mini|hochkant=1.2|Blick auf Neustadt an der Aisch (links) sowie auf Diespeck (rechts) vom Flugzeug aus mini|hochkant=1.2|Luftbild des Ortszentrums von Neustadt an der Aisch mini|hochkant=1.2|Neustadt an der Aisch von Norden mini|hochkant=1.2|Neustadt an der Aisch – Nürnberger Tor und nördliche Innenstadt

Neustadt an der Aisch (amtlich Neustadt a.d.Aisch) ist die im Aischtal gelegene Kreisstadt und neben Bad Windsheim eines der beiden Zentren des mittelfränkischen Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Sie ist eine von 13 leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern und Teil der Metropolregion Nürnberg. Historisch ging Neustadt (so erstmals um 1285 genannt) im 13. Jahrhundert als von Nürnberger Burggrafen geschaffene „neue Stadt“ aus dem südlichen Teil des ehemaligen, seit etwa 741 nachweisbaren Königshofs Riedfeld, heute ein Gemeindeteil Neustadts, hervor.

Geographie Geologie

In Neustadt besteht der Boden vor allem aus verschiedenen durcheinander schiebenden Schichten von Keuper. Es zeigen sich Lehrbergton (insbesondere im Bereich des Bahnhofs) und Blasensandstein (dessen Grenze gegen die Lehrbergstufe einen ergiebigen Wasserhorizont bildet) sowie als „Aulehme“ bezeichnete Misch- und Anschwemmungen.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950.

Topographie Durch Neustadt fließt die Aisch. Es münden dort als linker Zufluss der Rengelsbach und als rechte Zuflüsse der ehemals Bachforellen (aber auch Karpfen, Schleien und Goldorfen) beheimatende Schweinachbach und der im 19. Jahrhundert überdeckte Strahlbach. Mehrere an der Löblerin entspringende Quellen wurden 1575 durch Markgraf Georg Friedrich für das Neue Schloss gefasst. Im Ortsteil Riedfeld fließt zudem der (nach der Pfalz, einem ehemaligen Saalhof in Riedfeld, benannte) Pfalzbach. Ca. 1 km nordwestlich des Ortes erhebt sich der Stübacher Berg (), ca. 1,5 km westlich der Eichelberg () und südwestlich der Hutsberg, wo im 19. Jahrhundert der Bahnhof entstand. Neustadt ist baulich mit Kleinerlbach und Diespeck zusammengewachsen. Es zählt zum südlichen Teil der Windsheimer Bucht.

Stadtgliederung Es gibt 21 Gemeindeteile:

Außerdem gibt es folgende Wohnplätze:

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Birkenfeld, Diebach, Herrnneuses, Neustadt, Obernesselbach, Schauerheim, Schellert, Unternesselbach und Unterschweinach. Die Gemarkung Neustadt hat eine Fläche von 17,938 km². Sie ist in 6098 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2941,66 m2 haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Chausseehaus, Eggensee, Kleinerlbach und Unterstrahlbach.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Baudenbach, Diespeck, Emskirchen, Markt Erlbach, Dietersheim, Ipsheim, Sugenheim, Langenfeld.

Klima

In Neustadt a.d.Aisch beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 690 mm bzw. 701 mm.

Geschichte

Geißbocksage 1461, zur Zeit des Markgrafen und Kurfürsten Albrecht Achilles, war die Stadt von Feinden belagert worden. (Die miteinander verbündeten Bayern, Würzburger und Bamberger hatten in jenem Jahr Neustadt erobert, und die Stadt wurde nach elf Wochen, am 25. November, unter Mitwirkung der Einwohner und persönlicher Führung von Albrecht Achilles wieder befreit.) Die Nahrungsmittel innerhalb der Stadtmauern gingen rasch zur Neige, und man sah keine andere Möglichkeit, als sich dem Feind zu ergeben. In diesem Moment kam einer Legende nach ein Schneider auf eine Idee: Er nähte sich selbst in das Fell eines Ziegenbocks ein, setzte dessen Kopf auf und hüpfte meckernd die Stadtmauer entlang. Der Feind sah den wohlgenährten „Geißbock“ und gab die Belagerung in dem Glauben auf, die Neustädter hätten noch mehr als genügend Nahrung.

Zur Erinnerung an diese alte Volkssage dreht seit Beginn der 1950er Jahre (nach dem Wiederaufbau des 1947 durch Brand zerstörten Rathauses)Gernot Schmidt: Zufallsfunde und Erweiterungen. (Online-Version im Webarchiv, letzte Seite). der Neustädter Geißbock jeden Tag um zwölf Uhr mittags in der Turmuhr des am Marktplatz befindlichen Neustädter Rathauses meckernd seine Runden. Schüler der Neustädter Mittelschule führen jedes Jahr zur Kirchweih am Marktplatz den Geißbocktanz auf, bei dem die Geißbocksage musikalisch nacherzählt wird.

Passend zur Sage findet sich im Fußgängerdurchlass am Nürnberger Tor ein als Kunstschmiede-FenstergitterGernot Schmidt: Heimatgeschichtliche Exkursion in und um Neustadt/Aisch. Neustadt an der Aisch mit allen Sehenswürdigkeiten, Toren, Türmen und Mauern. Neustadt an der Aisch, S. 152 (Online-Version im Webarchiv). eingemauertes Geißbockbild, wobei es sich wahrscheinlich um ein altes Maurerzeichen handelt. (Wie in anderen Städten war bis zum Dreißigjährigen Krieg auch in Neustadt die Ziegenhaltung von wirtschaftlicher Bedeutung – und wurde es wieder ab der Mitte des 19. Jahrhunderts.) Der Geißbock ist als „Schützer der Stadt“ – auch wenn Neustadt an der Aisch (im Gegensatz zu Neustadt am Kulm) 1460/1461 gar nicht von den Bayern angegriffen worden sein mag – dennoch zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1969 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Diebach und Unterschweinach eingegliedert. Am 1. Juli 1970 folgten Teile der aufgelösten Gemeinde Eggensee. Birkenfeld, Herrnneuses, Schauerheim und Schellert kamen am 1. Januar 1972 hinzu. Am 1. Mai 1978 kamen noch Gebietsteile der Nachbargemeinde Diespeck hinzu. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Januar 1980 mit der Eingliederung von Unternesselbach abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung seit dem 18. Jahrhundert Stadt Neustadt mini|400px|Einwohnerentwicklung zwischen 1752 und 2017 nach nebenstehenden Tabellen

Jahr Einwohner Häuser Quelle 1752 1.759 1818 2.364 340 1836 3.360 1840 3.775 432 1852 3.435 1861 3.512 1867 3.583 1871 3.709 448 1875 3.841 1880 4.114 1885 4.053 507 1890 3.748 487 1895 3.757 1900 3.870 533 1905 4.124 1910 4.494 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1919 4.554 1925 4.923 659 1933 5.349 1939 5.634 1946 8.123 1950 8.453 866 1961 8.924 1260 1970 9.188 1987 10.903 2671 2005 12.397 2010 12.165 2015 12.805 3251 2016 12.875 3271 2017 12.941 3284 2018 13.121 3346

Ort Neustadt Jahr Einwohner Häuser Quelle 1818 1.943 271 1840 3.242 358 1861 2.946 1871 2.994 1885 3.094 360 1900 2.937 381 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1925 4.773 637 1950 8.351 849 1961 8.851 1248 1970 8.751 1987 8.150 1925 2014 9.974

Der heutige Gemeindeteil Riedfeld bestand 1629 aus 28 Häusern und der Obermühle.

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 11.060 auf 13.121 um 2.061 Einwohner bzw. um 18,6 %.

Politik

Stadtrat

Erster Bürgermeister ist Klaus Meier (SPD). Dieser schlug in einer Stichwahl 2008 Amtsinhaberin Claudia Platzöder (CSU), die das Amt seit 2002 innehatte. Bei der Bürgermeisterwahl 2014 setzte sich Klaus Meier gegen seinen Herausforderer Gerd Scheuenstuhl (CSU) mit 83,4 % der Stimmen durch. Auch 2020 wurde er wiedergewählt.

Die Sitze im Stadtrat verteilen sich in der Wahlperiode 2020–2026 wie folgtneustadt-aisch.de:

SPD: Wahl 2020: acht Sitze | Wahl 2014: zehn Sitze CSU: Wahl 2020: acht Sitze | Wahl 2014: sieben Sitze GRÜNE: Wahl 2020: vier Sitze | Wahl 2014: vier Sitze FWG: Wahl 2020: drei Sitze | Wahl 2014: drei Sitze Parteilose (ehemals Die Linke): Wahl 2020: ein Sitz | Wahl 2014: nicht vertreten Die Interessen der einzelnen Ortsteile werden durch neun Ortssprecher vertreten.

Am 25. September 2021 gab der Stadtrat der Partei Die Linke, Dennis Münch, seinen Parteiaustritt bekannt und kündigte an, sein Mandat als parteiloses Stadtratsmitglied fortzusetzen.

Wappen und Stadtsiegel Die Wappenbeschreibung des im 14. Jahrhundert entstandenen alten Neustädter Wappens lautet:

Städtepartnerschaften mini|Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa

Die Stadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, in der sich 36 Städte (Stand: Juli 2024) aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden und Rumänien mit Namen Neustadt zusammengeschlossen haben.

Außerdem unterhält sie Partnerschaften zu folgenden Städten: Montespertoli (Italien), seit 1992 Hino (Japan), seit 1997 Hluboká nad Vltavou (Frauenberg, Tschechien), seit 1997 Lipik (Kroatien), seit 1998

In Hino befindet sich der Frankenpark Blumenhügel, in dem sich eine Replik des Neptunbrunnens am Marktplatz sowie ein von der Stadt Neustadt betreutes Heimatmuseum befinden.

Bürgermeister (Auswahl) Jakob Schönleben Georg Götz Johan Rodtamer Leonhard Heusner (1563) Lorenz oder Georg Ulsenheimer († 4. Mai 1593) Georg Kolb Johann Eichler Hans Wust Georg Meder sen. Georg Sandrock (1583), 1564 aus Dettelbach zugewandert Karl Göbel (1588 aus Würzburg vertrieben, 1604 im inneren Rat, 1604 Zweiter Bürgermeister in Neustadt, der den Bau des Kirchturms leitete) Leonhard Hartung (1611) Georg Blik (1621–1698) Müller (17. Jh.), Bürgermeister und Chronist Neustadts Erasmus Ulsenheimer, Bürgermeister, etwa 1641 bis 1646 Stadtschreiber

mini|Haus von Wendelinus Streicher

Wendel(in) bzw. Wendelinus Streicher (um 1670), einer Bäckerfamilie (darunter der Weißbrotbäcker Burkhard Streicher) angehörender Bürgermeister (die ehemalige Bäckerei befand sich in einem noch bestehenden Fachwerkhaus in der Bamberger Straße) Leonhard S. Schneider, genannt „Baderwirt“, Sohn eines Neustädter Baders oder Wundarztes, Gründer des Gasthauses zur Sonne und Wirt im Gasthaus zum grünen Baum, am 22. Juni 1668 zum Bürgermeister gewählt Sebastian Friedrich Weiß(mann), latinisiert Albinus, Apotheker aus Windsheim, Zweiter Bürgermeister und Hospitalpfleger sowie Wirt des Goldenen Hirschen. Weißmann verhinderte als Bürgermeister aus persönlich-geschäftlichem Grund die Ansiedlung der aus Frankreich geflüchteten Hugenotten Johann Georg Weißmann, bauverantwortlicher Bürgermeister während des ab 1711 erfolgenden Rathausbaus Leonhard Kirchmeyer, mitbauverantwortlicher Bürgermeister während des ab 1711 erfolgenden Rathausbaus Rößler, Dritter (Zweiter?) Bürgermeister (von vier) ab 1736, Stadtassessor, Hofmaler und betrügerischer Hospitalpfleger um 1740 Buß (um 1805) Johann Georg Engelhardt, September 1818 bis 1830 Johann Kaspar (oder Caspar) Engelhardt, 1839 oder 1840 bis 1860Gernot Schmidt: Die Bürgermeister der Stadt Neustadt vom Jahre 1818–2020. Neustadt an der Aisch, S. 53–58. (Online-Version im Webarchiv). Haßler, 1830 bis 1834 Leonhard Drittler, 1834 bis 1860 Ammon, rechtskundiger Bürgermeister von 1858 bis 1862 Johann Nikolaus Ludwig Beer, ab 1863 oder vom 26. Januar 1864 bis 1869Gernot Schmidt: Die Bürgermeister der Stadt Neustadt vom Jahre 1818–2020. Jakob Ex, Stadtkämmerer, Bürgermeister vom 4. Januar 1870 bis 16. Juli 1874 Georg Nikolaus Stein, vom 7. Dezember 1874 bis 8. Mai 1888 Andreas Bräuninger, vom 16. Dezember 1888 bis 22. November 1897 Georg Vogel, vom 25. Januar 1898 bis 31. Dezember 1912 Andreas Schildknecht, ehrenamtlicher Bürgermeister vom (20. oder) 28. Januar 1913 bis 23. August 1917 Heinrich Hummel, 27. Oktober 1917 bis 1. Juli 1919 Karl Edelmann, 1. Juli 1919 bis 1921 Leonhard Bankel, vom 25. April oder 1. Juni 1921 bis 17. Mai 1945 Erster Bürgermeister (NSDAP) Andreas Beyer, ab 25. April 1921 Zweiter Bürgermeister (NSDAP) Richard Dollinger, ab 7. Dezember 1929 Zweiter Bürgermeister (Wirtschaftsblock) Fritz Erlwein, Zweiter Bürgermeister (NSDAP) ab 1931 Heinrich Sperber, 18. Mai 1945 bis 25. Mai 1948 Leonhard Bankel, Erster Bürgermeister vom 26. Mai 1948 bis 30. April 1960 (nach 1945 parteilos) Karl Ströbel, vom 1. Mai 1960 bis 30. Mai 1972 (SPD) Horst Erny, vom 1. Juli 1972 bis 30. April 1990 (CSU) Wolfgang Mück, vom 1. Mai 1990 bis 30. April 2002 (SPD) Claudia Platzöder, vom 1. Mai 2002 bis 30. April 2008 (CSU), Neustadts erster weiblicher Bürgermeister Klaus Meier, vom 1. Mai 2008 bis 30. April 2026 (SPD) Alexander Müller, ab dem 1. Mai 2026 (CSU)

Kultur und Sehenswürdigkeiten Tore und Felsenkeller