Blumennesselgewächse (Loasaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Hartriegelartigen (Cornales).

Beschreibung mini|Illustration aus Curtis’s Botanical Magazine, 1831, Tafel 3048 von Presliophytum incanum mini|Die Brennhaare einer Loasa-Art

Vegetative Merkmale Die Arten der Familie sind einjährige oder ausdauernde, niederliegende oder aufrechtwachsende meist krautige Pflanzen, gelegentlich verholzende Pflanzen: Sträucher oder kleine Bäume, selten grundständige Rosetten, Kletterpflanzen oder Lianen. Sie erreichen Wuchshöhen von 5 Zentimetern bis zu 10 Metern. Die Pflanzen tragen oft Brennhaare, ähnliche wie die Brennnesselgewächse.

Die gegen- oder wechselständig und schraubig angeordneten Laubblätter sind meist in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Blattspreiten sind meist einfach oder selten zusammengesetzt. Nebenblätter fehlen.

Generative Merkmale Die immer zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünfzählig (vier- bis siebenzählig) mit doppelter Blütenhülle. Es ist oft ein Blütenbecher vorhanden.Charlotte M. Christy: Loasaceae Stickleaf or Blazing-Star Family. In: Journal of the Arizona-Nevada Academy of Science. Vol. 30, No. 2, Vascular Plants of Arizona: Part 4, . Die meist fünf haltbaren Kelchblätter sind frei. Es sind meist fünf Kronblätter vorhanden. In den oft kahnförmigen Kronblättern befindet sich jeweils ein Büschel von Staubblättern. Die Staubblätter krümmen sich nacheinander auf und der Pollen wird explosionsartig verteilt. Vor diesen Staubblattbüscheln liegen außerordentlich kompliziert gebaute und auffällig gefärbte Gebilde. Es handelt sich hierbei um die nektarproduzierenden Organe der Blüten, sogenannte Nektarien; diese sind aus der Verwachsung von sterilen Staubblättern (Staminodien) entstanden. Je nach Gattung sind jeweils verschieden viele Staminodien in die Bildung eines solchen Nektariums einbezogen. Die Zahl der Staubblätter ist in den Taxa unterschiedlich: selten fünf, meist 50 bis 100. Meist fünf (ein oder drei bis sieben) Fruchtblätter sind zu einem mehr oder weniger unterständigen bis fast oberständigen Fruchtknoten verwachsen (synkarp).

Die Kapselfrüchte können keulig bis kugelig sein, vielfach sind sie in sich verdreht.

Ökologie Die Bestäubung erfolgt meist durch Insekten. Auch in Mitteleuropa ziehen sie viele Schwebfliegen und Bienen an. Bei einer Loasa-Art wurde im nördlichen Argentinien eine Bestäubung durch Feldmäuse beobachtet.

Standorte Die Arten der Familie Loasaceae wachsen in vollkommen unterschiedlichen Lebensräumen: von der extrem trockenen Atacama-Wüste in Südperu und Nordchile bis zu den sehr feuchten Nebelwäldern des nordwestlichen Kolumbien.

Systematik und Verbreitung mini|Unterfamilie Gronovioideae: Gronovia scandens mini|Unterfamilie Petalonychoideae: Petalonyx parryi mini|Unterfamilie Loasoideae: Blüte von Scyphanthus stenocarpus mini|Unterfamilie Mentzelioideae: Mentzelia involucrata

Die Familie Loasaceae ist von Nordamerika über Mexiko und Zentral- bis Südamerika verbreitet und kommt auf der westlichen Arabischen Halbinsel, auf den Kapverden, in Afrika und auf pazifischen Inseln vor. Das Diversitätszentrum der Familie ist die Neotropis; dort kommen sie von Kalifornien bis Patagonien vor, besonders in Peru, Chile und Mexiko. Die Gattung Kissenia findet sich in Afrika und Arabien, Plakothira in Polynesien.

Die Familie der Blumennesselgewächse (Loasaceae) wird in vier Unterfamilien gegliedert und enthält etwa zwanzig Gattungen mit etwa 350 Arten:

Unterfamilie Gronovioideae : Sie enthält nur drei Gattungen mit nur vier Arten: Cevallia : Sie enthält nur eine Art: Cevallia sinuata : Sie gedeiht in Höhenlagen von 130 bis 2000 Metern in den US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico, Oklahoma sowie Texas und in den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua, Coahuila, Durango sowie Zacatecas. Fuertesia : Sie enthält nur eine Art: Fuertesia dominguensis : Dieser Endemit kommt nur auf der Insel Hispaniola vor. Gronovia : Die nur zwei Arten kommen in der Neotropis vor.

Unterfamilie Petalonychoideae : Sie enthält nur eine Gattung: Petalonyx : Die etwa fünf Arten kommen von den westlichen USA bis ins nördliche Mexiko vor.

Unterfamilie Loasoideae: Sie wird in zwei Tribus unterteilt: Tribus Loaseae: Aosa : Etwa sechs Arten kommen im östlichen Brasilien, eine Art kommt auf Hispaniola und eine Art in Costa Rica vor. Blumenbachia : Die etwa zwölf Arten kommen in Südamerika vor. Caiophora (Syn.: Cajophora ): Die etwa 34 Arten gedeihen in den Anden Südamerikas. Chichicaste : Sie enthält nur eine Art: Chichicaste grandis : Sie kommt von Costa Rica bis ins nordwestliche Kolumbien vor. Huidobria : Die nur zwei Arten kommen nur im nördlichen Chile vor. Kissenia : Von den nur zwei Arten kommt eine Art in Südarabien, Somalia sowie Äthiopien vor und eine Art kommt im südlichen Afrika vor. Loasa : Die etwa 36 Arten sind von Mexiko bis Südamerika verbreitet. Nasa : Die etwa 100 Arten sind in der Neotropis verbreitet. Presliophytum : Die etwa drei Arten gedeihen nur in den Trockengebieten des westlichen Peru. Scyphanthus : Die ein oder zwei Arten kommen in Chile vor. Tribus Klaprothieae : Sie enthält nur drei Gattungen mit nur sechs Arten: Klaprothia : Die zwei Arten kommen im tropischen Südamerika vor. Plakothira : Die drei Arten kommen nur auf den Marquesas vor. Xylopodia : Sie enthält nur eine Art: Xylopodia klaprothioides : Sie kommt in Peru vor.

Mentzelioideae: Sie enthält nur drei Gattungen mit etwa 110 Arten, die in der Neuen Welt weitverbreitet sind: Mentzelia : Die etwa 95 Arten gedeihen in den wärmeren Gebieten der Neuen Welt. Eucnide : Die etwa 14 Arten kommen von den südwestlichen sowie südlich-zentralen USA über besonders in Mexiko bis Guatemala vor. Schismocarpus : Sie enthält nur eine Art: Schismocarpus pachypus : Dieser Endemit kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca vor.

Einzelnachweise Maximilian Weigend: Loasaceae. In: Larry Hufford: Loasaceae. - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 12 - Magnoliophyta: Vitaceae to Garryaceae, Oxford University Press, New York und Oxford, 22. Dezember 2016, ISBN 978-0-19-064372-0. Die Familie der Loasaceae bei (englisch) David John Mabberley: Mabberley’s Plant-Book. A portable dictionary of plants, their classification and uses. 3. Auflage, Cambridge University Press 2008, ISBN 978-0-521-82071-4.

Weblinks

The Loasaceae page. (englisch) Die Familie der Loasaceae bei der APWebsite. (englisch)