Die australische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Australiens in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Sie wird meist als Wallabies (dt.: Wallabys) bezeichnet. Dieser Begriff bezieht sich auf mehrere Arten aus der Familie der Kängurus, die wiederum die Nationaltiere des Landes sind.

Seine wichtigsten internationalen Auftritte hat das Team bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. Die Wallabies traten seit ihrer Einführung im Jahr 1987 immer an und sind – nach Neuseeland und Südafrika – die dritterfolgreichste Mannschaft dieses Turniers mit zwei Titeln. Den Wallabies gelang der Sieg im Finale der Weltmeisterschaft 1991 gegen England und im Finale der Weltmeisterschaft 1999 gegen Frankreich. Außerdem stand Australien im Finale der Weltmeisterschaft 2003 und der Weltmeisterschaft 2015, verlor aber gegen England bzw. Neuseeland.

Seit 1996 nehmen die Wallabies am jährlich stattfindenden Turnier Rugby Championship teil (bis 2011 als Tri Nations bekannt). Teilnehmer sind die vier besten Nationalmannschaften der südlichen Hemisphäre: die Pumas aus Argentinien, die All Blacks aus Neuseeland, die Springboks aus Südafrika und die Wallabies. Im Rahmen der Rugby Championship spielen die Wallabies gegen Argentinien um die Puma Trophy, gegen Neuseeland um den Bledisloe Cup und gegen Südafrika um die Mandela Challenge Plate. Die Wallabies haben das Tri Nations dreimal für sich entschieden (2000, 2001 und 2011), im Jahr 2015 erstmals auch die Rugby Championship.

Ihr erstes Länderspiel trugen die Wallabies 1899 aus, als Australien gegen die British Lions antrat. Der Zentralverband, unter dem auch die Wallabies zusammengefasst sind, ist Rugby Australia (Rugby AU), der neben zehn anderen zur ersten Stärkeklasse (first tier) des Weltverbandes World Rugby zählt. Das Nationalteam trägt sowohl bei ihren Heim- als auch bei ihren Auswärtsspielen die traditionellen Sportfarben des Landes, grün und gold. 2001 zeichnete World Rugby sie als „Mannschaft des Jahres“ aus. 16 ehemalige Spieler wurden in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.

Organisation

mini|Karte der australischen Regionalverbände und deren Mannschaften Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Australien ist der Verband Rugby Australia (Rugby AU), bis 2017 Australian Rugby Union (ARU), genannt. Rugby Australia wurde 1949 unter dem Namen Australian Rugby Football Union (ARFU) gegründet und im selben Jahr Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Der australische Verband war außerdem im Jahr 2000 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Federation of Oceania Rugby Unions (FORU; heute Oceania Rugby, OR). Rugby Australia umfasst acht Regionalverbände, die jeweils einen Bundesstaat bzw. Territorium repräsentieren. Die höchste Rugby-Union-Liga in Australien ist Super Rugby, die zusammen mit Mannschaften aus Neuseeland, einer in Fidschi und einer im Stillen Ozean (faktisch die Cookinseln, Fidschi, Samoa und Tonga) ausgetragen wird.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft Rugby Australia weitere Auswahlmannschaften zusammen. Die Junior Wallabies bilden die U-20-Nationalmannschaft und nehmen an der entsprechenden Rugby Championship sowie den Weltmeisterschaften teil. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Für Schüler gibt es die Nationalmannschaft der Australian Schoolboys, die sich als Vorstufe zu den Wallabies entwickelt hat.

Geschichte Die Anfänge Europäische Einwanderer spielten schon sehr früh fußballähnliche Spiele, der erste Zeitungsbericht darüber erschien 1829 in Sydney. Die meisten dieser frühen Partien fanden im Rahmen lokaler Feste statt, wobei es keine klaren Regeln und keine kodifizierte Version gab. Die damals gespielten Varianten enthielten Elemente verschiedener heute existierender Regelwerke, darunter Australian Football, Fußball und Rugby. Trafen zwei Mannschaften aufeinander, mussten sie jeweils vor Spielbeginn die anzuwendenden Regeln festlegen. Welche Varianten in welcher Gegend vorherrschten, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, zumal sie alle als bezeichnet wurden. Der erste Verein außerhalb des Mutterlandes Großbritannien, der kodifizierten Rugby-Regeln folgte (der weltweit achtälteste), war der im Jahr 1863 gegründete Sydney University Football Club, der am 19. August 1865 das erste offizielle Spiel organisierte.

Im Jahr 1874 entstand als erster Verband die Southern Rugby Union (heute New South Wales Rugby Union), die im selben Jahr in der Region um Sydney die erste Meisterschaft durchführte. Zwei Jahre später folgte die erste Meisterschaft rund um Brisbane, organisiert ab 1883 durch die Northern Rugby Union (heute Queensland Rugby Union). Rugby erwies sich in New South Wales und Queensland bald als führende Ballsportart, nicht zuletzt wegen der ab 1882 regelmäßig durchgeführten Begegnungen zwischen den Auswahlteams beider Kolonien. Hingegen hatte Rugby in den übrigen Kolonien (Victoria, South Australia, Western Australia und Tasmanien) stets einen schweren Stand und geriet gegenüber dem dort vorherrschenden Australian Football rasch ins Hintertreffen. Die Anhänger von Australian Football wiederum versuchten, ihren Sport auch in New South Wales zu etablieren. Ein 1880 gegründeter Regionalverband hatte damit zunächst einigen Erfolg, doch verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren führten dazu, dass er sich bereits 1893 wieder auflöste und die beiden östlichen Kolonien bzw. späteren Bundesstaaten fest in der Hand von Rugby blieben.

mini|Die australische Mannschaft 1899 Im Jahr 1882 führte die Southern Rugby Union als weltweit erster Verband eine Tour in ein anderes Land durch, als ihre Auswahl, die Waratahs, in Neuseeland fünf Spiele bestritt. Ein privat organisiertes britisches Team, die späteren British and Irish Lions, reiste 1888 durch Australien. Es gab weiterhin keine eigentlichen Test Matches (Länderspiele), sondern Spiele gegen Auswahlmannschaften der Provinzen. 1896 folgte die Auswahl Queenslands, genannt Queensland Reds, dem Beispiel der Waratahs. Das erste Test Match einer gesamtaustralischen Auswahl fand am 24. Juni 1899 im Sydney Cricket Ground statt, als sie die tourenden British Lions von den Britischen Inseln empfing. Während sie die erste Partie mit 13:3 gewann, verlor sie die drei übrigen. Die Mannschaft bestand aus sechs Spielern aus Queensland und neun aus New South Wales. Sie spielte in Sydney im blauen Trikot von New South Wales und in Brisbane im kastanienbraunen Queensland-Trikot, aber jeweils mit dem australischen Wappen anstelle der Logos der beiden Verbände.

Frühes 20. Jahrhundert mini|Das australische Team während der Tour von 1905 mini|Die australische Mannschaft der Tour 1908/09 Die erste Begegnung zwischen Australien und den All Blacks aus Neuseeland fand am 15. August 1903 in Sydney statt und ging mit 3:22 verloren. Die Tour der All Blacks führte vorübergehend zu einem Popularitätsschub für den Rugbysport, als deutlich mehr Zuschauer die Spiele in Sydney und Brisbane besuchten. Ein Jahr später waren die British Lions erneut zu Besuch und die Australier verloren alle drei Test Matches. Die Gründung der New South Wales Football League (NSWFL) im Jahr 1903 führte zu einer Schwächung des Rugbysports in New South Wales, da mehrere führende Privatschulen einige Jahre lang nur noch Australian-Football-Spiele anstatt Rugbyspiele veranstalteten. Kurze Zeit schien es sogar, als ob sich Australian Football auch in der Gunst des Publikums durchsetzen würde. Schwer getroffen wurde der reine Amateursport Rugby Union in seiner Hochburg durch die Einführung von Rugby League im Jahr 1905. Zahlreiche Vereine im Raum Sydney wechselten zur professionell betriebenen Variante und gründeten einen eigenen Verband, der vor allem katholische Schulen zu einem Wechsel zum League-Code überzeugen konnte. Diese Schulen gelten bis heute als Stützpfeiler der League-Dominanz im Großraum Sydney. Prominente Nationalspieler wie Dally Messenger wechselten ebenfalls und verhalfen der Konkurrenz zum Durchbruch. Im selben Jahr fand die erste Tour nach Neuseeland statt.

Im Jahr 1908 stattete eine aus Engländern und Walisern zusammengesetzte britische Auswahl Australien einen Besuch ab; Test Matches gegen die Australier standen jedoch nicht auf dem Programm. Im selben Jahr unternahm die Nationalmannschaft ihre erste mehrmonatige Tour nach Großbritannien und Nordamerika. Bei den Olympischen Spielen 1908 in London, die während der Tour stattfanden, gewannen die Wallabies die Goldmedaille mit einem 32:3-Sieg im einzigen Spiel des Turniers gegen die Grafschaftsauswahl von Cornwall. Das erste Test Match gegen Wales ging mit 6:9 verloren, hingegen konnten die Wallabies England mit 9:3 bezwingen und somit ihren ersten Auswärtssieg feiern. Als die Mannschaft nach Hause zurückkehrte, wechselten elf mitgereiste Spieler zu League-Vereinen.

Neben dem Gegensatz zwischen Amateur- und Profisport entwickelte sich auch ein kultureller Gegensatz: Rugby Union galt zunehmend als Sportart der gebildeten, britisch geprägten Ober- und Mittelschicht. Hingegen fand Rugby League seine Anhänger vor allem in der Arbeiterschaft, die überwiegend aus katholischen Iren bestand und dem britischen Empire skeptisch bis feindselig gegenüberstand. Das althergebrachte Rugby Union war für sie ein Inbegriff des Imperialismus. Häufig war das Personal von League-Vereinen mit jenem von Zweigstellen der Australian Labor Party identisch. Innerhalb weniger Jahre stieg League zur dominierenden Variante auf, während der Stern von Union zu sinken begann.Horton: Rugby Union Football in the Land of the Wallabies. S. 1617.

Auswirkungen der Weltkriege mini|Australien gegen Südafrika (1937) Härter noch traf Rugby Union der Erste Weltkrieg. Alle Sportverbände waren mit der Frage konfrontiert, ob es weiterhin angebracht sei, einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, wenn Tausende junger Australier auf den europäischen Schlachtfeldern ihr Leben ließen. Die Verbände für Australian Football und Rugby League entschieden, weiterhin Meisterschaften durchzuführen, während die Rugby-Union-Verbände ihre Aktivitäten für die Dauer des Krieges komplett einstellten und ihren Konkurrenten fortlaufend vorwarfen, unpatriotisch zu handeln. Der damals entstandene gesellschaftliche Graben prägte die Beziehungen zwischen den Sportarten und ihren Anhängern jahrzehntelang.Horton: Rugby Union Football in the Land of the Wallabies. S. 1617–1619. Im Verlaufe des Krieges standen mehr als 35 Nationalspieler im aktiven Kriegseinsatz, wobei zehn von ihnen starben. Nach Kriegsende wechselten wiederum zahlreiche Union-Spieler zu League-Vereinen. 1920 löste sich der Verband von Queensland mangels Spielern sogar auf.Horton: Rugby Union Football in the Land of the Wallabies. S. 1619–1620.