Kölsches Heck oder Landhecke ist eine historische, nur noch in Teilen bestehende Landwehr an der historisch-kulturellen Grenze zwischen dem Siegerland im Süden und dem Sauerland im Norden. Das Kölsche Heck ist sowohl Sprachgrenze/Dialektscheide (Benrather Linie) als auch Konfessionsgrenze (ev./kath.). Sie entspricht weitgehend der Grenze zwischen dem bis 1975 bestehenden Altkreis Siegen und dem heutigen Kreis Olpe.

Der Name Kölsches Heck geht darauf zurück, dass diese früher mit in Teilen heute noch sichtbaren Gräben und Wällen befestigte Landesgrenze die kurkölnischen und damit katholischen Sauerländer im damaligen alten Amt Bilstein von ihren zu Nassau-Dillenburg gehörenden, protestantischen Siegerländer Nachbarn trennte.

Geschichte und Gestalt Die Errichtung der Landwehr steht in engerem Zusammenhang mit der Soester Fehde (1444–1449). Zum Schutz vor Übergriffen durch das böhmische Söldnerheer des Erzbischofs von Köln, Dietrich II. von Moers, ließ der Graf von Nassau-Oranien Mitte des 15. Jahrhunderts die Einfriedung errichten, nach Beginn des niederländischen Befreiungskrieges im Jahr 1568 erfuhr die Landwehr eine Verstärkung.Die nassauische Grenzsicherung an der alten Brüderstraße bei Hohenhain, Heimatverein HohenhainOhrndorfer Schlag in Freudenberg-Büschergrund, siegen-wittgenstein.info Im Jahr 1690 wurden weitere Grenzsteine gesetzt.

Sie bestand aus Graben und Wall mit einer Hecke aus jungen Bäumen, zumeist Hainbuchen, deren Stämme heruntergebogen oder -geknickt und deren Zweige miteinander verflochten wurden (Gebück), das nur an den bewachten Durchgängen (Schlägen) um Wagenbreite unterbrochen war. Zusätzlich wurden Dornen- und Brombeerpflanzen gesetzt. Die Schläge waren oftmals durch zusätzliche Schanzen gesichert.

In einem Abstand von 15 bis 100 Metern folgte oft eine weitere Wall-Graben-Anlage. Weil die Hecken undurchdringlich bleiben sollten, mussten neue gewachsene Zweige von Zeit zu Zeit mit den alten verflochten werden. Zu diesem Zweck war das Gebück zu Fuß durchdringlich. Das gilt auch für die Zwischenräume, die frei von Baumwuchs sind; daher konnte man zwischen beiden Wällen und Hecken der Länge nach von Schlagbaum zu Schlagbaum hindurchgehen.

Verlauf Die folgenden Unterabschnitte sind in der Hauptsache durch die Deutsche Grundkarte referenziert: Geländehöhen, die durch das digitale Geländemodell abrufbar sind, sind aus ebendem übernommen. Objekte, die nicht in der Grundkarte abrufbar sind, sind entsprechend deklariert. Wasserscheidepunkte und Gemarkungsgrenzen entstammen, wie die Daten aus Grundkarte und DGM, dem Dienst TIM online der Bezirksregierung Köln. Der von der heutigen Grenze deutlich abweichende Grenzverlauf im Westabschnitt kann auch gut anhand des Messtischblatts Wenden nachvollzogen werden.

Die Abschnitte über Fahlenscheid und Rothaargebirge (Brachthäuser Hohe Waldberge und Rüsper Rothaar), die die Nordosthälfte einnehmen, sind naturräumlich deutlich abgegrenzt. Das ist im Südwesten anders: Das Heck fällt auf den Übergang der Oberbigge-Hochfläche (Haupteinheit Südsauerländer Bergland) zu Einheiten des Siegerlands. Dabei werden die Abschnitte an der Wasserscheide zur Asdorf, also bis einschließlich Ischeroth, noch klar dem Freudenberger Bergland zugerechnet und die ab da bis zur B 54 dem Nördlichen Siegener Bergland (Blatt Siegen). Beim Abschnitt an der B 54 hingegen folgen die Grenzen auf Blatt Siegen und Blatt Arnsberg ziemlich genau der Bundesstraße bzw. der Wasserscheide – was in Naturräumen unüblich ist. Folgerichtig wäre dieser Heckabschnitt am ehesten dem Littfelder Grund zuzurechnen – was natürlich etwas dem Begriff „Grund“ widerspräche. Auffällig an diesen Abschnitten ist, dass die Hänge zum Siegerland steil sind, während das Gelände zur Bigge hin nur allmählich abflacht.

Westabschnitt

Etwa 1 km südöstlich der am Südostrand von Römershagen gelegenen Biggequelle () und etwa 500 m südöstlich des Wasserscheidepunkts, wo im Norden das Einzugsgebiet (EZG) der obersten Bigge in das der Großmicke übergeht (), liegt der historische Grenzstein Dreiherrenstein () auf etwa 441 m ü. NHN, wo die Freie Reichsherrschaft Wildenburg auf das kurkölnische Amt Bilstein und das nassauische Siegerland traf und sich heute, auch im Uhrzeigersinn, die Gemarkungen Friesenhagen (W), Römershagen (Stadt Wenden; N), Büschergrund (Stadt Freudenberg; O) und Freudenberg (S) treffen. Beim Dreiherrenstein handelt es sich um den heute zugleich südlichsten und westlichsten Punkt der Grenze; unmittelbar nördlich schließt sich, auf Römershagener Gemarkung, das Kulturdenkmal (KD) Schanze an der Hühnertränke an.

Der westlichste Schlag, der Dicke Schlag (), war zugleich der am stärksten befestigte. Er liegt 1,6 km südlich des Dreiherrenstein, also deutlich im Siegerland, zwischen Freudenberg und dem heutigen Stadtteil Hohenhain, welcher unmittelbar an der Westgrenze zum Wildenburger Land liegt. Die alte Brüderstraße, Teil der Brabanter Straße, kam hier aus Richtung Burg Wildenburg. Das KD Schanze Siegener Hecke liegt beiderseits der verbindenden Kreisstraße, die heute in der Freudenberger Kernstadt bezeichnenderweise Am Schlagsberg heißt. Unmittelbar nordöstlich des Schlags sind über 200 m im Zickzack verlaufender Wall erhalten, etwa 100 m näher in Richtung Freudenberg beginnt ein zweiter erhaltener Wall, der sich von hier über 400 m nach Ostnordosten zieht (); südlich der Kreisstraße ist hingegen ein in Richtung Südsüdost verlaufender etwa 150 m langer Abschnitt erhalten ().

Während die Grenze westlich von A 45 und Ischeroth heute weitgehend der Wasserscheide zwischen Bigge/Großmicke und Asdorf folgt, verlief sie bis nach dem 2. Weltkrieg deutlich südlicher, im Einzugsgebiet der Asdorf. Sie folgte vom Dreiherrenstein aus zunächst, an der heutigen Gemarkungsgrenze zwischen Freudenberg und dem Büschergrund, der Buchenborn nach Südosten, um knapp nördlich der Vereinigung mit dem Gambach den historisch südlichsten Grenzpunkt auf etwa 344 m zu erreichen ().

mini|hochkant=2|Der Westabschnitt des Kölschen Hecks mit den Windkraftanlagen am Knipsdell (halblinks), dem Löffelberg (Mitte) und dem Ischeroth (rechts der Autobahnbrücke der A 45); im Vordergrund der Büschergrund. Nur 250 m nordöstlich des Dreiherrenstein liegt, auf Römershagener Gemarkung, der bedeutende Wasserscheidepunkt Knippen (453,8 m; ), wo die Einzugsgebiete von Wisser Bach (Südwesten), Asdorf (Südosten), beide zur Sieg, und Großmicke, über Bigge und Lenne zur Ruhr, aufeinander treffen; von südwestlich seines im Büschergrund gelegenen, etwas höheren Südostgipfel Knipsdell (gut 456 m; ) ziehen sich, auf einer Linie drei Windkraftanlagen (auf 446 m: ; auf 438 m: ; auf 425 m: ) nach Südosten (Gewann Schweizer Bläcke) in Richtung eines hist. Grenzsteins am Ohrndorfer Schlag (), der auf etwa 414 m liegt, der etwa 600 m nordöstlich des historisch südlichsten Grenzpunkts. Von hier aus zieht sich das KD Hohlweg am Ohrendorfer Schlag über eine Entfernung von etwa 550 m nach Südsüdosten, wo der Hohlweg heute auf etwa 370 m endet (). Hier verlief ein älterer Alternativabschnitt der Brüderstraße. Ohrndorf ist heute nicht mehr aus der durchgängigen Besiedlung des Büschergrunds, die nach Süden in die von Freudenberg übergeht, hervorgehoben.

Gut 1 km ostnordöstlich des Knippen erreicht die heutige Grenze den Löffelberg 457,4 m; (), dessen Gipfelpunkt, bereits auf Hünsborner Gemarkung, nur knapp auf der Sauerländer Seite, liegt; unmittelbar östlich passiert heute die Landesstraße Freudenberg–Olpe (Olper Straße). Die historische Grenze passierte die Straße auf etwa 395 m () und erreichte etwa 350 m nordnordöstlich davon auf etwa 439 m den historisch nördlichsten Punkt ihres Westabschnitts und zugleich punktuell wieder die heutige Grenze (), um gut 1,6 km südöstlich davon ihren mit etwa 337 m ihren niedrigsten und Punkt und fast wieder ihren südlichsten Breitengrad zu erreichen ().

Anderthalb Kilometer östlich des Löffelbergs und rund 900 m nordnordwestlich des historisch niedrigsten Punktes liegt auf etwa 397 m, an der Bundesautobahn 45, die niedrigste Scharte des Kölschen Hecks und der heute niedrigste Grenzpunkt überhaupt (), in nächster Nähe zum Hünsborner Flugplatz ().

A 45 bis B 54 Etwa 550 m nordöstlich des Bergs Ischeroth (467,0 m; ) und etwa 70 m nordwestlich der Scharte (des Halben Galgen, s. u.) zu ihm (auf gut 430 m), an der auch über den Berg führenden Gemarkungsgrenze vom Büschergrund zu Bühl, wird südlich des Hecks das Einzugsgebiet der Asdorf von dem der Alche abgelöst (). Nur etwa 130 m südsüdwestlich dieses Wasserscheidepunkts erreicht die historische Grenze wieder die heutige, die fortan weitgehend mit ihr identisch ist und noch einmal annähernd ihren heute südlichsten Breitengrad erreicht (); von dort an beginnt ein Luftlinie 1,5 km weit nach Nordosten reichendes KD Landwehr. Dieses führt in Oberholzklauer Gemarkung und dort zum Holzklauer Schlag () nordwestlich Oberholzklaus. Der Schlagbaum sperrte die alte Straße von Siegen Richtung Olpe und ist ebenfalls als Kulturdenkmal ausgewiesen. Die Grenze hat ab hier die Hauptrichtung Nordnordost und verläuft knapp an der Sieg-Seite, wo nah dem Schlag das EZG der Alche punktuell durch das des Birlenbachs abgelöst wird, dem der Holzklaubach zufließt, und sogleich von dem der Hees bzw. ihres Vorfluters Littfe, die, gemeinsam mit ihrem Vorfluter Ferndorf, das stadtnamensgebende Kreuztal formen ().

Das KD Landwehr endet an der auf 427,5 m passierenden Landesstraße Oberholzklau–Hünsborn (), wo auch die Oberholzklauer Gemarkung in die von Meiswinkel übergeht, die indes bald durch die von Hees mit dem unmittelbar grenznahen Oberhees abgelöst wird. Westlich dem Meiswinkeler Grenzabschnitt gegenüber steht der Halbe Galgen (451,5 m); (), an dessen Nordwestflanke die Großmicke entspringt. Auf der Sauerländer Seite, im Westen, wird bald die Hünsborner Gemarkung von der Schönaus, zunächst mit Altenhof, abgelöst. Auf einem alten Weg von Oberhees nach Altenhof und Wenden liegt der Oberheeser SchlagNicht auf der Grundkarte verzeichnet! (), insbesondere eine archäologische Fundstelle.

Zwischen Hünsborn und Osthelden wird, gut 100 m von der Grenze entfernt, auf Schönauer Gemarkung das EZG der Großmicke durch das der Wende (Bigge) abgelöst (); auf der Siegerländer Seite geht unweit nordöstlich die Heeser Gemarkung in die Ostheldens über. Der Rindhagen (441,3 m); () schließt sich auf Schönauer Gemarkung, etwa 350 m nordnordwestlich seiner Scharte (auf 420,6 m) an. Nordöstlich des Rindhagen und 250 m östlich der Grenze steht die Kuckucksfichte () zwischen Altenhof und Osthelden, im Tal des Berghauser Bachs. Erst nördlich des Rindhagen liegt die Grenze wieder unmittelbar an der Wasserscheide, die Landesstraße Wenden–Kreuztal, die Osthelden unmittelbar mit dem Weiler Girkhausen auf Schönauer Gemarkung verbindet, passiert auf 415,3 m (), gleichzeitig Scharte des Harfel (s. u.). Der Ostheldener Schlag () nordwestlich Ostheldens liegt gut 50 m südöstlich der heutigen Grenze, die hier nordostwärts verläuft, und unmittelbar nördlich des lokal nördlichsten Punktes der Landesstraße. Unmittelbar nordöstlich des Schlags liegt der Kellenhagen (435,5 m), dessen Rücken nach Nordosten im Auf dem Harfel (436,0 m; ) gipfelt, an dem littfeseitig das Einzugsgebiet der Hees von dem der oberen Littfe abgelöst wird. Gut 800 m nordöstlich des Ostheldener Schlags und 250 m westnordwestlich des Harfel wechselt die Siegerländer Seite von Ostheldener zu Eichener Gemarkung. An deren südlicher Westgrenze liegt, 400 m westnordwestlich des Harfel, auf 410 m die nach der A 45 zweitniedrigste Scharte des Hecks überhaupt ().

Verlauf an der B 54