mini|Operation Cartwheel – Operationen auf Neuguinea und Neubritannien mini|Lieutenant General Walter Krueger, General Douglas MacArthur, General George C. Marshall, Ende 1943

Die Operation Dexterity (deutsch Operation Geschicklichkeit) war ein Unternehmen des Oberkommandos der US-Streitkräfte im Südwestpazifik unter General Douglas MacArthur während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. Sie umfasste die Landungen bei Arawe und am Kap Gloucester im Nordwesten von Neubritannien, in der heutigen West New Britain Province Papua-Neuguineas, ab dem 15. Dezember 1943, sowie die Eroberung des japanischen Tuluvu-Flugfeldes am 30. Dezember eben dort. Die Operation war Teil des Neubritannienfeldzugs und endete offiziell am 10. Februar 1944.

Vorgeschichte und Planung Im Frühjahr 1942 hatte das Japanische Kaiserreich seine Ziele im pazifischen Raum weitgehend erreicht. Fast das gesamte Gebiet zwischen Birma und dem Bismarck-Archipel befand sich unter japanischer Kontrolle. Nunmehr sollten weitere Offensiven gegen die alliierten Positionen diese zu einer Entscheidungsschlacht und Verhandlungen zwingen. Die japanischen Offensivpläne scheiterten jedoch in der Schlacht bei Midway im Juni 1942 und auch die Einnahme von Port Moresby auf Neuguinea schlug fehl. Als im August 1942 die Alliierten auch im Südpazifik eine erste Gegenoffensive gegen die Insel Guadalcanal einleiteten wurden die japanischen Streitkräfte in die Defensive gedrängt. Am 25. März 1943 erhielten sowohl die Marinestreitkräfte des Admirals Yamamoto Isoroku als auch die 8. Regionalarmee in Rabaul Anweisungen, sich auf die Verteidigung einzurichten.Gerhard Krebs: Der Krieg im Pazifik 1943-1945, in Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 7, Hrsg. Militärgeschichtliches Forschungsamt. DVA, Stuttgart 2001, S. 650

Um die Japaner weiter in der Defensive zu halten und den Vormarsch in Richtung der japanischen Hauptinseln zu beginnen, hatte die militärische Führung der USA ein Vordringen über zwei Hauptangriffslinien vorgesehen. Admiral Chester W. Nimitz setzte zur Eroberung der Gilbert-Inseln an, während General Douglas MacArthur, der das Oberkommando über den Südwestpazifikbereich innehatte, Landungen an der Küste Neuguineas plante, welche der erste Schritt zu einer Rückkehr auf die Philippinen darstellen sollten. Dieses Unternehmen gegen Neuguinea erhielt die Bezeichnung Operation Cartwheel und begann am 30. Juni 1943. Die Ziele der Operation bestanden zunächst in der Eroberung Neuguineas, des Bismarck-Archipels und Rabauls. Bis Mitte September 1943 konzentrierten sich die Kämpfe auf den östlichen Teil Neuguineas. Dann erfolgte am 22. September die Entscheidung zur Landung im Westen Neubritanniens, welche zuerst für den 15. November geplant wurde.United States., Hough, F. O., & Crown, J. A.: The campaign on New Britain. Washington: Historical Division, Headquarters, U.S. Marine Corps, 1952, S. 14. Zu den für das Unternehmen vorgesehenen Kräften gehörten vor allem Verbände der neu aufgestellten und bereits auf Neuguinea eingesetzten 6. US-Armee unter General Walter Krueger, die auch unter ihrem Codenamen Alamo Force bekannt war. Dies betraf in erster Linie die 1st Marine Division, die 32nd Infantry Division und das 503. US-Fallschirmjägerregiment.

Im Einzelnen teilte sich die Operation Dexterity in zwei Einzelunternehmungen auf: Operation Lazaretto – Landung im Süden Neubritanniens bei der Plantage von Lindenhafen, etwa 5 Kilometer von Gasmata entfernt, am 14. November und die Neutralisation des japanischen Stützpunkts bei Gasmata zum Schutz der Ostflanke für die nachfolgende Operation. Truppen: 126. US-Infanterie verstärkt als Regimental Combat Team (RCT) (dt.: Regimentskampfgruppe) und Elemente der 32. US-Infanteriedivision und der 6. US-Armee. Operation Backhander – Landung im Nordwesten Neubritanniens bei Kap Gloucester und Einnahme des dortigen japanischen Flugfelds. Truppen: 1. US-Marinedivision verstärkt durch das 503. US-Fallschirmjägerregiment

In Reserve standen die restlichen Elemente der 32. US-Infanteriedivision. Das Hauptziel der Operation Dexterity war die Einnahme und Kontrolle von West-Neubritannien bis etwa zur Linie Talasea im Norden, der Willaumez-Halbinsel bis nach Gasmata im Süden.

Wie die meisten pazifischen Inseln sind auch die Inseln des Bismarck-Archipels vulkanischen Ursprungs mit steilen Berghängen, dichtem Dschungel und tückischen Sümpfen, in denen sich die Soldaten schnell mit Malaria anstecken konnten. Das heiße Klima wurde nur selten durch reißende Regenfluten und dichte Wolken gemildert. Auf den von Naturvölkern bewohnten Inseln, die vor dem Krieg von Australien verwaltet wurden, gab es neben einigen Kokosnussplantagen und Missionssiedlungen kaum einen Einfluss der westlichen Kultur.

Die Japaner auf Neubritannien mini|General Imamura Hitoshi, Kommandeur der 8. Regionalarmee in Rabaul

Auf japanischer Seite befehligte das Oberkommando der 8. Regionalarmee des japanischen Heeres die Operationen im Archipel. Von Rabaul aus kontrollierte es die Aktionen in den Salomonen, Neuguinea und dem Bismarck-Archipel. Im Januar 1942 hatten die Japaner die strategisch wichtige Hafenstadt Rabaul im Nordosten Neubritanniens eingenommen und in den darauf folgenden Monaten war dort der größte und wichtigste See- und Luftstützpunkt der japanischen Streitkräfte während des Pazifikkriegs entstanden. Die Sicherung dieses Bereiches wurde der 8. Regionalarmee unter General Imamura Hitoshi übertragen, deren Umfang zeitweise bis zu 200.000 Soldaten betrug. Im Frühherbst 1943 musste die japanische Führung damit rechnen, dass es den Alliierten gelingen würde, den inneren japanischen Verteidigungsgürtel im Pazifik zu durchbrechen und die Basen auf Neuguinea, den Marianen, Palau und den Philippinen anzugreifen. General Imamura sah deshalb auch einen Angriff auf Neubritannien voraus, spätestens nachdem die Alliierten Bougainville eingenommen oder die Kommunikationswege über die Admiralitätsinseln und Neuirland, dort speziell im Kavieng-Sektor, abgeschnitten hätten. Nach General Imamura würde dies etwa im Februar oder März 1944 der Fall sein.

Die rückwärtigen Verbindungen der 8. Regionalarmee beruhten ausschließlich auf dem Seeweg nach Neuguinea, da die direkten Wege von den japanischen Hauptinseln bereits unter alliierter Luftherrschaft lagen. Sie liefen über das Flugfeld am Kap Gloucester im Westen Neubritanniens, sowie über die Stützpunkte bei Gasmata und auf der Willaumez-Halbinsel. Schon im Mai 1943 hatte General Imamura die schwache 65. Brigade mit dem Ausbau und der Sicherung dieser Route in West-Neubritannien beauftragt.Die Stärke der Brigade war auf ein aus zwei Bataillonen bestehendes Regiment geschrumpft, das von Pionieren, Funkern und Sanitätseinheiten unterstützt wurde. Insgesamt bestand deren schwere Bewaffnung nur aus sechs 37-mm-Flugabwehrkanonen, vier 75-mm-Kanonen und zwei 70-mm-Haubitzen. Siehe: United States., Hough, F. O., & Crown, J. A.: The campaign on New Britain. Washington: Historical Division, Headquarters, U.S. Marine Corps, 1952, S. 36 f. Deren Kommando übernahm Anfang September 1943 Generalmajor Iwao Matsuda. Weiterhin kommandierte dieser auch die Entladungseinheiten sowie die Pioniere und Truppen der 51. Division, deren Haupteinheiten auf Neuguinea im Kampf gegen australische Truppen standen. Weiterhin gehörten zu seinen Truppen zwei Kompanien des 115. Infanterieregimentes sowie zwei aus Artilleristen und Pionieren provisorisch zusammengestellte Infanteriekompanien. General Matsuda, ein erfahrener Truppenoffizier errichtete sein Hauptquartier nahe dem Luftstützpunkt von Kap Gloucester. Nur einen Monat später erfolgte am 5. Oktober 1943 die Unterstellung aller Einheiten Matsudas unter den Befehl der 17. Division unter Generalleutnant Yasushi Sakai, deren Verbände im Dezember 1943 zur Verstärkung aus China herangeholt wurden. Bei der Verlegung nach Neubritannien hatte die Division durch alliierte Schiffe und U-Boote jedoch größere Verluste erlitten, was dazu führte, dass Teile der Division erst neu aufgestellt werden mussten.

mini|links|Generalleutnant Yasushi Sakai, Kommandant der 17. Division

General Sakai richtete sein Hauptquartier bei Malalia in der Nähe des Kap Hoskins östlich der Williaumez-Halbinsel ein. Die Truppen der 17. Division richteten sich im Westen Neubritanniens zur Verteidigung ein und begannen unmittelbar mit dem angeordneten Ausbau der Verteidigungspositionen. Zu diesen gehörte ein schon existierender großer Betonbunker am Fuß des Talawe-Berges, der von dichter Vegetation umgeben war. An den für eine eventuelle amerikanische Landung in Frage kommenden Stränden, fünf Kilometer südöstlich von Kap Gloucester, standen kleinere Bunker und Unterstände für Maschinengewehrstellungen. Zwei Hügel im Inland, von den Amerikanern später „Target-Hill“ und „Hill 660“ benannt, wurden zu Verteidigungsstellungen ausgebaut. Somit lag etwa die Hälfte aller im Westen der Insel verfügbaren japanischen Kräfte in Stellungen, die effektiv zur Unterstützung der Verteidigung von Kap Gloucester beitragen konnten.

Bereits am 12. Dezember richtete General Sakai eine Botschaft an alle Kommandeure seiner Einheiten, in der er vor einer unmittelbar bevorstehenden Invasion warnte. Doch durch das hohe Aufkommen an alliierten Landungsschiffen an den unterschiedlichsten Küstenabschnitten Neuguineas gelang es den Japanern nicht, sich ein klares Bild von den geplanten Operationen der Amerikaner zu machen. Fehlalarme waren bis zum Jahresende 1943 an der Tagesordnung. Auch die Luftaufklärung von Rabaul und Wewak brachte nur die Erkenntnis, dass eine Invasion unmittelbar bevorstehen müsse.

Vorbereitende Aktionen Aufklärung Schon zwei Tage nach den gefassten Landungsbeschlüssen begannen Scouts der Alamo-Force mit der Aufklärung im Gebiet von Kap Gloucester. Sie näherten sich in Schnellbooten der Küste, stiegen dann in Schlauchboote um und landeten an den Stränden. Von dort aus kundschafteten sie die Stellungen und Truppenstärken der Japaner aus, indem sie direkte Beobachtungen durchführten oder Kontakt zur einheimischen Bevölkerung aufnahmen und diese befragten. Direkt nach Beendigung ihrer Aktionen, oder wenn sie von den Japanern entdeckt worden waren, konnten sie von den Schnellbooten wieder aufgenommen werden und entkommen. Bei den zeitweise bis zu zwei Wochen dauernden Unternehmen kam es auch zu kleineren Feuergefechten, bei denen es beiderseits Verwundete gab.

mini|Die Stützpunkte der Japaner und der Alliierten im Dezember 1943 mini|General Krueger mit Alamo-Scouts

Mitte November gingen die Alliierten von einer japanischen Truppenstärke von 7071 Mann im Westen Neubritanniens und den umliegenden Inseln aus. Die Zahl wurde aber stetig nach oben korrigiert, da die 17. Division als zur Verteidigung dazugehörig erkannt worden war. Schlussendlich betrug die Schätzung kurz vor Beginn der Operation Dexterity 8400 Mann als unterste und 12.076 Mann als oberste Grenze. Für die Bombardierungen der japanischen Stellungen wurde mit einer Vorwarnzeit seitens der Japaner von etwa 30 bis 60 Minuten gerechnet.

Wegen der wachsenden japanischen Truppenstärke und die Verschiebung ihrer Einheiten sowie Koordinationsproblemen mit den anderen geplanten Operationen und der Heranführung der nötigen Versorgungseinheiten konnte die ursprüngliche Planung nicht mehr beibehalten werden. So wurde Ende Oktober die Operation Lazaretto komplett abgesagt und stattdessen eine Landung auf der Halbinsel Arawe unter dem Kodewort Operation Director angesetzt, da dort deutlich weniger Verteidigungsstellungen ausgemacht worden waren. Um die Truppen auf die neue Situation einzustimmen, mussten auch die Termine weiter nach hinten verlegt werden. Die Arawe-Landung wurde auf den 15. Dezember und die Kap Gloucester-Landung auf den 26. Dezember festgelegt.