Ibn Mālik (* um 1204/05 in Jaén; † 22. Februar 1274 in Damaskus) war ein spanisch-arabischer Gelehrter. Obwohl er auch in Koran und Ḥadīṯ bewandert war, kennt ihn die Welt hauptsächlich als Grammatiker und Verfasser der Alfiyya, die mit seinem Namen unlösbar verbunden ist.
Biographie aṣ-Ṣafadī (1296–1363), der Verfasser des größten biographischen Lexikons,Bibliotheca Islamica, hrsg. von Hellmut Ritter, Damaskus 1956, Bd. 3, S. 359 ff. schreibt Folgendes über ihn: „Der Scheich Ǧamāl ad-Dīn ibn Mālik, (mit Vornamen) Muḥammad, der Sohn des ʿAbdallāh ibn ʿAbdallāh ibn Mālik, der unvergleichlich hochgelehrte Imām, (mit Eponym) Ǧamāl ad-Dīn (und kunya) Abū ʿAbdallāh, der von den Banū aṭ-Ṭayyiʾ abstammte (), aus JaënIm heutigen Südspanien, ca. 70 km nördlich von Granada. gebürtig war () und zur schāfiʿitischen Rechtsschule gehörte, der Grammatiker, war ein Einwohner von Damaskus. Er wurde geboren im Jahre (sechshundert-)einsIn aṣ-Ṣafadīs Text steht tatsächlich nur ‚im Jahre eins‘, was in modernen Lexika auf diese Zahl korrigiert wird. (ca. 1204–05 AD) und studierte in Damaskus bei MukarramLexikograph, unbekannte Lebensdaten; sein Sohn Ibn Mukarram wurde als Ibn Manzūr (630-711/1233-1311) Verfassers des berühmten lisān al-ʿarab, cf. Edward W. Lane, An Arabic-English Lexicon, London 1863, Band 1 (Vorwort) S. xvi, (Nachdruck ibd. 2003: The Islamic Texts Society). und Abū Ṣādiq al-Ḥasan ibn ṢabbāḥNach einer anderen Textvariante: Waḍḍāḥ. sowie bei Abū l-Ḥasan as-Saḫāwī und anderen. Die Hochsprache () erwarb er sich von mehr als nur einem (Lehrer). Er nahm an den Banketten bei Ibn ʿAmrūn und anderen in Aleppo teil. Er erwarb sich in Aleppo Ansehen durch Unterricht in der Hochsprache und wandte sein Streben der Festigung des Altarabischen () zu, so dass er schließlich die Spitze darin erreichte und die Fortgeschrittensten übertraf. Er wurde zum führenden Experten in den koranischen Lesevarianten () und ihren Begründungen; er verfasste in diesem Fach eine auf Dāl reimende Qaṣīde, welche … (Eine unklare Stelle. Hinweise, wie dies zu verstehen sei, nehme ich dankbar entgegen, d. Ü.).
Was die Lexikographie () angeht, so war er die ultimative Autorität. Der Scheich Šihāb ad-Dīn Abū ṯ-Ṯanāʾ Maḥmūd der Imām, Gott hab ihn selig, berichtete mir wortwörtlich: ‹Eines Tages saß er (im Unterricht) und legte dar, was der Verfasser des muḥkamAbū l-Ḥasan ʿAlī ibn (Aḥmad) ibn Ismāʿīl, genannt Ibn Sīda oder Sīduh (gest. 485/1066), ein blinder, im andalusischen Murcia geborener Gelehrter (cf. Encyclopaedia of Islam, new ed. III 940). Eine vom Dār al-kutub al-ʿilmiyya im Jahr 1421/2000 veranstaltete Ausgabe des muḥkam umfasst zehn Bände. Über das Ansehen, das dieses Wörterbuch genoss, cf. Lane, op. cit. S. xv. gegenüber al-ʾAzharīVerfasser des : Abū Manṣūr Muḥammad ibn Aḥmad ibn al-ʾAzhar (282-329/895-940), Lexikograph aus dem persischen Harāt, der zwei Jahre seines Lebens in der Gefangenschaft von Beduinen in Baḥrain verbrachte, deren Dialekt er studierte; nicht zu verwechseln mit dem 905/1499 gestorbenen gleichnamigen Kommentator der Alfiyya Ibn Māliks. Nach R. Blachère (cf. Encyclopaedia of Islam, new ed. I 822) lag der tahḏīb zu Lebzeiten Ibn Māliks in zehn Bänden vor. an lexikalischem Sondergut aufweist. Und dies, finde ich, ist schon eine staunenswerte Sache, weil er beide Bücher überliefern will›.Der Scheich staunt wohl darüber, dass Ibn Mālik nicht nur das Sondergut des einen, sondern den Stoff beider Bücher auswendig beherrscht. Alternativ könnte es ihn wundernehmen, dass Ibn Mālik das Sondergut () bespricht, aber dann doch beide Bücher wertungsfrei des Überlieferns für würdig hält. Auch berichtete er mir von ihm, dass, wenn er in der ʿĀdiliyya das Gebet verrichtet hatte – er war ja der Imām dieser Medrese –, ihn der Oberrichter Šams ad-Dīn Ibn ḪallikānAbū l-ʿAbbās Šams ad-Dīn Aḥmad ibn Ibrāhīm ibn abī Bakr ibn Ḫallikān ibn Bāwak ibn Šākal ibn al-Ḥusayn ibn Mālik ibn Ǧaʿfar ibn Yaḥyā ibn Barmak, 608-681/1211-1282, Verfasser eines anderen Lexikons mit Lebensläufen berühmter Persönlichkeiten: ; "Ibn Khallikân’s Biographical Dictionary. Translated from the Arabic by Baron MacGuckin de Slane". 4 Bände, London 1847. aus Ehrerbietung vor ihm bis an sein Haus zu begleiten pflegte.
Die Alfiyya des Scheich (Ibn Mālik), die man die Ḫulāṣa nennt, rezitierte ich (zwecks Autorisierung) Wort für Wort vor dem erwähnten Scheich Šihāb ad-Dīn, und zwar hatte er sie mir von ihm (Ibn Mālik) überliefert. Ich überlieferte sie weiter unter Autorisierung von Nāṣir ad-Dīn Šāfiʿ ibn ʿAbdaẓẓāhir und von Šihāb ad-Dīn ibn Ġānim, also unter Autorisierung von beiden, die ihrerseits auch von ihm (Scheich Šihāb ad-Dīn Abū ṯ-Ṯanāʾ Maḥmūd der Imām) bestätigt wurde.Wir erhalten hier einen Einblick, wie im Mittelalter Information gespeichert, übermittelt und verifiziert wurde. Obwohl seit ältester Zeit auch Niederschriften üblich waren: grundsätzlich trug ein Gelehrter seinem Schüler den Stoff mündlich vor (), bis dieser ihn Wort für Wort auswendig hersagen konnte (). Dies hatte er nachzuweisen, indem er den Stoff vor den Ohren des Lehrers rezitierte (), bis die Fassung diesen zufriedenstellte. Dann stellte der Lehrer ihm eine schriftliche Lizenz () aus, die ihn autorisierte, diesen Text anderen zu überliefern.
Was Flexions- und Satzlehre () und die Lehre von den Ableitungen () betrifft, so war er in ihnen ein Meer, dessen Tiefe sich nicht ergründen lässt, und was seine Vertrautheit mit der altarabischen Dichtung angeht, aus der er seine Belegstellen für Flexions- und Satzlehre sowie Lexikographie zitierte, so war es geradezu ein Wunderding; die führenden namhaftesten Gelehrten pflegten vor ihm ratlos zu werden. Was seine Expertise in den Überlieferungen angeht, so war er darin ein Vorbild (). Er belegte viel aus dem Koran, und wenn sich in diesem kein Beleg fand, (erst dann) griff er auf den Ḥadīṯ zurück. Fand sich da auch nichts, so griff er auf die altarabische Dichtung zurück.
Bei alldem war er gläubig und fromm, aufrichtig und ging oft zwei Meilen statt einer, war von gefälligem Betragen und höchstem Intellekt, und von den anderen Maghrebinern hob er sich durch zwei Eigenschaften ab: Freigebigkeit und Zugehörigkeit zur Schule des aš-Šāfiʿī. Er hielt sich eine ganze Weile in Damaskus auf, Bücher verfassend und in der Moschee und dem Mausoleum al-ʿĀdiliyya (als Lehrer) arbeitend. Das Verfassen von Gedichten fiel ihm leicht, sei’s Raǧaz, sei’s Ṭawīl, sei’s Basīṭ.Drei der insgesamt siebzehn Standardmetren der klassischen arabischen Dichtkunst. Er verfasste den , den Saʿd ad-Dīn Muḥammad ibn ʿArabī in hübschen Versen in den höchsten Tönen lobte.“
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Quellen und Erläuterungen
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