Solarworld (Eigenschreibweise: SolarWorld) war ein deutscher Industriekonzern in der Solarbranche. Das Unternehmen stellte monokristalline Solarmodule her und war im internationalen Vertrieb monokristalliner Solarstromtechnologie aktiv. Der Herstellungsprozess umfasste die Herstellung von Solarzellen und Solarmodulen bis zu schlüsselfertigen Photovoltaikanlagen. Das Unternehmen war mit Standorten in drei Ländern vertreten. Produziert wurde im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt. Nach der Insolvenz der Solarworld AG im Mai 2017 übernahm im August 2017 die Solarworld Industries GmbH deren deutsche Fertigungsstätten und die Vertriebsgesellschaften in Europa, Asien und Afrika. Die Solarworld Industries GmbH beantragte im März 2018 ebenfalls die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Im September 2018 wurde die Produktion eingestellt.
Organisation Die Solarworld Industries war als eine GmbH organisiert. Ihre Geschäftseinheiten befanden sich in Arnstadt (Fertigung von Solarzellen) Freiberg (Fertigung von Modulen) und Bonn (Verwaltung und Vertrieb). Der Vertrieb des Unternehmens war außerdem in Singapur und Südafrika vertreten.
Geschichte der Solarworld AG mini|Hauptsitz der Solarworld AG in den Jahren 2005–2008, Bonn-Gronau mini|Der spätere Hauptsitz im ehemaligen Wasserwerk Plittersdorf Frank Asbeck war Vorstandsvorsitzender der Solarworld AG und gründete 1988 ein Ingenieurbüro für Industrieanlagen in Bonn. 1995 wurde der Handel mit Photovoltaik-Modulen, Wechselrichtern, Komponenten sowie Bausätzen und Systemlösungen etabliert. 1998 übernahm die neu gegründete Solarworld sämtliche Geschäftsaktivitäten des Ingenieurbüros im Bereich Solarenergie. Der Börsengang des Unternehmens erfolgte anschließend im November 1999. Solarworld konnte, wie die gesamte Branche, sehr schnell wachsen, bedingt durch die Förderung von Solarstrom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Solarworld erhielt auch direkte Subventionen durch staatliche Fördergelder, in Deutschland waren es von 2003 bis 2011 rund 130 Millionen Euro.
Im Jahr 2000 startete am deutschen Produktionsstandort Freiberg die Waferproduktion. 2001 wurde die Solar Factory GmbH in Freiberg gegründet; hier begann 2003 die vollautomatisierte Modulproduktion.
Mit Einweihung der Deutschen Cell GmbH im Jahr 2002 entstand in Freiberg die erste konzerneigene Zellfertigung. 2004 wurde Solarworld als Preisträger im Wettbewerb Großer Preis des Mittelstandes der Oskar-Patzelt-Stiftung ausgezeichnet.Solarworld AG, kompetenznetz mittelstand, abgerufen am 13. März 2012.
2005 wurden die für den Ausbau des internationalen Geschäfts zentralen Vertriebszweige in den USA und Europa mit der Gründung der Vertriebsgesellschaften Solarworld California Inc./USA und Solarworld Ibérica S.L./Spanien ausgeweitet. Am US-Standort Hillsboro in Oregon wurde 2006 die Produktion durch die Übernahme der solaren Siliziumaktivitäten der Shell-Gruppe ausgebaut. Der Kauf einer weiteren Fertigung solarer Wafer- und Zellenproduktion im Jahr 2007 ließ die Produktionskapazität abermals ansteigen.
In den USA wurde 2010 ein neues, vollautomatisiertes Modulwerk am Standort Hillsboro eingeweiht.
Im gleichen Jahr wurden in Freiberg eine neue Solarwaferfertigung in Betrieb genommenBonner Presseblog – Bundesumweltminister Röttgen weiht neue Solarwaferfertigung ein und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eingeweiht.Solarworld setzt auf Forschungs- und Entwicklungszentrum in Freiberg, Silicon-Saxony, 27. September 2010, aufgerufen 26. Juni 2013.
Seit 2010 war die Solarworld an dem Joint Venture Qatar Solar Technologies Q.S.C. mit Sitz im Emirat Katar beteiligt. Im Januar 2011 erfolgte die Übernahme der Solarparc AG, Bonn, mittels Squeeze-out.
Im März 2011 erhielt das Unternehmen die Aufsuchungsrechte für Lithium im Erzgebirge. Der Rohstoff wird vor allem für die Herstellung von Batterien zur Speicherung von Solarstrom benötigt.
Im Mai 2011 wurde in Freiberg die neue vollautomatisierte Modulfertigungsstätte Solar Factory III in Betrieb genommen.SolarWorld AG eröffnet Deutschlands größte Modulfertigung, Pressemitteilung der Solarworld vom 20. Mai 2011
Übernahmeangebot für Opel Am 19. November 2008 kündigte das Unternehmen an, alle vier deutschen Opel-Werke sowie das Entwicklungszentrum der Adam Opel GmbH zu übernehmen. Ein entsprechendes Angebot sollte dem amerikanischen Mutterkonzern, General Motors (GM), unterbreitet werden.
Kernvoraussetzung für die Abgabe des Angebotes war die komplette Trennung von Opel aus dem GM-Konzern und eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro deutschem Arbeitsplatz. Die gesamte Kompensationshöhe lag damit nach Unternehmensangaben bei rund einer Milliarde Euro. Für die Übernahme hätte Solarworld für Opel Barmittel in Höhe von 250 Millionen Euro und Banklinien von 750 Millionen Euro – vorbehaltlich einer Bundesbürgschaft – bereitstellen können. Solarworld wollte Opel zum „ersten grünen europäischen Autokonzern weiterentwickeln.“ Opel beschäftigte zu jenem Zeitpunkt am Stammsitz im hessischen Rüsselsheim sowie in Bochum (Nordrhein-Westfalen), Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) knapp 30.000 Menschen.
Am Tag der Bekanntgabe sackte der Börsenkurs von Solarworld um 13 % ein. Vereinzelt bewerteten Aktienhändler diese Ankündigung als PR-Gag. Solarworld-Chef Frank Asbeck sagte, sein Angebot sei durchaus ernst gemeint. Der US-Automobilkonzern General Motors, zu dem die Adam Opel GmbH damals gehörte, lehnte das Angebot ab. Wie eine Konzernsprecherin mitteilte, stehe Opel nicht zum Verkauf.
Erste Krise des Unternehmens Nachdem das Unternehmen lange hohe Gewinne machte, rutschte es im Zuge der Krise der gesamten Solarbranche 2011 sehr deutlich in die Verlustzone. Auch der jahrelang rasant steigende Umsatz war seither stark rückläufig. Der Umsatz brach im Jahr 2012 von 1,05 Mrd. Euro auf 606 Mio. Euro ein. Der operative Verlust erhöhte sich und betrug zum Jahresende 492,4 Mio. Euro. Die vorhandenen liquiden Mittel sanken von 553,5 Mio. Euro auf 224 Mio. Euro.Börse Go: Solarworld Umsatz bricht ein, abgerufen am 7. Juni 2013. Am 24. Januar 2013 räumte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Meldung schwere finanzielle Probleme ein. Gründe für die zunehmenden wirtschaftlichen Probleme waren ein zunehmend harter Preiskampf und langfristige Abnahmeverpflichtungen für Silizium, die wegen fallender Siliziumpreise zunehmend unwirtschaftlich wurden. 2012 sorgte zudem eine außerplanmäßige Kürzung der EEG-Förderung für eine deutlich sinkende Nachfrage.
In der Folgezeit kam es zu Verhandlungen des Unternehmens mit den Gläubigern, die aber vorerst ergebnislos blieben. Am 17. April 2013 teilte Solarworld mit, dass im Einzelabschluss der Solarworld AG gemäß HGB das Eigenkapital auf einen negativen Wert gefallen sei. In einem solchen Fall muss der Vorstand gemäß § 15a in Verbindung mit § 19 Abs. 2 der Insolvenzordnung spätestens nach drei Wochen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen, es sei denn, „die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich“.
Ende April 2013 wurde bekannt, dass durch einen weitgehenden Schuldenerlass die langfristigen Verbindlichkeiten der Firma um 60 Prozent reduziert werden sollen. Nach einem Kapitalschnitt um 95 Prozent sollten jeweils 150 alte Aktien in eine neue Aktie eingetauscht und im Rahmen einer anschließenden Kapitalerhöhung die bisherigen Gläubiger Haupteigentümer des Unternehmens werden. Die Aktionäre wurden im Juli 2013 auf einer ersten außerordentlichen Hauptversammlung über die Lage des Unternehmens informiert und sollten auf einer weiteren außerordentlichen Hauptversammlung über die vorgeschlagenen Kapitalmaßnahmen beschließen.Hauptversammlung 2013
Gegen diese Kapitalmaßnahmen gab es einige Klagen, so dass sich die Umsetzung bis Januar 2014 verzögerte.Solar World AG: Ad-hoc-Meldung vom 13. Januar 2014 Der Anteil des bisherigen Hauptaktionärs Frank Asbeck würde infolge der Kapitalmaßnahmen von 28 Prozent auf etwa ein Prozent sinken.Solarworld verlangt Opfer von Eigentümern und Gläubigern, Bonner General-Anzeiger, 30. April 2013. Er wollte jedoch seinen Anteil wieder auf 21 Prozent aufstocken. Neuer Partner wurde Qatar Solar Technologies (QSTec), ein Joint Venture von Solarworld mit der Qatar Development Bank und Qatar Solar (Tochterfirma der Qatar Foundation), das für 35 Millionen Euro rund 29 Prozent der Aktien erwarb und zusätzlich 50 Millionen Euro Kredit gab.Bericht der Berliner Zeitung
Im August 2013 haben Anleihegläubiger dem Rettungskonzept für das Unternehmen mit großer Mehrheit zugestimmt.Solarworld bekommt ein Ja n-tv.de, 5. August 2013. Nach dem erst im Januar 2014 veröffentlichten geprüften Konzernbericht für 2012 war das Eigenkapital des gesamten Konzerns zum 31. Dezember 2012 aufgezehrt.
Rechtsstreit mit Hemlock In den USA ist seit 2013 eine Klage des Siliziumlieferanten Hemlock Semiconductor PTE Ltd gegen die Deutsche Solar, eine Tochtergesellschaft von Solarworld, anhängig. Die Deutsche Solar hatte einen langfristigen Liefervertrag mit Hemlock abgeschlossen. Nachdem der Siliziumpreis weltweit gefallen war, hat Solarworld die vertragliche Abnahmeverpflichtung nicht mehr erfüllt. Solarworld argumentiert, der Vertrag sei nichtig, da er gegen europäisches Kartellrecht verstoße und gemäß US-Recht bei Dumpingpreisen eine Ausnahmesituation gegeben sei. Am 26. Juli 2016 gab ein Einzelrichter in Michigan der Klage von Hemlock über 793 Millionen Dollar in erster Instanz statt. Solarworld kündigte an, dagegen Rechtsmittel einzulegen.
Restrukturierung Im April 2013 signalisierte das Unternehmen Interesse an der Übernahme der Bosch Solar Energy mit Sitz in Arnstadt. Der Vertrag dazu wurde am 26. November 2013 unterzeichnet.Solar World AG: Ad-hoc-Meldung vom 26. November 2013
Am 24. Februar 2014 wurde die finanzielle Restrukturierung abgeschlossen.solarworld.de
Im März 2014 übernahm Solarworld die Fertigungsstätten von Bosch in Arnstadt und erhielt hierfür von Bosch 130 Mio. Euro.Thüringer Allgemeine: Ausstieg aus Solargeschäft kostet Bosch 130 Millionen Euro, 17. Januar 2014. Dies wurde 2019 von dem chinesischen Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology (CATL) übernommen.
Am Ende des Geschäftsjahres 2015 verzeichnete die Solarworld AG einen Liquiditätsüberschuss; aufgrund der Verträge mit den Gläubigern konnten Sondertilgungen erfolgen.www.solarworld.de Gegenüber dem Jahr 2014 konnte der Umsatz 2015 von 573,4 auf 763,5 Millionen Euro gesteigert werden und übertraf damit die Zahlen der vorangegangenen drei Jahre.PDF
2016 stieg die Zahl der Mitarbeiter des Konzerns auf 3.800.
Im ersten Quartal 2017 erwirtschaftete Solarworld bei 186 Millionen Euro Umsatz einen Verlust vor Zinsen und Steuern in Höhe von 28 Millionen Euro.
Insolvenzen Am 10. Mai 2017 gab die Solarworld AG bekannt, keine positive Fortbestehensprognose mehr zu haben, überschuldet zu sein und unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen zu wollen; am folgenden Tag wurde der Antrag beim Amtsgericht Bonn eingereicht.Solarworld-Insolvenzantrag geht bei Bonner Gericht ein. Bonner General-Anzeiger, 12. Mai 2017. Für die Tochtergesellschaften SolarWorld Industries Sachsen GmbH, SolarWorld Industries Thüringen GmbH, SolarWorld Industries Deutschland GmbH und SolarWorld Innovations GmbH wurden am 12. Mai 2017 ebenfalls Insolvenzanträge gestellt.Ad-hoc-Meldung der Solarworld AG vom 12. Mai 2017, 16:57 Uhr
Der Insolvenzverwalter veräußerte fast das gesamte Sachanlagevermögen, alle Vorräte und alle immateriellen Vermögensgegenstände der insolventen Gesellschaften sowie deren Geschäftsanteile an ausländischen Solarworld-Tochtergesellschaften an die SolarWorld Industries GmbH, die erst im Juli 2017 gegründet wurde und deren Geschäftsführer Frank Asbeck war. Der Kaufpreis bestand hauptsächlich aus der Übernahme von Verbindlichkeiten der insolventen Gesellschaften. Am 11. August 2017 stimmte die Gläubigerversammlung dem Verkauf zu.