanuzubehör, Karl Brenner und Franz Wimmer in der Tischlerei, die 1961 die Firma BREWI gründen und Kajaks aus GFK bauten, sowie von 1957 bis 1961 Toni Prijon in der Bootsentwicklung, der ebenfalls mit dem Material GFK experimentierte und 1959 auch Weltmeister im Einer-Kajak im Wildwasser wurde.Magazin Kanu, Ausgabe 1/2018, S. 66 und 67 Es entstanden zu jener Zeit die Wildwasserkajaks Slalom 58 und Slalom 59 sowie T 66 und T 67, die schon den späteren Kunststoffkajaks ähnelten, sowie überhaupt Anfang der 1960er Jahre die ersten Kunststoffboote bei Klepper: SL, Quirl T und Quirl R. Später kasm dann auch der „Spider“, ein Lizenznachbau der Firma Klaus Lettmann, welcher zum erfolgreichsten Modell der Wildwasser-Abfahrt der WM 1967 wurde.. In: Lettmann GmbH. Abgerufen am 31. August 2015 Bis 1961 wurden noch alle Weltmeistertitel im Wildwasser-Slalom im Klepper „Slalom 59“ gewonnen, doch bereits 1963 kamen zum letzten Mal bei einer Kanu-WM, Faltboote zum Einsatz.
1959 wurden der Toureneiner T 9 von Klepper auf den Markt gebracht, ein Faltboot, mit einem mittlerweile legendären Ruf. Herbert Rittlinger nannte es das „Non-plus-Ultra eines wirklich universellen Wandereiners“Klepper T9. In: faltboot.org. Abgerufen am 5. Juli 2015 und das Kanu-Magazin urteilte 2004: „Eines der besten Boote, das je im traditionellen Faltbootriss gebaut wurde. “Der T 9 ist sehr schnell zu fahren, kursstabil und zugleich wendig und eignet sich für leichtes Wildwasser ebenso wie als Seekajak. Das Boot besitzt keine Luftschläuche und wurde bis zur Gesamtproduktionseinstellung Ende der 1970er Jahre gebaut.Hartmut Henkel: Klepper T9. In: Der Plünnenkreuzer. Abgerufen am 11. Oktober 2025. 1961 unterhielt Klepper 13 eigene Läden in westdeutschen Großstädten – Prospekt der Klepper Faltbootwerft mit 130 Seiten, abgerufen am 28. Februar 2017, die Bekleidungssparte trug 1965 etwa mit einem Drittel zum Gesamtumsatz bei und es wurden 6000 Faltboote und Kunststoffkajaks produziert (das waren 90 % der Faltboot- und 80 % der Gesamtkajakverkäufe in Westdeutschland).Klepper setzt auf sportliche Bekleidung. In: Hamburger Abendblatt. Abgerufen am 1. September 2015 Seit Ende der 1950er Jahre baute Klepper auch faltbare Jollen (Master, Passat), die Mitte der 1960er Jahre durch eine Vielzahl von Festrumpf-Jollen (Capitano, Maat, Youngster usw.) wie durch ein Motorschlauchboot (Kontiki) ergänzt wurden.Sonstige Klepper-Boote. In: faltbootbasteln.de. Abgerufen am 1. September 2015 Auch ein Zeltanhänger (Piroschka) wurde ins Programm genommen.Piroschka Treffen. In: Raumteiler24. Abgerufen am 1. September 2015 Ab 1969 wurde dann die FAM aus GFK und ab 1975 auch die Monas angeboten.Verkaufsprospekt Klepper Monas. In: MONAS Klassenvereinigung e. V. Abgerufen am 31. August 2015 Hinzu kamen bis 1988 Surfbretter.Surf Museum. In: Surf-Forum.com. Abgerufen am 1. September 2015 In den 1960er Jahren baute Klepper (wie zuvor schon Pionier) ein Zweier-Faltboot für das Warenhaus Kaufhof, welches dieses unter der Marke Hellas anbot. Mittlerweile war Klepper längst zu einer, nach heutigem Sprachgebrauch, Outdoor-Ladenkette geworden. Neben (wetterfester) Kleidung wurden beispielsweise Luftmatratzen, Schlafsäcke, Campingmöbel, Schlauchboote (mit Motor), Kocher, Bücher und eine Vielzahl (großer) Zelte angeboten. Faltkajaks machten bereits im Katalogteil (und ohne Bekleidung!) des sogenannten Klepper-Buches von 1961 nur noch 14 von insgesamt 42 Seiten aus.
1970 wurde für die Faltboote mit Seitenluftschläuchen (Aerius, Master, Passat) bei der Bootshaut von Naturkautschuk zum Kunstkautschuk (Hypalon mit Trägergewebe Trevira) gewechselt. Die neue Haut in grauer Farbe war leichter und reißfester und alterte deutlich weniger schnell bei Sonnenlicht. Die Boote ohne Seitenluftschläuche behielten die bisherige fünffache Gummihaut (die sogenannte Silberhaut) mit dem Trägergewebe aus Leinen oder Hanf aufgrund ihrer höheren Elastizität, die bei Faltbooten ohne Seitenluftschläuche notwendig ist.Geschichte zur Bootshaut bei Klepper. In: faltboot.org. Abgerufen am 26. August 2015 Im Gegenzug verlor das Aerius-Gerüst ab 1976 die gewichtsreduzierenden Maßnahmen (Aussparungen an den Steven und geschlitzte Bodenleiter). Auch der Wegfall der sogenannten Entlastungsnaht bei der Haut, nur wenig später, war der immer notwendiger werdenden Rationalisierung geschuldet.Geschichte Aerius 520. In: faltboot.org. Abgerufen am 19. November 2016
1967 starb Hans Klepper und dessen Sohn Hans-Jürgen übernahm das Unternehmen, das er erst in eine GmbH & Co KG umwandelte und 1972 an Herbert Michalke verkaufte.. In: Klepper Faltbootwerft Aktiengesellschaft. Abgerufen am 27. Dezember 2013 Ein Jahr später wurde das Unternehmen in die Klepper Bootsbau KG und die Klepper Bekleidungsfabrik KG geteilt. Heutzutage produziert die Klepper Faltbootwerft AG nur noch Faltkajaks und ein Modell des Klepper-Zelts. 1978 brachte die Werft mit dem „K3“ das erste PE-Kajak Europas auf den Markt. Es ist so gut wie unzerstörbar und war für die damalige Zeit eine Sensation.. In: Kanuschule Noris. Abgerufen am 2. September 2015 Am Ende desselben Jahres stellte Klepper die Produktion der Faltboote ein. Noch im test-Heft April 1979 erhielt der „Aerius 2“ von der Stiftung Warentest das Urteil: gut und war damit Testsieger vor „Metzeler Robinson 500“ und „Pouch RZ 85-3“. 1980 wurde auch die Produktion der Segelboote eingestellt und Klepper war nur noch als Lizenzgeber.Historie der Monas-Klassenvereinigung. In: monas-klassenvereinigung.de. Das Unternehmen vertrieb dann noch einige Zeit weiter Festrumpfboote und Surfbretter und wurde 1997 endgültig geschlossen.
Seit 1981: Klepper Faltbootwerft H.S. Walther GmbH und Klepper Faltbootwerft AG mini|Klepper Alu-Lite 400 (Baujahr 2006) mini|Ein Aerius 545 im Militäreinsatz