mini|Zwei bis zu 300 km/h schnelle ICE 3 begegnen einander als ICE Sprinter auf der Truckenthalbrücke, an der Südkante des Thüringer Waldes: links der Sprinter von Berlin nach München, rechts der Sprinter von München nach Berlin (März 2018)

Als ICE Sprinter (anfangs auch Shuttle-ICE) bezeichnet die Deutsche Bahn AG Intercity-Express-Züge, die mit wenigen bzw. keinen Zwischenhalten zwischen deutschen Großstädten verkehren.

Die ersten ICE Sprinter wurden 1992 eingeführt. Für die Nutzung der Züge wurden im Laufe der Jahre verschiedene Aufpreise erhoben, seit 2002 bestand zudem eine Reservierungspflicht. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 entfielen diese Einschränkungen.

Betrieb ICE-Sprinter-Netz in der Vergangenheit mini|ICE Sprinter 1090 in Hannover Hbf (2015)

Bis zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke Erfurt–Leipzig/Halle verkehrten die Sprinter hauptsächlich am frühen Morgen zwischen 5 und 7 Uhr und am späten Nachmittag oder frühen Abend zwischen 17 und 19 Uhr. Dies war der Tatsache geschuldet, dass die Deutsche Bahn insbesondere Geschäftsreisende und Tagespendler als Zielgruppe für die Sprinter angesehen hatte. Seit 2015 gibt es Sprinter-Linien mit einem Angebot über den gesamten Tag hinweg. Aufgrund des Sprinter-Aufschlages in Kombination mit der relativ geringen Zeitersparnis gegenüber den Taktzügen und einer schlechten Integration ins Gesamtnetz wurden sämtliche Sprinter über die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main nach wenigen Jahren mangels Nachfrage wieder eingestellt. Aufgrund einer geringen Verfügbarkeit bei den ICE-Triebzügen fuhren einige Sprinter zwischen Hamburg und Köln von 2013 bis 2017 als Intercity-Sprinter mit Intercity-Wagenparks.

ICE-Sprinter-Netz im Jahresfahrplan 2025

Die Züge verkehren auf zwölf Relationen zwischen Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Stuttgart und dem Ruhrgebiet (Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen) bzw. dem Rheinland (Bonn, Düsseldorf, Köln). Die Züge bedienen dabei keine oder nur wenige Zwischenhalte und verkehren mit einer planmäßigen schnelleren Fahrzeit als der entsprechende ICE-Taktverkehr. Sie unterliegen dabei denselben zulässigen Höchstgeschwindigkeiten wie reguläre ICE-Züge. Als reguläre Zwischenhalte werden Mannheim und Nürnberg bedient. Manche Verbindungen halten zudem auch in Erfurt, Halle (Saale), Hannover und Münster. Teilweise ersetzen ICE-Sprinter-Züge die Züge des ICE-Taktsystems zur jeweiligen Stunde, einige verkehren im Vor- oder Nachlauf weiter als reguläre ICE-Züge.

Folgende Züge verkehren ganz oder teilweise mit dem Zusatz ICE Sprinter:

Linie Zugnummern Fahrtverlauf als Sprinter Bemerkung 2 1121, 1123 Düsseldorf – Köln – Frankfurt (M) Flughafen – Nürnberg – München über Köln Messe/Deutz und Frankfurt Flughafen 1120, 1122 München – Nürnberg – Frankfurt (M) Flughafen – Köln – Düsseldorf über Frankfurt Flughafen und Köln Messe/Deutz31130, 1131, 1134, 1135, 1138, 1139Berlin Südkreuz – Berlin Hbf – Frankfurt am Main Hbf – Frankfurt am Main Flughafen Fernbahnhof (– Mannheim Hbf – Saarbrücken Hbf)Jahresfahrplan 2026 4 1094 Frankfurt (Main)  – Kassel-Wilhelmshöhe – Hannover – Hamburg – Kiel von Stuttgart über Mannheim und Frankfurt Flughafen 1097/1197 Hamburg – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (Main) weiter nach Darmstadt61162, 1163Stuttgart Hbf – Nürnberg Hbf – Berlin Südkreuz – Berlin Hbf – Berlin GesundbrunnenJahresfahrplan 2026 9 1154, 1156, 1158 ()/(Berlin Ostbahnhof –) Berlin Hbf – (Berlin Zoologischer Garten) – Berlin-Spandau – Köln 1154 und 1156 von Südkreuz, 1158 über Zoologischer Garten 1155, 1157, 1159 – Köln – Berlin Spandau – (Berlin Zoologischer Garten) – Berlin Hbf – (Berlin Ostbahnhof – Berlin Ostkreuz) 1159 bis Ostkreuz 13 1598 Frankfurt (Main) – Berlin-Spandau – Berlin Hbf – Berlin Ostbahnhof Laufweg über die Güterumgehungsbahn Hannover 15 832, 834, 838, 930, 932, 934, 936 Frankfurt (Main) – Erfurt – Halle (Saale) – Berlin Hbf – Berlin Gesundbrunnen (– Stralsund – Ostseeband Binz) Jahresfahrplan 2026 837, 839, 931, 933, 935, 937 (Ostseebad Binz – Stralsund –) Berlin Hbf – Halle (Saale) – Erfurt – Frankfurt (Main) (– Darmstadt – Saarbrücken) Jahresfahrplan 2026 29 1000, 1002, 1004, 1006, 1008, 1100, 1102, 1104, 1500, 1502, 1504, 1506. 1508, 1600, 1602, 1604 München – Nürnberg – Erfurt – Halle (Saale) – Berlin Hbf – Berlin Gesundbrunnen Jahresfahrplan 2026 1003, 1005, 1007, 1009, 1101, 1103, 1105, 1107, 1501, 1503, 1505, 1507, 1509, 1601, 1603, 1605 Berlin Gesundbrunnen – Berlin Hbf – Halle (Saale) – Erfurt – Nürnberg – München Jahresfahrplan 2026

Darüber hinaus werden weitere Taktlinien auf Teilabschnitten als Sprinter gekennzeichnet:

Linie Teilabschnitt als Sprinter Bemerkung 11 – Frankfurt Hbf – Mannheim – Stuttgart – von Berlin über Leipzig, weiter nach München über Ulm 78 Frankfurt Hbf – Köln Hbf – weiter über Düsseldorf und Duisburg nach Amsterdam 79 Frankfurt Hbf – Köln Hbf – weiter über Aachen nach Brüssel 82 Frankfurt Hbf – Mannheim – Karlsruhe – Paris

Geschichte Verkehrsangebot und Tarife Mit Eröffnung der beiden ersten deutschen Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecken (Hannover–Würzburg und Mannheim–Stuttgart) im Sommer 1991 konnten im Nord-Süd-Verkehr der Eisenbahn konkurrenzfähige Fahrzeiten erreicht werden.

Nachdem der ICE-Verkehr am 2. Juni 1991 aufgenommen worden war, wurde der ICE Sprinter zum Fahrplanwechsel am 1. Juni 1992 zwischen Frankfurt am Main und München eingesetzt. Das Angebot wurde kurzfristig in den Fahrplan integriert und 14 Tage nach Eröffnung des neuen Münchner Flughafens eingeführt.

Durch den Wegfall aller Zwischenhalte mit Ausnahme von Mannheim Hauptbahnhof und München-Pasing (bei in München beginnenden Zügen) konnte eine fahrplanmäßige Fahrzeit von zwei Stunden und 59 Minuten erreicht werden. In den Räumen Frankfurt und München verdrängten die Züge dabei einzelne Nahverkehrszüge.

In einer Umfrage gaben 1992 in der zweiten Klasse 76 sowie in der ersten Klasse 79 Prozent der Reisenden an, den Zug insbesondere aufgrund seiner kurzen Reisezeit zu nutzen. 96 Prozent der Reisenden der ersten sowie 58 der Reisenden der zweiten Klasse waren Geschäftsleute. 1992 wurden die ICE Sprinter in das Reservierungssystem der Lufthansa sowie Amadeus aufgenommen. Die Züge umgingen dabei den Stuttgarter Hauptbahnhof über die Güterumgehungsbahn Stuttgart-Untertürkheim–Kornwestheim. Nach vier Wochen Betrieb seien die Sitzplätze in der ersten Klasse der Züge zu 60 Prozent besetzt gewesen.

1993 folgten zwei tägliche Sprinter-Zugpaare zwischen Frankfurt und Hamburg (bei einer Fahrzeit, mit Zwischenhalt in Hannover Hauptbahnhof, von drei Stunden und 19 Minuten). Ab dem 29. Mai 1994 verkehrten ICE Sprinter auch auf den Relationen Köln–Berlin und Köln–HamburgGeorg Wagner: InterCityExpress – Die Starzüge im Fernverkehr der DB. EK-Verlag, Freiburg 2006, ISBN 3-88255-361-8, S. 6–9. (letzterer von Dezember 1996 bis Dezember 2004 als Metropolitan).

Mitte der 1990er Jahre lag die planmäßige Reisezeit zwischen Frankfurt und München bei drei Stunden und zehn Minuten. Die einfache Fahrt in der ersten Klasse kostete 226 DM, in der zweiten Klasse 150 DM. Im Fahrpreis der ersten Klasse waren dabei ein Frühstück am Platz, Getränke, Kopfhörer und Tageszeitungen enthalten. In der zweiten Klasse waren ein Snack, heiße Getränke und Tageszeitungen im Fahrpreis inklusive.

Seit Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Berlin–Hannover zum Fahrplanwechsel am 27. September 1998 wurden täglich zwei ICE-Sprinter-Zugpaare zwischen Berlin und Frankfurt eingerichtet, die eine Fahrzeit von drei Stunden und 49 MinutenDeutsche Bahn AG, Geschäftsbereich Fernverkehr: Der ICE-Sprinter – die schnelle Business-Verbindung. Broschüre (12 Seiten) mit Stand vom August 1998 erreichten. Die beiden Zugpaare wurden als Spree-Sprinter bzw. Main-Sprinter bezeichnet. Zum Fahrplanwechsel am 30. Mai 1999 sank die Fahrzeit auf dieser Relation um weitere 20 Minuten, auf drei Stunden und 30 Minuten. Gleichzeitig wurden die Berlin-Frankfurt-Sprinter bis Mannheim (morgens) bzw. Stuttgart (abends) verlängert. In Richtung Berlin begannen die Sprinter bereits in Mannheim (morgens) bzw. Heidelberg (nachmittags). Der Fahrpreis zwischen Berlin und Frankfurt lag, mit BahnCard, bei 103,50 DM in der zweiten sowie 155,50 DM in der ersten Klasse. Die Fahrzeit zwischen Frankfurt und München lag zu dieser Zeit bei drei Stunden und 20 Minuten.

Nachdem die Auslastung der ICE Sprinter zwischen Frankfurt und Berlin deutlich gestiegen war, wurde die Nutzung je eines Zuges für DB-Mitarbeiter an Montagen bzw. Freitagen untersagt.

Die Zugläufe der ICE Sprinter wurden, wie in den 1990er Jahren üblich, mit Namen versehen. So wurde beispielsweise der ICE 574 (Frankfurt–Hamburg) als Hanse-Sprinter bezeichnet, der ICE 674 auf der gleichen Relation als Alster-Sprinter. In der Gegenrichtung (Hamburg–Frankfurt) wurde der morgendliche ICE 571 Main-Sprinter genannt, der abendliche ICE 675 Börse-Sprinter. Der Zug von Frankfurt nach München wurde als Isar-Sprinter bezeichnet.

Am 15. Dezember 2002 wurde der ICE-Sprinter-Verkehr zwischen Hamburg und Frankfurt aufgenommen. Mit Halt in Hannover lag die Fahrzeit bei drei Stunden und 19 Minuten.Die runderneuerte Bahn. In: mobil, Ausgabe 12/2002Bahnfahren wird im Fernverkehr schneller. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 227, 2002, , S. 12. Während zum gleichen Fahrplanwechsel die Beinamen der Zugläufe konventioneller ICEs entfallen waren, behielten die ICE Sprinter ihre Bezeichnungen.Meldung Neue Namen braucht das Land. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2002, , S. 442.

An die Stelle des zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2004 eingestellten Metropolitan-Angebotes wurden morgens je ein ICE Sprinter von Hamburg nach Köln (ICE 1034) und Gegenrichtung (ICE 1035) eingelegt.Aus für den Metropolitan. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2004, , S. 469.

Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 wurde eine weitere ICE-Sprinter-Verbindung zwischen Köln und Stuttgart mit einer planmäßigen Fahrzeit von 117 Minuten eingeführt. Als einziger Zwischenhalt wurde Mannheim bedient. Die Hinfahrt fuhr als ICE 1111 morgens planmäßig um 7:29 Uhr in Köln ab und kam um 9:26 Uhr in Stuttgart Hauptbahnhof an. Die Rückleistung (ICE 1110) verließ Stuttgart Hauptbahnhof um 18:33 Uhr und erreichte Köln um 20:29 Uhr.DB-Fahrplanwechsel: Einschränkungen und Neuleistungen. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2005, S. 511. Auf dem 335 Kilometer langen Weg wurde eine Reisegeschwindigkeit von 173 km/h erreicht.Elektrischer Betrieb bei der Deutschen Bahn im Jahre 2005. In: Elektrische Bahnen, Jahrgang 104 (2006), Heft 1–2, S. 9. Erstmals wurde damit im Schienenverkehr eine Reisezeit von weniger als zwei Stunden zwischen Köln und Stuttgart realisiert.Meldung Köln: Weniger ICE zum Flughafen. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 1/2006, , S. 4. Eine Verlängerung des Zugpaares bis Essen oder Dortmund scheiterte an fehlender Kapazität der entsprechenden Strecken. Dieser Zug wurde mit Wirkung zum 8. Oktober 2006 wieder eingestellt. Ein Pressebericht nennt als Gründe mangelnde Auslastung und Fahrzeugmangel.

Mit Fertigstellung des Hauptbahnhofs Berlin am 28. Mai 2006 verkehrten die von und nach Berlin verkehrenden ICE Sprinter über die neue Station. Während der Bahnhof Zoo seitdem nicht mehr bedient wird, erhielten die Sprinter im Rahmen des Pilzkonzepts einen zusätzlichen Halt am Bahnhof Berlin-Spandau. Sie werden in Berlin Südkreuz eingesetzt, fahren über Berlin Hauptbahnhof (tief) nach Berlin-Spandau.