Die Kinzig ist ein etwa 86 Kilometer langer Fluss. Sie entspringt in Sterbfritz, durchfließt den hessischen Main-Kinzig-Kreis in südwestlicher Richtung und mündet in Hanau von rechts in den Main.

Die Kinzig ist ein Mittelgebirgsfluss zweiter Ordnung.Gewässer zweiter Ordnung, bei denen das Land sich an der Finanzierung der Unterhaltung beteiligt, Hessisches Wassergesetz (HWG) Vom 6. Mai 2005, Anlage 3 zu § 9 Abs. 4Das Bett eines natürlichen fließenden Gewässers zweiter und dritter Ordnung steht im Eigentum der Gemeinde, in der es liegt, Hessisches Wassergesetz (HWG), § 25 Gewässereigentum Sie überwindet 301 Höhenmeter und hat ein Sohlgefälle von 3,5 Promille. Das Einzugsgebiet der Kinzig ist 1058 Quadratkilometer groß und der errechnete mittlere Abfluss (MQ) an der Kinzigmündung beträgt 10,97 Kubikmeter pro Sekunde.

Name links|180px

796 als „iuxta fluvium Kincihen“. Im Jahr 815 schrieb man „Chinzicha“,Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau (= Hessisches Urkundenbuch. Abteilung 2 = Publikationen aus den k. preußischen Staatsarchiven. Bd. 48, ). Band 1: 767–1300. Hirzel, Leipzig 1891, Nr. 22, (Neudruck. Zeller, Osnabrück 1965). um 900 „Kincicha“/„Kinzicham“, 1364 „Kinzige“,Das Flussgebiet des Mains, bearb. v. Rüdiger Sperber, 1970 1584 „Kintzig“,Hoffmankarte des Ostspessarts (1584) 1607 „Bintz“,Franckenland Atlas minor 1681 „Kintz“,Le Cercle de Franconie 1716 „Kins“,Fürstabtei Fulda territorium. JB Homann (1716–1724) 1769 „Kinzing“ Grund- und Situationsriß über die im Amt Steinau und Schlüchtern befindlichen Städte, Dörfer und Höfe samt der darin gelegenen Mühlen und 1802 „Kinzig“.Chur-Bayern im Jahr achtzehnhundertzwei

Im Quellgebiet des Flusses gab es das heute nicht mehr bestehende Dorf Kinzig, das 815 als „Chirizichheimero“ erwähnt wird. Das Dorf und der Fluss wurden von den Klosterschreibern zu dieser Zeit oft mit „Chizzicha“ (heute Bad Kissingen) verwechselt, die alle als im Saalegau gelegen bezeichnet wurden.Kissingen: Stadt- und Altlandkreis – Historischer Atlas von Bayern (HAB)

Vermutlich leitet sich der Name vom urkeltischen *ku̯anti̯o- für „Flacher Hügel, Tal“ ab. Die Benennung erfolgte demzufolge nach der Berglandschaft, aus der die Kinzig austritt.

Geografie Kinzigquelle mini|links|Die Kinzigquelle in Sterbfritz

Steinfirst (512 m) auf etwa in der Nähe eines Aussiedlerhofes südlich von Sterbfritz, einem Ortsteil von Sinntal. Es ist die kleine, in Sandstein gefasste Quelle des so genannten Kinzigbrunnens (früher Kindsbrunnen), die mit einem Abflussrohr versehen ist.

Der dort entspringende Quellbach fließt wenige Meter nach Nordwesten und vereinigt sich mit einem längeren Quellast, dessen nordöstliche Fließrichtung er annimmt.

Verlauf Oberlauf mini|links|Die Kinzig im Oberlauf bei Vollmerz, an der Mündung des Ramholzer Wassers

nordöstlich und erreicht das Siedlungsgebiet von Sterbfritz. Der Bach knickt am Sterbfritztunnel der Fulda-Main-Bahn nach Nordwesten ab und fließt teils verrohr durch den Ort. Hinter der Kläranlage mündet der etwas längere und oft wasserreichere Wolperbach von links in die Kinzig. Sie verläuft nun am Ortsteil Sannerz vorbei, unterquert die L3180 und fließt auf das Stadtgebiet von Schlüchtern. Dabei bildet sie bis zu dessen Kernstadt die Grenze zwischen dem Naturpark Hessische Rhön und dem Naturpark Hessischer Spessart.

Hinter dem Stadtteil Vollmerz fließt der Kinzig das Ramholzer Wasser, das auch Ramholzer Kinzig genannt wird und der Grennelbach zu. Danach durchläuft sie die nördlichen Bereiche des Landschaftsschutzgebietes Auenverbund Kinzig, wird erneut von der L3180 gequert und teilt sich im Stadtteil Herolz für etwa 900 m auf. Der rechte Arm, der durch das Dorf fließende Mühlbach, wurde zum Betreiben der Dorfmühle und der Riedmühle angelegt. Der linke Teil wird vom Ahlersbach verstärkt. Am Eselsweg, in der Nähe des Klosters in der Kernstadt von Schlüchtern, mündet der vom Landrücken herabfließende Elmbach in die Kinzig.Karte des Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS)

Mittellauf mini|links|Die Kinzig im Mittellauf in Steinau

Fließrichtung nach Südwesten und behält diese bis zu ihrer Mündung bei. Von dort an trennt der Fluss den Vogelsberg im Norden vom Spessart im Süden und wird vom Radfernweg R3, von der A 66 und der Strecke der Kinzigtalbahn begleitet. Beim Stadtteil Niederzell unterquert die Kinzig die L3329 und wird von Auerbach und Ahlersbach verstärkt. Danach erreicht sie das Gebiet der Kleinstadt Steinau an der Straße, wo sich der Fluss für ungefähr 850 m erneut teilt, um nahe der Altstadt mehrere frühere Mühlen zu speisen. Nachdem sich beide Arme vereint haben, passiert die Kinzig den historischen Stadtkern und nimmt den im Vogelsberg entspringenden Steinebach von rechts auf.

Kurz darauf durchläuft sie den Kinzig-Stausee, in welchen auch der Ulmbach mündet. Auf dem Stadtgebiet von Bad Soden-Salmünster fließt sie am Rande der Feuchtwiesen bei Ahl. Dort, wo die A 66 das Kinzigtal überspannt (Kinzigtalbrücke), teilt sich der Fluss ein weiteres Mal für knapp 3 km. Der Mühlgraben genannte rechte Lauf fließt durch Bad Soden, an einer Klinik vorbei, wo er früher die Schloßmühle betrieb. Er vereinigt sich danach wieder mit dem am Dorf Ahl vorbei laufenden linken Arm. Einer ihrer größten Zuflüsse, die Salz, fließt aus dem Huttengrund kommend bei Salmünster in die Kinzig. Sie nimmt etwa 130 m anschließend den Klingbach auf. Bei Wächtersbach verlief die Kinzig einst auf bayerischem Boden. Von 1814 bis in das Jahr 1868 reichte das Königreich Bayern (Bezirksamt Gemünden am Main) bis Neudorf.

Bei Aufenau passiert die Kinzig das Naturschutzgebiet Feuchtwiesen bei Aufenau. Hinter Kinzighausen trifft die im Vogelsberg entspringende und von Norden heranziehende Bracht auf den Fluss. Sie ist der längste und wasserreichste Kinzigzufluss. Nachfolgend unterquert die Kinzig die Bundesstraße 276, nimmt die durch Bad Orb fließende Orb auf und gelangt nach Biebergemünd. Im Ortsteil Wirtheim befindet sich die Biebermündung, die der Gemeinde ihren Namen gab. Die Kinzig fließt nun auf das Stadtgebiet von Gelnhausen. An den Stadtteilen Haitz und Höchst vorbei, durchläuft sie die Kinzigaue bei Gelnhausen. In der Stadtmitte steht die Kaiserpfalz auf einer Flussinsel. Am linken Ufer reicht der Ortsteil Altenhaßlau der Gemeinde Linsengericht bis an den Fluss, der dort von Süden her von Haßelbach und Schandelbach verstärkt wird. Kurz darauf wechseln die Gleise der Lahn-Kinzig-Bahn die Flussseite. Hinter dem Flugplatz Gelnhausen überquert die A 66 das Gewässer ein weiteres Mal. Auf der linken Talseite liegen die Stadtteile Hailer und Meerholz. Die Kinzig berührt nun die Gemarkungen von Lieblos und Rothenbergen der Gemeinde Gründau. Dort mündet ihr der aus dem Spessart kommende Birkigsbach zu.

Unterlauf Im Unterlauf durchfließt die Kinzig einige Waldstücke und kann auch von Kanuten befahren werden. In der Kinzigaue, zwischen dem Segelfluggelände und Langenselbold, mündet in der Nähe des Bahnhofes der Hasselbach. Südlich wird das Tal vom Buchberg begrenzt. Danach fließt sie an Ruhlsee und Kinzigsee vorbei, nimmt den Zufluss Gründau auf und trifft auf das Gebiet der Gemeinde Rodenbach. Südlich des Langenselbolder Dreiecks verläuft ihr Flussbett direkt neben A 45 und A 66, unterquert diese bei Niederrodenbach und fließt durch das Naturschutzgebiet Weideswiesen-Oberwald bei Erlensee.

Die Kinzig zieht nun auf die Gemarkung Rückingen der Stadt Erlensee. Vorbei an der dort stehenden Wasserburg erreicht der Fluss kurz vor Hanau die so genannte Bulau. Dieses Waldgebiet wurde früher von der US Army als Übungsgebiet verwendet und ist daher noch sehr naturbelassen. Bei Hochwasser läuft die Waldaue durch viele Gräben schnell mit Wasser voll, so dass im Frühling weitläufige Bärlauch-Wiesen zu finden sind.

Die Kinzig passiert den Erlensee und das Hanauer Kreuz, nimmt die ebenfalls durch die Bulau fließende Lache auf und verlässt nordwestlich von Hanau-Wolfgang den Wald. Sie unterquert die B 8 sowie die Bahnstrecke Friedberg–Hanau und fließt vorbei an Hanau-Lamboy in die Innenstadt von Hanau. Über ein Streichwehr wird ein Teil ihres Wassers abgezweigt und durch den Schlossgarten geführt. An dieser Stelle wurde im Mittelalter auch das Wasser in die heute nicht mehr vorhandenen Gräben der Stadtbefestigung geleitet. Am Wehr befanden sich auch mehrere Mühlen, wie die Sandelmühle oder die Herrenmühle.

Der aus der Teilung hervorgehende rechte Arm des Flusses unterquert die Wilhelmsbrücke und zieht eine Schleife, den so genannten Kinzigbogen oder auch „Krumme Kinzig“ bezeichnet, um den historischen Stadtkern. Dort mündet der Fallbach in die Kinzig. Danach führt die B 45 und die Trasse der Bahnstrecke Frankfurt–Aschaffenburg über das Gewässer. Etwa 250 m vor der Kinzigmündung fließt der Salisbach als ihr letzter Zufluss in die Kinzig. Nach insgesamt 86 km mündet sie bei Hanau-Kesselstadt an der Hellerbrücke, auf etwa , in den Main. Dort gibt es eine Aussichtsplattform aus zwei ineinandergeschobenen, durch eine Stahlmauer verbundenen Terrassendecks, von wo aus man wie von einem Balkon zum Schloss Philippsruhe oder zum Mainhafen blicken kann. Direkt in der Kinzigmündung befindet sich ein Bootsverleih.

Einzugsgebiet mini|Einzugsgebiet der Kinzig

Das 1058 km² große Einzugsgebiet der Kinzig entwässert über Main und Rhein den nordwestlichen Gebirgsteil des bewaldeten Spessarts, den südlichen Vogelsberg und Teile des Hessischen Landrückens, des Büdinger Waldes sowie des Ronneburger Hügellandes zur Nordsee. Die im Einzugsgebiet der Kinzig liegenden Gebiete von Spessart und Vogelsberg sind sehr wasserreich. Deshalb wurden dort im Jahr 1874 mehrere ergiebige Quellen für die Trinkwasserversorgung von Frankfurt am Main gefasst.

Der nördlichste Punkt des Einzugsgebiets ist der Gipfel der Herchenhainer Höhe, die mit auch die höchste Erhebung des Gebietes ist. Im Osten reicht es bis zu den Sparhöfen am Landrücken und im Süden bis in die Nähe von Neuwirtshaus in der Bulau. Der westlichste Punkt im Einzugsgebiet liegt am Galgenberg zwischen Mittelbuchen und Kilianstädten. Das Einzugsgebiet grenzt im Südosten und Osten an das Einzugsgebiet der Sinn, im Nordosten an das der Fulda, im Nordwesten an das der Nidda, und im Süden an das von Kahl und Lohr.

Zuflüsse Die größten Nebenflüsse der Kinzig, nach Länge und Wasserführung sind:

flussabwärts aufgezählt: mini|Mündung des Elmbaches in die Kinzig Elmbach (rechts) Steinebach (rechts) Ulmbach (rechts) Salz (rechts) Bracht (rechts) Orb (links) Bieber (links) Birkigsbach (links) Gründau (rechts) Lache (links) und Fallbach (rechts).

Eine umfassendere Aufstellung, die auch kleine Zuflüsse enthält, findet sich in der Liste der Fließgewässer im Flusssystem Kinzig (Main).

Orte an der Kinzig (in Flussrichtung von der Quelle zur Mündung, nur die kursiv markierten Orte sind direkte Anrainer) mini|Die Kinzig in Schlüchtern mini|Bei Gelnhausen mini|In Rückingen mini|In Hanau Sinntal Sterbfritz (Quelle) Sannerz Schlüchtern Vollmerz Herolz Schlüchtern Niederzell Steinau an der Straße Steinau Bad Soden-Salmünster Ahl Bad Soden Salmünster Wächtersbach Neudorf Aufenau Wächtersbach Biebergemünd Wirtheim Gelnhausen Haitz Höchst Gelnhausen Linsengericht Altenhaßlau Gelnhausen Roth Hailer Meerholz Gründau Lieblos Rothenbergen Langenselbold Langenselbold Rodenbach (bei Hanau) Niederrodenbach Erlensee Rückingen Hanau Hanau-Wolfgang Hanau-Lamboy Hanau-Innenstadt Hanau-Nordwest Hanau-Kesselstadt (Mündung in den Main)

Fauna Die Kinzig gehört nach ökologischen Gesichtspunkten zur oberen Forellenregion. In ihr kommen u. a. folgende Fischarten vor:

Aal, Fluss- und Kaulbarsch, Brasse, Hecht, Rotfeder, Rotauge, Schuppenkarpfen, Europäischer Wels (Waller), Neunauge, Gründling, Bach- und Regenbogenforelle und Zander.Kinzig, mein-biss

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