Müsen ist ein Stadtteil von Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen.
Geografie Müsen liegt oberhalb von Hilchenbach-Dahlbruch im nördlichen Siegerland. Der Ort liegt auf ca. im Rothenbachtal, einer nach Süden geöffneten Mulde, zwischen der Martinshardt mit Höhe, dem Kindelsberg mit Höhe, dem Ziegenberg mit Höhe und dem Breitenberg mit Höhe. Höchster Berg in der Umgebung ist der Hohe Wald mit Höhe.
Oberhalb des Rothenbachtals, am Übergang nach Littfeld, befindet sich der Altenberg mit einem mittelalterlichen Gruben-Gelände. Am Ende des Rothenbachtals mündet der Winterbach in den Rothenbach. Nachbarorte von Müsen sind Silberg und Brachthausen im Norden, Hilchenbach im äußersten Nordosten, Allenbach im Osten, Dahlbruch im Süden, Kredenbach im Südwesten, Ferndorf im Westen und Littfeld und Burgholdinghausen im Nordwesten.
Geschichte Urkundlich wurde Müsen 1079/89 als Muzhena erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Deutz erwähnt. Am 3. Juni 1335 wurde der in der Müsener Gemarkung liegende Hof Winterbach erstmals erwähnt.Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 125, Nr. 209. Am 13. Januar 1624 erfolgte die Aufnahme Müsens in das Kirchspiel und das Amt Hilchenbach.Zurückgeblättert…, Siegener Zeitung vom 29. Januar 2011. Drei Jahre später, am 3. Februar 1627, wurde Müsen nach Loslösung von der Mutterkirche Ferndorf selbständige Gemeinde.Zurückgeblättert…, Siegener Zeitung vom 5. März 2011. mini|Müsener Bergwerke Zentrale Bedeutung für Müsen hatte seit dem Hochmittelalter der Bergbau. Die Gegend um Müsen war mit dutzenden Gruben und etlichen Hütten eines der Zentren im Siegerländer Erzrevier (siehe dazu Müsener Revier). Die überregional bekannte Grube Stahlberg wurde 1311 erstmals erwähnt und war bis 1931 in Betrieb. Heute befindet sich in Müsen das Stahlbergmuseum im ehemaligen Zechenhaus nebst Besucherbergwerk, in dem die Geschichte des Bergbaus im 18./19. Jahrhundert dargestellt wird.
1893 wurde Müsen infolge eines zweitägigen Brandes schwer verwüstet. Die Ortsmitte mit Kirche, Schule, dem Gasthof Stahlberg und 50 Wohnhäusern, fast ein Drittel aller Gebäude, brannte bei einem Feuersturm am 20. und 21. Juni ab. Der abgebrannte Ortsteil wurde bis 1901 wieder aufgebaut – weniger dicht bebaut und mit veränderter Straßenführung.Wilhelm Müller: Ich gab dir mein Eisen wohl tausend Jahr, herausgegeben vom Kulturverein Müsen, Siegen 1979, S. 133–142. Bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1969 gehörte der Ort dem Amt Keppel an. +Politische Zugehörigkeit Müsens seit 1606/1609Staat/Staatenbund Fürstentum/Provinz/BundeslandKreisStadt/Amtvon – bisHeiliges Römisches ReichFtm. Nassau-Siegen -1606/1607–1743*Ftm. Oranien-Nassau -1743–1806RheinbundGroßherzogtum Berg -12.6.1806 – 6.11.1813Ftm. Oranien-Nassau -6.11.1813 – 1815Kgr. PreußenWestfalen -Bürgermeisterei Hilchenbach1815 – 31.5.1817WestfalenSiegenBürgermeisterei Hilchenbach1.6.1817 – 1843WestfalenSiegenAmt Hilchenbach1843 – 31.12.1870Deutsches ReichWestfalenSiegenAmt Hilchenbach1.1.1871 – 1917WestfalenSiegenAmt Keppel1917 – 8.5.1945Deutschland (brit. Besatzungszone)WestfalenSiegenAmt Keppel9.5.1945 – 22.8.1946Nordrhein-WestfalenSiegenAmt Keppel23.8.1946 – 23.5.1949Bundesrepublik DeutschlandNordrhein-WestfalenSiegenAmt Keppel23.5.1949 – 31.12.1968Nordrhein-WestfalenSiegenStadt Hilchenbach1.1.1969 – 31.12.1974Nordrhein-WestfalenSiegen-WittgensteinStadt Hilchenbachseit 1.1.1975 * 1734 stirbt die evangelische Linie von Nassau-Siegen aus. „Nach seinem (Fürst Friedrich Wilhelm II.) Tod entstanden sofort heftige Auseinandersetzungen um die Verwaltung und Nachfolge in Stadt und Land. Die katholischen Fürsten Emanuel Ignaz (1688—1735) und Franz Hugo Gereon (1678—1735) von Nassau-Siegen übernahmen kurzzeitig das Erbe des vakanten evangelischen Landesteils. Nach deren Tod ließen die reformierten Fürsten von Nassau-Dillenburg und Nassau-Diez das Siegener Territorium militärisch besetzen und eine Deputationsregierung einsetzen. Diese musste bereits 1737 einer kaiserlichen Kommission weichen, bis die Erbfolge endgültig geklärt wäre. Kaiser Karl VI. übertrug die Regierung über das verwaiste Fürstentum Nassau-Siegen schließlich dem Prinzen von Oranien und Fürsten von Nassau-Diez, Wilhelm IV. (1711—1751).“
Letzterer vereinigt dies mit Nassau-Dietz und Nassau-Dillenburg zum Fürstentum Oranien-Nassau.
Wirtschaft 1943 wurde in Müsen eine Produktionsstätte der Lüdenscheider Sieper-Werke eröffnet. Hier wurden vor allem Badezimmer-Spiegelschränke und Regale aus Kunststoff hergestellt. Die Firma Sieper war jahrzehntelang größter Arbeitgeber im Ort. 2007 wurden die Müsener Sieper-Werke in die SieBad GmbH umgewandelt. 2009 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das Werk wurde geschlossen, die verbliebenen 63 Mitarbeiter wurden entlassen. Auf dem Gelände der ehemaligen Rothenbacher Hütte entstand ab 1953 das Sägewerk Franz, die heutige Firma Franz Holzindustrie.
Kultur und Freizeit In Müsen liegt das größte Naturfreibad Südwestfalens. Es hat eine Wasserfläche von 8000 m² und eine Liegefläche von 12.000 m². Einmal im Jahr ziehen hier die Teilnehmer des Kindelsberg-Triathlons ihre Bahnen. Oberhalb von Müsen, am Fuße der Martinshardt, befindet sich ein Feriendorf. Es wurde Ende der 1970er Jahre auf dem Gelände der früheren Grube Stahlberg errichtet. Es besteht aus Bungalows und Nurdachhäusern. Zwischen Winterbachtal und Breitenberg liegt der Rastplatz Wigrow an einer Lichtung, umgeben von Fichten, Ahorn und Jahrhunderte alten Eichen. Der Rastplatz ist mit Sitzbänken, Schutz- und Grillhütte ausgestattet, an seinem unteren Rand entspringt der Winterbach.
Einwohnerzahlen mini|Müsen und das Rothenbachtal vom Ziegenberg aus gesehen mini|Evangelische Kirche Müsen Einwohnerentwicklung des Ortes:Otto Schaefer: Der Kreis Siegen – eine Sachkunde für Grundschulen, Siegen 1968.Wilhelm Müller: Ich gab dir mein Eisen wohl tausend Jahr, herausgegeben vom Kulturverein Müsen, Siegen 1979, S. 24/25.
Jahr Einwohner 1627 ~500 1818 641 1840 758 1843 761 1846 805 1864 1294 1880 1433 1885 1502 1887 1542 1895Westfälisches Gemeindelexikon. 1897, S. 112/113. 1290 1905 1515 Jahr Einwohner 1910 1515 1924 1456 1925Genealogy.net: Amt Keppel. 1431 1929 1447 1933 1525 1936 1601 1939 1549 1950 1820 1955 1960 1960 2060 1961 2042 Jahr Einwohner 1965 2159 1967 2085 1970 2168 1975 2340 1977 2417 1979 2500 2001 2654 2002 2689 2003 2678 2004 2672 2005 2653 Jahr Einwohner 2006 2620 2007 2575 2008 2554 2009 2538 2010 2498 2011 2520 2012 2516 2013 2455 2014 2463 2015 2487 2016 2440 Jahr Einwohner 2017 2388 2018 2405 2019 2391 2020 2423 2021 2353 2022 2373
Persönlichkeiten Johann Jakob Jung (1779–1847), Gründer des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins Hermann Wurmbach (1903–1976), Zoologe Wilhelm Müller (1912–1995), Journalist Uwe von Seltmann (* 1964), Journalist und Schriftsteller Heinrich Robert Hans Kraus, (1902–1989) Rechnungsführer von 14 Waldjähnen, Mitbegründer der Wald Genossenschaft "Müsener Jähne", Träger des Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz am Bande)
Sonstiges Müsen liegt an der Benrather und an der Uerdinger Linie, die hier gemeinsam die Sprachgrenze zum niederdeutsch sprechenden Sauerland bilden.
Literatur Wilhelm Müller: Ich gab dir mein Eisen wohl tausend Jahr. Beiträge zur Geschichte, speziell zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Bergbezirks Müsen und des nördlichen Siegerlandes. Hrsg.: Kulturverein Müsen. Siegen, 1979.
Weblinks
Website mit Bildern aus Müsen Homepage der Stadt Hilchenbach
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtteil von Hilchenbach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Siegen-Wittgenstein) Kategorie:Ersterwähnung 1079 Kategorie:Gemeindeauflösung 1969