Abdiso bar Brika (Ebedjesus; cAbdīšōc) († 1318) war ein ostsyrischer Geistlicher, Gelehrter und Schriftsteller. Er war im frühen 14. Jahrhundert „Metropolit von Nisibis und Armenien“ der Assyrischen Kirche des Ostens.

Leben Das Leben des Abdiso ist kaum bekannt; als Geburtszeitraum wird das mittlere 13. Jahrhundert vermutet. Zu seinem frühen Werdegang existieren Angaben in der modernen Literatur, für die jedoch keine historischen Quellen genannt werden und deren Herkunft und Korrektheit daher nicht überprüft werden können. So könnte die Information, Abdiso sei in Gazarta (dem heutigen Cizre) geboren worden und zunächst Mönch in den nahegelegenen Klöstern Mar Aḥa und Mar Johannes gewesen, auf eine Verwechslung mit Patriarch Abdisho IV. Maron († 1570) zurückgehen, auf den diese Angaben tatsächlich zutreffen. Ebenso unklar ist die Herkunft der Behauptung, Abdiso sei 1285 vom amtierenden Katholikos zum Bischof von Sindschar und der umgebenden Region Bet ‘Arbāyē geweiht worden und 1291 ebenfalls vom Katholikos zum Metropoliten von Nisibis geweiht worden. Eindeutige Belege für seine kirchlichen Ämter bilden nur einige Kolophone in zeitgenössischen Handschriften, deren Datierung und/oder Formulierung aber teilweise unklar ist. So wird er in einem Kolophon bereits für das Jahr 1279/1280 als Bischof bezeichnet, was aber möglicherweise eine Verschreibung für 1295/1296 ist. Ein weiterer Kolophon nennt ihn für 1284/1285 als Bischof von Sindschar und Bet ‘Arbāyē. In einem Kolophon von 1315/1316 bezieht sich Abdiso inhaltlich auf das Jahr 1290/1291 und bezeichnet sich selbst als Metropolit von Nisibis; es ist aber nicht klar, ob man daraus schlussfolgern darf, dass er in jenem Jahr schon dieses Amt innehatte.Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9, S. 1*–2*.

Im Februar 1318 hielt der neu gewählte Katholikos Timotheos II. eine Synode ab, deren Teilnehmerliste erhalten ist und auch Abdiso enthält. Dessen Todesdatum Anfang November 1318 ist aus einem Kolophon bekannt, das sich vermutlich einst in einer (nicht erhaltenen) Handschrift aus Abdisos Nachlass befand und das in drei heute noch erhaltene andere Handschriften abgeschrieben wurde.Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9, S. 2*–3*.

Werk Abdiso verfasste in syrischer Sprache und in Arabisch Bibelkommentare, Poesie, dogmatische und juristische Schriften. Von grundlegender Bedeutung für die syrische Literaturgeschichte ist sein Schriftstellerkatalog. Dieser enthält am Ende auch eine Liste von Abdisos eigenen Schriften, darunter aber diverse Titel, deren Text sich nicht erhalten hat. Unter seinen dogmatischen Texten ist vor allem das „Buch der Perle“ zu nennen, aus seinem poetischen Werk das „Paradies Eden“. Zudem verfasste er eine arabische Übersetzung der Evangelien in gereimter Prosa.Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9, S. 4*–7*. Bei seinen zwei juristischen Schriften handelt es sich um den sogenannten Nomokanon, der stark auf dem Vorgängerwerk des Gabriel von Baṣra beruht, und um ein Werk, das in der Forschung gewöhnlich mit dem (modernen) lateinischen Titel Ordo iudiciorum ecclesiasticorum bezeichnet wird.Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9, S. 10*–14*. Es sind einige autographe Manuskripte des Abdiso erhalten, die neben seinen eigenen Werken auch verschiedene weitere Texte (insbesondere Bibeltexte) umfassen.Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9, S. 4*–10* und 80*–81*.

Abdiso gilt als „der letzte bedeutende Schriftsteller der ostsyrischen Kirche vor deren Niedergang im 14. Jh.“Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9, S. 1*.

Literatur Anton Baumstark: Geschichte der syrischen Literatur mit Ausschluß der christlich-palästinensischen Texte. A. Markus und E. Weber, Bonn 1922, S. 323–325 (Digitalisat; Überblick über die Themen der Werke Abdisos). Georg Graf: Geschichte der christlichen arabischen Literatur. 5 Bände, Vatikanstadt 1944–1949, Band 1, S. 165; Band 2, S. 214 ff.

Hubert Kaufhold: Abraham Eccellensis et le Catalogue des livres de cAbdīšōc bar Brīkā. In: Bernard Heyberger (Hrsg.): Orientalisme, science et controverse: Abraham Ecchellensis (1605–1664). Brepols, Turnhout 2010, S. 119–133. Hubert Kaufhold: Ebedjesus von Nisibis, „Ordo iudiciorum ecclesiasticorum“. Eine Zusammenstellung der kirchlichen Rechtsbestimmungen der ostsyrischen Kirche im 14. Jahrhundert (= Eichstätter Beiträge zum christlichen Orient. Band 7). Harrassowitz, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-447-11294-9. Salam Rasi: Christian Thought in the Medieval Islamicate World: ʿAbdīshōʿ of Nisibis and the Apologetic Tradition. Oxford University Press, Oxford 2021.

Einzelnachweise

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