Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 4. Wiener Gemeindebezirks Wieden

Historische Straßennamen – Einzelnachweise – Literatur – Weblinks rechts|rahmenlos|210px

A mini|Palais Wessely in der Argentinierstraße 23 Anton-Burg-Gasse, 1876 benannt nach dem Unternehmer Anton Burg (1767–1849); der Tischler und Mechaniker („Hofmaschinist“) errichtete 1797 in Wieden die erste Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen in Österreich, die k.k. Hofackerwerkzeug- und Maschinenfabrik Anton Burg und Sohn. Daneben entwickelte er 1818 nahezu zeitgleich mit dem Deutschen Karl Drais ein Laufrad, die Urform des Fahrrads. Er vermietete diese Laufräder und gründete die erste Fahrschule. auf www.fahrradmuseum-rheinhessen.de, abgerufen am 12. Dezember 2011. auf www.fahrradmuseum-rheinhessen.de, abgerufen am 12. Dezember 2011. Sein Sohn Adam von Burg (1797–1882) war Professor am Polytechnischen Institut und ab 1849 dessen Leiter. Apfelgasse, 1873 benannt nach dem ehemaligen Gasthaus „Zum roten Apfel“. Die Gasse wurde um 1870 als Verbindung zwischen Paniglgasse und Frankenberggasse errichtet, wobei das Gasthaus abgerissen werden musste. Argentinierstraße, 1921 benannt nach Argentinien. Der achtgrößte Staat der Erde unterstützte unter dem Präsidenten Hipólito Yrigoyen Österreich nach dem Ersten Weltkrieg mit einer Spende in der Höhe von 5 Millionen Pesos. Die Straße hieß früher Haferpoint, um 1700 Alleegasse. Bis etwa 1875 war der Häuserblock zwischen Plößlgasse und Theresianumgasse noch nicht vorhanden. Nach der Trassierung der heutigen Plößlgasse wurde der nördliche Teil der Straße von der Karlskirche bis zur Plößlgasse Untere Alleegasse genannt, die Plößlgasse hieß bis 1875 Obere Alleegasse. Um 1875 erfolgte der Straßenbau im noch fehlenden Teilstück; die um 1830 bereits im Stadtplan eingetragene Sophiengasse südlich der Theresianumgasse wurde nun in die Alleegasse einbezogen.

B miniatur|Brahmsplatz Bärenmühldurchgang, 1937 benannt nach der Bärenmühle am Mühlbach beim Wienfluss (Rechte Wienzeile 1), die 1705 vom Müllermeister Georg Mackh erbaut wurde. 1794 wurde die Mühle auf ein benachbartes Grundstück verlegt; 1856 wurde sie eingestellt, nachdem der Mühlbach zugeschüttet worden war. Der Name der Mühle bezog sich auf ein daneben liegendes Gasthaus „Zum Schwarzen Bären“. Um die Mühle rankte sich eine Legende um die Errettung des Müllers vor einem Bären. Heute befindet sich hier ein ebenfalls Bärenmühle genanntes Wohnhaus, das 1937–1938 von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger erbaut wurde. Der Durchgang, 1913 als Gasse projektiert, ist ein durch das Wohnhaus führender Fußweg zwischen Operngasse und Rechter Wienzeile. Siehe auch Mühlgasse. Belvederegasse, um 1860 benannt nach dem Schloss Belvedere, der von Johann Lucas von Hildebrandt (1668–1745) für Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) erbauten Schlossanlage im Bezirk Landstraße, zu der die Gasse führt. Das Obere Belvedere und das Untere Belvedere samt Orangerie bilden mit der verbindenden Gartenanlage ein barockes Ensemble. Der Name „Belvedere“ stammt von italienisch bel vedere („schöne Aussicht“). Die Gasse hieß davor Ferdinandsgasse. Blechturmgasse, 1862 benannt nach dem alten Flurnamen blechernes Thurm-Feld. Der Name leitet sich von einem Eckhaus ab, das seinerzeit mit einem blechernen Turm geziert war und als eines der ältesten Häuser der Vorstadt Wieden gilt. Die Gasse bildet seit 1861 die Grenze zum 5. Bezirk. Sie hieß um 1829 Blecherne Thurmgasse; ihre Verlängerung außerhalb des Linienwalls hieß Alter Bürgerweg. Brahmsplatz, 1898 benannt nach dem deutschen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Johannes Brahms (1833–1897). Seine Kompositionen werden vorwiegend der Romantik zuordnet; durch die gleichzeitige Einbeziehung von klassischen Formen gehen sie aber weit über diese zurück und hinaus. Er gilt als einer der bedeutendsten europäischen Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Brahms wirkte ab 1862 immer wieder in Wien und starb in der Karlsgasse 4 in Wieden. Brucknerstraße, 1901 benannt nach dem Komponisten, Organisten und Musikpädagogen Anton Bruckner (1824–1896). Dem Stil der Romantik verbunden, gehörte er zu den wichtigsten und innovativsten Tonschöpfern seiner Zeit und übte durch seine Werke bis weit ins 20. Jahrhundert hinein großen Einfluss auf die Musikentwicklung aus. Seine bedeutendsten Kompositionen sind seine groß angelegten Sinfonien. Auch die Kirchenmusik hat er um wichtige Werke – unter anderen drei große Messen und ein Te Deum – bereichert. Die Straße hieß davor Brucknergasse. Der Komponist verbrachte sein letztes Lebensjahr im nahen Belvedere.

C Cissy-Kraner-Platz, 2013 benannt nach der Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Cissy Kraner (eigentlich Gisela Kraner, 1918–2012). Sie wirkte ab 1938 auf verschiedenen Kleinkunstbühnen in Bogotá und Caracas. Von 1948 bis 1965 arbeitete sie im Kabarett Simpl, von 1950 bis 1951 spielte sie am „Lachenden Kabarett“ in der Melodies Bar im St. Annahof. Die von Cissy Kraner interpretierten Lieder wurden meist von ihrem Mann Hugo Wiener geschrieben; siehe den in der Nähe befindlichen Hugo-Wiener-Platz in Wieden sowie den Hugo-Wiener-Weg im 22. Bezirk Donaustadt. Der Platz ist eine hausnummernlose Verkehrsfläche an einer Verbreiterung des Mittersteigs in jenem Abschnitt, in dem er die Grenze zum 5. Bezirk bildet.

D Danhausergasse, 1862 benannt nach dem Maler und Grafiker Josef Danhauser (1805–1845); er war Porträt-, Historien- und Genremaler. Seine größte Bedeutung liegt auf dem Gebiet der Genremalerei, in dem er neben Ferdinand Georg Waldmüller und Peter Fendi als wichtigster Maler der Biedermeierzeit in Wien gilt. In seinen Werken zeigt sich eine deutliche sozialkritische Note. Er wurde an der heutigen Adresse 6., Linke Wienzeile 16, geboren und starb auf der Wieden, Paniglgasse 7.

E Erzherzog-Johann-Platz, 1997 benannt nach Erzherzog Johann von Österreich (1782–1859), österreichischer Feldmarschall und deutscher Reichsverweser. In der Steiermark war er durch ein halbes Jahrhundert Förderer und Modernisierer von Industrie, Landwirtschaft und Eisenbahnwesen sowie im Kultur- und Bildungsbereich. Eines seiner Verdienste war die Durchsetzung der Trassierung der Südbahn von Wien nach Triest über den Semmering und durch Mürz- und Murtal nach Graz. Der Platz ist eine zuvor unbenannte platzartige Erweiterung an der Abzweigung der Gusshausstraße von der Favoritenstraße in deren zentrumsnächstem Abschnitt. Auf dem Platz besteht nur eine Hausnummer: Nr. 1, identisch mit Gusshausstraße 30.

F mini|Favoritenstraße, Blick stadteinwärts, rechts das Theresianum Faulmanngasse, 1913 benannt nach dem Schriftsetzer und Stenografie-Theoretiker Carl Faulmann (1835–1894); er veröffentlichte 1878 sein Buch der Schrift, das in bis dahin unerreichter Vollständigkeit alle bekannten Schriftsysteme behandelte. Seine Hauptbeschäftigung war jedoch die Stenografie. Er entwickelte „Gabelsbergersche“ Lettern, die er dann in immer wieder verbesserten Versionen fast vier Jahrzehnte lang zum Druck von Stenografie-Zeitschriften und -Lehrbüchern nutzte. Daneben arbeitete er als Stenografielehrer an höheren Schulen. Favoritenstraße, benannt (Datum unbekannt) nach dem kaiserlichen Lustschloss Favorita (heute: Theresianum), nach dem auch der 1874 geschaffene 10. Bezirk, Favoriten, benannt ist. Der Verkehrsweg war seit alters her südliche Ausfallstraße der Stadt Richtung Ödenburg und Ungarn. Beim kaiserlichen Lustschloß wurde die Straße früher Kaiserallee bzw. Kaiserweg genannt, 1830 scheint der Name Favoriten Linien Straße auf, später zu Favoritenstraße verkürzt (Linie = Tor im Linienwall). Fleischmanngasse, 1825 benannt nach dem LandkutscherGeorg Fleischmann in N.N.: Hof- und Staats-Schematismus des österreichischen Kaiserthums, Teil 1. k.k. Hof- und Staats-Aerarial-Druckerey, Wien 1827, S. 674, abgerufen am 16. Dezember 2011. Georg Fleischmann (1765–1832), bürgerlicher Großfuhrmann, Mitglied des „Äußeren Rats“. Floragasse, 1862 benannt nach dem 1859 gegründeten Florabad in der Klagbaumgasse 4. Das Florabad war ein öffentliches Volksbad („Tröpferlbad“) mit Dusch- und Wannenbädern, das vor allem den Unterschichten die Möglichkeit zu regelmäßiger Körperpflege bot. Die Besitzerin Johanna Wieser erregte in den 1870er Jahren Aufsehen, weil sie als erste Frau eine Badeanstalt betrieb. Nach der Schließung des Bades 1978 wurde in dem Gebäude 1983 das Bezirksmuseum Wieden eingerichtet.Florabad (PDF-Datei; 215 kB) auf www.wieden800.at, abgerufen am 16. Dezember 2011. Frankenberggasse, 1873 benannt nach Heinrich Frankenberg (1809–1869); er war von 1865 bis 1869 Bezirksvorsteher-Stellvertreter von Wieden. Bezirksvorsteher war zu dieser Zeit Anton Burg, Sohn des gleichnamigen Unternehmers; siehe Anton-Burg-Gasse. Freundgasse, 1862 benannt nach dem Anstreichermeister Martin Freund (1748–1825), Mitglied des „Äußeren Rats“. Die Gasse hieß davor Salvatorgasse.

G miniatur|Das Haus Goldegggasse 6, erbaut 1829 von Adam Hildwein mini|rechts|Restaurant Gußhaus in Erinnerung an die „k.k. Kunsterzgießerei“ Goldeggasseamtliche Schreibweise der Verkehrsfläche gemäß u. a. Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen. Ein , der die Anwendung der neuen deutschen Rechtschreibung vorsieht, wurde bislang nicht umgesetzt., 1862 benannt nach der ehemaligen Riede Am Goldegg, die bereits 1381 erwähnt wurde. Der Weinberg lag zwischen Theresianumgasse, Prinz-Eugen-Straße, der heutigen Kolschitzkygasse und der Favoritenstraße. Der Weinbau war bis ins 17. Jahrhundert neben dem Handel der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Wien.Am Goldegg (PDF-Datei; 299 kB) auf www.wieden800.at, abgerufen am 18. Dezember 2011. Die Gasse hieß davor Annagasse. Graf-Starhemberg-Gasse, 1938 benannt nach dem Feldherrn Ernst Rüdiger von Starhemberg (1638–1701); er war seit den 1660er Jahren Militärführer in den Kriegen gegen Franzosen und Türken unter Raimondo Montecuccoli. Ab 1680 war er Wiener Stadtkommandant und der Verteidiger Wiens bei der Zweiten Türkenbelagerung 1683. Starhemberg wurde als Dank für die Rettung Wiens von Kaiser Leopold I. zum Feldmarschall ernannt und erhielt die Würde eines Staats- und Konferenzministers. Ab 1691 war er Präsident des Hofkriegsrats und für die Organisation der österreichischen Armee verantwortlich. Die Rüdigergasse im 5. Bezirk, Margareten, ist ebenfalls nach ihm benannt. Die Gasse hieß seit 1884 Starhemberggasse und davor nach Czeike seit 1825 Karolygasse (nach dem später verbauten Karolyschen Garten, 1792 von Maria Josepha Gräfin Károlyi erworben). Allerdings ist auf dem nach 1830 erschienenen Stadtplan K. K. Polizey Bezirk Wieden von Carl Graf Vasquez die Starhemberggasse bereits eingetragen, und zwar, mit einer kurzen Unterbrechung, von der Maierhofgasse (siehe Mayerhofgasse) bis zum Linienwall bei der Favoriten Linie. Die Karolygasse findet sich auf dem Plan nicht. Große Neugasse, um 1830 benannt nach einem um 1745 neu angelegten Ortsteil. Die Gasse hieß davor Neue Gasse auf der Neuen Wieden und war auch als Grosse Neue Gasse bekannt. Grüngasse, 1862 benannt nach Vinzenz Grün (1812–um 1871), Grundbesitzer; er eröffnete 1850 mit dem Bau von vier Häusern diese Gasse. Die Benennung wäre noch zu seiner Lebenszeit erfolgt, wobei jedoch sein kolportiertes Todesjahr unklar und unbelegt ist. Die Verlängerung der Gasse im 5. Bezirk wurde an Stelle des 1856 zugeschütteten Mühlbachs angelegt. Gußhausstraße, 1873 benannt nach der ehemaligen k.k. Kanonengießerei („Gusshaus“), die 1750 gegründet worden war. Die Fabrik wurde 1851 in das neu errichtete k.k. Artillerie-Arsenal verlegt; stattdessen wurde im Gusshaus die „k.k. Kunsterzgießerei“ eingerichtet, die der Ausbildung junger Künstler in den verschiedenen Techniken der Erzgießerei diente. Ihr erster Leiter war Anton Dominik von Fernkorn. Viele Wiener Denkmäler wurden hier angefertigt. 1869 richtete der Historienmaler Hans Makart im Gusshaus sein Atelier ein. Ab 1896 wurden die Gebäude für eine Mädchen-Malschule genutzt und ab 1916 demoliert.