Die Bahnstrecke Kiel Süd–Schönberger Strand ist eine 24 Kilometer lange, eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn in Schleswig-Holstein. Sie führt von der Landeshauptstadt Kiel über Schönkirchen und Probsteierhagen zum Ostseebad Schönberg (Holstein).

Die Kleinbahn-AG Kiel–Schönberg nahm die Strecke von Kiel Kleinbahnhof nach Schönberg (Holst) 1897 als Kiel–Schönberger Eisenbahn (kurz KSE) in Betrieb und verlängerte die Kleinbahn 1914 nach Schönberger Strand. Die Strecke ist im Volksmund als Hein Schönberg bezeichnet. Der Abschnitt Kiel Süd–Oppendorf wird nach dem gleichnamigen Fluss zusammen mit der Bahnstrecke Kiel-Oppendorf–Kiel Ostuferhafen auch als Schwentinebahn oder Schwentine-Bahn (kurz SB) bezeichnet.

Geschichte mini|Vorzugsaktie über 1000 Mark der Kleinbahn-AG Kiel–Schönberg vom 4. Februar 1905

Errichtung, Inbetriebnahme und erste Betriebsjahre Die Bahnstrecke wurde von Lenz & Co GmbH erbaut und ging 1897 als Kleinbahn in Betrieb.

Am 22. Juli 1910 wurde die 4,2 Kilometer lange Anschlussbahn nach Neumühlen-Dietrichsdorf (heute Kiel Ostuferhafen) zum Ostufer der Kieler Förde in Betrieb genommen. Diese diente in früheren Zeiten der Belieferung der 1983 aufgegebenen Howaldtswerke sowie des Marineöldepots in Mönkeberg. Die Anschlussbahn versorgte von 1970 bis 2021 das Gemeinschaftskraftwerk Kiel und seit den 1980er-Jahren den Ostufer-Containerhafen.

Die Verlängerung der Strecke um vier Kilometer von Schönberg nach Schönberger Strand und der neue Durchgangsbahnhof in Schönberg zur Umfahrung des alten Kopfbahnhofs gingen am 18. Juni 1914 in Betrieb. Der Kopfbahnhof wurde als Güterbahnhof weitergenutzt.

Eine zweite, mit rund fünf Kilometern etwas längere Anschlussbahn existierte von Trensahl bis zum Marineartilleriearsenal Laboe. Darüber hinaus wurden während des Zweiten Weltkrieges mehrere Flugabwehrstellungen in der Probstei mit der Bahn erschlossen. In Stakendorf und Fiefbergen waren dafür Gleisanschlüsse vorhanden.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Die aus den Gleisanschlüssen resultierende militärische Bedeutung führte zu größeren Zerstörungen, so dass der Betrieb 1945 zeitweise zum Erliegen kam.

Trotz steigender Fahrgastzahlen konnte kein Überschuss mehr erwirtschaftet werden. Betriebsmittelpunkt war der Bahnhof Schönberg mit einem zweigleisigen Lokomotivschuppen, größere Untersuchungen wurden in der Werkstatt der Kleinbahn Kiel–Segeberg in Bornhöved durchgeführt.

1963 wurde die Bahn von Kleinbahn-AG Kiel–Schönberg umbenannt in Kiel–Schönberger Eisenbahn KSE (KSE war bis 1961 die Abkürzung für die Betriebsmittelpunkt) und 1966 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, an der die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEG) keine Anteile mehr hielt. Der Betriebsführungsvertrag mit der DEG wurde noch einige Jahre fortgeführt. Kurz darauf wurde die Verwaltung und Betriebsleitung der KSE mit dem 1965 gegründeten Busunternehmen Verkehrsbetriebe Kreis Plön (VKP) zusammengelegt.

Museumsbetrieb im Nordostabschnitt Um einem Rückbau des Abschnitts Schönberg–Schönberger Strand zuvorzukommen, übernahm der Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn diesen Abschnitt.

Im Bahnhof Schönberger Strand wurden 1978 in Lübeck Hauptbahnhof spielende Szenen der Fernsehserie Die Buddenbrooks gedreht, wofür ein Bahnsteigdach als Filmkulisse aufgestellt und danach stehen gelassen wurde. In den 1990er Jahren war der Bahnhof als Hauptbahnhof Stenkelfeld ein Drehort der für die Fernseh-Adaption der Radio-Comedy-Serie Stenkelfeld.Detlev Gröning, Harald Wehmeier: Stenkelfeld – Neue Bahntarife. Norddeutscher Rundfunk (online auf YouTube; abgerufen am 13. Juli 2020).

Der Abschnitt Schönberg–Schönberger Strand gelangte 1983 in das Eigentum der Gemeinde Schönberg.

21. Jahrhundert Nachdem es 2007 Verhandlungen mit den VKP betreffend einer Übernahme oder Pachtung der Strecke durch den Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn von Schönberg bis Schönkirchen gegeben hatte, einigte man sich mit der LVS, dem Landesverkehrsministerium und der VKP, die Betriebsführung zwischen Schönkirchen und Schönberg bis auf weiteres bei der VKP zu belassen. Im Winter 2007/2008 wurden umfangreiche Ausbesserungsarbeiten zwischen Landgraben und Passade durchgeführt, um die Befahrbarkeit der Gleise für die nächsten Jahre zu sichern. Im Zuge dieser Arbeiten wurde im März 2008 die Zufahrt in den alten (ersten) Bahnhof Schönberg (Holstein) abgebrochen. Das Bahnhofsgelände wurde in der Folge mit einem Supermarkt und Parkplätzen überbaut.

2007 wechselte der Abschnitt Kiel Süd–Oppendorf wie auch der Anschluss Oppendorf–Kiel Ostuferhafen in das Eigentum der Seehafen Kiel.

Die NAH.SH (vormals „Landesweite Verkehrsservicegesellschaft LVS“) plante, die Strecke Kiel–Schönberger Strand im Rahmen des Projektes StadtRegionalBahn Kiel zu reaktivieren. Dabei ist ein kombiniertes Bus-Bahn-Angebot vorgesehen, mit dem kleinere Gemeinden mittels Zubringerverkehr an die Bahnhöfe der Strecke angebunden werden. Die Fahrtzeit würde sich mit 30 Minuten im Vergleich zu den heutigen Busfahrzeiten halbieren.

Planungen zur Wiederaufnahme des Personennahverkehrs Im Frühjahr 2013 gründete sich eine Bürgerinitiative gegen die Reaktivierung der Kiel–Schönberger Eisenbahn. Insbesondere Bürger aus Probsteierhagen und weiteren kleineren Dörfern der Probstei befürchten eine schlechtere Anbindung ihrer Orte, erhöhten Verkehrslärm und eine steigende Unfallgefahr. Dem steht ein geplantes Bus-Bahn-Konzept gegenüber, dessen Buslinie die kleineren Orte weiterhin erschließen soll.

Die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein (LVS) gab Mitte April 2013 bekannt, dass sie die Vorentwurfsplanungen für die Reaktivierung der Strecke zu großen Teilen fertiggestellt hat. Ab Herbst 2013 sollte mit dem 30 Millionen Euro teuren Ausbau begonnen werden. Die Höchstgeschwindigkeit sollte auf 80 km/h, teilweise auf 100 km/h, erhöht werden. Hierzu müssen zwei Abschnitte neu trassiert werden. Dabei soll die Strecke mit drei Kreuzungsbahnhöfen ausgestattet werden. Nach dem erfolgten Ausbau sollten ab Dezember 2016 Züge im Stundentakt zwischen dem Kiel Hauptbahnhof und Schönberger Strand verkehren.

Nahverkehr auf der Teilstrecke Kiel–Oppendorf Ab Juli 2013 wurde der neue Haltepunkt Kiel Schulen am Langsee am Bahnübergang an der Preetzer Straße errichtet, am 30. August 2013 eröffnet und der planmäßige Verkehr mit einem morgendlichen Zug am 2. September aufgenommen. Er sollte bereits im Oktober 2012 reaktiviert werden, um den Schülerverkehr auf dem Teilstück Innenstadt–Regionales Bildungszentrum Technik (RBZ) auf die Schiene zu verlagern. Diese Maßnahme konnte jedoch nicht rechtzeitig umgesetzt werden.NahverkehrHAMBURG, 31. August 2012, Teil-Reaktivierung von alter Bahnstrecke verzögert sich

Zu Jahresbeginn 2014 pachtete die AKN Eisenbahn die Teilstrecke Kiel-Gaarden–Oppendorf von der Seehafen Kiel GmbH und begann als Infrastrukturbetreiber mit der Instandsetzung im Kieler Stadtgebiet Hintergrund war die von der NAH.SH geplante Betriebsaufnahme auf der Strecke bis Schönberger Strand. Die Zugleistungen sollten zunächst durch DB Regio erbracht werden. Dazu wurden ab 2016 in Ellerbek und Oppendorf zwei neue Haltepunkte errichtet, daneben sollten technische Erneuerungen der Strecke mit einem elektronischen Stellwerk (ESTW), neuer Signaltechnik in Oppendorf sowie neuer Sicherungstechnik der Bahnübergänge mit Lichtzeichenanlagen mit Halbschranken erfolgen.

Am 30. August 2016 fand der Spatenstich zum Neubau des Haltepunktes Ellerbek statt.

mini|Bahnhof Oppendorf Zur Kieler Woche im Juni 2017 wurden die teilweise verlegten und neu mit einem 76 cm hohen und 100 m langen Bahnsteig versehenen Haltepunkte Kiel-Ellerbek und Oppendorf in Betrieb genommen.

Reaktivierung Oppendorf–Schönberger Strand 2018 übernahm die AKN Eisenbahn von den Verkehrsbetrieben Kreis Plön den Abschnitt von Kiel-Oppendorf bis Schönberg und begann mit der Sanierung zwischen Oppendorf und Trensahl.

Im März 2019 wurde bekannt, dass der weitere Ausbau zwischen Oppendorf und Schönberg mit bisher nicht bekannten Kosten verbunden ist. So besteht der Unterbau der Strecke aus Sand und nicht aus einem Schotterbett, so dass dieser gesamte Unterbau erneuert werden müsste. Dies sollte die geplanten Kosten von 35 auf 50 Millionen Euro steigern. Die Vorarbeiten für die Reaktivierung der Strecke waren nahezu abgeschlossen. Nach dem Planfeststellungsbeschluss sollten die Ausbauarbeiten für Haltepunkte und Gleisarbeiten im Herbst 2020 anlaufen. Der Termin für die Einführung des Stundentakts wurde mit frühestens 2022 angegeben.

Eine erneute Untersuchung ergab, dass das entscheidende Nutzen-Kosten-Verhältnis bei 1,2 (zuvor 1,3) liegt und somit weiterhin positiv hinsichtlich der Zuschüsse ist. Laut der Gutachter wurden weitere Sparmöglichkeiten betrachtet. So sollen zwei Umläufe reichen, um den Verkehr auf der 25 Kilometer langen Strecke betreiben zu können. Kostensenkend wirkt der Einsatz moderner Triebwagen, die das Land als Batterie-Züge beschafft. Die Gutachter gehen zudem davon aus, dass möglicherweise mehr als die bisher kalkulierten 2200 Fahrgäste täglich einsteigen.

Anfang 2021 begann die AKN Eisenbahn mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen. Der angestrebte Termin zur Wiedereröffnung war mangels Planungskapazität des Amtes für Planfeststellung nicht haltbar und wurde zunächst auf Ende 2025 verschoben. Im Juni 2022 wurde die Instandsetzung zwischen dem Bahnhof Probsteierhagen und dem Bahnübergang Eichsollskamp abgeschlossen, im weiteren Verlauf bis zum Bahnhof Schönberg fehlten noch Restarbeiten. Für den Abschnitt zwischen Schönberg und Schönberger Strand schlossen der Eigentümer, der Verein für Verkehrsamateure und Museumsbahn sowie die AKN Eisenbahn einen langfristigen Erbbaurechtsvertrag, bevor dieser Abschnitt am 30. Juni 2023 zum Baugleis erklärt wurde, um im Oberbau die Kiesbettung durch ein Schotterbett mit Stahlschwellen zu ersetzen. Am 27. Juli 2024 wurde die Strecke wieder in Betrieb genommen – vorerst nur mit Museumszügen des VVM Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn e. V. Am 5. Dezember 2024 stellten der Ministerpräsident Daniel Günther und der Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen einen neuen Zeitplan vor, wonach bis Ende 2025 nur der Abschnitt bis nach Schönkirchen realisiert werden kann. Der weitere Verlauf bis Probsteierhagen wurde auf Ende 2026 und der letzte Abschnitt bis Schönberger Strand auf Ende 2027 verschoben. Das Amt für Planfeststellung Verkehr Schleswig-Holstein übergab am 6. Februar 2025 den Planfeststellungsbeschluss an die AKN. Laut AKN-Chef Matthias Meyer werden an drei Stellen Linienverbesserungen vorgenommen, um eine Streckengeschwindigkeit bis zu 80 km/h zu ermöglichen. Des Weiteren sollen zur Lärmminderung mehrere Schienenstegdämpfer installiert werden und es soll ein neuer Bahnhof in Probsteierhagen an der Lindenstraße (der Lage des ehemaligen Bahnhofs) entstehen. Für den Bau des Bahnhofs Schönkirchen und die Erneuerung der Brücke über die Hagener Au in Probsteierhagen wurde der Abschnitt Kiel-Oppendorf–Schönberg (Holst.) vom Februar 2025 bis November 2025 betrieblich gesperrt und zum Baugleis erklärt, so dass die Museumsbahn nur zwischen Schönberger Strand und Schönberg (Holst.) verkehren kann. Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 wurde die Strecke zwischen Oppendorf und Schönkirchen für den regelmäßigen Betrieb reaktiviert.

Perspektive nach 2030 – Taktverdichtung zur S-Bahn-Linie