Die Zisterzienserabtei Sittich (lat. Abbatia B. M. V. de Sittico; slowenisch Cistercijanski samostan Stična) ist das älteste Kloster auf dem Gebiet des heutigen Slowenien. Die Anlage sowie die Basilika sind slowenische Kulturdenkmale von nationaler Bedeutung.

Der Gründer des Klosters war Peregrin († 1161), Patriarch von Aquileia (auch Aglar oder Aglaj, slow. Oglej), der im Jahre 1136 die Stiftungsurkunde herausgab. Kloster Sittich war mehrere Jahrhunderte hindurch einer der bedeutendsten religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkte im einstigen Krain mit entsprechenden nachhaltigen Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Die auch heute noch von Zisterziensern besiedelte Abtei gehört zur Mehrerauer Kongregation. Die Klosterkirche Bazilika Žalostne Matere Božje erhielt 1936 durch Papst Pius XI. den Titel einer Basilica minor.

Geographische Lage Das Kloster liegt in der Gemeinde Ivančna Gorica etwa 30 km östlich der Hauptstadt Ljubljana und südlich der Save, in dem Gebiet, das von Pippin und Karl dem Großen dem Patriarchat von Aquileja für die Durchführung der Mission zugewiesen worden war. Zur Zeit der Errichtung des Klosters hieß die Gegend noch Windische Mark (Slovenska krajina). Valvasor, der berühmte Krainer Polyhistor, berichtet zur Lage des Klosters aber schon, dass es zu Unterkrain gehöre und auf einer Ebene unterhalb eines hohen Berges und von Laibach (Ljubljana) und Rudolfswert (Novo mesto) jeweils vier Meilen entfernt, sowie in der Nähe der Stadt Weichselburg (Višnja Gora), liege.

Geschichte Weltliche und kirchliche Zuständigkeiten 1002–1335 In jener Zeit, als das Kloster Sittich gegründet wurde, war der regierende Patriarch von Aquileia zugleich Markgraf von Krain. Er war somit das weltliche und das kirchliche Oberhaupt des Klosters. Die Gründe für diese Konstellation waren folgende: Nachdem die Franken die von Slowenen besiedelten Gebiete erobert hatten – hauptsächlich das heutige Slowenien und Kärnten – unter der damaligen Bezeichnung Karantanien bekannt – stand die Frage der Christianisierung im Raum; die Slowenen waren damals noch Heiden.

Schon Pippin der Jüngere (714–768) teilte das zu missionierende Gebiet unter das Bistum Salzburg und das Patriarchat von Aquileia auf. Als Grenze bestimmte er den gesamten dortigen Verlauf des Flusses Drau (slow.: Drava). Der nördliche Teil wurde in die Zuständigkeit von Salzburg gelegt, und der Bereich südlich der Drau bis zur Adria fiel in die Zuständigkeit von Aquileia.

Aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten zwischen Salzburg und Aquileia, das sich auf seine Zuständigkeit berief, die einst bis an die Donau reichte, legte Kaiser Karl am 14. Mai 811 in Aachen (slow. archaisch: Cahe) die von seinem Vater bestimmte Grenze kraft Dekret endgültig fest. Aquileia blieb in diesem Gebiet bis zu seiner Auflösung im Jahre 1751 zuständig für kirchliche Fragen. Danach folgten das Bistum Görz und dann das im Jahre 1463 gegründete Bistum Laibach, seit 1961 Erzbistum.

Vorgänger der Patriarchen als Markgrafen von Krain waren die Grafen von Sempt-Ebersberg (1002–1042) und Ulrich von Weimar-Orlamünde (1058–1070). Nach dem Tod Ulrichs von Weimar-Orlamünde kam Krain zunächst unter die unmittelbare Gewalt des deutschen Königs. Zur Zeit des Investiturstreits suchte König Heinrich IV. (* 1050, † 1106) ihm ergebene Anhänger und fand einen in der Person des Patriarchen von Aquileia, Sieghard Grafen von Peilstein, und machte diesen im Jahre 1077 zum Markgrafen von Krain. Sieghard starb jedoch noch im gleichen Jahr. Daraufhin setzte der König den Bruder Luitolds von Eppenstein, Herzogs von Kärnten, Heinrich – beide treue Anhänger der Krone – zum Markgrafen ein. Nach Luitolds Tod im Jahre 1090 folgte ihm sein Bruder Heinrich als Herzog von Kärnten nach. Ulrich, ein weiterer Bruder der beiden, wurde 1086 Patriarch von Aquileia und 1093 Markgraf von Krain. So blieb Krain bei der Kirche von Aquileia.

Die Patriarchen von Aquileia blieben nominell auch Markgrafen von Krain bis zum Jahre 1268. Sie übten jedoch die Regierungsgeschäfte nicht selbst aus, sondern setzten dafür als weltliche Verwalter für die Mark die Grafen von Andechs-Meran (1093–1251) und danach die Spanheimer (1251–1269) ein. 1269 riss der König von Böhmen, Przemysl Ottokar II., Krain an sich und behielt es bis zu seinem Tod in der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen am 26. August 1278, aus der Rudolf von Habsburg, der neue deutsche König, als Sieger hervorging.

Rudolf verpfändete 1279 die Windische Mark und Krain an seinen treuen Bundesgenossen, den Grafen Meinhard von Görz-Tirol, und setzte ihn als Landeshauptmann ein. Graf Meinhard übte dort die tatsächliche Gewalt auch aus. Zu Markgrafen von Krain machte Rudolf 1282 mit Zustimmung der Kurfürsten jedoch seine beiden Söhne, Albrecht und Rudolf. Doch erst 1335, nachdem der letzte Sohn Meinhards von Görz, Heinrich, ohne männliche Erben zu hinterlassen, gestorben war, kam Krain endgültig an das Haus Habsburg.

Stiftungsurkunde 1136 Das Original der Stiftungsurkunde, damals „Stüfft Brüff“ genannt, die im Jahre 1136 in Aquileja ausgestellt worden war, ist nicht erhalten geblieben. Es existieren lediglich Abschriften aus dem 17. und dem 18. Jahrhundert. Eine solche Urkunde ist aber auch kein Nachweis dafür, dass das Kloster auch im Jahr ihrer Herausgabe gegründet wurde. Für die Gründung des Klosters und den Beginn des damit verbundenen regulären Ordenslebens waren ausschließlich die Ordensregeln maßgebend, die in den Instituta sowie der Charta Caritatis festgelegt sind. Der Zeitpunkt der Herausgabe der Stiftungsurkunde dürfte im Zusammenhang mit der Ankunft des ersten Abtes Vinzenz in Sittich zu sehen sein, der erst im Jahre 1136 dort eingetroffen war.

Zur Amtszeit des Abtes Gallenfels (1688–1719) wurde die Stiftungsurkunde nebst anderen Archivalien in der Prälatur neben der Kammer des Abtes aufbewahrt („.. in dem Gewölb auss diesser Cammer so anietzo das Archivium genanndt wird“). Abt Gallenfels selbst hat eine Abschrift angefertigt und sie am 15. Juni 1716 an Pater Steyrer nach Wien geschickt.

Anfänge – 1132 mini|Sonnenuhr und Gedenken an das 850-jährige Jubiläum – links: Wappen des Abtes Vinzenz, rechts: Wappen des Abtes Anton Nadrah Patriarch Peregrin, der von 1132 bis zu seinem Tod im Jahre 1161 regierte, war (angeblich) ein Sohn Heinrichs von Spanheim, des damaligen Herzogs von Kärnten. Der Patriarch wusste, dass in seinem Amtsbereich, wozu auch Krain gehörte, das Christentum noch keine tiefen Wurzeln geschlagen hatte. Deshalb beschloss er dort ein Kloster zu errichten und lud Zisterzienser-Mönche ein, die ihm bei der Verwirklichung dieses Vorhabens helfen sollten. Das Kloster sollte eine Stätte der Arbeit, des Gebets und der Buße sein.

Das Gelände, auf dem das Kloster erbaut werden sollte, war damals, den Ordensregeln entsprechend, eine einsame und schwer zugängliche Waldgegend, durch die sich ein Bach mit klarem und frischem Wasser wand, der später den Namen Stiški potok (Sitticher Bach) oder auch Stičnica bekam. Das Areal war in jener Zeit Eigentum von drei Brüdern, Heinrich, Dietrich und Mainhalm von Pries oder auch Pux oder Puchs; sie waren Seitenverwandte der hl. Hemma von Gurk. Da sie aber auf der nahe gelegenen Festung Weichselberg (Višnja gora) residierten, hießen sie auch die Herren von Weichselberg, – und später Weichselberg (Adelsgeschlecht). Sie überließen dem Patriarchen das für den Bau des Klosters ausgesuchte Gelände und bekamen als Ersatz dafür Land um St. Veit (slow.: Šentvid), eine nahe gelegene Ortschaft, die damals Aquileja gehörte.

Die ersten Mönche, die im Jahre 1132 nach Krain kamen, um mit der Arbeit zu beginnen, sollen vom Zisterzienserkloster Rein entsandt worden sein, wie in der Stiftungsurkunde nachzulesen ist. Nach anderen Quellen soll die Gründungskolonie jedoch aus dem Kloster Morimond in Frankreich gekommen sein. Mit ihnen kam auch Michael, ein junger Baumeister, der die Baumaßnahmen leitete. Die Ankömmlinge ließen sich zunächst im nahe gelegenen St. Veit (Šentvid) nieder, der Urpfarre mit der Kirche des hl. Veit (sv. Vid).

Errichtung des Klosters und der Klosterkirche 1132–1156 mini|Pforte mini|Der große Klosterhof mini|Der Nordturm – „Altes Tor“ von innen – einst der einzige Zugang zum Kloster mini|Refektorium – Ende 17. Jahrhundert Die Arbeiten waren innerhalb weniger Jahre so weit fortgeschritten, dass die Mönche schon 1135 ins Kloster einziehen konnten. Um dort mit dem regulären Ordensleben beginnen zu können, mussten gemäß den Ordensregeln allerdings 1. die Klosterkirche, nach Osten ausgerichtet, als Mittelpunkt der gesamten Anlage, 2. das Refektorium (Speisesaal), 3. das Dormitorium (Schlafsaal), 4. das Hospiz (Gast- und Krankenraum für Reisende, Pilger) und 5. die Pforte fertiggestellt worden und die Anlage, zur Abgrenzung von der Außenwelt, mit einer Mauer umgeben sein. Nur die Ställe durften außerhalb der Klostermauer errichtet werden. Teile der Mauer verlaufen heute noch im östlichen und südlichen Teil entlang des Baches Stiški potok.

Die reguläre Ordensarbeit wurde am 7. Juli 1135 aufgenommen. Der Abt Vinzenz allerdings kam vermutlich erst Mitte des Jahres 1136 nach Sittich, ein Umstand, der nicht konform mit den Ordensregeln war. Den Ordensregeln entsprach wohl, dass zu Beginn des geordneten Klosterlebens zwölf Mönche – analog der Anzahl der zwölf Apostel – vor Ort anwesend waren, der Dreizehnte sollte stets der Abt sein, der in diesem Fall jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht eingetroffen war.

Im Laufe der Jahre – jeder Abt tat etwas dazu – entwickelte sich das Kloster zu einer stattlichen Anlage. Die Klosterkirche wurde erst im Jahre 1156 fertig erbaut und vom Patriarchen Peregrin persönlich eingeweiht. Der Hauptaltar – Altar der Mutter Gottes – wurde am 8. Juli 1156 eingeweiht und die Einweihung der beiden Seitenaltäre – der des Erzengels Michael und der des Apostels Petrus und aller Heiligen – schloss sich am 9. Juli 1156 an. Im Jahre 1181 folgte die Einweihung der Altäre des Heiligen Kreuzes und des Johannes Evangelista. Im Jahre 1182 wurde der Altar des hl. Nikolaus und 1191 der Altar des hl. Benedikt geweiht. Es folgten die Einweihungen der Altäre des hl. Georg (1196), des hl. Stephan (1200) und des Seitenaltars der Mutter Gottes (1301). Im Jahre 1335 war ferner die Rede vom Altar des hl. Andreas und später auch vom Altar des hl. Bastian.

Donatoren, Urkunden und Urbare Patriarch Peregrin musste als Klostergründer dafür sorgen, dass die Mönche von Beginn an für eine angemessene Lebenshaltung sichere und geregelte Einkünfte zur Verfügung hatten. Dafür griff er vermutlich auch auf das Vermögen der Kirche des Patriarchats zurück. Er stellte nicht nur das Baugelände zur Verfügung, sondern schenkte dem Kloster auch fünf Höfe, die am Sitticher Bach lagen, und die Ortschaft Weinhof (Bajnof) in der Nähe der heutigen Stadt Novo mesto in Unterkrain. Und im Jahre 1145 bedachte er das Kloster mit fünf weiteren Huben in Bodendorf an der Mur (einige Kilometer westlich von Murau in der Obersteiermark).

Dem Beispiel des Patriarchen folgend schlossen sich schon bald weitere Wohltäter mit ihren Schenkungen an, wie beispielsweise die Weichselberger Herren, die Andechser und die Spanheimer, die Grafen von Görz und die Markgrafen von Istrien, später auch die österreichischen Erzherzöge und Herzöge von Kärnten sowie weitere Adelsfamilien aus Krain und sogar aus der Steiermark.