mini|Die Staaten des Deutschen Bundes Das Deutsche Bundesheer war von 1815 bis 1866 die Streitmacht des Deutschen Bundes. Geregelt waren die militärischen Fragen vor allem in der Bundeskriegsverfassung ab 1821. Der Bund hatte selbst keine Truppen, sondern war auf Truppen der Mitgliedsstaaten angewiesen. Diese Truppen waren in Bundeskorps eingeteilt. Im Bedarfsfall ernannte der Deutsche Bundestag, das einzige Organ des Bundes, einen Bundesfeldherrn.

Von 1848 bis 1850/51 war der Bundestag inaktiv (nach Ansicht der Mitgliedsstaaten) oder aufgelöst (nach Ansicht der Frankfurter Nationalversammlung). Im revolutionären Deutschen Reich 1848/49 waren die Bundestruppen bzw. Reichstruppen dem Kriegsminister der provisorischen Zentralgewalt unterstellt. Ab 1. Dezember 1849 wurde diese Reichsregierung durch eine Bundeszentralkommission abgelöst. 1850/1851 wurde der Bundestag wiederhergestellt.

Der Deutsche Bund selbst besaß die sogenannten Bundesfestungen. Die dort dauerhaft stationierten Truppen gehörten wiederum zu Mitgliedsstaaten. Von 1848 bis 1852 gab es eine Reichsflotte.

Der Deutsche Bund hatte drei Möglichkeiten, Militär einzusetzen: Eine Bundesintervention bedeutete, dass der Bund Truppen schickte, um eine bedrängte, legale Regierung eines Mitgliedsstaates gegen Aufständische zu schützen. Eine Bundesexekution richtete sich hingegen gegen eine Regierung eines Mitgliedsstaates. Grundlage dafür war ein Rechtsbruch dieser Regierung. Ein Bundeskrieg beschützte das Bundesgebiet gegen äußere Feinde.

In der Geschichte des Bundes beschloss der Bundestag mehrmals Bundesinterventionen und Bundesexekutionen. Es gab nur einen einzigen Bundeskrieg, und zwar den gegen Dänemark 1848–1851. Übrige Kriege von Mitgliedsstaaten gegen andere Mächte waren bundesfremde Kriege, sofern sie nicht das Bundesgebiet betrafen. Ursprünglich war der Bund als Bollwerk gegen Frankreich gegründet worden. Zu einer Auseinandersetzung mit diesem westlichen Nachbarn Deutschlands ist es jedoch nie gekommen.

Zum letzten Mal wurden Bundestruppen im Deutschen Krieg 1866 gegen Preußen (und dessen Verbündete) eingesetzt. Danach wurde der Deutsche Bund aufgelöst. In der Zeit der Existenz gab es wiederholt Klagen über den Zustand der Truppen, die dem Bund zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem zögerten Mitgliedsstaaten aus Eigeninteresse die Einsetzung eines Bundesfeldherrn in mehreren Fällen hinaus.

Aufstellung Die Stärke des aktiven Heeres sollte 1835 insgesamt 303.484 Mann betragen, die einzelnen Bundesstaaten folgende Truppen bereitstellen:Georg Ortenburg (Bearb.): Heinrich Ambros Eckert, Dietrich Monten: „Das deutsche Bundesheer“. Nach dem Uniformwerk aus den Jahren 1835 bis 1843. Harenberg, Dortmund 1990, ISBN 3-611-00132-5, S. 16 [Faksimile der Tabelle in der Ausgabe Das deutsche Bundesheer. Christian Weiß, Würzburg 1835]. Bundesstaaten Truppenteile Gesamt Jäger Infanterie Kavallerie Artillerie Pioniere Geschütze Österreich I.,II.,III. Armeekorps 94.826 3.675 69.826 13.546 6.827 948 192 Preußen IV.,V.,VI. Armeekorps 79.234 3.071 58.347 11.319 5.705 792 160 Bayern VII. Armeekorps 35.600 1.380 26.215 5.068 2.563 356 72 Württemberg VIII. Armeekorps (Teile) 13.955 10.826 1.994 1.145 18 Baden VIII. Armeekorps (Teile) 10.000 7.751 1.429 820 20 Hessen-Darmstadt VIII. Armeekorps (Teile) 6.195 4.820 885 508 12 Sachsen IX. Armeekorps (Teile) 31.679 1.168 23.369 4.308 2.473 301 60 Kurhessen IX. Armeekorps (Teile) 5.679 4.402 812 466 10 Nassau IX. Armeekorps (Teile) 4.039 3.721 318 8 Luxemburg Besatzung Festung Luxemburg 2.556 1.981 365 210 4 Hannover X. Armeekorps (Teile) 13.054 10.118 1.865 1.071 217 26 Holstein-Lauenburg X. Armeekorps (Teile)waren in die dänische Armee eingegliedert. Siehe H.A. Eckert „Das Deutsche Bundesheer“ S. 391 3.600 1 Bataillon 2.791 514 295 1 Kompanie 6 Braunschweig X. Armeekorps (Teile) 2.096 1.625 299 172 4 Mecklenb.-Schwerin X. Armeekorps (Teile) 3.580 2.775 511 294 6 Mecklenb.-Strelitz X. Armeekorps (Teile) 718 588 71 59 Oldenburg X. Armeekorps (Teile) 2.800 2.621 179 4 Lübeck, Bremen, Hamburg X. Armeekorps (Teile) 2.190 1.699 312 179 4 Sachsen-Altenburg 1. Btl. der Reservedivision 982 982 Sachsen-Coburg-Gotha 2. Btl. der Reservedivision 1.366 1.366 Sachsen-Meiningen 3. Btl. der Reservedivision 1.150 1.150 Sachsen-Weimar 4. + 5. Btl. der Reservedivision 2.010 300 1.710 Anhalt-Dessau 6. + 7. Btl. d. Reservediv. (Teile) 529 529 Anhalt-Köthen 6. + 7. Btl. d. Reservediv. (Teile) 325 325 Anhalt-Bernburg 6. + 7. Btl. d. Reservediv. (Teile) 370 370 Hessen-Homburg 6. + 7. Btl. d. Reservediv. (Teile) 200 200 Schwarzburg-Rudolstadt 10. Btl. d. Reservediv. (Teile) 539 539 Schwarzburg-Sondershausen 10. Btl. d. Reservediv. (Teile) 351 351 Hohenzollern-Sigmaringen 11. Btl. d. Reservedivision(2 Kompanien) 356 356 Hohenzollern-Hechingen 11. Btl. d. Reservedivision(1 Kompanie) 155 155 Liechtenstein 11. Btl. d. Reservedivision (1 Zug) 55 55 Reuß ä. Linie 12. Btl. d. Reservediv. (Teile) 223 223 Reuß j. Linie 12. Btl. d. Reservediv. (Teile) 522 522 Freie Stadt Frankfurt Stabswache Generalkommando 400 400

Die Truppenteile der Herzogtümer Holstein und Lauenburg waren bis 1864 in die dänische Armee eingegliedert, da der König von Dänemark in Personalunion auch Herzog der beiden Länder war. Dänemark selbst war hingegen nicht Mitglied des Deutschen Bundes und stellte selbst auch keine Truppen. Im Bündnisfall konnten daher auch nur die aus Holstein und Lauenburg stammenden Kontingente mobilisiert werden.

Zumindest für Teile der Pioniere und des Trains des X. Bundeskorps wird Kopenhagen als Ort von Revuen und Inspektionen erwähnt, was auf eine Stationierung dieser Truppenteile in der Stadt schließen lässt.Walther Hubatsch: Die erste deutsche Flotte 1848–1853. E. S. Mittler & Sohn, Herford 1981, S. 81.

Die Minimalkontingente der 18 Klein- und Kleinststaaten wurden 1830 aus den Armeekorps, denen sie bis dahin zugeteilt waren, herausgezogen, da sie durch ihre ungleiche Ausbildung und Bewaffnung taktisch eine Belastung darstellten. Man fasste sie zur Reservedivision zusammen, mit der Aufgabe, im Konfliktfalle die Bundesfestungen zu verstärken. Die freie Stadt Frankfurt stellte ihr Kontingent in Stärke eines Infanteriebataillons stets zum Schutz des Hauptquartiers der Armee. Die Bundesfestung Mainz war allein der Kurhessischen Armee anvertraut worden.

Aufgaben, Einsätze und Kampfhandlungen mini|Schaubild zur Funktionsweise des Deutschen Bundes. Einziges Organ war der Bundestag. Durch das relativ friedliche Zeitalter des Biedermeier ist dem Bundesheer eine große Bewährungsprobe lange erspart geblieben. Ohne den starken Rückhalt der beiden militärischen Großmächte Preußen und Österreich hätte es wahrscheinlich auch gar nicht zu einer solchen kommen können. Die Truppen der Klein- und Mittelstaaten waren allein nicht stark genug, um eine Bedrohung von außen abzuwehren. Erfüllt werden konnten die Aufgaben, die im Inneren des Reiches gestellt worden waren, so die Bundesexekution gegen das Herzogtum Braunschweig 1829 und gegen die Freie Stadt Frankfurt 1834. Allerdings waren hier keine Truppeneinsätze erforderlich, da bereits die alleinige Androhung ausgereicht hatte. mini|Preußische Artillerie bei Langensalza 1866 Auch bei den Bundesinterventionen genannten Hilfsmaßnahmen für durch Unruhen oder Revolutionen in Bedrängnis geratene Mitglieder war man erfolgreich. 1830 griff das Bundesheer in Luxemburg ein, 1833 in Frankfurt, 1848/49 in der Rheinpfalz und in der Badischen Revolution sowie 1850 und 1852 in Kurhessen. In allen Fällen wurden durch (damals so genannte) Polizeimaßnahmen Ruhe und Ordnung wiederhergestellt, wobei nicht nur die beiden deutschen Großmächte beteiligt waren, z. B. rückten Großherzoglich-Hessische Truppen in Baden ein.

Zum ersten größeren kriegerischen Einsatz kam es anlässlich des Bundeskrieges gegen Dänemark im Jahre 1848–1850/1851. Die etwa 9.000 Schleswig-Holsteinischen Soldaten wurden von etwa 14.000 Preußen, 11.000 Hannoveranern, Oldenburgern, Mecklenburgern, Braunschweigern und noch anderen Kontingenten unterstützt.

Auch wurde am 14. Juni 1848 von der Nationalversammlung in Frankfurt am Main eine Reichsflotte gegründet. In der kurzen Zeit 1848/1849 gelang es, einen kleineren Bestand von Schiffen zu kaufen und umzurüsten. Im Krieg gegen Dänemark kam die Reichsflotte allerdings so gut wie gar nicht zum Einsatz. Nach Niederschlagung der deutschen Revolution ging die Reichsflotte auf dem Weg der Bundeszentralkommission auf den wiederhergestellten Deutschen Bund über. Zwar gab es Pläne zur Weiterführung und zum Ausbau der Flotte als Bundesflotte, doch letztlich wollten weder der Deutsche Bund noch ein Mitgliedsstaat die Kosten dafür tragen. Grund dafür war neben der Kostenfrage das Kriegsende zwischen Deutschland und Dänemark: Eine deutsche Flotte wurde nicht mehr unmittelbar benötigt. 1852/1853 verkaufte Bundeskommissar Laurenz Hannibal Fischer die Schiffe.

Bedingt durch die immer noch ungelöste Schleswig-Holstein-Frage und den von dänischer Seite ausgelösten Verfassungskonflikt rückten Bundestruppen Ende 1863 mit je einer Brigade Österreicher, Preußen, Sachsen und Hannoveraner in Holstein ein. Diese Bundesexekution gegen die Herzogtümer Holstein und Lauenburg ist vom darauf folgenden Deutsch-Dänischen Krieg (1864) zu unterscheiden; dieser Krieg wurde nur von Österreich und Preußen (gegen Dänemark) geführt, nicht vom Bund. Die Gebiete wurden nach dem Krieg in einem österreichisch-preußischen Kondominium verwaltet.

Streitigkeiten über die Zukunft dieser Gebiete und letztendlich über die Vorherrschaft im Deutschen Bund führten schließlich zum Deutschen Krieg von 1866, vor dem Österreich die militärische Maßnahmen gegen Preußen beantragte. Preußen erklärte den Deutschen Bund einseitig für aufgelöst und besiegte die verbündeten Bundestruppen. In der Schlacht bei Königgrätz wurden die Österreicher geschlagen.Allmayer-Beck/Lessing: Die k.(u.)k. Armee Bertelsmann. Verlag 1974, S. 72. Die Hannoveraner besiegten zwar die Preußen und Sachsen-Coburger zunächst bei Langensalza am 27. Juni 1866, mussten jedoch ihrerseits zwei Tage später wegen hoher Verluste und Nachschubschwierigkeiten den Kampf einstellen.Sammlung von Augenzeugenberichten über die Schlacht bei Langensalza 1866. Rockstuhl 2001. Andauernde Streitigkeiten über die richtige Taktik waren auch der Grund, weshalb der Verband der süddeutschen Truppen (Badener, Bayern, Württemberger, Hessen-Darmstädter, Nassauer und Österreicher) in seinen Aktionen gelähmt blieb und von Preußen ohne große Schwierigkeiten besiegt werden konnte. (Die Kurhessische Armee hatte wegen der preußenfreundlichen Haltung des Kurfürsten ohnehin nur widerstrebend mobilgemacht. Sie stellte das Hauptkontingent der Festungsbesatzung von Mainz und war in so gut wie keine Kampfhandlungen verwickelt.)Gordon A. Craig: Königgrätz. Bechtermünz, Augsburg 1997. Dank seiner besseren Mobilität, Ausbildung, Bewaffnung und nicht zuletzt Motivation behielten die Preußen in diesem Krieg die Oberhand.

Bewertung Der Deutsche Krieg wurde zur eigentlichen Bewährungsprobe des Deutschen Bundes und seiner Bundestruppen. Kaernbach zufolge zeigte die Abstimmung vom 14. Juni 1866 im Bundestag noch einmal die Schwächen des Bundes. Die Mitgliedsstaaten machten allerlei Vorbehalte oder stimmten nicht einmal ab.Andreas Kaernbach: Bismarcks Konzepte zur Reform des Deutschen Bundes. Zur Kontinuität der Politik Bismarcks und Preußens in der deutschen Frage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991, S. 237. Die Ernennung eines Bundesfeldherrn verschleppte sich, und im Krieg wurden die eigenen Truppen vor allem dazu verwendet, das eigene Gebiet zu verteidigen, anstatt Preußen gemeinsam zu bekämpfen.