mini|Modell des Tempelbezirks mini|hochkant|Grundriss des Tempels
Der Tempel des Amun-Re ist der zentrale Teil des Amun-Bezirkes in Karnak, welcher seinerseits den Mittelpunkt eines größeren Komplexes von Kultbauten, den Karnak-Tempel, bildet. Seit der 18. Dynastie bauten die Pharaonen kontinuierlich an und um und versuchten, sich zu übertreffen.
Der Tempel mini|hochkant|links|Westseite des Tempels
Mit seinen insgesamt zehn Pylonen, der größte ca. 113 Meter breit und ca. 15 Meter dick bei einer geplanten Höhe von ca. 45 Metern, und einer Gesamtfläche von ca. 30 Hektar (530, 515, 530 und 610 Meter Seitenlänge) ist der Tempel des Amun-Re der größte Tempel Ägyptens.Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten. Augsburg 1996, S. 111. Er enthielt neben dem Tempel des Amun-Re noch den Tempel des Chons, den Tempel der Opet, den Tempel des Ptah, den Tempel des Amenhotep II. und verschiedene Stationskapellen für die Götterbarke, wie die Weiße Kapelle und die Rote Kapelle.
In der Antike verband eine Allee, die beidseitig von 365 SphingenErrechnet von F. Traunecker; siehe Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten. Augsburg 1996, S. 114–115. gesäumt war, den Amun-Tempel mit dem ca. 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. Diese Straße endete am 10. Pylon des Tempels.
mini|hochkant|Ehemalige Hafenanlage
Eine weitere Sphingenallee mit zwei Reihen zu 66 Sphingen verbindet den Amun-Tempel mit dem Mut-Bezirk. An nordwestlicher Seite befindet sich ein Nilhafen, über den die Gottesstatue das Westufer besuchen konnte. Hinter dem Eingangspylon öffnet sich der Tempel zu einem großen Hof. Dahinter schließt sich der Säulensaal (Hypostyl) an. In Fortsetzung der Achse kommt man zum Allerheiligsten. Diese Bereiche waren überdacht. Der Tempel war außerdem so konstruiert, dass der Boden in Richtung des Allerheiligsten ansteigend und das Dach abfallend war. Der Säulensaal hinter dem Hof gehört zu den bedeutendsten Bauwerken, die aus ägyptischer Zeit erhalten sind.
Viele Teile sind durch die Zeit oder von den Pharaonen selber im Rahmen einer damnatio memoriae („Verdammung des Andenkens“) zerstört worden. Selbst heute, mit ausgebleichten Ruinen, bildet der Karnak-Tempel einen überwältigenden Anblick.
II. Pylon mini|hochkant|links|2. Pylon (Westseite)
Der von Haremhab erbaute 2. Pylon bildete vom Ende der 18. Dynastie bis zur Zeit von Nektanebos I. (30. Dynastie) die Eingangsfront des Tempels. Seit Beginn der 18. Dynastie befand sich an der Stelle ein als Anlegestelle dienendes Hafenbecken, das Haremhab zuschütten und weiter westlich neu anlegen ließ. Neben den o. g. kulturellen Zwecken dienten die dem jeweiligen Nilverlauf angepassten Hafenanlagen auch dem Transport von Baumaterial aus den flussaufwärts gelegenen Steinbrüchen zum Tempel.zdfinfo, Synchronfassung ZDF 2021. Der Nil - Lebensader für die alten Ägypter - Der Tempel von Luxor. Ein Film von François Pomès. Eine Produktion von Label News 2020. Deutsche Bearbeitung Kelvinfilm. Die beiden einst 14 Meter starken und 35 Meter hohen Pylontürme sind nur bis zur Hälfte ihrer Höhe erhalten geblieben. Für den Bau wurden Blöcke der abgerissenen Aton-Tempel von Pharao Echnaton (z. B. Gem-pa-Aton) als Füllmaterial verwendet.Thomas Kühn: Das Haus des Amun in Karnak. Berlin 2001, S. 12–13.
mini|hochkant|Von Pinudjem I. usurpierte Statue Ramses’ II. mit seiner Tochter Meritamun
Vor dem Eingangsbereich standen zwei monumentale Statuen aus Granit, von denen allein die südliche vollständig erhalten ist. Sie zeigt den König mit der Doppelkrone in Schreitpose. Von der anderen existiert nur der Sockel mit den Füßen. Im Innern des Tordurchgangs standen zwei Götterstatuen. Henri Chevrier entdeckte 1954 bei Aufräumarbeiten am eingestürzten Nordflügel sämtliche Bruchstücke einer Kolossalstatue aus Rosengranit. Die 13 Meter hohe Statue wurde wieder aufgerichtet und zeigt wahrscheinlich Ramses II., zwischen dessen Beinen seine Tochtergemahlin Meritamun steht.
IV. und V. Pylon Die Gesamtansicht des Tempels wurde nach dem Mittleren Reich erstmals durch die Thutmosiden radikal verändert. Thutmosis I. ließ, um eine neue Eingangssituation zu schaffen, den IV. und V. Pylon in der Ost-West-Achse anlegen. Dort befand sich dann ein Hypostyl, dessen Holzdecke von Papyrusbündelsäulen getragen wurde, die mit Elektron verkleidet waren.Urkunden IV, 1331, 12; siehe Hans Wolfgang Helck: Urkunden der 18. Dynastie (18th Dynasty). Heft 17: Historische Inschriften Thutmosis' III. und Amenophis' II. Akademie-Verlag, Berlin (DDR) 1955, S. 1331, Zeile 12. (online). Diese Inschrift gehört zum Abschnitt Nr. 382: Inschriften Amenophis' II. auf Säulen im Saal der Hatschepsut-Obelisken zu Karnak, beginnend auf S. 1323; Unter Überschrift: Inschrift auf Säule 8.
Diese Konstruktion wurde von Hatschepsut, Tochter von Thutmosis I. und Gemahlin von Thutmosis II., wieder aufgehoben, als sie ihre zwei Obelisken zwischen den IV. und V. Pylon aufstellen ließ und damit die Holzdecke durchbrechen musste. Mit einer Höhe von 32 Metern sind es die größten Obelisken, die in Ägypten jemals aufgestellt wurden. Ihre Spitzen waren mit ElektronDas altgriechische Wort für Bernstein ist (), was mit „Hellgold“ übersetzt werden kann. versehen, nach antiken Quellen waren sie sogar komplett mit Elektron überzogen.Sergio Donadoni: Theben, Heilige Stadt der Pharaonen. München 2000, S. 22. Doch nur einer von ihnen steht noch an seinem Platz, während der andere in mehrere Einzelteile zerbrochen ist; den Rest kann man heute nahe dem Heiligen See besichtigen.
Nach diesen Veränderungen hat später Thutmosis III. den Säulensaal zerstört, der jedoch danach von Amenophis II. wieder errichtet wurde.
VII. Pylon Thutmosis III. entschloss sich die Prozessionsachse in Richtung Süden zu drehen und ließ den VII. Pylon in Richtung Mut-Heiligtum errichten. Es bestand aus einem ca. 13 m hohen Granitportal vor dem beidseitig Kolossalfiguren des Königs aufgestellt waren, die auf den Sockeln Namen besiegter Völker (im Osten: Asiaten, im Westen: Afrikaner) aufwiesen. Davor waren 2 große Obelisken aufgestellt, von denen aber nur noch ein Sockel vor Ort sichtbar ist, da der andere 357 n. Chr. von Kaiser Konstantin II. nach Konstantinopel abtransportiert wurden. Sogar der Erddamm, der zum Abtransport errichtet wurde, ist heute noch sichtbar.Michel Azim: La fouille de la cour du VIII Pylône. In: Cahiers de Karnak. Band 6, 1980, S. 91–127 (Volltext als PDF). Es konnte auch festgestellt werden, dass es sich bei der Gestaltung des VII. Pylon um eine Kopie des IV. Pylon handelt, sodass man in Haupt- und Nebenachse dieselben Darstellungen vorfand (genauso in den Tordurchgängen → Jubiläum des Königs).Luc Gabold: La 'cour de fêtes' du Thoutmosis II à Karnak. In: Cahiers de Karnak. Band 9, 1993, S. 15. Im Norden des Pylons wurden mehr als 1000 vergrabene Grabstelen gefunden.
VIII. Pylon mini|hochkant|8. Pylon
Schon unter Hatschepsut war der VIII. Pylon errichtet worden, der wahrscheinlich einen älteren Vorgängerbau aus Nilschlammziegeln ersetzte (möglicherweise Amenophis I.). Im unteren Bereich war er von einer niedrigen Kalksteinmauer umgeben. Reliefschmuck: Innenfassade (Ostseite): Thutmosis I. dankt Amun für die Inthronisierung seiner Tochter Hatschepsut (Inschriften sind ausgehackt, Name der Hatschepsut durch den Thutmosis II. ersetzt) Außenfassade: Amenophis II. beim „Erschlagen der Feinde“ vor Amun, Hatschesputinschrift größtenteils zerstört
Plastischer Schmuck vor dem Pylon Es ist anzunehmen, dass sich ursprünglich sechs Sitzfiguren vor dem Pylon befanden, von denen aber nur die Basen von zwei erhalten sind (Thutmosis II., restauriert von Thutmosis III.). Während von den zwei weiteren Figuren vor dem Ostflügel nichts erhalten geblieben ist, steht vor dem Westflügel noch eine Sitzstatue Amenophis i. (restauriert von Thutmosis III.) und eine fragmentarische von Amenophis II.(restauriert von Thutmosis IV.).G. Björkman: Kings at Karnak: a study of the treatment of the monuments of Royal predecessors in the Early New Kingdom (= Acta Universitatis Upsaliensis. Boreas. Band 2). Almqvist & Wiksell, Stockholm 1971, S. 90 (zugleich Inauguraldissertation, Universitet Uppsala). Geplant war, dass dieser Pylon der eigentliche Eingang in den Tempel von Süden her wäre, wie auch die Inschriften in den Nischen der Fahnenmasten von Amenophis II. belegen.
Zweck der Tempelanlage Nach der Erhebung Amun-Res von Theben zum Lokalgott und später zum Reichsgott, begannen die Herrscher des frühen Mittleren Reiches mit dem Bau eines Tempels, der über Jahrtausende hinweg zum heutigen Tempelkomplex erweitert wurde, wo die Amun-Priesterschaft den täglichen Tempeldienst ausübte. Auch für die Gattin des Amun, die Göttin Mut, und für ihren gemeinsamen Sohn Chons wurden Tempel errichtet, zusammen bildeten sie die Triade von Theben.
Baugeschichte Mittleres Reich mini|hochkant=0.6|Säulen der großen Hypostylhalle
Das bisher älteste aufgefundene Bauteil im Amun-Bezirk von Karnak ist eine oktogonale Säule von Antef II. mit der Nennung des Gottes Amun-Re.
Sesostris I. baute den ersten größeren Tempel aus Kalkstein. Er maß 37,4 × 39,6 m und war von einer Umfassungsmauer aus Ziegeln umgeben. An der Front befanden sich Statuenpfeiler, der vordere Teil des Tempels war von Säulenhallen umgeben. Laut Arnold befand sich dort wahrscheinlich ein heiliger Garten. Im hinteren Teil befanden sich drei hintereinander gelegene Kulträume. Innerhalb der Umfassungsmauer gab es mehrere Stationskapellen, darunter die Chapelle blanche (Weiße Kapelle).
Neues Reich 18. Dynastie Zu Beginn der 18. Dynastie wurde das Kultzentrum des Amun stark ausgebaut, beginnend mit Amenophis I. Thutmosis I. ergänzte Pylon 4 und 5, eine schalenförmige Umfassungsmauer sowie ein 21,8 m hohes Obeliskenpaar. Thutmosis II. baute westlich davon den sogenannten Festhof an. Größere Baumaßnahmen gab es erneut unter Hatschepsut und Thutmosis III.:
Eine größere, mit Türmen befestigte Ziegelmauer. Ein Vortempel mit Barkensanktuar, der sogenannten Roten Kapelle (Chapelle rouge), die Anfang des 21. Jahrhunderts rekonstruiert wurde, sowie der Annalensaal. Ein 30,43 m hohes Obeliskenpaar zwischen dem 4. und dem 5. Pylon. Thutmosis III. ließ im Rahmen seiner Damnatio memoriae die Obelisken ummanteln, damit sie nicht mehr sichtbar waren. Paradoxerweise trug dies zur Erhaltung bei. Zwischen der Roten Kapelle und dem 5. Pylon wurde ein 6. ergänzt. Ein heiliger See wurde angelegt oder ein bereits existierender See vergrößert. An der Südachse, Richtung Mut-Bezirk, wurden die riesigen Pylonen 7 und 8 errichtet. Am 7. Pylon ist Hatschepsut mit vier Kolossalstatuen vertreten, am 8. Pylon sind zwei Sitzbilder und ein Paar Obelisken von Thutmosis. Östlich des Sesostris-Baues errichtete Thutmosis das Achmenu. An der Prozessionsstraße nach Luxor entstanden sechs Stationskapellen.
Amenophis III. verlängerte die Tempelachse nach Westen und Süden. Er zerstörte zahlreiche kleinere Kapellen und Denkmäler der 12. Dynastie und frühen 18. Dynastie, die sich auf dieser Achse befanden, und verbaute sie im Fundament. Er fügte den 3. PylonDie Zählung der Pylonen erfolgt in der Reihenfolge, wie sie letztendlich standen, nicht wie sie gebaut wurden. Man kann also nicht unbedingt Rückschlüsse über das Baujahr treffen, jedoch über den Standort. mit acht etwa vierzig Meter hohen Flaggenmasten an. An der südlichen Achse schloss er mit dem 10. Pylon ab, vor dem zwei kolossale Statuen des Pharao aus Quarzit standen. Wahrscheinlich wurde im Rahmen dieses gewaltigen Bauprogramms auch die Prozessionsstraße zum Mut-Tempel und nach Luxor erneuert und mit 60 Sphingen versehen.
In der Amarna-Zeit wurde die kontinuierliche Bebauung unterbrochen. Amenophis IV. (Echnaton) baute zu Beginn seiner Regierungszeit südlich des Amun-Bezirkes ein Aton-Heiligtum (Gem-pa-Aton (Karnak)), das unter Haremhab jedoch zerstört und als Füllmaterial verwendet wurde.