mini|hochkant|Trophäe des Europapokals der Landesmeister (links)
Der FIBA Europapokal der Landesmeister (weitere Bezeichnungen FIBA European Championship und FIBA Euroleague) war ein Europapokalwettbewerb im Basketball für Herrenmannschaften, der zwischen 1958 und 2000 unter Schirmherrschaft der FIBA Europa ausgetragen wurde.
Teilnahmeberechtigt waren zunächst nur die Meister der nationalen Verbände der FIBA Europa, ehe der Wettbewerb in den 1990er Jahren auch für mehrere Vereine je Nation, in der Regel Vizemeister und Drittplatzierte der jeweiligen Liga, geöffnet wurde. Der FIBA Europapokal der Landesmeister galt bei Bestehen durchgängig als der bedeutendste kontinentale Wettbewerb vor dem FIBA Europapokal der Pokalsieger und dem Korać-Cup.
Rekordsieger des Wettbewerbs ist mit acht Titelgewinnen Real Madrid, gefolgt von Pallacanestro Varese mit fünf und ZSKA Moskau mit vier Titeln. Der größte Erfolg einer deutschen Mannschaft war der Einzug ins Viertelfinale des Wettbewerbs von Alba Berlin in der Saison 1997/98.
Als im Jahre 2000 die von der Ligenvereinigung ULEB organisierte EuroLeague ihren Spielbetrieb aufnahm, stellte die FIBA den Europapokal der Landesmeister ein und gründete dafür die Suproleague, die jedoch nach nur einer Saison ebenfalls eingestellt wurde.
Geschichte 1958–1963: Anfänge mit sowjetischen Erfolgen hochkant|mini|Halbfinale Olimpija Ljubljana – Real Madrid (1961/62) Der FIBA Europapokal der Landesmeister wurde 1957 unter Schirmherrschaft der FIBA Europa gegründet und im Jahr 1958 erstmals ausgetragen. Es war der erste Basketball-Europapokal und von der Gründung bis zur Einstellung im Jahr 2000 auch der bedeutendste. Teilnahmeberechtigt waren zunächst nur die Meister verschiedener Basketballverbände die Teil der FIBA waren, wobei die Anzahl teilnehmender Mannschaften zwischen 16 und 26 schwankte.
Erstmals diskutiert wurde die Idee eines Europapokals für Basketball-Vereinsmannschaften bei einer FIBA-Konferenz in Budapest im Jahre 1957, kurz nach der Gründung der Europa-Sektion der FIBA. Zwei Jahre zuvor startete im Fußball mit ansprechendem Erfolg der europäische Landesmeisterpokal, der in den Überlegungen der Funktionäre unter Leitung von Raimundo Saporta eine Vorbildfunktion hatte. Im Sommer 1957 stellte die FIBA im Rahmen der Basketball-Europameisterschaft 1957 in Sofia das Projekt des Landesmeisterpokals im Basketball den Landesverbänden und der Öffentlichkeit vor. Bei einer Tagung in Gauting im Dezember desselben Jahres wurde der FIBA Europapokal der Landesmeister offiziell ins Leben gerufen.Infos über die Gründungsgeschichte des Landesmeisterpokals, auf linguasport.com
Das erste Europapokalspiel im Basketball fand dann am 22. Februar 1958 zwischen Royal SC Anderlecht und BBC Etzella (82:43) statt.N.N.: Am 16. Juni 2011 archiviert von: EuroLeague-Website; Barcelona, 22. Februar 2008 (in Englisch). Die erste Austragung des Landesmeisterpokals gewann ASK Riga, der sich im Finale in Hin- und Rückspiel gegen Akademik Sofia durchsetzte. Auch die beiden Spielzeiten danach entschied der ASK Riga für sich. Während das Team aus der Sowjetunion in der Saison 1958/59 erneut Akademik Sofia bezwang, besiegte man 1959/60 den sowjetischen Konkurrenten von BK Dinamo Tiflis.
Topscorer in allen drei Endspielen war der 2,18 Meter große Jānis Krūmiņš, der zu den herausragenden Centern seiner Zeit gehörte., auf slamdunk.ru Gecoacht wurde Riga in jener Zeit von der sowjetischen Trainerikone Alexander Gomelski. Auch bei der vierten Austragung 1960/61 schaffte es Riga ins Finale, unterlag dort jedoch diesmal deutlich ZSKA Moskau. In der Saison 1961/62 gelang es erstmals Real Madrid ins Endspiel einzuziehen, wo sich die „Königlichen“ jedoch BK Dinamo Tiflis geschlagen geben mussten.Champions Cup 1961–1962, auf linguasport.com
In der Spielzeit 1962/63 wiederholte Real den Finaleinzug und verlor dieses Mal gegen ZSKA Moskau, die ihren zweiten Titelgewinn feierten. ZSKA profitierte als offizieller Klub der Sowjetarmee bis weit in die 1980er Jahre hinein von dem Umstand, dass regelmäßig die besten Spieler anderer sowjetischer Teams nach Moskau „abkommandiert“ wurden.Euroleague – Bayerns Gegner im Portrait – Blick auf CSKA Moscow, auf bbl-profis.de Die ersten sechs Austragungen wurden somit allesamt von Sowjet-Teams gewonnen, was der Dominanz der Nationalmannschaft der UdSSR entsprach, die zwischen 1947 und 1972 elf der 13 ausgetragenen Europameisterschaften gewann. Die Nationalmannschaft war dabei in der Regel nahezu identisch mit der Mannschaft von ZSKA Moskau so wie dies auch in anderen Sportarten, bspw. im EishockeyAls das sowjetische Eishockey kollabierte, auf nzz.ch und Fußball,Das kuriose Kontinuum, auf 11freunde.de üblich war.
1963–1970: Real Madrid gewinnt vier Titel hochkant|mini|Clifford Luyk (1972) Dass die Dominanz der Sowjets in der Spielzeit 1963/64 gebrochen werden würde, war von vornherein klar, da der sowjetische Verband ZSKA Moskau die Teilnahme am Europapokal untersagte. Begründet wurde dies mit „der wichtigeren Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1964“.Champions Cup 1963–1964, auf linguasport.com Auch in den folgenden olympischen Zyklen nahm aus diesem Grund kein sowjetisches Team teil.
Es oblag schließlich Real Madrid, als erstes nicht sowjetisches Team den Wettbewerb zu gewinnen. Der unterlegene Finalist der beiden Vorjahre gewann unter Führung des Topscorers Emiliano Rodríguez im Finale gegen Spartak-Zbrojovka Brünn aus der Tschechoslowakei. Der spanische Serienmeister legte in der Saison darauf (1964/65) nach und gewann unter Leitung des Trainers Pedro Ferrándiz und mit Topscorer Clifford Luyk durch einen Sieg im Endspiel gegen ZSKA Moskau erneut den Landesmeisterpokal.El club·Historia Historia de Baloncesto·1961–1970, auf realmadrid.com Da die Madrilenen in jener Saison auch Spanischer Meister und Spanischer Pokalsieger wurden, krönten sie sich als erste Mannschaft mit der „Triple Crown“, dem Triple im Basketball.
Seit der Saison 1965/66 wurde das Finale in einem Spiel an einem neutralen Ort ausgetragen. Ebenfalls neu eingeführt wurde eine Gruppenphase mit zwei Gruppen je vier Mannschaften, was zur Folge hatte, dass die Topmannschaften mehr Spiele zu absolvieren hatten. In der Spielzeit trug sich mit Simmenthal Olimpia Milano erstmals ein italienischer Verein in die Siegerliste ein. Im Finale bezwangen die Mailänder TJ Slavia VŠ Prag, die mit Jiří Zídek Sr. – der im Jahr 2001 zum besten tschechischen Basketballer des 20. Jahrhunderts gewählt wurde2019 Class of FIBA Hall of Fame: Jiri Zidek, auf fiba.basketball – immerhin den Topscorer in ihren Reihen hatten. Die Mailänder hingegen hatten mit Bill Bradley einen talentierten US-Amerikaner in ihren Reihen, der später mit den New York Knicks zweimal die NBA-Meisterschaft gewann.
Simmenthal Olimpia Milano erreichte auch 1966/67 das Endspiel, unterlag dort diesmal aber Real Madrid, welches sich nach einem Jahr Pause wieder den Titel sicherte. Real setzte sich dabei vor heimischer Kulisse im Pabellón del Real Madrid durch. Es war das letzte Mal, dass sich ein Klub vor Heimpublikum den Titel des Landesmeisterpokals sicherte. Auch in der Saison 1967/68 gewann Real Madrid den Wettbewerb, zum insgesamt vierten Mal.
Zum spannendsten Finale in der Geschichte des Europapokals der Landesmeister kam es in der Saison 1968/69, als ZSKA Moskau zum dritten Mal auf Real Madrid traf. Es war das einzige Endspiel, welches nach Verlängerung entschieden werden musste, nachdem es nach der regulären Spielzeit 81:81 unentschieden stand. Doch auch diese erste Verlängerung (93:93) brachte keine Entscheidung, sodass sich Moskau erst nach der zweiten Verlängerung mit 103:99 den Sieg sicherte. Dabei verspielte Madrid zweimal, vor Ablauf der regulären Spielzeit und vor Ende der ersten Verlängerung, durch Turnover und vergebene Freiwürfe ein Two possession game.Champions Cup 1968–1969, auf linguasport.com
1970–1980: Vareses goldene Ära hochkant|mini|Vareses Ottorino Flaborea nach Titelgewinn 1969/70 Mit der Saison 1969/70 begann die beispiellose Ära der italienischen Mannschaft Pallacanestro Varese, die aus Sponsoringgründen zunächst als Ignis Pallacanestro Varese und später als Mobilgirgi Varese Varese antrat.Storia Pallacanestro Varese, auf pallacanestrovarese.it Varese erreichte zehn Jahre in Folge immer das Finale und gewann deren fünf. Der Hauptkonkurrent Vareses war die in den Jahren zuvor bereits dominant auftretende Auswahl von Real Madrid.El club·Historia·Historia de Baloncesto·1971–1980, auf realmadrid.com Die Führungsfigur Vareses war Dino Meneghin, der als einer der besten europäischen Center aller Zeiten gilt und so oft wie kein anderer Spieler den Europapokal der Landesmeister gewann, nämlich siebenmal (fünfmal mit Varese und zweimal mit Mailand).HALL OF FAMERS: Dino Meneghin (Italy), auf fiba.basketball
Im Finale 1969/70 bezwangen die Italiener ZSKA Moskau und sicherten sich damit auch die „Triple Crown“. In der Spielzeit darauf revanchierte sich ZSKA in der Neuauflage des Endspiels und behielt dieses Mal mit einem klaren Sieg die Oberhand. Der wichtigste Mann der Moskauer war dabei Sergei Below, der zum wiederholten Male Final-Topscorer wurde. Der damit vierte gewonnene Titel blieb der letzte für die Moskauer, die es noch ein weiteres Mal ins Finale schafften. In der Saison 1971/72 kam es zwischen Varese und Jugoplástika Split zu einem spannenden und engen Endspiel. Die Jugoslawen von Split hatten zahlreiche Weltmeister von 1970 in ihren Reihen, wie etwa auch den Final-Topscorer Petar Skansi. Am Ende agierte die Mannschaft von Varese in der ausgeglichenen Partei etwas cleverer und gewann mit einem Punkt Vorsprung (70:69).Champions Cup 1971–1972, auf linguasport.com
Nachdem bereits 1966 der FIBA Europapokal der Pokalsieger seinen Betrieb aufnahm,Geschichte des FIBA Europapokal der Pokalsieger, auf fiba.basketball der einen durchaus hohen Stellenwert hatte und von zahlreichen Vereinen gewonnen wurde, die vorher oder nachher auch den Landesmeisterpokal gewonnen hatten, folgte 1972 mit der Gründung des Korać-Cup der dritte Europapokal.Geschichte des Korać-Cup, auf fiba.basketball An der Stellung des FIBA Europapokal der Landesmeister änderte dies jedoch nichts, dieser war und blieb weiterhin der wichtigste.
Zum zweiten Mal gewann Varese das Triple in der Spielzeit 1972/73 gewinnen. Während man sich sowohl im Endspiel der Serie A als auch im Halbfinale des Landesmeistercups gegen den Rivalen von Simmenthal Olimpia Milano durchsetzte und auch die Coppa Italia gewann, bezwang die Mannschaft im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister ZSKA Moskau. Ebenfalls zum zweiten Mal das Triple gewann 1973/74 Real Madrid, welches sich im ersten von drei aufeinanderfolgenden Endspielen gegen Varese knapp durchsetzte. Die Italiener führten dabei das ganze Spiel über, über längerer Zeit auch zweistellig, ohne sich aber entscheidend absetzen zu können. Am Ende drehten die Madrilenen unter Anführung der US-Amerikaner Wayne Brabender und Walter Szczerbiak die Partie noch zu ihren Gunsten und gewannen mit 84:82.Champions Cup 1973–1974, auf linguasport.com Real-Trainer Pedro Ferrándiz gewann damit seinen vierten Titel (alle mit Real) und zog mit Alexander Gomelski (drei mit Riga, einer mit Moskau) gleich.
hochkant|mini|Spielszene Maccabi Tel Aviv – Real Madrid (1974/75) Mit der Saison 1974/75 wurde die Anzahl der in den beiden Gruppen spielenden Mannschaften auf sechs erhöht. Ignis Pallacanestro Varese beendete die Spielzeit mit 13 Siegen aus 13 Spielen abschließend mit dem deutlichen Finalsieg gegen Madrid, eine einmalige und von keiner Mannschaft wieder erreichte ungeschlagene Bilanz. Auch 1975/76 dominierte Varese den Wettbewerb und schlug im Finale erneut Real. Für Varese war es der fünfte Triumph im Landesmeisterpokal, womit sie vorläufig mit Real Madrid gleichzogen. Gleichzeitig blieb es aber der letzte Titelgewinn für Varese bleiben.