Hans-Jürgen Gnad (* 4. Juni 1963 in Darmstadt) ist ein ehemaliger deutscher Basketballspieler und heutiger -trainer. Nach dem Studium in den Vereinigten Staaten wurde Gnad im NBA-Draftverfahren 1987 von den Philadelphia 76ers an 56. Stelle ausgewählt. Im Anschluss wurde der Center Profi und gewann mit verschiedenen deutschen Vereinen drei Meisterschaften sowie mit Scaligera Basket Verona (früher Mash/Müller Verona) den Korać-Cup 1998. Als Nationalspieler wurde Gnad 1993 Europameister.

Von 2018 bis 2024 war er Cheftrainer der Bayer Giants Leverkusen, zunächst in der 2. Basketball-Bundesliga ProA, ab 2023 in der 2. Bundesliga ProB. 2024 wurde er Sportlicher Leiter, bis November 2025 war er auch Co-Trainer.

Karriere Als Spieler Gnad begann 1981 im Alter von fast 18 Jahren beim BC Darmstadt mit dem Basketball. Zuvor betrieb er mehrere Jahre Schwimmen als Leistungssport und war Mitglied der Schwimmstaffel der SG Darmstadt, mit der er einige Landestitel und Jahrgangsmeisterschaften gewann. Sein Mathematiklehrer, der selbst Basketball spielte, überredete ihn, zum Basketball zu wechseln.

Auf Vermittlung des damaligen Nationalspielers des TV Langen Rainer Greunke kam er mit Harry Larrabee, dem Trainer der University of Alaska Anchorage, in Verbindung, der den noch über wenig Basketballerfahrung verfügenden Gnad im Sommer 1983 während einer Deutschlandreise mit seiner Hochschulmannschaft persönlich unter die Lupe nahm. Ihn interessierte insbesondere Gnads Körpergröße und weniger dessen basketballerisches Können, da er überzeugt war, dem Deutschen das Spiel notfalls beizubringen. Gnad nahm das zunächst auf ein Jahr begrenzte Stipendium der University of Alaska Anchorage an. Um den Flug bezahlen zu können, verkaufte Gnad seinen VW Käfer, seine Eltern verfügten nicht über die Mittel, um ihm finanziell unter die Arme zu greifen. Gnad flog vorzeitig mit seinem US-amerikanischen Freund Kevin Smith, der als Austauschstudent in Langen Basketball spielte, in die USA, verdiente dort einige Wochen lang Geld auf dem Bau und lernte auf diese Weise die englische Sprache. Der Zusammenarbeit mit Trainer Larrabee in Alaska, der den Deutschen insbesondere in den Basketballgrundlagen schulte, schrieb Gnad den größten Einfluss auf den Verlauf seiner Spielerkarriere zu. Eigener Aussage nach kam Gnad seine Erfahrung des harten Trainings aus seiner Zeit als Schwimmer zugute, um die Umfänge in Alaska zu bewältigen. Er wurde 1986 zum Spieler des Jahres der Conference gewählt. Im selben Jahr holte Bundestrainer Ralph Klein den Hessen ins Nationalmannschaftsaufgebot für die Weltmeisterschaft 1986 in Spanien.

Gnad war zum Zeitpunkt seines Abschieds von der University of Alaska Anchorage mit 14 Rekorden in den Annalen der Basketball-Hochschulmannschaft verzeichnet, darunter in erzielten Punkten (1666) und Rebounds (1124). Seine Trikotnummer 33 wird von Alaska Anchorage nicht mehr vergeben, 2001 wurde er in die Ruhmeshalle der Hochschule aufgenommen. Er war 1986/87 bester Korbschütze und Rebounder seiner Uni, wodurch er den Talentspähern der NBA auffiel. Beim NBA-Draft 1987 wurde er in der dritten Runde an insgesamt 56. Stelle von den Philadelphia 76ers ausgewählt. Dort nahm Gnad am Training unter Trainer Matt Goukas teil, wurde in Vorbereitungsspielen eingesetzt und erhielt ein unterschriftsreifes Vertragsangebot. Allerdings hatte er keine gültigen Arbeitspapiere für die USA. Sein Agent, an den Gnad über den Leiter des Hochschulsports an der University of Alaska Anchorage gekommen war, hatte nicht damit gerechnet, dass die Mannschaft aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania ihn tatsächlich verpflichten wollen würde. So zerschlug sich ein NBA-Engagement für den Nationalspieler.

Seine Profikarriere begann 1987 in der Basketball-Bundesliga beim BSC Saturn Köln unter Trainer Tony DiLeo, mit dem er auch gleich die deutsche Meisterschaft errang, nachdem Gnad erst zu den Playoffs zur Mannschaft gestoßen war. In der Finalserie bezwang Köln den rheinischen Rivalen Bayer Leverkusen mit 2:0 (damals noch „Best-Of-Three“). 1988 verteidigten die Domstädter mit Gnad in ihren Reihen den deutschen Meistertitel. Wieder bezwang man die Leverkusener Korbjäger (3:1). Gnad wurde 1989 zu Deutschlands Basketballer des Jahres gekürt.

Im Juli 1988 erhielt Gnad erneut eine Chance auf ein NBA-Engagement. Die neu gegründeten Miami Heat hatten sich inzwischen die Rechte an Gnad beim sogenannten Expansion Draft 1988 gesichert. Gnad weilte den Sommer 1988 über in den Vereinigten Staaten, legte in dieser Zeit deutlich an Muskelmasse zu, die Verantwortlichen der Heat legten dem Center gar einen Vertrag über eine Spielzeit und eine Option für ein weiteres Jahr vor. Eine Woche vor dem Saisonbeginn der NBA verletzte sich der 2,08 Meter große Brettspieler an der Achillessehne. Das Management der Miami Heat verordnete Gnad eine Pause und gab ihm die Möglichkeit, nach Deutschland zu fliegen und bezahlte ihm den Flug. Dort sollte er wieder in die nötige körperliche Verfassung kommen, um in der NBA einsatzfähig zu sein. Aus der Zeitung USA Today erfuhr er dann von seiner Entlassung. Laut seines Agenten habe Gnad die Mannschaft ohne Einwilligung des Trainerstabs verlassen. Später warf Gnad den Miami Heat vor, ihn ungerecht behandelt zu haben (Gnad: „Die haben mich beschissen“).

Im Jahr 1989 wechselte er innerhalb der Bundesliga zu BG Steiner Bayreuth. Bei den Oberfranken spielte Gnad an der Seite von Leistungsträgern wie Alvin Dukes und Calvin Oldham. Ohne große Probleme errang Bayreuth, mit einer Bilanz von 21 Siegen und nur einer Niederlage, den ersten Tabellenplatz in der Hauptrunde der Bundesliga-Saison 1989/90. In den Playoffs spielte die BG sich bis in die Endspielserie vor, allerdings unterlag man dort Bayer Leverkusen mit 1:3-Siegen.

Im Sommer 1990 spielte er bei der NBA-Mannschaft Washington Bullets (heute Washington Wizards) vor. Dort war mit John Nash mittlerweile der Mann als Manager tätig, der ihn 1987 im NBA-Draftverfahren für Philadelphia ausgewählt hatte. Gnad wurde aber nicht von Washington verpflichtet, er verstärkte fortan den italienischen Zweitligisten Billy Desio. In der Lombardei verbrachte Gnad insgesamt drei Spielzeiten und war in diesen drei Jahren Leistungsträger des Klubs. Seine besten Werte in Desio erzielte Gnad in der Saison 1990/91: Im Durchschnitt kam er auf 19,5 Punkte und 14 Rebounds je Begegnung. mini|Hansi Gnad auf einem Wandbild am Eingang des Leverkusener Sportparks als Spieler von Bayer Leverkusen 1993 kehrte „der König“, so Gnads Spitzname als Spieler, erneut in die Bundesliga zurück. Er spielte für eine Saison bei Alba Berlin, mit der Mannschaft scheiterte er im Halbfinale mit 0:3 an Leverkusen. Gnad, der sich im Laufe seines Berliner Jahres mit Svetislav Pešić wegen dessen kraftraubender Trainingsmethoden anlegte, verließ die Hauptstadt im Sommer 1994, um sich Brandt Hagen anschließen. Mit Hagen verlor er abermals gegen Leverkusen mit 1:3 in der Halbfinalserie. Dennoch bewies Gnad seinen sportlichen Wert und war mit im Schnitt 10,1 Rebounds pro Partie der beste Bundesliga-Spieler in dieser Wertung. 1995/96 wechselte der Center schlussendlich zum TSV Bayer 04 Leverkusen und wurde Deutscher Meister. Es war sein insgesamt dritter und letzter Meistertitel in der Eliteklasse des deutschen Basketballs.

Nach der Aufhebung der Ausländerbeschränkungen in Folge der Bosman-Entscheidung wechselte Gnad 1997 nach Italien und spielte diesmal in der höchsten Spielklasse, der Serie A, für Mash Verona (später Scaligera Basket Verona). Mit dem vormaligen Halbfinalist schied der Center in der Spielzeit 1997/98 in der ersten Play-off-Runde um die italienische Meisterschaft aus. Auf europäischer Ebene 1998 langte es allerdings zum Gewinn des Korać-Cup, in dem man in den Finalspielen KK Roter Stern Belgrad bezwang (68:74 / 73:64). In den beiden Finalspielen erzielte Gnad 4,0 Punkte und holte 4,0 Rebounds pro Partie. Im darauffolgenden Jahr 1998/99 landete Verona lediglich auf dem drittletzten Tabellenplatz der italienischen Liga. Damit endete Gnads Zeit in Italien. In der italienischen Liga war das Spieljahr 1998/99 Gnads bestes in Verona, als ihm Mittelwerte von 9,5 Punkten und 8,1 Rebounds pro Begegnung gelangen. Durch seine Zeit in dem Land wurde Italien laut eigener Aussage zu „seiner zweiten Heimat“.

Zu Beginn der folgenden Spielzeit schloss er sich dem spanischen Spitzenklub Real Madrid, wo er, als Ergänzungsspieler von der Bank kommend, in zwölf Spielen in knapp neun Minuten Einsatzzeit pro Spiel lediglich 1,6 Punkte im Durchschnitt erzielte. Zu dieser Zeit plagten ihn bereits seit Jahren Kniebeschwerden in Folge eines Kreuzbandrisses. Im Dezember 1999 wurde er durch den Russen Michail Michailow ersetzt und ging zu Bayer Leverkusen zurück, das jedoch an seine großen Erfolge zu Beginn der 1990er Jahre nicht mehr anknüpfen konnte. Dennoch war der Brettspieler 1999/00 mit durchschnittlich 11,9 Punkten und 7,7 Rebounds pro Spiel einer der Leistungsträger der Farbenstädter. Nach knapp zwei Spielzeiten wechselte er 2001 noch einmal zu Brandt Hagen, bevor er 2003 im Alter von knapp 40 Jahren seine Spielerlaufbahn beendete. In seiner letzten Saison erzielte er für die Westfalen im Schnitt 2 Zähler je Partie.

In der Saison 2010/11 war Gnad im Alter von 47 Jahren noch in der Kreisliga des Rheinisch-Bergischen-Basketballkreis für die Burscheider TG aktiv. Neben Gnad spielte mit Gunther Behnke ein weiterer Europameister von 1993 für die Burscheider, welche am Ende der Spielzeit Vizemeister in der Kreisliga wurden.

Die Gesamtzahl der von ihm in der Bundesliga erzielten Punkte beträgt 3475. Er gehört zu den 15 besten Punktesammlern in der Geschichte der Basketball-Bundesliga, obwohl Gnad knapp sechs Jahre als Spieler im europäischen Ausland verbrachte. Als Aktiver machten Gnad vor allem seine körperbetonte Spielweise, Entschlossenheit und Führungsqualitäten aus.

Dass er den Spitznamen „der König“ erhielt, ging laut einem weiteren Europameister von 1993, Henning Harnisch, auf Gnads Aussehen und Gangart zurück (Harnisch: „Der Hansi sieht halt aus wie ein König und geht auch so“). Gnad beschrieb sich rückblickend auf seine Spielerzeit einmal selbst als „der verstörte Trainingsochse, der alles gemacht hat, um besser zu werden“.

Als Trainer Nach seiner Spielerkarriere arbeitete Gnad als Trainer und war, nachdem er zunächst mehrere Jahre (von 2003 bis 2008) als Trainerassistent bei seinem ehemaligen Verein aus Leverkusen tätig war, während und nach der Olympiaqualifikation 2008 auch Trainerassistent der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem Ende seiner ersten Co-Trainertätigkeit in Leverkusen sah sich Gnad nach einer Arbeitsstelle als Sportdirektor um, fand aber keine Anstellung, die Ungewissheit bezüglich seiner beruflichen Zukunft setzte ihm eigener Aussage nach stark zu. Er nahm das Angebot an, in Wuppertal für eine Aufwandsentschädigung im Jugend- und Herrenbereich von BTV Ronsdorf-Graben zu arbeiten und übte diese Tätigkeit drei Jahre aus. Auf diese Weise habe er wieder beruflichen Anschluss gefunden. Ab 2011 arbeitete er des Weiteren unter Bundestrainer Dirk Bauermann wiederum als Co-Trainer für die Nationalmannschaft.