Der Grenzüberschreitende Bergbaulehrpfad (tschechisch: Příhraniční naučná hornická stezka) Graupen (Krupka) – Geising – Altenberg – Zinnwald – Böhmisch Zinnwald (Cínovec) – Eichwald (Dubí) ist ein 40 km langer Bergbaulehrpfad im oberen Osterzgebirge. Er verbindet siebzig Sachzeugen (v. a. Museen, Denkmale, Besucherbergwerke, Kunstteiche und -gräben, Halden und touristische Attraktionen) der Bergbau- und Siedlungsgeschichte. Damit beschreibt der Lehrpfad die Entwicklungsgeschichte des ehemals bedeutendsten Zinnbergbaureviers in Mitteleuropa. Zum Wandern empfiehlt sich der Erwerb einer Wanderkarte, welche neben detaillierten Karten auch Kurzbeschreibungen der Routenpunkte und Öffnungszeiten der Museen enthält.
mini|hochkant=1.2|Die Altenberger Pinge, ein bedeutendes Zeugnis der osterzgebirgischen Montanhistorie
Geografische Lage Der Lehrpfad liegt etwa 45 km südlich von Dresden im oberen Osterzgebirge. Er befindet sich unmittelbar an der tschechischen Grenze und führt von Graupen (Krupka) über Obergraupen (Horni Krupka), den Mückenberg (Komáří hůrka), Voitsdorf (Fojtovice) nach Fürstenau (Wanderweg im Kleinen Grenzverkehr). Von Fürstenau verläuft der Pfad weiter über Löwenhain, Geising, Altenberg nach Zinnwald. Über den alten Grenzübergang an der B 170 wird über Vorderzinnwald (Prední Cínovec) wieder Graupen (Krupka) erreicht. Damit durchschneidet der Lehrpfad das Quellgebiet der Weißen Müglitz.
Routenpunkte Graupen (Krupka) mini|Sankt Annenkirche zu Graupen, Gemälde von Ludwig Richter 01 – Der Sessellift auf den Mückenberg (Komáří hůrka) ist der längste Sessellift ohne Zwischenstation in der Tschechischen Republik. Zum Zeitpunkt seiner Errichtung war er sogar der längste Sessellift in Mitteleuropa. Die Seilbahn wurde 1950 bis 1952 in Schweizer Lizenz erbaut, sie ist 2348 m lang. 02 – Der Kalvarienberg (Kalvárie) ist ein Felshügel oberhalb des Ortes Mariaschein (Bohosudov). Im Zusammenhang mit der Wallfahrtstradition zur Wallfahrtskirche Mariaschein wurde hier in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Barockkapelle errichtet. In ihrem Inneren befindet sich seit 1761 eine kunstvoll gearbeitete Christusfigur. 03 – Die Wallfahrtskirche der Schmerzhaften Mutter Gottes in Mariaschein (Bohosudov) geht in ihrer Entstehung vermutlich auf die Hussitenschlacht bei Aussig (Ústí nad Labem) im Jahre 1426 zurück. Der heutige Barockbau geht auf die Umgestaltung durch die Baumeister Giulio Broggio und Octavio Broggio zurück. Er zählt zu den sehenswertesten Sakralbauten in der Tschechischen Republik. 04 – Die Friedhofskirche St. Anna wurde 1516 in einfachem Stil unter großer Anteilnahme der Graupener Bürger erbaut. Ihre Ausstattung umfasst u. a. eine seltene Darstellung von Martin Luther aus dem 16. Jahrhundert. 05 – Die Spitalkirche (Heilig-Geist-Kirche) war ehemals mit dem städtischen Spital verbunden. Sie wurde urkundlich erstmals 1454 als bereits bestehende Kirche erwähnt. Nach einem Brand (1538) wurde sie 1556–1642 umgebaut. 06 – Die Burg Graupen (Hrad Krupka) war eine strategisch wichtige Burg, welche die Bergwerke, die Stadt und den alten Handelsweg nach Sachsen schützte. Sie wurde wahrscheinlich um 1300 erbaut. Die erste urkundliche Erwähnung als bereits bestehende Burg fand sie in einer Lehensurkunde im Jahr 1330. In den Hussitenkriegen wurde die Anlage 1429 zerstört und anschließend zwischen 1434 und 1440 wieder aufgebaut. 1471–1482 erfolgte ein spätgotischer Umbau. Im Dreißigjährigen Krieg erfolgte die erneute Zerstörung. Auf dem Hofplatz wurde 1695–1697 das Bergamtshaus erbaut. Die Burg selbst war zu dem Zeitpunkt bereits aufgegeben und verfiel. 07 – Die Stadtkirche Mariä Himmelfahrt ist die Stadtpfarrkirche Graupens. Ihr Ursprung stammt aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1429 wurde sie im Hussitenkrieg zerstört und von 1430 bis 1440 wieder aufgebaut. Nach einem Stadtbrand (1479) wurde sie 1479–1488 im spätgotischen Stil zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit erneut aufgebaut und später barock umgestaltet. 08 – Der Anläuteturm, ein freistehender Turm mit steinernen Unterbau und schindelgedeckten Dach, ist einer der wenigen original erhaltenen bergmännischen Anläutetürme Europas. Er wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet. Die heutige Form erhielt er um 1600. Der Anläuteturm signalisierte den Bergleuten mit seinem Glockengeläut den Schichtbeginn bzw. das Schichtende. 09 – Der Historische Marktplatz von Graupen weist eine langgestreckte Form auf. Das denkmalgeschützte Bauensemble entstand im Mittelalter durch die Verbreiterung der früheren Kolditz-Straße. Graupen selbst wurde um 1230 als Bergmannssiedlung angelegt, wurde 1300 freie Bergstadt und 1547 königlich freie Bergstadt. 10 – Das Museum Graupen wurde 1919 vom Ortsmuseumsverein gegründet und befand sich ursprünglich im Haus der ehemaligen Schule. Heute sind die Sammlungen (u. a. zu Bergbau und Naturkunde) in einem Bürgerhaus aus der Zeit der Renaissance untergebracht. 11 – Der Stollen des Besucherbergwerkes „Alter Martin“ gehörte während seiner Betriebszeit zu den bedeutendsten Stollen des Graupener Reviers. Er erschloss den nordwestlichen Teil des Luxer-Ganges (tschech.: „Lukaš“). Mit einer Länge von etwa 2 Kilometer ist er der längste zinnerzführende Erzgang Tschechiens. 12 – Die unterhalb des Mückenberges gelegene Bergmannssiedlung Obergraupen (Horni Krupka) wurde 1370 gegründet. Sie wurde angelegt, als die Bergleute auf der Suche nach weiteren Zinn-Seifen talaufwärts ins Gebirge zogen. 13 – Die St.-Wolfgangs-Kapelle befindet sich etwa 300 Meter westlich vom Mückenberg auf eine Höhe von 774 Meter. Die ursprüngliche, aus dem Jahr 1360 stammende Kapelle, war dem Hl. Wolfgang, dem Schutzheiligen der Bergleute geweiht. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1692–1700 im barocken Stil wieder errichtet.
Mückenberg (Komáří hůrka) mini|Mückenberg und seine beiden Gaststätten 14 – Der Mückenberg (807 m über NN) ist einer der höchsten Berge des Osterzgebirges auf dem Territorium der Tschechischen Republik. An der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert war das Gebiet um Graupen eines der bedeutendsten Zinnbergbaureviere Europas. Die Suche nach weiteren Zinnerzvorkommen brachte Bergleute im 14. Jahrhundert auf den Erzgebirgskamm am Mückenberg. 1416 wird der Bergbau am Mückenberg erstmals urkundlich erwähnt.
Fürstenau mini|Mitteldorf und Kirche im Winter 15 – Das Siedlungsgebiet Fürstenau ist vermutlich in der ersten Rodungszeit des östlichen Erzgebirges entstanden, in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als bäuerliche Ansiedlung. Die weithin sichtbare Kirche mit ihrem spitzen Kirchturm entstand 1885–1887 als Neubau für die baufällige alte Kirche aus der Zeit um das 14. Jahrhundert. 16 – Der Silberstollen .entstand in der Hoffnung auf das Fündigwerden von Silber-, Kupfer- und Bleierzen im 17. Jahrhundert. Der Stollen wurde mehrmals kurzzeitig, aber stets ergebnislos betrieben. Das älteste schriftliche Zeugnis des Bergwerkes stammt von 1687.
Geising Die Anlage der Bergsiedlung Geising reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. 1375 wurde hier eine Eisenerzgrube, 1449 ein Schmiedewerk erwähnt. Der Abbau selbst war im Ort weniger bedeutsam, als im benachbarten Altenberg und Zinnwald. Allerdings fand die Aufbereitung der in diesen beiden Orten geförderten Erze im Geisinger Hüttengrund statt, da in Altenberg und Zinnwald das notwendige Aufschlagwasser zum Betrieb der Nasspochwerke und Erzwäschen fehlte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der aktive Bergbau in Geising eingestellt. Die Eröffnung der Müglitztalbahn brachte der Stadt ab 1890 neue Entwicklungsimpulse im Tourismus. Heute steht das Geisinger Stadtzentrum als historische und gut erhaltene Siedlungsanlage des Bergbaus weitgehend unter Denkmalschutz.
17 – Hüttenteich: Der Hüttenteich wurde 1755–1757 durch Anstauung des Hüttenbaches angelegt. Er diente als Wasserspeicher für den Antrieb der Wasserräder in den Geisinger Erzwäschen, Nasspochwerken und Schmelzhütten. Nach Einstellung des Bergbaus diente das Wasser zum Antrieb von Sägemühlen und Drehbänken ansässiger Drechsler. 1952 wurde auf dem Gelände eine Natureisbahn für Eisschnelllaufwettkämpfe eingerichtet. Heute wird das Areal als Freibad und Freizeitzentrum genutzt. 18 – Eisstadion: Das Eisstadion wurde 1950 als Natureisbahn errichtet. Es war das erste seiner Art im Erzgebirge und befand sich neben den ehemaligen Geisinger Schanzen und der neu erbauten Sporthalle. Das Stadion wurde in den 1990er Jahren modernisiert und später überdacht. Es wird im Winter als Kunsteisbahn genutzt. Zudem wird es als Veranstaltungsort für Geisinger Konzerte genutzt. 19 – evangelische Kirche: Die evangelische Kirche wurde bereits erwähnt. 1484 erfolgte die Grundsteinlegung für einen spätgotischen Neubau, der 1513 vom Abt des Klosters Altzella geweiht wurde. Die zu klein gewordene Kirche wurde 1689–1694 durch einen Neubau ersetzt. Ihr Inneres wurde mit osterzgebirgischen Zinn ausgeschmückt und beherbergt unter anderem einen wertvollen Altar mit Bergmannsleuchtern. 20 – Ratskeller: Das Haus am früheren Neumarkt wurde nach 1700 vom späteren Bergmeister Grundig durch den Wiederaufbau von zwei verfallenen Häusern erbaut. Nach Grundigs Tod (1729) wurde Rudolf von Bünau Eigentümer. Dieser nutzte das Haus ab 1736 als Sitz für das seit 1475 bestehende Vasallenbergamt seiner Herrschaft Lauenstein. Mit dem Ende der Bünauischen Herrschaft auf Lauenstein wechselte auch das Bergamt 1823 den Besitzer, behielt seine Funktion aber bei. Erst 1851 wurde es im Zuge des zurückgehenden Bergbaus aufgelöst. 21 – Saitenmacherhaus: Das Saitenmacherhaus wurde ursprünglich um 1480 erbaut. Die heutige Gestalt stammt von einem Umbau im Jahr 1686, bei dem das Fachwerkobergeschoss und das Renaissancesitznischenportal entstand. Im Flur des Hauses befindet sich eine Hängewaage aus dem Jahr 1692 und ein Reliefbild mit zwei Bergleuten. Hier wohnte einst der angesehene Zinnhändler Wendisch. Zwischen 1692 und 1902 diente das Haus als Werkstatt von Zinngießern. Der Name wurde von einer langjährigen Besitzerfamilie abgeleitet. 22 – Rathaus: Der Neubau von 1910 wurde im Gegensatz zu vielen Rathausbauten der Umgebung nicht im klassizistischen Stil erbaut, sondern dem Charakter der Stadt mit ihrer reichhaltigen historischen Bausubstanz angepasst. 23 – Zwitterstock-Tiefer-Erbstollen: Dieser zwischen 1491 und 1543 bis in eine Teufe von 133 m unter der Rasensohle des Altenberger Römerschachtes aufgefahrene und 1.978 m lange Stollen diente der Entwässerung der Altenberger Gruben. Er wurde auf Initiative von Kurfürst Friedrich dem Weisen angelegt. Die Finanzierung mussten die Städte Freiberg, Dresden und Leipzig sowie die Klöster und Domkapitel Freiberg, Meißen und Altzella übernehmen. Der Bau des Stollens wurde von beiden Seiten vorangetrieben. Allerdings traf man nicht in gleicher Höhe aufeinander, so dass sich im Berginneren ein ca. 3 m hoher Wasserfall befindet. Außerdem erinnert eine Tafel an die Stollenbefahrung durch Prinz Friedrich August im Jahr 1822. Der Erbstollen entwässerte die Altenberger Gruben bis 1982. 24 – Sühnekreuz: Das am westlichen Ortsausgang befindliche Sühnekreuz trägt die Darstellung eines an der Spitze gebogenen Schwertes. Es stammt vermutlich aus vorreformatorischer Zeit und wurde wahrscheinlich um den Anfang des 16. Jahrhunderts aufgestellt. 25 – Haus „Anno 1497“: Das Haus „Anno 1497“ gilt als das älteste erhaltene Haus Geisings. Davon zeugt die über dem Türstein eingemeißelte Jahreszahl 1497. Ungesicherten Überlieferungen nach soll das Haus von einem Mitglied der Bergherrenfamilie Kölbel erbaut wurden sein. Ein 1768 erfolgter Umbau veränderte das Obergeschoss allerdings grundlegend. Das Haus beherbergt heute eine Gaststätte mit dem Namen „Anno 1497“.