Basketball ist in Spanien ein beliebter Breiten- und Publikumssport. Der Basketballverband Federación Española de Baloncesto (FEB) wurde am 31. Juli 1923 gegründet und trat 1934 der Fédération Internationale de Basketball (FIBA) bei. Seit 1933 wird eine Meisterschaft ausgespielt, vorerst als Copa de España im Pokalmodus und seit der Saison 1957 im Ligamodus als Liga Española de Baloncesto (heute Liga ACB). Mit 4.053 registrierten Vereinen und 407.728 lizenzierten Spielern (Stand 2012), ist Basketball in Spanien der zweitbeliebteste Mannschaftssport nach Fußball. mini|350px|Basketballteam Estudiantes
Nationale Basketballwettbewerbe Männer Liga ACB
Die spanische Basketballliga wurde erstmals 1957 als Liga Española de Baloncesto ausgespielt und stand unter Schirmherrschaft des spanischen Verbandes Federación Española de Baloncesto (FEB). Sie löste damals die im Pokalmodus ausgetragene Copa de España als höchsten spanischen Bewerb für Klubmannschaften ab. Der dominierende Verein war in frühen Jahren Real Madrid, das zwischen 1957 und 1977 lediglich zwei Saisons nicht als Meister beendete, nämlich 1958/59, als der FC Barcelona den Titel gewann, und 1966/67 durch den Sieg Joventut de Badalonas. Im Jahr 1982 wurde ein separater Ligaverband mit dem Namen Asociación de Clubs de Baloncesto (ACB) gegründet, der seit der Saison 1983/84 für die Organisation und Vermarktung der ersten Liga verantwortlich ist und weitestgehend autonom vom spanischen Dachverband agiert. Die höchste Spielklasse trägt seither den Namen Liga ACB. Die zunehmende Professionalisierung führte auch zum Aufstieg zahlreicher Basketballklubs, die bis dahin zumeist im Schatten der beiden größten Sportvereine des Landes, Real Madrid und dem FC Barcelona, standen. Zwar halten die beiden Klubs immer noch 54 der insgesamt 65 Meistertitel (Stand 2021), doch auch reine Basketballvereine wie Joventut de Badalona, Estudiantes, Saski Baskonia, Unicaja Málaga oder Valencia Basket Club begannen seither um nationale und internationale Trophäen zu konkurrieren.
Bis zur Gründung der Liga ACB in der Saison 1983/84 wurde der Titel in einem Rundenturnier mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Für einen Sieg gab es zwei Punkte, für das damals noch vorgesehene Unentschieden einen Punkt. Die Liga-ACB hingegen besteht aus einem Grunddurchgang, in dem die derzeit 18 teilnehmenden Mannschaften ebenfalls ein Rundenturnier mit Hin- und Rückspiel austragen, Unentschieden gibt es nicht mehr, gezählt werden die gewonnenen Spiele, wobei bei Gleichstand das direkte Duell vor dem Korbverhältnis entscheidet. Im Anschluss an den Grunddurchgang ermitteln die acht bestplatzierten Mannschaften in einem Play-off den spanischen Meister. Die beiden Letztplatzierten steigen in die LEB Oro, der zweiten Spielklasse, ab. Rekordsieger der spanischen Liga ist in Spanien derzeit Real Madrid mit 33 Titeln.
Copa del Rey
Die Copa del Rey ist gegenwärtig der spanische Pokalbewerb. Er wurde 1933 als Copa de España erstmals ausgespielt und war bis 1957 die einzige gesamtspanische Meisterschaft. Aktuell wird er als Final Eight-Play-off ausgespielt, wobei sich die besten sieben Teams zur Halbzeit der Liga sowie die Heimmannschaft des Austragungsortes für dieses Turnier qualifizieren, dass in Folge in vier Tagen (Donnerstag bis Sonntag) ausgespielt wird. Rekordsieger ist derzeit Real Madrid mit 26 Titeln.
Superpokal
Die Supercopa de España de Baloncesto ist ein Bewerb der erstmals zwischen 1984 und 1987 zwischen dem Meister und dem Pokalsieger ausgetragen wurde. Erst im Jahr 2004 wurde der Bewerb erneut ins Leben gerufen, wird jedoch seither vor Beginn der Liga ausgetragen und im Normalfall qualifizieren sich der spanische Meister, der Pokalsieger, die beste Mannschaft bei internationalen Turnieren sowie die Heimmannschaft des Austragungsortes für das Turnier, das im Final Four-Play-off-Modus ausgetragen wird. Sollte ein Team mehrere Qualifikationskriterien erfüllen, so rückt die nächstbeste Mannschaft der Meisterschaft nach. Rekordsieger ist derzeit der FC Barcelona mit fünf Titeln.
Frauen Liga Femenina de Baloncesto
Die Liga Femenina de Baloncesto ist der höchste Klubbewerb für Frauen in Spanien. Er wird seit 1964 ausgetragen und besteht in der Gegenwart aus 14 Mannschaften. Die besten Acht des Grunddurchganges bestreiten ein Play-off um den Titel, die letzten Zwei steigen in die Liga Femenina de Baloncesto 2 ab. Derzeitiger Rekordmeister ist Ros Casares Valencia mit zwölf Titeln.
Copa de la Reina Die Copa de la Reina de Baloncesto ist der Pokalwettbewerb für Frauen. Der erste Bewerb fand zwar schon 1943 statt, doch wird er erst seit 1978 ununterbrochen ausgetragen. Aktuell wird der Pokal, ähnlich wie bei den Männern, als Final Eight-Play-off ausgespielt, wobei sich die besten sieben Teams zur Halbzeit der Liga sowie die Heimmannschaft des Austragungsortes für dieses Turnier qualifizieren, das in Folge in drei Tagen an einem fixen Ort ausgespielt wird. Rekordsieger ist Ros Casares Valencia mit zehn Titeln.
Superpokal Die Supercopa Femenina de Baloncesto wird seit der Saison 2002/03 im Anschluss an die Meisterschaft zwischen dem Meister und dem Pokalsieger ausgetragen. Holt eine Mannschaft das Double, so nimmt der Pokalfinalist am Supercup teil. Derzeitiger Rekordsieger ist Ros Casares Valencia mit sechs Titeln.
Erfolge bei internationalen Basketballwettbewerben Nationalmannschaft der Herren
Der erste offizielle Auftritt der spanischen Nationalmannschaft fand bei der Basketball-Europameisterschaft 1935 in Genf statt. Die Spanier eroberten die Silbermedaille. Seither entwickelte sich die Auswahl der Herren zu einer festen Größe bei internationalen Turnieren. Sowohl bei Olympischen Spielen als auch bei Welt- und Europameisterschaften im Senioren- und Juniorenbereich haben die Iberer Erfolge vorzuweisen.
Olympische Spiele Nachdem man bei den Olympischen Spielen 1980 erst im abschließenden Spiel um Platz drei an der Basketballnationalmannschaft der UdSSR scheiterte und somit knapp eine Medaille verpasste, so gelang vier Jahre später in Los Angeles der Finaleinzug, nachdem man im Halbfinale das favorisierte Jugoslawien, mit Stars wie Dražen Petrović oder Dražen Dalipagić in ihren Reihen, mit 74:61 besiegt hatte. Dort traf man auf das damals als nahezu unschlagbar geltende Team der USA, mit Spielern wie Patrick Ewing, Michael Jordan, Chris Mullin, Alvin Robertson oder Sam Perkins. Die Gastgeber gewannen das Finale mit 96:65, jedoch konnte die Silbermedaille der Spanier eine Basketballeuphorie im Land entfachen. Die bekanntesten Spieler der damaligen Mannschaft waren Fernando Martín, Juan Antonio San Epifanio „Epi“, Juan Antonio Corbalán und Fernando Romay.
Auf eine weitere Medaille mussten die Spanier 24 Jahre warten. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking erreichte man nach Siegen gegen Kroatien und Litauen im Viertel- und Halbfinale, erneut das Endspiel gegen die USA. Das Team der Amerikaner war gespickt mit NBA-Stars wie Kobe Bryant, LeBron James, Carmelo Anthony, Dwyane Wade, Dwight Howard oder Jason Kidd, dennoch begegneten die Spanier ihnen in einem hochklassigen Finale auf Augenhöhe und verloren schließlich mit 107:118. Herausragende Spieler der spanischen Mannschaft bei diesen Olympischen Spielen waren Pau Gasol, José Calderón, Rudy Fernández, Ricky Rubio und Juan Carlos Navarro.
Medaillen bei Olympischen Spielen Mannschaft Gold Silber Bronze Gesamt Herren – 198420082012 2016 4
Weltmeisterschaften mini|Weltmeistermannschaft 2006. Bei Basketball-Weltmeisterschaften führte die spanische Nationalmannschaft lange ein Schattendasein. Der erste Achtungserfolg gelang 1974, als man das Turnier auf dem fünften Platz beenden konnte. Das Ergebnis konnte acht Jahre später, bei der WM in Kolumbien, noch verbessert werden, die Spanier erreichten das Spiel um Platz drei, das jedoch mit 117:119 knapp gegen die Mannschaft aus Jugoslawien verloren wurde. In der Folge war die spanische Nationalmannschaft stets bei Endrunden vertreten und erreichte drei weitere fünfte Plätze (1986, 1998, 2002).
Der bislang größte Erfolg des spanischen Basketballs auf Nationalmannschaftsebene gelang schließlich bei der WM 2006 in Japan. Nach Siegen gegen Serbien und Montenegro, Litauen und Argentinien im Achtel-, Viertel- und Halbfinale, traf man im Endspiel auf Griechenland, das zuvor die USA ausgeschaltet hatte. Im Finale bezwangen die Spanier, insbesondere mit einer sehr starken Defensivleistung, ihre Gegner mit 70:47 und gewannen so erstmals den Weltmeistertitel. Zum besten Spieler des Turniers wurde Pau Gasol gewählt, obwohl er aufgrund einer Verletzung nicht am Finalspiel teilnehmen konnte, Jorge Garbajosa war zudem Teil des All-Tournament-Teams.
Kader der Weltmeisterschaft 2006
Spanien – Basketball-Weltmeisterschaft 20064 P. Gasol | 5 Fernández | 6 Cabezas | 7 Navarro | 8 Calderón | 9 Reyes | 10 Jiménez | 11 S. Rodríguez | 12 B. Rodríguez | 13 M. Gasol | 14 Mumbrú | 15 Garbajosa | Trainer Hernández
Medaillen bei Weltmeisterschaften Mannschaft Gold Silber Bronze Gesamt Herren 20062019 – – 2 U 19 (Herren) 1999 – 1995 2 Gesamt 3 0 1 4
Medaillen beim Albert-Schweitzer-Turnier Mannschaft Gold Silber Bronze Gesamt U 18 (Herren) 19982012 19771979198719942002 19752004 9 Gesamt 2 5 2 9
Europameisterschaften Spanien nahm 1935 in Genf an der ersten Basketball-Europameisterschaften teil. Nach Siegen gegen Belgien und die Tschechoslowakei erreichte das Team das Finale, wo man Lettland mit 18:24 unterlag. Auf dieses Erfolgserlebnis folgte eine lange Durststrecke, das durch den Bürgerkrieg (1936–1939) geschwächte Land konnte sich für neun Europameisterschaftsendrunden in Folge nicht qualifizieren, erst 1959 war man wieder dabei und erreichte schlussendlich den 15. Rang. Seither hat sich Spanien jedoch stets qualifiziert und stieg zu einer festen Größe im kontinentalen Bewerb auf. 1963 wurde Spaniens damaliger Star Emiliano Rodríguez zum besten Spieler des Turniers gewählt und 1973 folgte die nächste Medaille, erneut Silber. Vier weitere Male verlor man erst im Endspiel (1983, 1999, 2003, 2007), besonders groß war die Enttäuschung im Jahr 2007, Spanien, damals amtierender Weltmeister und Gastgeber, ging als Favorit ins Turnier, erreichte das Finale, verlor dort aber gegen die von Andrei Kirilenko angeführten Russen mit 69:70. Spaniens Pau Gasol vergab dabei Sekunden vor Schluss einen Wurf, der andernfalls den Sieg bedeutet hätte.
Der Bann konnte zwei Jahre später bei der Europameisterschaft 2009 in Polen gebrochen werden. Durch Siege gegen Frankreich und Griechenland, erreichten die Iberer das Finale, wo die junge Mannschaft Serbiens mit 85:63 bezwungen wurde. Pau Gasol wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt, Rudy Fernández war Teil des All-Tournament-Teams.
Kader der Europameisterschaft 2009
Spanien – Basketball-Europameisterschaft 20094 P. Gasol | 5 Fernández | 6 Rubio | 7 Navarro | 8 Claver | 9 Reyes | 10 Cabezas | 11 López | 12 Llull | 13 M. Gasol | 14 Mumbrú | 15 Garbajosa | Trainer Scariolo
Bei der Europameisterschaft 2011 in Litauen gelang den Spaniern die erfolgreiche Titelverteidigung. Nach Siegen gegen Slowenien sowie Überraschungsteam Mazedonien im Viertel- und Halbfinale, traf man im Endspiel auf das Team aus Frankreich, rund um Tony Parker und Nicolas Batum. Die Spanier setzten sich mit 98:85 durch und holten somit den zweiten EM-Titel in Folge. Juan Carlos Navarro wurde als MVP des Turniers ausgezeichnet und Pau Gasol ins All-Tournament-Team gewählt.
Kader der Europameisterschaft 2011
Spanien – Basketball-Europameisterschaft 20114 P. Gasol | 5 Fernández | 6 Rubio | 7 Navarro | 8 Calderón | 9 Reyes | 10 Claver | 11 San Emeterio | 12 Llull | 13 M. Gasol | 14 Ibaka | 15 Sada | Trainer Scariolo