mini|Zwei Startfahrzeuge mit je einer abgedeckten Interkontinentalrakete (ICBM) vom (vermutlich) Typ Hwasong-13 bei der Parade zum Tag des Sieges 2013. Die Baureihe Hwasong-13 wurde inzwischen durch die noch größeren Varianten Hwasong-15, Hwasong-17 und Hwasong-18 abgelöst. Nordkorea hat über Jahrzehnte hinweg seine Raketentechnik, seine Raketenwaffen und seine militärischen Nuklearfähigkeiten ausgebaut – neben einer massiven konventionellen Aufrüstung –, und das trotz Sanktionen und Interventionen durch die USA, den Sicherheitsrat der UN und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Seit einigen Jahren bezeichnet sich das Land selbst als Atommacht.Das nordkoreanische Kernwaffenprogramm ist ein von der Regierung Nordkoreas betriebenes militärisches Programm zur atomaren Aufrüstung des Landes. Das Programm war ab 1960 ursprünglich ein Forschungsprogramm zur Nutzung der Kernenergie zur Stromproduktion, wurde jedoch über Jahrzehnte von der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) bzw. dessen Führung zu militärischen Zwecken umfunktioniert – mit sämtlichen legalen (z. B. Vertragskündigungen) oder illegalen, politischen oder anderen Mitteln (z. B. illegale Finanzierung), die dem Land nach Sanktionen durch die USA, die Vereinten Nationen (VN) und die internationale Atomgemeinschaft auferlegt wurden und bis heute gültig sind.

Der Fokus dieses Artikels liegt auf der Geschichte des Atomprogramms, den diplomatischen und politischen Entwicklungen sowie den Kernwaffentests. Die Kernanlagen sind genauer im Artikel Kerntechnische Anlage Nyŏngbyŏn beschrieben.

Einleitung Seit den frühen 1960er Jahren hat das Land eine komplexe Geschichte in der Nutzung von Kernenergie, die von friedlichen Anwendungen bis hin zur militärischen Nutzung und der Entwicklung von Kernwaffen reicht. Nordkorea war von 1974 bis 1994 Mitglied der Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) und war von 1985 bis 2003 Vertragspartner des Nichtverbreitungsvertrags (NVV oder NPT). Folglich gab Nordkorea an, im Jahr 2006 erstmals eine Kernwaffenexplosion erzeugt zu haben. Dies war der erste von insgesamt sechs Tests, wobei der letzte Test im Jahr 2017 erfolgte und von Experten, beispielsweise vom Sensorennetzwerk der CTBTO, detektiert wurde.

Das Land behauptet, über mehrere einsatzbereite Kernwaffen sowie entsprechende Trägersysteme, darunter Interkontinentalraketen (verschiedene Raketen vom Typ Hwasong, Taepodong und Pukguksong) und Transportkomplexe (Fahrzeug oder U-Boot), zu verfügen. Nach Schätzungen von Abrüstungs- und Friedensforscher hat Nordkorea Stand 2024 ca. 50 bis 80 Kernsprengköpfe hergestellt. Man ging 2021 noch von einem Bestand von 30 Sprengköpfen aus. In dem Jahr 2015 wurden noch 20 Kernsprengköpfe geschätzt.

Trotz internationaler Sanktionen und diplomatischer Bemühungen – insbesondere seitens der USA und der IAEO – arbeitet Nordkorea seit über zwei Jahrzehnten (intensiviert ab den 2000er Jahren) an seiner atomaren Aufrüstung. Dies stellt eine enorme Herausforderung für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und die internationale Sicherheit dar und verletzt den Willen der Vereinten Nationen (VN) zur Nichtverbreitung von Kernwaffen.

Das Atomwaffenprogramm und der Status einer Atommacht wird von den Kernwaffenstaaten weder akzeptiert noch anerkannt. Die Haltung Chinas als Atommacht gegenüber Nordkorea hat sich über viele Jahre nur wenig verändert (Status quo). Fachleute sehen jedoch Hinweise darauf, dass Sanktionen durch Verbindungen mit China umgangen werden. Die Volksrepublik ist nach wie vor Nordkoreas wichtigster Handelspartner.

In dem Jahr 2006 wurden auch US-amerikanische Kriegspläne bekannt, vgl. auch OPLAN 5027.

Seit dem Jahr 2012 bezeichnet sich Nordkorea selbst als Atommacht und hat eine eigene Nukleardoktrin sowie eine eigene Haltung gegen die Verbreitung von Kernwaffen formuliert.

Geschichte

Ursprünge des Atomprogramms Die Anfänge des nordkoreanischen Atomprogramms reichen bis in die 1960er Jahre zurück. Nordkorea, damals unter der Führung von Kim Il-sung, nahm am ehemaligen sowjetischen Atomprogramm für friedliche Zwecke teil. Die Sowjetunion stellte dem Land einen Forschungsreaktor zur Verfügung und bot dem Land ab 1956 eine Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprojekten am Vereinigten Institut für Kernforschung (JINR) in Dubna an. Russland hat Nordkorea jedoch die JINR-Mitgliedschaft 2015 gekündigt.

Kalter Krieg und danach mini|Gebäude des 1986 fertiggestellte 5 MWe (Megawatt elektrische Leistung) Kernreaktor der kerntechnischen Anlage Nyŏngbyŏn, welcher von der IAEO inspiziert wurde und mindestens 12 Jahre betrieben wurde. Der Kernreaktor ist in der Lage Plutonium zu produzieren. Seit 2014 vermuten Experten, dass Nordkorea den Nyŏngbyŏn-Reaktor wieder in Betrieb nehmen möchte. An dem Komplex oder Standort Yongbyon befinden sich auch weitere meist ältere Anlagen und Labore, z. B. zur chemischen Separation (Wiederaufarbeitung), Metallurgie, Brennelementeherstellung usw. Nordkorea verfügt heutzutage über Urananreicherungsanlagen nahe dem Nyŏngbyŏn-Standort, die auf Gaszentrifugen-Technologie basieren. Die Führung des Landes hat die Anlage öffentlich gemacht. Foto aus dem Jahr 2009. 1985 trat Nordkorea auf Druck der Sowjetunion dem Atomwaffensperrvertrag bei. Nach dem Abzug der US-amerikanischen Kernwaffen aus Südkorea einigten sich Nord- und Südkorea 1992 auf ein Abkommen, das die Koreanische Halbinsel zur atomwaffenfreien Zone erklärte. Ein Jahr später verweigerte Nordkorea jedoch Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) den Zutritt zur kerntechnischen Anlage Nyŏngbyŏn und drohte mit dem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag. Der Nyŏngbyŏn-Komplex war der zentrale Ort des Geschehens. Es gab jedoch auch noch weitere Anlagen.

Nach zähen Verhandlungen konnte eine Eskalation der Krise durch die Unterzeichnung des Genfer Rahmenabkommens (bekannt als Agreed Framework) zwischen den USA und Nordkorea am 21. Oktober 1994 vorläufig abgewendet werden.

In diesem Zusammenhang ist die Militär-zuerst-Politik von Kim Jong-il zu erwähnen, die seit etwa 1994 die vollständige Militarisierung der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) einleitete und zu einer massiven Aufrüstung sowohl der konventionellen Streitkräfte als auch des Nuklearprogramms führte. Diese Aufrüstung dauert bis heute an.

Nordkorea verpflichtete sich im o. g. Agreed Framework jedoch zur Aufgabe seines Kernwaffenprogramms sowie zum Verbleib im Atomwaffensperrvertrag und zur Fortführung der Inspektionen durch die IAEO. Das 1994 gegründete Programm für die friedliche Nutzung der Kernenergie war bekannt als Korean Peninsula Energy Development Organization (KEDO).

Als Teil des KEDO-Programms war der Bau mehrere Atomanlagen für friedliche Zwecke geplant:

Ein experimenteller Leichtwasserreaktor (Forschungsreaktor) in der Nähe (direkt davor) des graphit-moderierten 5 MWe-Kernreaktors; Zwei Leistungsreaktoren am Standort Kŭmho (bekannt als Sinpo Nuclear Power Plant).

Die Bedingung war, dass das Land alle anderen Nuklearanlagen abschaltet und dekommissioniert. Mit diesem Schritt sollte verhindert werden, dass waffenfähiges Plutonium mit dem 5 MWe-Nyŏngbyŏn-Reaktor oder dem damals im Bau befindlichen 200 MWth-Reaktor nahe Thaechŏn (rund 22 km nordwestliche des Yongbyon-Komplex) gewonnen wird. Ein weiterer 50 MWth-Reaktor am Nyŏngbyŏn-Komplex wurde ebenfalls nie fertiggestellt. Zudem sollte Nordkorea bis zur Fertigstellung der Reaktoren jährlich Öllieferungen zur Bewältigung seiner Energieprobleme erhalten.

Am 18. April 1996 wurden die ersten „Vier-Parteien-Gespräche“ zwischen Nordkorea, Südkorea, den USA und China geführt. Aus diesen Gesprächen resultierte am 5. August 1997 die Anerkennung des Waffenstillstandsabkommens von 1953. Weitere Verhandlungen scheiterten.

Im Oktober 2001 bezeichnete US-Präsident George W. Bush Kim Jong-il als „Pygmäen“ und äußerte die Absicht zum Sturz des Staatschefs. In Bushs Rede zur Lage der Nation im Januar 2002 landete Nordkorea auf der Liste der „Schurkenstaaten“, der „Achse des Bösen“. Offiziell betont die US-Regierung jedoch bis heute, dass sie keine Absicht habe, gegen Nordkorea militärisch vorzugehen.

Im Oktober 2002 beschuldigten die USA aufgrund von Geheimdienstberichten Nordkorea, weiterhin an einem Kernwaffenprogramm zu arbeiten und dadurch die Vereinbarungen des Genfer Rahmenabkommens zu verletzen. Die nordkoreanische Regierung äußerte sich nicht direkt zu den Vorwürfen, ließ aber verlauten, dass sie aufgrund der „amerikanischen Aggression“ prinzipiell berechtigt sei, ein solches Programm zu verfolgen. Als Konsequenz stellten die USA im Dezember die Öllieferungen an Nordkorea ein. Daraufhin erklärte Nordkorea am 10. Januar 2003 seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag. Im Mai desselben Jahres erklärte es das Abkommen mit Südkorea über eine kernwaffenfreie Koreanische Halbinsel für nichtig. Die Angaben der US-Geheimdienste 2002 zur angeblichen Fähigkeit der Volksrepublik, große Mengen hochangereicherten Urans (HEU) herstellen zu können, erwiesen sich als Teil einer Desinformationskampagne und weit überzogen, wie man im Februar 2007 einräumen musste.Albright, David; North Korea’s Alleged Large-Scale Enrichment Plant … (PDF; 120 kB); Institute for Science and International Security, Washington.

Das KEDO-Programm ist spätestens 2006 gescheitert. mini|Inspektionsteam der IAEO des 5 MWe Yongbyon graphit-moderierten Kernreaktors. Die Experten stehen auf dem biologischen Schild (Schutzdecke) des Kernreaktors. Sichtbar sind Kanäle für die Brennelemente. Foto aus dem Jahr 2005.

Bekanntmachung der nuklearen Fähigkeit Am 10. Februar 2005 gab Nordkorea schließlich öffentlich bekannt, einsetzbare Kernwaffen zu besitzen, und kündigte zugleich Kernwaffentests an. Gleichzeitig erklärte es seinen Rückzug aus den Sechs-Parteien-Gesprächen über die Beilegung des Atomstreites und drohte mit dem Ausbau seines Arsenals. Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas, KCNA, warf in der Verlautbarung den USA eine „Politik zur Isolierung und Erstickung“ vor und rechtfertigte den Kernwaffenbesitz als Mittel der Selbstverteidigung gegen die USA.

Die wieder aufgenommenen Sechs-Parteien-Gespräche gipfelten am 19. September 2005 in einer gemeinsamen Erklärung, in der Nordkorea seine Bereitschaft signalisierte, sein Kernwaffenprogramm zugunsten wirtschaftlicher und technologischer Hilfe aufzugeben.

Finanzierung und Militärwirtschaft Schätzungen zufolge arbeiten in Nordkorea rund eine halbe Million Menschen in der Rüstungsindustrie, die aus etwa 300 Fabriken und Unternehmen besteht. Der Rüstungssektor macht damit etwa 30 % bis 60 % der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes von etwa 10 Milliarden Dollar aus. Davon sind Schätzungen zufolge etwa 700 Millionen Dollar für das Atomwaffenprogramm und 600 Millionen Dollar für die Entwicklung ballistischer Raketen bereitgestellt.

Laut einem UN-Bericht, dessen Inhalt im August 2019 bekannt wurde, finanziert Nordkorea seine Rüstungsprogramme und das Atomwaffenprogramm maßgeblich aus Cyberangriffen mit einer geschätzten Beute von 2 Milliarden US-Dollar.

Als Urheber der Cyber-Angriffe wird der nordkoreanische Geheimdienst oder das Generalbüro für Aufklärung genannt. Genauer ist das Büro 121 für Cyberangriffe bekannt geworden. In diesem Kontext ist auch das Büro 39 zu erwähnen, welches für Geld durch illegale Einnahmen sorgt.

Es mögen weitere Einnahmequellen existieren, diese sind jedoch unbekannt bzw. hier nicht dokumentiert.

Übergang zur Urananreicherung