Pro Wildlife ist eine 1999 gegründete, international tätige Non-Profit Tier- und Naturschutzorganisation mit Sitz in München. Ziel des Vereins ist laut Satzung die Durchsetzung besserer Schutzgesetze und -maßnahmen für Wildtiere, deren Bestand durch Wilderei, Jagd, Tierhandel und Zerstörung der Lebensräume bedroht wird. Der Fokus liegt nach eigenen Angaben der Organisation auf dem Schutz von Wildtieren vor kommerzieller Ausbeutung und auf einer Verbesserung von Schutzgesetzen. Der Verein ist seit Gründung ununterbrochen als gemeinnützig anerkannt.
Aktivitäten Seit seiner Gründung recherchiert und dokumentiert Pro Wildlife Missstände im Handel mit Wildtieren. Dabei steht u. a. die Rolle von Deutschland und der EU als Absatzmarkt für lebende Wildtiere (v. a. als Haustiere), aber auch Produkte daraus (wie beispielsweise Jagdtrophäen, Reptilleder oder Froschschenkel), im Fokus der Organisation.
Politische Arbeit: Die Organisation ist regelmäßig beim Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl. CITES), der Internationalen Walfangkommission und der Internationalen Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) als offizielle Beobachter-Organisation akkreditiert und kann sich so bei den Verhandlungen zum Schutzstatus von Wildtieren direkt einbringen.
Wildtiere als Haustiere: Handel und Privathaltung von Wildtieren als Haustiere ist seit Gründung des Vereins einer der Arbeitsschwerpunkte: Pro Wildlife beriet als Mitglied einer Sachverständigengruppe 2005–2006 das Bundeslandwirtschaftsministerium, das erstmals Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter TierschutzgesichtspunktenLeitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten. (PDF) In: BMU. S. 49 erarbeitete. 2010 veröffentlichte Pro Wildlife gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund nach einjähriger Recherche den Bericht „Missstände auf Tierbörsen – Mangelhafte Umsetzung der BMELV-Tierbörsen-Leitlinien“.Missstände auf Tierbörsen 2010 (PDF; 3,7 MB), auf prowildlife.de Die beiden Organisationen fordern statt unverbindlicher Leitlinien eine bundesweit einheitliche rechtsverbindliche Verordnung für Tierbörsen. Seit 2014 veröffentlicht Pro Wildlife die Serie „Stolen Wildlife“, in der sie den Handel mit Arten aufzeigt, die nicht nach internationalem Recht geschützt sind, aber im Herkunftsland illegal eingefangen und außer Landes geschmuggelt werden (Bisherige Ausgaben 2014,Stolen Wildlife Why the EU needs to tackle smuggling of nationally protected species (PDF; 1,7 MB), auf prowildlife.de 2016,Stolen Wildlife II (PDF; 1,5 MB), auf prowildlife.de 2020Stolen Wildlife III (PDF; 4,0 MB), auf prowildlife.de, 2022Stolen Wildlife IV (PDF; 4,5 MB), auf prowildlife.de und 2025). 2017–2019 untersuchte Pro Wildlife im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz den Handel mit lebenden Reptilien, Amphibien und exotischen Säugern für den Heimtiermarkt und entwickelte Strategien zur Reduzierung der Nachfrage. 2021 veröffentlichte Pro Wildlife den Bericht „Wildtiere als Haustiere? Die Politik muss handeln!“, der die Probleme und Risiken des Handels und der Privathaltung von Wildtieren zusammenfasst und Lösungsansätze aufzeigt. 2022 ließen Pro Wildlife und andere Tierschutzorganisationen ein Rechtsgutachten erstellen, das zu dem Schluss kommt, dass eine Positivliste für Haustiere nicht nur juristisch möglich, sondern geboten ist.Rechtsgutachten Positivliste Deutschland (PDF; 2,1 MB), auf prowildlife.de
Jagd, Wilderei und Handel:
Elfenbein: Im Rahmen des Einsatzes gegen den Elfenbeinhandel veröffentlichte Pro Wildlife im Mai 2015 Zählungen der Elefantenbestände Tansanias, die den Rückgang der dortigen Elefantenbestände um über 60 Prozent binnen fünf Jahren aufzeigen und forderte Handelsverbote. Auf den Konferenzen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens setzt sich die Organisation seit ihrer Gründung gegen die Freigabe des Elfenbeinhandels und für einen strengen Schutz Afrikanischer Elefanten ein. Auf EU-Ebene tritt Pro Wildlife für ein weitgehendes Verbot des Elfenbeinhandels innerhalb und aus der EU ein. Trophäenjagd: Nach den USA ist Deutschland Spitzenreiter bei der Jagd auf gefährdete und geschützte Arten. Pro Wildlife dokumentiert Missstände der Jagd und setzt sich für strengere Regelungen ein: Seit 2015 dürfen Elefanten, Nashörner, Löwen, Eisbären, Flusspferde und Argali-Wildschafe zumindest nur nach Überprüfung und mit Genehmigung in die EU eingeführt werden. Seit 2016 dürfen keine Eisbären mehr aus Grönland in die EU eingeführt werden, seit 2019 gelten Handelsbeschränkungen für Giraffen. Zudem fordern wir, Angebote von Jagdreisen auf Messen und im Internet zu verbieten und klären über die Mythen der Jagdlobby auf.
Kängurujagd in Australien: Gemeinsam mit Tierschützern aus Australien und Europa klärt Pro Wildlife über die Tier- und Artenschutzprobleme der Jagd und die Rolle der EU als Absatzmarkt für Känguru-Fleisch und Leder auf. Die Kampagne richtet sich an den Einzelhandel in Deutschland sowie an führende Sportartikelhersteller.
Traditionelle Medizin: Um die Nachfrage nach Wildtieren in der Traditionellen Asiatischen Medizin zu reduzieren, veröffentlichte Pro Wildlife in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift Chinesische Medizin mehrere Artikel, die die Bedrohung eines breiten Spektrums von Arten für die Herstellung medizinischer Präparate wie auch ökologisch unbedenkliche Alternativen aufzeigen.
Wildtiere als Luxusware: Der Verein recherchierte wiederholt Umfang und Folgen des Handels mit Froschschenkeln und die Rolle der EU als Absatzmarkt; die Ergebnisse wurden 2011 und 2022 veröffentlicht (s. u.).
Tourismus: Mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit informiert Pro Wildlife Reisende über Tier- und Artenschutzfallen im Urlaub, wie Souvenirs aus Wildtieren, Selfies und direkter Kontakt mit Wildtieren. Mehr als 30 Veranstalter wie die TUI Groupbschü/dpa: Tierschutz: TUI nimmt das Elefantenreiten aus dem Programm. In: welt.de. 5. Dezember 2014, abgerufen am 7. Oktober 2018., AIDA Cruises, Studiosus, Hauser Exkursionen kündigten daraufhin an, Elefantenreiten und andere Urlaubsattraktionen mit Wildtieren aus dem Programm nehmen zu wollen.DPA-Serviceline: Tourismus: Mehrere Reiseveranstalter streichen künftig Elefantenaktionen. In: Focus Online. 28. November 2014, abgerufen am 14. Oktober 2018.
Schutz von Lebensraum: Pro Wildlife fördert vor-Ort-Initiativen, die die Erhaltung von Wäldern sicherstellen. 2008 finanzierte der Verein die Dauerpacht eines Regenwaldgebietes in der Pufferzone des Pacaya Samiria-Schutzgebietes in Peru, um den Lebensraum von Wollaffen und vielen anderen Tieren zu erhalten. 2011 unterstützte die Organisation das Projekt ADES und förderte die Verwendung von Solarkochern auf Madagaskar, um das Abholzen als traditionelles Brennholz zu verringern. Seit 2009 sammelt Pro Wildlife Althandys, um das Recycling seltener Rohstoffe zu erhöhen und u. a. den Coltan-Abbau in der Demokratischen Republik Kongo zu verringern.
Meeresschutz: Die Organisation setzt sich für den Erhalt des seit 1986 geltenden kommerziellen Walfangverbotes ein, dokumentiert den Umfang und die Folgen einer weitgehend unkontrollierten Delfinjagd weltweit und macht sich für ein Ende der Überfischung stark, z. B. durch ein Beenden schädlicher Subventionen in der Fischerei und eine Reform der EU-Fischereipolitik.Wieso ist Meeresschutz wichtig?, auf prowildlife.de
Schutzprojekte vor Ort:
Bei der Rettung beschlagnahmter und notleidender Wildtiere vor Ort unterstützt die Organisation aktuell:
das Affenwaisenhaus Limbe Wildlife Center in Kamerun,Sponsors. In: Lime Wildlife Center. (englisch). die Affenauffangstation Jeunes Animaux Confisqués au Katanga (J.A.C.K.) in der Demokratischen Republik KongoJeunes Animaux Confisqués au Katanga, auf jacksanctuary.org das Elephant Orphanage Project der Game Rangers International in Sambia,To Rescue, Rehabilitate and Release orphaned elephants back into the wild! (englisch). die Libassa Wildlife Sanctuary, eine Auffangstation für Pangoline und andere WildtiereWelcome to Libassa Wildlife Sanctuary, auf libassawildlifesanctuary.or die Ciapus-Auffangstation für Plumploris von International Animal Rescue in IndonesienCharity Partners. In: International Animal Rescue. (englisch). das im Kampf gegen Wilderei und Wildtierhandel in verschiedenen Ländern Afrikas agierende Netzwerk LAGA Wildlife Law Enforcement.Homepage LAGA Wildlife Law Enforcement. (englisch).
Pro Wildlife fördert zudem Projekte, die darauf abzielen, sicheren Lebensraum zu schaffen, Konflikte zwischen Wildtieren und der Bevölkerung vor Ort zu reduzieren sowie den One-Health-Ansatz zu stärken:
das Aufklärungsprojekt „Save Lions – Leben mit Löwen“ in Botsuana„Save Lions – Leben mit Löwen“ Gemeindeprojekte der Organisation STEP (Southern Tanzania Elephant Program) in Tansania für eine Co-Existenz von Elefanten und MenschenSouthern Tanzania Elephant Program, auf stzelephants.or.tz das Gemeindeprojekt „Green Project“ in Kamerun, das der lokalen Bevölkerung alternative Einnahmen zu Jagd und Wilderei bietetSupportin local community, auf limbewildlife.org eine Aufklärungskampagne in Liberia, Nigeria, Kamerun und Sambia zu den Gesundheitsrisiken durch Buschfleischkonsum.A Transnational African Zoonosis Education campaign: Raising awareness for wildlife trade-linked health risks, auf alliance-health-wildlife.org
Erfolge (Auswahl) Noch im Gründungsjahr 1999 brachte Pro Wildlife Undercover-Aufnahmen von Wildtiertransporten der Lufthansa in die Medien, die abgemagerte oder tote Wüstenfüchse, Kraniche und Tauben dokumentierten. Pro Wildlife suchte das Gespräch mit der Fluglinie. Lufthansa sagte 2001 schließlich zu, Wildtiertransporte weitgehend einzustellen.
Mehr als 30 Reiseveranstalter wie die TUI Group, AIDA Cruises, Studiosus und Hauser Exkursionen erklärten gegenüber Pro Wildlife, Elefantenreiten aus dem Programm zu nehmen.TUI nimmt das Elefantenreiten aus dem Programm, auf welt.de
2012 verabschiedete die Internationale Walfangkommission, eine Resolution, die die Walfangländer auffordert, die Konsumenten darüber aufzuklären.2012 - All Resolutions, auf archive.iwc.int Pro Wildlife und OceanCare hatten zuvor in einem Bericht auf die Giftstoffbelastung in Wal- und Delfinfleisch aufmerksam gemacht.
Seit Start der Pro Wildlife-Dokumentationsreihe „Stolen Wildlife“ haben Herkunftsländer dutzende Tierarten durch das Weltartenschutzabkommen CITES schützen und den internationalen Handel beschränken oder gar verbieten lassen, z. B. für lateinamerikanische BaumschleichenCoP17 Prop. 25, Convetiton on international trade in endangered species of wild fauna and flora (PDF; 0,3 MB), auf cites.org und Schwarzleguane,CoP18 Prop. 31, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES) (PDF; 0,7 MB) afrikanische Zwergchamäleons wie Rieppeleon brevicaudatus oder Agamen aus Sri Lanka.CoP18 Prop. 24, CITES (PDF; 1,2 MB)
Der Bericht „Deadly Dish“ von Pro Wildlife, gemeinsam mit der französischen Organisation Robin des Bois, zu Umfang und Folgen der EU-Froschschenkelimporte hat seit 2022 eine breite Berichterstattung in französischen und internationalen Medien sowie eine politische Debatte in der Europäischen Union ausgelöst.International frogs’ legs trade and the central role of the EU, auf europarl.europa.eu