Vater der Braut (Originaltitel Father of the Bride) ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahre 1950. Die nach dem gleichnamigen Roman von Edward Streeter (deutscher Titel früher auch Der Brautvater) von Vincente Minnelli inszenierte Komödie mit Spencer Tracy in der Titelrolle handelt von einem Vater, dem es schwerfällt, seine Tochter in die Ehe zu entlassen.
Die Komödie entwickelte sich zu einem der kommerziell erfolgreichsten Hollywood-Filme des Jahres und brachte die Karriere von Elizabeth Taylor in der Rolle der heiratenden Tochter erheblich voran. 1951 entstand die Fortsetzung Ein Geschenk des Himmels, und 1991 sowie 2022 erschienenen Neuverfilmungen des Stoffes.
Handlung
Der Rechtsanwalt Stanley T. Banks hat gerade die strapaziöse Hochzeitsfeier seiner Tochter Kay hinter sich und erinnert sich an die vergangenen drei Monate:
Er lebt mit seiner Frau Ellie und seinen drei Kindern, einer erwachsenen Tochter und zwei jüngeren Söhnen, in einem kleinen Haus, das noch nicht zur Gänze abbezahlt ist, am Rande von Los Angeles. Eines Tages eröffnet die 19-jährige Kay ihren Eltern, dass sie beabsichtigt zu heiraten. Ellie ist ganz angetan, Stanley jedoch fällt aus allen Wolken. Er überlegt, wer derjenige sein könnte, und geht gedanklich die Reihe der jungen Männer durch, die seine Tochter in der letzten Zeit angeschleppt hat. Er ist sich sicher, keinen der Kandidaten leiden zu können.
Der Verlobte Buckley Dunstan hat zunächst einen schweren Stand bei Stanley, der ihm allerlei Fragen über Vermögen und Gehalt stellen möchte. Es stellt sich jedoch heraus, dass Buckley bereits gutes Geld verdient und überdies aus vermögendem Hause kommt. Bei der gegenseitigen Bekanntmachung der Brauteltern in der Villa der Dunstans betrinkt sich Stanley hemmungslos, sodass er am Ende auf dem Sofa einschläft.
Die Dinge nehmen ihren Lauf, ohne dass Stanley etwas dagegen unternehmen kann. Wie bei Hochzeiten üblich, nehmen die Frauen das Heft in die Hand. Er versucht, so gut es geht, mitzuspielen. Als es jedoch um die Kosten geht, sieht er sich gezwungen einzuschreiten. Doch auch hier hat er keine Chance. Für die Hochzeitsfeier, die im elterlichen Haus stattfinden soll, wird eine Hochzeitsagentur beauftragt. Der Hochzeitsplaner Mr. Massoula lässt das halbe Erdgeschoss umbauen und das ganze Haus mit Blumensträußen befüllen.
Stanley versucht, durch Reduzierung der Gästezahl die Kosten zu drücken, aber man wird sich nicht einig, wen man ausladen soll. Noch dazu will er seinen alten Cut anziehen, der ihm viel zu klein ist, was jeder außer Stanley erkennen kann. Schließlich fügt er sich und ein neuer Cut wird geschneidert. Doch Stanley fühlt sich überfordert. Nachts hat er Albträume von der Trauungszeremonie, die in seiner Vorstellung nur aufgrund seines Unvermögens zur Blamage wird. Einmal schlägt er seiner Tochter Kay vor, sie könne ganz heimlich mit Buckley heiraten und dann auf Hochzeitsreise gehen, ohne Zeremonie – doch als Mrs. Banks auf diese Idee empört reagiert, wird sie schnell fallen gelassen.
Kurz vor der Hochzeit will Ellie auf einmal die Hochzeit aufkündigen, weil sie und Buckley sich nicht über den Ort der Hochzeitsreise einig geworden sind. Doch statt den verhassten Schwiegersohn in spe davonzujagen, vermittelt er zwischen den beiden.
Schließlich läuft alles wie geplant, die Trauung ist wunderbar, der anschließende Empfang wird ein Erfolg, jedoch mit einem Wermutstropfen: Stanley schafft es in dem hoffnungslos mit Gästen überfüllten Haus den ganzen Abend nicht, mit seiner Tochter zu tanzen oder sie zumindest zum Abschied zu küssen, als das Paar in die Flitterwochen aufbricht. So bleibt ihm nur ein letztes Telefongespräch mit seiner Tochter, die ihn vom Bahnhof anruft. Stanley und Ellie bleiben am Ende geschafft, aber glücklich in einem chaotischen Wohnzimmer zurück.
Produktionsgeschichte Der Roman Father of the Bride von Edward Streeter erschien 1949 bei Simon and Schuster. Bereits vorab soll sich Metro-Goldwyn-Mayer die Filmrechte gesichert haben: Laut Hollywood Reporter vom November 1948 kaufte das Studio die Filmrechte für 100.000 US-Dollar plus eventuelle Zulagen. Dies war eine außergewöhnlich hohe Summe, in dem Jahr gab kein Hollywood-Studio mehr Geld für Verfilmungsrechte eines einzelnen Werkes aus.
Um die Titelrolle hatte sich zunächst Komikerstar Jack Benny bemüht,Brenda Maddox: Who’s Afraid of Elizabeth Taylor? A Myth of Our Time. Evans, New York NY 1977, ISBN 0-87131-243-3, S. 82.Naremore, S. 93. dem die Produzenten aber unsicher waren, ob er die subtileren und sentimentaleren Aspekte der Figur würde gut verkörpern können. Auch Fredric March, Charles Laughton und Walter Pidgeon sollen für die Rolle des Vaters im Gespräch gewesen sein. Letztlich gab das Studio Metro-Goldwyn-Mayer seinem langjährigen Vertragsschauspieler Spencer Tracy den Vorzug, der vor allem durch seine subtil gehaltene Komik überzeugte. Die Autoren sollen das Drehbuch bereits im Gedanken an Spencer Tracy in der Rolle des Vaters geschrieben haben.
Tracy favorisierte die Besetzung seiner Lebensgefährtin Katharine Hepburn in der Rolle der Mrs. Banks. Letztlich fiel die Wahl des Studios aber auf Joan Bennett, die bereits 18 Jahre zuvor Tracys Filmpartnerin bei den Streifen She Wanted a Millionaire und Me and My Gal gewesen war. Die Rolle der Tochter erhielt Elizabeth Taylor, für die der Erfolg dieses Films ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg von einer bekannten Jungschauspielerin zu einem Topstar war. Elizabeth Taylor heiratete zwei Tage vor der Premiere des Films selbst, den Hotelerben Conrad Hilton junior. Diesen Umstand schlachtete die Presseabteilung von MGM in der Bewerbung des Films aus. Die Hochzeitskleider Taylors, sowohl im Film als auch im echten Leben mit der Hochzeit mit Hilton, entwarf Helen Rose. Taylors Ehe mit Hilton hielt ein Jahr und sollte nur die erste von insgesamt acht Eheschließungen in ihrem Leben sein.
Die Dreharbeiten für den Film unter Regie von Vincente Minnelli fanden im Januar und Februar 1950 statt. Für die Gestaltung der Traumsequenz, die Stanley Banks in der Kirche zeigt, war der spanische Surrealist Salvador Dalí verantwortlich.
Rezeption Veröffentlichung und Einspielergebnisse Nach seiner Premiere am 16. Juni 1950 wurde der Film ein großer Erfolg: Die Verleihmieten, die der Film errang, betrugen 4 Mio. Dollar. Insgesamt spielte er 8,8 Mio. Dollar ein und war damit einer der erfolgreichsten Hollywood-Filme des Jahres 1950.
Die deutsche Erstausstrahlung im Fernsehen fand am 25. Dezember 1969 im ZDF statt.
Fortsetzungen und Neuverfilmungen 1951 wurde unter dem Titel Ein Geschenk des Himmels eine Fortsetzung gedreht, in der Stanley Banks sich mit seiner Rolle als Großvater zurechtfinden muss. Der Film wurde wiederum von Vincente Minnelli inszeniert und von Pandro S. Berman produziert, auch dieselben Schauspieler spielten wieder mit.
1961 lief im US-amerikanischen Fernsehen eine 30-teilige Fernsehserie unter dem Titel Father of the Bride, in der andere Schauspieler die Rollen übernahmen.
1991 erschien die Neuverfilmung des Stoffs mit Steve Martin als Brautvater und Diane Keaton als Brautmutter und Kimberly Williams als Braut in den Hauptrollen. Auch diese war erfolgreich und zog die Fortsetzung Ein Geschenk des Himmels – Vater der Braut 2 (1995) nach sich, die wiederum stark auf den zweiten Film von 1951 rekurriert.
2022 folgte mit Der Vater der Braut eine weitere Neuverfilmung, mit Andy Garcia, Adria Arjona und Gloria Estefan in den Hauptrollen. Der in einer Latino-Familie angesiedelte Film konnte viele Kritiker überzeugen, erreichte aber nicht den kommerziellen Erfolg der Vorgängerfilme.
Kritiken Vater der Braut wurde seit seiner Veröffentlichung mit überwiegend positiven Kritiken bedacht. Bei dem US-Kritikerportal Rotten Tomatoes fallen, basierend auf 30 Kritiken, 90 % der professionellen Filmkritiken positiv aus. Der Kritikerkonsens lautet: „Mit einem großartigen Drehbuch, hervorragenden Darbietungen von Spencer Tracy und Elizabeth Taylor sowie der souveränen Regie von Vincente Minnelli ist Father of the Bride bis heute eine spritzige Komödie ihrer Zeit geblieben.“. Bei Metacritic erhält der Film eine Bewertung, basierend auf neun Kritiken, mit 76 von 100 Punkten.
Bosley Crowther war in der The New York Times vom 19. Mai 1950 positiv gestimmt. Der Film verbinde die Satire über Hochzeitsvorbereitungen mit „Wärme, Schmerz und Verständnis“ und sei dadurch zugleich humorvoll und berührend. Besonders Spencer Tracy wird von Crowther gelobt, als Brautvater verkörpere er „Eifersucht, Hingabe, Stolz und gerechten Zorn“ auf herausragende Weise. Insgesamt sei der Film ein „honey of a picture of American family life“, also eine besonders gelungene Darstellung des amerikanischen Familienlebens.
Michael Wilmington beschrieb den Film 2006 im Chicago Tribune als „eine der besten, witzigsten und kultiviertesten von allen häuslichen Komödien Hollywoods“. Ambivalenter war Dave Kehr 1985 im Chicago Reader: Was eigentlich eine leichtherzige Komödie habe werden sollen, besitze eine seltsame unterschwellige Stimmung der Unzufriedenheit und Verzweiflung. „Spencer Tracy’s kafkaeske Versuche, die Hochzeit seiner Tochter zu stoppen, machen es zu einem der düstersten Filme eines düsteren Jahrzehnts“. Der Albtraumsequenz fehle jeder Hauch von Komödie und erinnere eher an Das Cabinet des Dr. Caligari, Leo G. Carroll sei als finsterer Hochzeitsplaner geradezu „angsteinflößend“.
Im Bereich deutschsprachiger Kritiken notiert das Lexikon des internationalen Films: „Humorvoll übermütige Komödie, von den Hauptdarstellern glänzend gespielt.“ Der Evangelische Filmbeobachter urteilte 1951: „Ein heiteres und gemütvolles Lustspiel um einen Vater, dem nur Zug um Zug die Einwilligung für die Heirat seiner Tochter abgerungen werden kann.“Kritik Nr. 138/1951 Das Handbuch der katholischen Filmkritik bemängelte 1963 die Darstellung der Kirche: „Die lustspielhafte Einbeziehung kirchlicher Zeremonien mindert den Unterhaltungswert dieser sonst humorvollen Komödie.“6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945–1958 (= Handbuch der katholischen Filmkritik. Bd. 5). 3. Auflage. Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 456. Das Lexikon „Filme im Fernsehen“ urteilte 1991:
Analyse Der US-amerikanische Filmwissenschaftler James Naremore bemerkt in seiner Biografie über Regisseur Minnelli, The Films of Vincente Minnelli (1993), einige düstere Zwischentöne an der scheinbar „leichten Familienkomödie“. Es sei die „freundliche, aber satirische Vision einer Vorstadts-Americana“. Als Klassiker amerikanischer Populärkultur sei der Film in den Werken späterer Regisseure wie Peter Bogdanovich, Martin Scorsese und Robert Altman rezitiert worden.Naremore, S. 91–92 Die Neuverfilmung mit Steve Martin aus dem Jahr 1991 sei im Vergleich eher eine übertriebene Stand-up-Komödie, der es am dramatischen Realismus des ersten Films von 1950 fehle, so Naremore. Auch sei Martins Yuppie-Figur ganz in der Konsumwelt einer pompösen Hochzeit zu Hause, während Tracys Figur mit Konsumismus, Theatralität und überbordender Emotionalität spürbar fremdele, wie sie für Hochzeiten typisch seien, vielleicht aber auch die zunehmend durchkommerzialisierte amerikanische Nachkriegsgesellschaft im Ganzen. Tracy spiele einen müden, mittelalten Mann, dessen wiederholter Verlust von Würde humorvoll dargestellt werde. Mutter und Tochter unterlaufen bei den Hochzeitsvorbereitungen wiederholt die klassische, patriarchale Familienstruktur.Naremore, S. 93.