Als schwedische Sagenkönige werden die Herrscher bezeichnet, welche die Volksgruppen regiert haben sollen, die vor dem 10. Jahrhundert das Gebiet des heutigen Schwedens und der umliegenden Regionen bewohnten.

Quellen Über die schwedischen Sagenkönige wurde in nordischen Heldengedichten (Ynglingatal) und in den verschiedenen Islandsagas wie der Ynglinga saga (Heimskringla) berichtet, ebenso im angelsächsischen Beowulfepos (8. Jhd.), der Historia Norwegiæ (um 1200), der Gesta Danorum (um 1190), Rimberts Vita sancti Ansgari (um 876) oder Adam von Bremens Kirchengeschichte (um 1070). In der Hervarar saga und in der Langfeðgatal norska konunga wurden Königsreihen bis zum Jahr 1333 aufgestellt.

Historizität der Könige Die Könige werden teils in den Bereich der Mythologie eingeordnet, teilweise wird zumindest ihre historische Existenz in der Geschichtswissenschaft für möglich gehalten.

So gibt es für die heidnische Zeit viele Sagenkönige mit Namen Erik: Erik Björnsson, Erik Emundsson, Erik Anundsson, Erik Revilsson, Erik Väderhatt. Sie können nicht als historisch angesehen werden, womit konkret gemeint ist, dass es in der Regel, keine verlässlichen oder ausreichenden historischen Beweise gibt, um die Existenz oder die genauen Details über das Leben dieser Personen zweifelsfrei zu bestätigen. Auch der Sagenkönig Erik, der nach der Ynglingatal nebst seinem Bruder Alrik zum Geschlecht der Ynglinger gehörte, war nicht historisch. Die Ynglingatal macht die beiden zu Söhnen König Agnes. Nach Aris Íslendingabók und der Historia Norvegiae war Erik Alriks Sohn. Zu diesen beiden gab es viele Spekulationen. Mal sollten sie in die Völkerwanderungszeit gehören, mal eine Übertragung der griechischen Dioskuren sein, mal hieß es, sie seien in der Ynglingatal nur falsch eingeordnet und gehörten ins 9. Jahrhundert und Erik sei identisch mit einem König gleichen Namens bei Rimbert.

Auch Erik Årsäll hat keinen Platz in der schwedischen Königsreihe. Er wird in mancher historischen Literatur mit Erik Segersäll, Stenkil, König Kol und Erik dem Heiligen identifiziert. Er wird erstmals in einer Version der Sage von Olav dem Heiligen genannt und ist dort mit Erik Segersäll identisch, dem letzten heidnischen König. Allerdings ist es möglich, dass er ein späterer Kronprätendent war, der den letzten heidnischen Widerstand in Schweden anführte. Denn in der Schilderung der Heimskringla wird er im Zusammenhang mit Nils Svenssons und Sigurd Jorsalafaris Kreuzzug nach Småland nach Blot-Sven genannt. Dort wird er als der letzte heidnische König bezeichnet. Es scheint wahrscheinlicher, dass die Heimskringla den letzten heidnischen König Schwedens Erik Årsäll vom Ende des 10. Jahrhunderts in die 1120er Jahre als eine von Erik Segersäll zu unterscheidende Person verschoben hat, als dass die Saga von Olav dem Heiligen ihn aus der Zeit um 1120 in die Zeit vor Olof Skötkonung verschoben und ihn mit Erik Segersäll verschmolzen hat. Die Tatsache, dass die isländische Genealogie Langfeðgatal norska konunga ihn ebenfalls in die Zeit nach 1130 gelegt hat, hat keinen selbständigen Quellenwert. Denn es handelt sich dabei um eine Kompilation von in Island gängigen Genealogien mit schwedischen Königsreihen vom Uppsalatyp. In der isländischen Genealogie wurde Sverker der Ältere „Kolsson“ nach einem König Kol, der Blot-Svens Sohn gewesen sein soll, genannt. Langfeðgatals Unzuverlässigkeit ergibt sich auch daraus, dass dieser König Kol eigentlich nach 1170 gehören sollte und einer der Thronkandidaten des Sverkergeschlechts im Kampf gegen Knut Erikssons gewesen sein soll.„Erik, sagokungar“ in:

Könige der Ynglingar und andere Regenten

Fjölnir

Fjölnir, Fjolner oder Fjölner soll der Sohn des mythologischen Gottes Freyr und der Riesin Gerdhr gewesen sein. Laut der Dichtung Grottesången regierte er die Svear zur Zeit des Kaisers Augustus. In der Heimskringla wird berichtet, dass er in einem großen Behälter mit Met beim dänischen Sagenkönig Fróði ertrank.

Sveigder Sveigder, Svegder oder Swegde war laut Heimskringla mit Vana aus Wanenheim verheiratet. Aus der Ynglingatal übernahm Snorri Sturluson die Geschichte seines Todes. Er soll auf der Suche nach Asgard in die östliche Randzone seines Reiches gewandert sein, wo ihn ein Zwerg so verzauberte, dass er diesem in einen großen Stein folgte, aus dem er nie wieder auftauchte.

Vanlade Vanlade oder Vanlande wird als erfolgreicher Kämpfer beschrieben. Er besuchte Snær den Alten (eine Personifizierung von Schnee) in Finnland und wurde mit dessen Tochter Driva verheiratet. Später wurde er Opfer einer mystischen Frauengestalt (Mara), die wahrscheinlich eine Personifizierung des Erstickungstodes ist.

Visbur Visbur folgt in der Heimskringla Vanlade als dessen Sohn. Mit einer Tochter von Auðr dem Reichen zeugte er die Söhne Gisl und Öndur. Nach der Trennung reiste seine Gemahlin zusammen mit den Kindern zurück in ihren Heimatort. Mit seiner zweiten Frau hatte Visbur den Sohn Domaldi. Später kehrten seine erstgeborenen Söhne zurück, um die Mitgift der Mutter einzufordern. Als Visbur dies verweigerte, wurde er von Gisl und Öndur mit seinem Haus verbrannt.

Domaldi

Als Domaldi König in Alt-Uppsala war, gab es mehrere Jahre mit Missernten. Da keines seiner Tier- und Menschenopfer zur Verbesserung der Lage beitrug, opferte er sich zum Schluss selbst.

Domar In Domars Regierungszeit gab es laut Heimskringla viel Wohlstand im Reich der Svear.

Dyggve Auch Dyggves Jahre als König werden als erfolgreich beschrieben. Nach seinem Tod soll er in die Unterwelt gekommen sein und eine Tochter von Loki geheiratet haben, welche einen königlichen Mann wünschte.

Dag der Weise Dag war ein Sohn Dyggves und soll die Sprache der Vögel verstanden haben. Er hatte einen gezähmten Spatzen, der herumflog und ihm die Neuigkeiten aus seinem Reich berichtete. Der Spatz wurde in Reidgotaland (wahrscheinlich das Gebiet der Ostgoten am Schwarzen Meer) getötet. Dag reiste in die Fremde, um mit einem Angriff auf den Ort Varra den Mord an seinem Vogel zu rächen. Bei der Rückreise wurde er von einem Sklaven aus dem Hinterhalt erschlagen. Nach einer anderen Legende soll er in einer Schlacht gegen die Truppen von Blekinge, Halland und den König von Uppsala gefallen sein und liegt im Dagshög begraben.

Agne mini|Agnes Hinrichtung Die Heimskringla schreibt über Agne Skjafarbonde, dass er der Sohn von Dag dem Weisen war und dass er bei einem Raubzug in Finnland das hübsche Mädchen Skjalf Frostesdotter fing. Als sie wieder am Mälarsee waren, überredete Skjalf ihre Begleiter, so dass diese Agne mit seinem eigenen Goldhalsband am Ast einer Fichte aufhängten. Agne soll im Hügelgrab von Lillhersby bestattet worden sein.

Erik und Alrik Die Söhne Agnes folgten ihm als Herrscher der Svear. Alrik und Erik sollen sich – je nach Überlieferung – gegenseitig mit dem Zaumzeug ihrer Pferde totgeschlagen haben, in der Gesta Danorum überlebt Erik das Duell jedoch.

Yngvi und Alf Die Brüder Yngvi und Alf (oder Elfse) waren Nachkommen von Alrik. Alf soll still, ehrgeizig und wenig kommunikativ gewesen sein. Als er Yngvi mit seiner eigenen Frau auf dem Thron ertappte, ermordete er seinen Bruder. Yngvi gelang es jedoch einen tödlichen Schwerthieb gegen Alf zu richten, so dass beide zu Boden fielen.

Hugleik Hugleik oder Ochilaik war laut Heimskringla Alfs Sohn. Er wird als unkriegerisch beschrieben, der die Gesellschaft von Gauklern und Wahrsagern (Völva) dem Kampfgetümmel vorzog. Als der Krieger Haki Alt-Uppsala anfiel, wurde Hugleik zusammen mit seinen zwei Söhnen ermordet.

Haki Haki war nach seinem Sieg zwei Jahre König der Svear. Er wurde von Hugleiks Cousins Jorund und Erik angegriffen. Erik fiel in der Schlacht und auch Haki erlag später seinen Verletzungen.

Jorund Jorund plünderte nach seiner Machtübernahme (wahrscheinlich im 5. Jahrhundert) in den Nachbarländern. Als er sich in Dänemark in einer Bucht des Limfjord befand, wurde er vom norwegischen König Gylaug aufgespürt, dessen Vater er zusammen mit Erik ermordet hatte. Die Dänen halfen den Norwegern, was zu Jorunds Festnahme und Hinrichtung am Galgen führte.

Aun Aun, On, One, Auchun oder Aun der Alte, der Sohn von Jorund, wird in den Sagen als weiser König beschrieben, der wenig kriegerisch und mehr an der Erhaltung des Friedens interessiert war. Er wurde vom dänischen Prinzen Halfdan angegriffen und flüchtete nach verlorener Schlacht zu den Gauten in Västergötland. Nach Halfdans Tod kehrte Aun nach Uppsala zurück, doch er war schon 60 Jahre alt und opferte deswegen seinen eigenen Sohn an Odin, um noch einmal 60 Jahre leben zu können. Nach 25 Jahren wurde Aun von Ale dem Starken, einem Cousin von Halfdan, angegriffen und in mehreren Schlachten besiegt, so dass Aun erneut zu den Gauten flüchtete. Ale herrschte, bis er von Starkad dem Alten geschlagen wurde.

Aun übernahm den Thron erneut, doch nun forderte Odin von ihm, dass er alle zehn Jahre einen Sohn opfern solle, wenn er länger leben wolle. Als Aun etwa 200 Jahre alt war, hinderten ihn die Svear an einem erneuten Menschenopfer, und so wurde sein Sohn Egil König. Aun soll in einem Grabhügel in Alt-Uppsala beerdigt worden sein.

Egil mini|Egils Tod Auch Egil oder Ongenþeow wird in den Schriften genau wie sein Vater als friedlich beschrieben. Laut der Heimskringla kaufte sich Egils Schatzmeister Tunni ein Heer für das Geld, welches er heimlich aus dem königlichen Vermögen entwendete. In acht Schlachten wird Egil gezwungen, nach Dänemark zu flüchten, wo er unter der Voraussetzung, dass er Steuern an die dänische Seite zahlt, eine neue Armee erhält. Egil soll bei einer Jagd von einem wilden Stier tödlich verwundet worden sein.

Ottar oder Ohtere

Die Ynglingatal nennt Ottar als König in Alt-Uppsala für die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts. Manche Forscher identifizieren ihn mit dem im Beowulf genannten Ohtere, wonach Ohtere zwei Söhne namens Eanmund und Edgilds hatte, von denen letzterer später König wurde. Ohtere soll zusammen mit den Gauten oder Goten gegen seinen Bruder Onela gekämpft haben, der ihm als König folgte.

Ottar starb in Vendel, welches in Snorris Heimskringla klar als der nördliche Bereich von Jütland identifiziert wird. Andererseits ist er nach schwedischem Volksglauben aus späterer Zeit im Ottarshögen in der Gemeinde Tierp im nördlichen Uppland begraben. Diese Region ist auch als Vendeln bekannt und war Namensgeber für die historische Periode der Vendelzeit.

Ottar trägt oftmals den Beinamen Vendelkråka, doch die Bedeutung dieser Bezeichnung ist umstritten. Snorri erklärt den ersten Namensteil mit dem Todesort und den zweiten damit, dass die Dänen nur eine hölzerne Krähe (schwedisch: kråka) anstelle des Leichnams nach Schweden schickten.

Onela

Onela, Ale, Åle oder Ole wurde laut dem Dichtwerk Beowulf im frühen 6. Jahrhundert König der Svear, nachdem sein Bruder Ottar im Kampf gefallen war. Ottars Söhne Eanmund und Edgilds suchten Schutz bei Heardred, welcher König der Geatas war. Onela greift Heardred an und tötet diesen. Auch Eanmund stirbt im Kampfgetümmel, doch Edgilds kann entkommen und später seinen Onkel besiegen.

In skandinavischen Dichtungen wie Ynglingatal und einigen von Snorri Sturlusons Werken trägt Onela den Namen Ale von Uppland, doch er wird als norwegischer König beschrieben. Dies könnte auf einer Verwechslung der Landschaften Uppland in Schweden und Oppland in Norwegen beruhen.

Edgilds oder Adils Edgilds wurde König, nachdem er Onela in der Schlacht auf dem Eis (laut Skjöldunga saga des Vänern) besiegt hatte. Er wird in fast allen nordischen Sagas genannt. Snorri berichtet, dass er in Alt-Uppsala begraben wurde.

Bei Ausgrabungen im westlichen Grabhügel von Alt-Uppsala fand man die Reste eines reich dekorierten Schwerthalters, Spielsteine aus Elfenbein und Schmucksteine aus dem Nahen Osten. Die Funde wurden auf 575 n. Chr. datiert und könnten Edgilds Grabbeigaben darstellen.

Eystein und Sölve