mini|Ansicht Von-Melle-Park 3 mit Haupteingang, Lesesaal und Magazinturm mini|Altbau der Stabi, ehemals Wilhelm-Gymnasium mini|Lichthof im Altbau der Stabi mit Teilnehmern einer Konferenz der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung (2020) mini|Blick auf einen Teil des Lesesaals der Stabi (2018) mini|Blick auf einen Teil des Lesesaals der Stabi (2006)
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg „Carl von Ossietzky“ (kurz Stabi oder SUB Hamburg) ist die größte wissenschaftliche Bibliothek des Stadtstaates Hamburg und der Metropolregion Hamburg. Sie ist seit 2011 ein Landesbetrieb im Geschäftsbereich der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung.
Sie fungiert als zentrale Bibliothek der Universität Hamburg und der anderen staatlichen Hochschulen und Forschungsinstitutionen (Universitätsbibliothek) und dient zugleich der Literatur- und Informationsversorgung von Wissenschaft, Kultur, Presse, Wirtschaft, Verwaltung und interessierter Öffentlichkeit.
Sie versieht die Aufgaben einer Landes- und Archivbibliothek und hat das Pflichtexemplarrecht für Hamburg inne. Sie nimmt somit eine bedeutende Stellung innerhalb der Hamburger Bibliotheken ein. Zu Ehren des aus Hamburg stammenden Publizisten und Friedensnobelpreisträgers trägt sie seit 1983 den Namen von Carl von Ossietzky.
Seit 2013 vergibt sie jährlich den Literaturpreis HamburgLesen. Direktor der SUB Hamburg ist seit dem 2. September 2019 Robert Zepf.
Lage und Gebäude Ihren Hauptsitz hat die SUB seit 1945 im Stadtteil Rotherbaum im Bezirk Eimsbüttel. Hier liegt sie unmittelbar am Hauptcampus der Universität mit der Adresse Von-Melle-Park 3.
Der Gebäudekomplex besteht aus dem an der Ecke Grindelallee/Moorweidenstraße gelegenen „Altbau“ des ehemaligen Wilhelm-Gymnasiums, einem daran anschließenden 16-stöckigen Magazinturm aus dem Jahre 1960 und dem zum Von-Melle-Park hin orientierten Hauptgebäude („Neubau“) von 1982. In letzterem befinden sich das Ausleihzentrum mit SB-Bereich und Lehrbuchsammlung, das Informationszentrum, fünf Lesesäle, die Medienwerkstatt, ein Vortragsraum, ein Ausstellungsraum sowie eine Cafeteria.
Im Altbau sind neben dem Carl von Ossietzky-Lesesaal verschiedene Spezialbibliotheken untergebracht: die Bibliothek des Ärztlichen Vereins, die „Wolfgang-Schweizer-Bibliothek, Homöopathische Bibliothek Hamburg“, das Wolfgang-Borchert-Archiv, die Linga-Bibliothek und die Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur. Bis 2014 befand sich hier auch die Hamburger Theatersammlung und das Zentrum für Theaterforschung. Mit der Übergabe der Bestände von der Universität Hamburg wurden diese mit den theaterhistorischen Beständen der Bibliothek vereint. Sie können nunmehr über den Campus-Katalog ausgeliehen werden.
Als Magazin dienen ein 16-stöckiger Turm, ein Kompaktmagazin sowie eine weitere Speicherbibliothek in Bergedorf.
Geschichte Hamburger Ratsbibliothek Als erste öffentliche Bibliothek in Hamburg wurde 1479 eine Ratsbibliothek eingerichtet. Sie war im Rathaus untergebracht und ging auf eine Stiftung des Bürgermeisters Hinrich Murmester zurück, der in Italien Jura studiert hatte und dort mit dem Humanismus in Kontakt gekommen war. Die Bibliothek sollte „jedem ehrbaren Manne“ offenstehen. Für einige Jahre finden sich in den Akten der Hamburger Kämmerei Ausgaben der Stadt für den Unterhalt der Bibliothek. Über ihren endgültigen Verbleib ist allerdings nichts bekannt.
Schulbibliothek im ehemaligen St. Johannis-Kloster Nach der Reformation 1529 wurde in Hamburg von Johannes Bugenhagen eine neue Kirchenordnung eingeführt. Mit ihr wurde nicht nur eine neue Lateinschule, das Johanneum, eingerichtet, sondern auch eine Bibliothek, die in den Schulräumen im ehemaligen Kloster St. Johannis (auf dem heutigen Rathausmarkt) aufgestellt war. Darin sollten nach der Kirchenordnung „alle boke gudt und bose“ versammelt werden. Wahrscheinlich wurden in dieser Bibliothek vor allem die Bücher der durch die Reformation aufgelösten Klöster aufgestellt.
Als 1610 die Schule reformiert wurde und 1613 am Johanneum mit der Einrichtung des Akademischen Gymnasiums begonnen wurde, warb der Ratsherr und spätere Bürgermeister Sebastian von Bergen Geld und Buchspenden ein. Stiftungen wurden nicht nur von Ratsherren und Hamburger Gelehrten gemacht, sondern auch von einigen Zünften. Die Bücher, die erworben und gestiftet wurden, waren hauptsächlich repräsentative Ausgaben der antiken Klassiker und Werke der Theologie und Geschichte, sie wurden zunächst in der Prima der Gelehrtenschule aufgestellt. Unter dem Rektorat des Naturwissenschaftlers Joachim Jungius blieb das Johanneum zunächst mit dem Gymnasium vereinigt, 1640 jedoch wurden die Lehreinrichtungen formal getrennt und auch der Buchbestand auf zwei Schulbibliotheken verteilt, wobei dem Akademischen Gymnasium der weitaus größere Anteil zukam.
Die gemeine Bibliothek mini|Stadtbibliothek und Johanneum im alten Johanniskloster, um 1800 Als der Gymnasialbibliothek größere Privatsammlungen angeboten wurden, wurde 1649 ein Bibliothekssaal im Johanniskloster über dem Gymnasium hergerichtet und repräsentativ ausgestaltet. Besonderen Eindruck machte auf die Zeitgenossen eine Kuppel, in der der Sternenhimmel mit den Sternen, Sternbildern und Gradkreisen dargestellt war, also eine Art Himmelsglobus. Die Sterne bestanden aus vergoldetem Blech und waren an ihrem „natürlichen Ort“ angebracht. Die Positionen hatte ein Mathematiker in die Kuppel übertragen. Otto Wagenfeld besorgte die künstlerische Gestaltung. Es wurde auch erstmals ein besoldeter Bibliothekar berufen und eine Bibliotheksordnung erlassen, nach der die Benutzung erstmals allen Bürgern ermöglicht wurde.
Der Gelehrte und Jurist Friedrich Lindenbrog vermachte der Bibliothek 1648 seine Sammlung, die neben humanistischen und juristischen Werken auch wertvolle Handschriften enthielt. Ein Jahr später verkaufte der Mathematikprofessor Johann Adolf Tassius der Stadt Hamburg seine Bücher und mathematischen Instrumente für eine Leibrente von 60 Lübischen Mark für sich und seine Frau. Der Wert der Sammlung soll die Zahlung weit überschritten haben. Sein handschriftlicher Nachlass kam nach seinem Tode ebenfalls an die Bibliothek. Der Stadtphysikus Paul Marquard Schlegel vermachte der Bibliothek seine medizinische Literatur, Handschriften und Präparate, die 1657 übernommen wurden. Weitere bedeutende Sammlungen erhielt die Bibliothek 1663 von Thomas Selle, 1677 von Lukas Holste, 1691 von Heinrich Langenbeck und 1704 von Vincent Placcius.
Hamburger Drucker und Verleger erhielten 1696 die Abgabepflicht an die Bibliothek, die seither das Pflichtexemplarrecht besitzt. Ab 1726 wurden außerdem alle neuen Mitglieder des Senats verpflichtet, der Bibliothek ein Buch zu schenken. 1739 erhielt diese eine weitere besonders bedeutsame Schenkung: Die Sammlung des Hauptpastors der Katharinenkirche, Johann Christoph Wolf, im Umfang von etwa 25.000 Drucken, orientalischen Handschriften und der Uffenbach-Wolfschen Briefsammlung. Die Bibliothek verdoppelte dadurch ihren Bestand, konnte die Zuwächse jedoch im vorhandenen Gebäude vorerst noch nicht unterbringen. 1744/45 wurde dieses deshalb abgerissen und an selbem Ort ein Neubau errichtet.
Die öffentliche Stadtbibliothek Im Jahr 1751 wurde das neue Gebäude eingeweiht, in dem die Bibliothek und das Johanneum weiterhin eng miteinander verbunden waren. Es wurde eine Bibliotheksordnung erlassen und die Institution fortan als „öffentliche Stadtbibliothek“ bezeichnet. Sie war dennoch zunächst nur sehr unregelmäßig geöffnet, erst ab 1781 wurden festgelegte Zeiten eingehalten. Bei der Versteigerung der Dombibliothek 1784 erhielt die Stadtbibliothek nichts, 1791 jedoch die Bibelsammlung des Hamburger Hauptpastors Johann Melchior Goeze. Ab 1801 wurde ihr ein jährlicher Erwerbungsetat zugewiesen.
Während der Hamburger Franzosenzeit wurden die kostbarsten Bestände ausgelagert, um sie vor einer Beschlagnahmung zu sichern. 1834 wurden besondere Teile der Büchersammlung von Arnold Schuback bei einer Auktion erworben. mini|Johanneums-Neubau von 1840 am Speersort, Sitz der Bibliothek bis 1943 mini|Lesesaal der Stadtbibliothek am Speersort, um 1900 1840 zog man mit der Gelehrtenschule des Johanneums in einen Neubau am Speersort auf dem Grundstück des zuvor abgerissenen Doms um, wo die Stadtbibliothek auch vom Hamburger Brand verschont blieb.
Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche weitere Sammlungen übernommen, darunter die mittelalterlichen Handschriften der Sankt-Jacobi-Kirche und des örtlichen Beginenkonvents, eine Reihe von Nachlässen Hamburger Persönlichkeiten sowie Teilbibliotheken des früheren Bürgermeisters Johann Georg Mönckeberg, des Schriftstellers Friedrich Nicolai und des Klopstock-Forschers Friedrich Cropp. Museale Sammlungen wurden hingegen an andere städtische Institutionen abgegeben, darunter auch das seither an der Kunsthalle befindliche Münzkabinett. Aus den naturkundlichen Sammlungen wurde 1843 das Naturhistorische Museum gegründet, das bis 1891 im selben Gebäude am Domplatz verblieb. Um 1900 verfügte die Stadtbibliothek über rund eine halbe Million Bände.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden eine Papyrussammlung, eine Bismarck-Sammlung und 1914 eine Weltkrieg-Sammlung begründet und es wurden Judaica und Hebraica von Hajjim Baruk Levy angekauft. 1914 zog die Gelehrtenschule des Johanneums in den seither genutzten Gebäudekomplex in Winterhude, so dass der Bibliothek anschließend mehr Platz zur Verfügung stand. Das Realgymnasium des Johanneums war bereits 1876 in ein neues Gebäude vor dem Steintor (das heutige Museum für Kunst und Gewerbe) gezogen.Gerd Röndigs: Vom Speersort zum Universitätscampus. Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 104 (2018), S. 89.
Staats- und Universitätsbibliothek Als 1919 die Universität Hamburg gegründet wurde, übernahm die bisherige Stadtbibliothek zusätzlich die Aufgabe einer Universitätsbibliothek. In ihrem Gebäude am Domplatz wurde nun auch die Commerzbibliothek untergebracht. Mit dem ersten Hamburgischen Hochschulgesetz vom 4. Februar 1921 wurde die Institution offiziell in Staats- und Universitätsbibliothek umbenannt, jedoch ab 1936 außerhalb des Hochschulwesens verwaltet.
1923 wurden sowohl die private Büchersammlung Detlev von Liliencrons als auch die Bibliothek der Hauptkirche Sankt Katharinen übereignet. Ab 1929 konnte auch die städtische Theaterbibliothek ihr Eigen genannt werden, ebenso die Privatbibliothek des Fürsten Bernhard von Bülow. Zudem wurden unter der Leitung von Gustav Wahl eine Vielzahl bedeutender Nachlässe erworben.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bibliothek 1943 in der Operation Gomorrha weitgehend zerstört, der Westflügel bei einem weiteren Luftangriff im Juni 1944.Gerd Röndigs: Vom Speersort zum Universitätscampus. Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 104 (2018), S. 101. Von den bis dato vorhandenen 850.000 Bänden wurden 700.000 bei den Luftangriffen vernichtet. Nur ein geringer Teil des Bestandes war zuvor ausgelagert worden. Die Hamburger Bibliothek gilt als die deutsche Bibliothek mit den größten Kriegsverlusten.