Der Kollwitzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg ist eine denkmalgeschützte Grünanlage mit mehreren Kinderspielflächen. Er ist Zentrum eines Gründerzeitviertels, das zu den teuersten Wohnlagen Berlins gehört. Angelegt 1886 als Wörther Platz, wohnte und arbeitete dort von 1891 bis 1940 der Arzt und Politiker Karl Kollwitz, nach dem der Platz 1947 benannt wurde. Mittig auf dem Platz steht seit 1961 ein Denkmal für seine Ehefrau, die Künstlerin Käthe Kollwitz.

Lage

Eineinhalb Kilometer nördlich des Alexanderplatzes liegt der Kollwitzplatz im Südwesten des Ortsteils Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow. Er ist Zentrum des sogenannten Kollwitzkiez’Kollwitzkiez. Berlin.de - Das offizielle Hauptstadtportal. (Abgerufen am 26. November 2024) und wird umschlossen von der Wörther Straße, der Kollwitzstraße und der Knaackstraße, im Norden mündet die Husemannstraße ein, im Südwesten ein alter Wirtschaftsweg namens Judengang. Westlich angrenzend befindet sich der 1827 eröffnete Jüdische Friedhof Schönhauser Allee, wenige Meter östlich die 1904 errichtete größte Synagoge Deutschlands mit Eingang an der Rykestraße. Nordwestlich und nördlich liegen in Bombenlücken aus dem Zweiten Weltkrieg ein größeres begrüntes Areal mit der 1974 erbauten Grundschule am Kollwitzplatz sowie eine kleinere öffentliche Grünfläche, genannt „Schöne Ecke“ an der Wörther Ecke Kollwitzstraße.

Der Kollwitzplatz liegt im historischen Berliner Stadtteil der Rosenthaler Vorstadt. Bis 1947 hieß die angrenzende Kollwitzstraße Weißenburger Straße, die Knaackstraße hieß bis 1952 Tresckowstraße.

Grünanlage mini|links|Eingang Knaackstraße, 2024 Auf dem Kollwitzplatz standen 2024 gut achtzig Bäume, darunter verschiedene große Linden, Eichen und Rosskastanien. Zu den auffälligen Baumgruppen gehörten eine Reihe Spitzahorn (Acer platanoides) um den nordöstlichen Spielplatz, eine Gruppe Lärchen (Larix decidua) und Schwarzkiefern (Pinus nigra) in der Mitte des Platzes sowie mehrere ältere Robinien (Robinia pseudoacacia) an der Wörther Straße.

Eingefasst wurde die Grünanlage durch etwa sechzig Bäume teils alten Bestands entlang der umliegenden Straßen, angepflanzt ab den 1930er Jahren. In der Knaack- und Wörther Straße standen zahlreiche Holländische Linden (Tilia intermedia), in der Kollwitzstraße zwei Reihen große Platanen (Platanus acerifolia) von 1938.Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin: Baumbestand Berlin. Geoportal Berlin, Stand: 22. Februar 2024.

Die Form des Platzes ist annähernd dreieckig mit einer Seitenlänge von etwa 120 Metern. Ringsum wurde 1977 ein Zaun mit acht Eingängen angelegt, diese führen zu einem Weg, der eine größere, baumbestandene Wiese umläuft. Entlang der Kollwitzstraße befinden sich seit 1949 mehrere Spielflächen für Kinder, die zuletzt 2025 saniert und erweitert wurden.

Name Als das Bezirksamt im November 1945 den Wörther Platz in Käthe-Kollwitz-Platz umbenennen wollte,Bezirksamt Prenzlauer Berg von Groß-Berlin: Beschluß des Bezirksamts vom 26. November 1945. Faksimile in: Kathleen Krenzlin für das Bezirksamt Pankow von Berlin (Hrsg.): Käthe Kollwitz und Berlin. Eine Spurensuche. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2017, S. 8. ISBN 978-3-422-07424-8 meldete sich Kollwitz’ Sohn Hans Kollwitz zu Wort. Er bemängelte, dass der Platz keine eigene postalische Adresse habe und somit „eine meiner Mutter zugedachte Ehrung in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung“ trete.Hans Kollwitz: Brief an Bezirksbürgermeister Gustav Degner. Berlin, 28. Dezember 1945. Faksimile in: Kathleen Krenzlin für das Bezirksamt Pankow von Berlin (Hrsg.): Käthe Kollwitz und Berlin. Eine Spurensuche. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2017, S. 9. ISBN 978-3-422-07424-8 Er regte an, stattdessen die Weißenburger Straße nach seiner Mutter und den Platz nach seinem Vater, dem Arzt und Stadtverordneten Karl Kollwitz zu benennen. Das Bezirksamt kam diesem Wunsch nach, am 8. Juli 1947 wurden bei einer Feierstunde vor Ort mit Bürgermeisterin Ella Kay die Straße und der Platz umbenannt:Bezirksamt Prenzlauer Berg von Groß-Berlin, Pressestelle: Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg. Berlin, 1. Juli 1947. (Pressenotiz mit Einladung zur Feier auf dem Wörther Platz.) Landesarchiv Berlin: C Rep. 101-07 Nr. 5218

Karl Kollwitz als Namensgeber wurde in den 1940er Jahren noch vielfach in der Presse rezipiert,Berliner Zeitung: Kleine Berliner Chronik – Kollwitzplatz und -straße am Prenzlauer Berg. 3. Jahrgang, Nr. 156, Berlin, 9. Juli 1947, S. 6.Foto mit der Platzwidmung für Karl Kollwitz in: Neues Deutschland: Kollwitzplatz im Berliner Nordosten. 2. Jahrgang, Nr. 163, Berlin 16. Juli 1947, S. 4.Neues Deutschland: Der Kollwitzplatz. Berlin, 21. Juli 1949, S. 6. er geriet in Vergessenheit, nachdem auf dem Kollwitzplatz 1950 und erneut 1961 Denkmale für seine Frau aufgestellt worden waren. In den folgenden Jahrzehnten verbreitete sich die irrige Annahme, dass der Platz nach Käthe Kollwitz benannt sei:

Neben dem Kollwitzplatz wurde nach Karl Kollwitz auch eine nahegelegene, 1983 eröffnete Poliklinik in der Prenzlauer Allee benannt, 2025 hieß die Einrichtung Gesundheitszentrum Dr. Karl Kollwitz.Sana Gesundheitszentrum Prenzlauer Berg (Abgerufen am 15. Januar 2025.)

Geschichte 1875–1947: Der Wörther Platz

1872: Entstehung der Platzfläche Zu Zeiten der Separation 1822 verlief quer über die heutige Platzfläche der Büttner’sche Feldweg, gelegen zwischen den Äckern der Großgrundbesitzer Wilhelm Gotthold Büttner und Christian Friedrich Bötzow.Otto Behrendt: Die Berliner Gutsbesitzer. A. Büttner-Spiekermann. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins. 38. Jahrgang, Nr. 9, Berlin September 1921. S. 33.Mencelius (Menzel): Plan der Berliner Hufen von 1822. Königl. Lith. Institut Berlin, 1823. stadtmuseum.de Westlich des Feldwegs verkaufte Büttner 1824 ein Stück Land an die Berliner Jüdische Gemeinde, die dort ihren Friedhof an der Schönhauser Allee anlegte, das Friedhofsgrundstück ragte anfangs knapp fünfhundert Quadratmeter in die heutige Platzfläche hinein.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, Vorlagen zu dem Stadtverordneten Protokoll vom 15. Januar 1885: 774. Vorlage betreffend die Erwerbung der zur Regulirung des Wörther Platzes und des diesen begrenzenden Teils der Treskowsstraße erforderlichen Grundstücke. No. 3, Berlin 18. Januar 1885, S. 38. Der südliche Teil des Feldwegs am Friedhof wurde später bekannt als Judengang, er wurde nie bebaut und mündet heute durch eine Lücke in der Bebauung in die Südwestseite des Platzes.

In den ersten Bebauungsplänen der Berliner Stadtverwaltung war der Platz zunächst auf einer kleineren Fläche zwischen heutiger Wörther Straße und dem Büttner’schen Feldweg vorgesehen (Platz H, Abt. XII). Dies änderte sich in der Hochkonjunktur der Gründerjahre, als 1872 zwei Aktiengesellschaften fast die gesamte Fläche des heutigen Kollwitzkiez’ erwarben. Der Actienbauverein Königstadt und der Deutsch-Holländische Actien-Bauverein begannen, ein ausgedehntes, repräsentatives Neubauviertel auf den bislang unbebauten Äckern zu errichten. Für eine bessere Verwertung der Grundstücksparzellen ließen sie die heutige Kollwitzstraße um 50 Meter nach Osten versetzen, und es entstand die Platzfläche in ihrer heutigen Größe.

Am 25. Juni 1875 wurde der Platz per Kabinettsordre als Wörther-Platz benannt,Magistrat von Berlin: Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin. Berlin 1. August 1875, S. 352. nach der Schlacht bei Wörth von 1870 im Deutsch-Französischen Krieg. Auch die umliegenden Straßen bekamen Namen von Kriegsschlachten (Wörther und Weißenburger Straße) oder preußischer Generäle (Tresckowstraße), das Viertel war im späten 19. Jahrhundert bekannt als Generalsviertel.

1873–1891: Bebauung der umliegenden Straßen

Als erste Häuser am Platz errichtete der Deutsch-Holländische Actien-Bauverein 1873/74 zwei viergeschossige Wohngebäude an der heutigen Kollwitzstraße 60 und 62. Landesdenkmalliste Berlin Sie gehörten zu den ersten von insgesamt 24 seriell gebauten, repräsentativen Häusern mit "gehobenen Mittelwohnungen" „für eine vorwiegend großbürgerliche Klientel“, die der Actien-Bauverein im Viertel errichtete (Beispiel: Kollwitzstraße 52). „Bei den aufwendiger gestalteten Fassaden im Umfeld des Wörther Platzes schmückten antikisierende weibliche Gewandfiguren, Karyatiden, die Erker und Balkone.“Alexander Haeder: Stadtentwicklung und Industrialisierung. Drei Fallstudien zur Stadtbau- und Architekturgeschichte Berlins zwischen 1830–1918. Greifswald 2001, S. 151 und 153. Ende der 1870er Jahre war die Bebauung im Osten und Norden des Platzes abgeschlossen.

Die Platzfläche war zunächst zweigeteilt, lag über mehr als ein Jahrzehnt brach und glich bis Mitte der 1880er Jahre „einer Sandwüste mit einer Oase von elenden Bäumen und Sträuchern in der Mitte“.Otto Behrendt und Karl Malbranc: Auf dem Prenzlauer Berg. Berlin und Frankfurt am Main 1928, S. 26f. Der südwestliche Platz und Teile der heutigen Knaackstraße lagen damals hinter einem Zaun, dieses Gelände gehörte noch der jüdischen Gemeinde. Bereits zu dieser Zeit spielten auf dem Platz zahlreiche Kinder:

Nach dem Ankauf des Grundstücks legte die Stadt Berlin die heutige Knaackstraße am Platz an und ließ sie 1887 pflastern.Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin für die Zeit vom 1. April 1886 bis 31. März 1887: No. XIX. Bericht über die städtische Bauverwaltung. Berlin 1887, S. 11. (Damaliger Straßenname: Tresckowstraße) Auf dem angrenzenden, schmalen Geländestreifen am Judengang wurde 1891 das letzte Haus am Platz errichtet, die heutige Knaackstraße 43/45. Das Gebäude des Architekten Hugo M. Maass hat eine teils äußerst geringe Bautiefe von nur etwa drei Metern, 2025 war es als Baudenkmal gelistet. Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts Berlin. (Abgerufen am 21. Januar 2025)

1886: Anlage des Schmuckplatzes

Verzögert sowohl durch fehlende Kanalisation als auch durch langwierige Verhandlungen mit den vier VoreigentümernAmtlicher stenografischer Bericht über die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung am 15. Januar 1885: Berichterstattung über die Regulirung des Wörther Platzes. Stadtverordneter Heller. Berlin 1885, S. 13. (Der Großteil der Platzfläche war 1885 Eigentum der beiden Aktien-Bauvereine sowie der Jüdischen Gemeinde, Büttner-Erbin Spieckermann gehörte eine Teilfläche des alten Feldweges.) begann die Berliner Parkverwaltung unter Direktor Hermann Mächtig erst 1886 mit der Herstellung des Wörther Platzes als Schmuckplatz.Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin: No. XVIII. Bericht der Deputation für die Verwaltung der städtischen Park-, Garten- und Baumanlagen. Berlin 1886, S. 2. Die dreiseitige Anlage bekam ein symmetrisch gegliedertes Wegenetz mit einem größeren Rundbeet in der Platzmitte. Der erste Bepflanzungsplan wies gut zweitausend Quadratmeter Rasenfläche, eintausend neue Sträucher und gut sechzig Baumpflanzungen aus.Protokolle des Ausschusses zur Vorberathung des Antrages des Stadtverordneten Dr. Böhme und Genossen, betreffend die Regulirung des Wörther Platzes. Verhandelt Berlin, den 14. Oktober 1884. In: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin 1885. No. 2, 10. Januar 1885, S. 9. 1889 wurde die angrenzende Weißenburger Straße erstmals mit zwei Baumreihen bepflanzt,Extraordinarium des Magistrats-Etats No. 54 pro 1. April 1888/89. Landesarchiv Berlin: A Rep. 000-02-01 Nr. 1103. vermutlich mit Linden, diese wurden um 1938 durch Platanen ersetzt.