mini|hochkant=2|Blick aus Süden vom Dreisberg auf den Ort Gladenbach

Das Gladenbacher Bergland, benannt nach der zentralen Stadt Gladenbach, ist ein bis hoher Mittelgebirgszug im Rheinischen Schiefergebirge an der Nahtstelle von Rothaargebirge (Norden und Nordwesten), Westerwald (Südwesten), (östlichem) Hintertaunus (im Süden) und Westhessischem Bergland im Osten. Es liegt in Mittelhessen in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und Gießen innerhalb der sogenannten Lahn-Dill-(Dietzhölze-)Schleife. Geringe Anteile des Oberen Lahntals im Nordwesten gehören mit der Stadt Bad Laasphe auch zum Kreis Siegen-Wittgenstein, NRW.

Im System der Naturräume in Deutschland stellt das Gladenbacher Bergland innerhalb der Haupteinheitengruppe 32 – Westerwald die Haupteinheit 320 dar.

Das Gladenbacher Bergland überschneidet sich in weiten Teilen mit dem in westlichere Richtungen umfassenderen und nach Südosten etwas enger gefassten Gebiet des Naturparks Lahn-Dill-Bergland, dessen Grenzen sich nach den Gemarkungen der beteiligten Gemeinden richten. Außerdem gehört es zu nicht geringen Anteilen zum historischen Hessischen Hinterland, weshalb auf die beiden genannten Artikel verwiesen wird, sofern es um Regionalverbände, Kultur und Geschichte geht. Geologie und Bergbau werden demgegenüber weitgehend im Artikel Lahn-Dill-Gebiet abgehandelt.

Lage und Grenzen mini|hochkant=2|Das Gladenbacher Bergland nordöstlich des Westerwalds mini|Das Gladenbacher Bergland im November 2016 von Wetzlar aus gesehen

An Lahn und Dill begrenzen – im Uhrzeigersinn, begonnen im Norden – neben diversen Gemeinden und Ortsteilen die folgenden Städte das Gladenbacher Bergland: Bad Laasphe (westlicher Norden) Biedenkopf (Norden) westliche Außenstadtteile Marburgs (nördlicher Osten) Lollar (südlicher Osten) Gießen (Südosten) Wetzlar (Süden) Herborn (südlicher Westen) Dillenburg (Westen)

Die nordwestlichen Übergänge ins Rothaargebirge sind vergleichsweise fließend. Hier wird die Wasserscheide zwischen den Lahn-Nebenflüssen Banfe und Perf als Grenze definiert.

Demgegenüber fällt die Trennung vom gleichen Höhenzug durch das (noch zum Gladenbacher Bergland gerechnete) Obere Lahntal im Norden vergleichsweise scharf aus.

Nach Nordosten erreicht das Gladenbacher Bergland nicht ganz das Tal der Lahn, da bereits der westlich dessen aufragende Marburger Rücken Teil des Über-Naturraumes Marburg-Gießener Lahntal ist. Hier bildet die diesseitige Elnhausen-Michelbacher Senke die Grenze.

Im mittleren und südlichen Osten ragt das Gladenbacher Bergland demgegenüber bis dicht ans jenseitige Tal der Lahn.

Im östlichen Süden grenzt das Marburg-Gießener Lahntal das Gladenbacher Bergland scharf vom (Östlichen) Hintertaunus ab, im südlichen Westen ist das Untere Dilltal eine nicht minder scharfe Grenze zum Westerwald.

Auch im nördlicheren Westen begrenzt der Naturraum Dilltal (nunmehr das Obere) das Gladenbacher Bergland. Hier folgt die Grenze allerdings nicht dem Tal der Dill selber, sondern dem ihres linken Nebenflusses Dietzhölze, welches eine klare Trennlinie zum Höhenzug der Struth zieht. Obgleich die Struth vom Höhenprofil her wie ein Ausläufer der Haincher Höhe und damit des Rothaargebirges anmutet, wird sie naturräumlich dem Oberen Dilltal mit hinzu gerechnet.

Landschaften In seiner Struktur weist das Gladenbacher Bergland eine gewisse Ähnlichkeit zum „eigentlichen“ Westerwald auf. Indes befindet sich das (analog dem Hohen Westerwald) über 600 m hohe, zentrale Plateau der Bottenhorner Hochflächen nördlich der Mitte und wird vom länglichen, etwa 100 m niedrigeren Höhenzug der Zollbuche durch das Tal der Salzböde nach Süden hin abgegrenzt. mini|hochkant=1.2|Blick aus Süd-Ost über die Bottenhorner Hochflächen

Nach Norden gehen die Hochflächen in den weniger reliefarmen Breidenbacher Grund über, der, nach Westen fließend, nach Norden durch die Lahn getrennt, ins Rothaargebirge übergeht und in jenen Randlagen gut 560 m erreicht.

Nach Südwesten nehmen von den Hochflächen aus im Schelder Wald die Höhen allmählich bis zum Dilltal von Höhen knapp unter 600 m auf knapp über 400 m ab, wobei die durch die Flusstäler zerteilte Landschaft vergleichsweise homogen und auch reliefreicher als in den Hochflächen ist.

Die sehr heterogenen, durch die Lemp voneinander getrennten Höhenzüge im Süden, Hörre (westlich) und Krofdorf-Königsberger Forst (östlich), werden durch die Täler der Flüsse Aar (Niederweidbacher Becken) und einiger Salzböde-Nebenflüsse (Salzbödetal) klar von den nördlichen und zentraleren Höhenzügen abgetrennt. Lediglich an Singularitäten (Dünsberg) werden knapp 500 m erreicht.

Das eigentliche untere Salzbödetal trennt auch, zusammen mit dem zum Oberen Lahntal gezählten Tal der Dautphe, die im Norden knapp 500 m hohen Damshäuser Kuppen im Nordosten vom Rest der Landschaft ab.

Östlich werden die Kuppen nur durch die Elnhausen-Michelbacher Senke vom Marburger Rücken und damit vom Westhessischen Bergland getrennt. mini|hochkant=1.2|Die Elnhausen-Michelbacher Senke und der äußerste Nordosten der Damshäuser Kuppen mit Auersberg (385 m, links). Im Vordergrund Dagobertshausen, links hinten Elnhausen, beide Marburg mini|hochkant=1.5|Das Obere Lahntal und die nordwestlichen Damshäuser Kuppen

Naturräumliche Gliederung Das Gladenbacher Bergland untergliedert sich wie folgt:Karte und Beschreibung des Gladenbacher Berglandes (Haupteinheit 320) im Umweltatlas Hessen 320 Gladenbacher Bergland (778,41 km²) 320.0 Lahn-Dill-Bergland (499,46 km²) 320.00 Breidenbacher Grund (99,03 km²) 320.01 Bottenhorner Hochflächen (61,33 km²) 320.02 Schelder Wald (79,33 km²) 320.03 Zollbuche (78,10 km²) 320.04 Hörre (59,75 km²) 320.05 Krofdorf-Königsberger Forst (121,92 km²) 320.1 Gladenbacher Hügelland (231,5 km²) 320.10 Damshäuser Kuppen (66,56 km²) 320.11 Elnhausen-Michelbacher Senke (31,75 km²) 320.12 Salzbödetal (83,87 km²) 320.13 Niederweidbacher Becken (49,32 km²) 320.2 Oberes Lahntal (47,45 km²)

Der obige Über-Naturraum Lahn-Dill-Bergland darf nicht mit der Region bzw. dem Naturpark Lahn-Dill-Bergland verwechselt werden, deren Struktur sich eher an den beteiligten Kommunen denn an den Grenzen der Mittelgebirgs-Landschaften orientiert.

Flüsse Die obigen naturräumlichen Grenzen gliedern sich in der Hauptsache nach den Einzugsbereichen der Lahn- bzw. Dill-Nebenflüsse bzw. nach dem von diesen Flüssen getrennten Landschaften.

Die wichtigsten Fließgewässer sind – neben den nur außen verlaufenden Grenzflüssen Lahn, Dill und Dietzhölze – die Aar, die Salzböde, die Perf sowie, mit etwas Abstand, die Allna.

Im Uhrzeigersinn und damit lahnabwärts und dillaufwärts sortiert, angefangen am Oberlauf der Lahn im Norden, verfügen die folgenden Flüsse über ein Einzugsgebiet von über 20 km²:(Verlinkt sind die Naturräume je in der Spalte ihres prägendsten Flusses!)

→ zur Gesamtliste Name Mutter-fluss Länge[km] Einzugs-gebiet[km²] Ab-fluss[l/s] Mündungs-höhe[m. ü. NN] Naturräume(flussabwärts) Straßen DGKZ Diete Perf (l) 8,8 24,64 310 Breidenbacher Grund B 253 25814-6 Gansbach Perf (l) 11,1 23,17 349 Bottenhorner Hochflächen,Breidenbacher Grund L 3042 25814-2 Perf Lahn (r) 20,0 113,13 1776 285 Bottenhorner Hochflächen,Breidenbacher Grund L 3049,B 253 258-14 Dautphe Lahn (r) 8,8 41,81 533 245 Bottenhorner Hochflächen,Oberes Lahntal B 453 258-16 Elnhauser Wasser Ohe (l) 5,9 24,25 171 195 Elnhausen-Michelbacher Senke 258326-6 Ohe Allna (l) 11,5 44,28 337 195 Damshäuser Kuppen,Elnhausen-Michelbacher Senke L 3387 25832-6 Allna Lahn (r) 19,1 92,02 665 172 Damshäuser Kuppen,Elnhausen-Michelbacher Senke L 3387 258-32 Wenkbach Lahn (r) 7,2 20,77 107 168 Salzbödetal,Marburger Lahntalsenke 258-332 Salzböde Lahn (r) 27,6 137,85 1322 164 Zollbuche,Salzbödetal,Krofdorf-Königsberger Forst,Marburger Lahntalsenke L 3050,B 255,L 3048 258-34 Vers Salzböde (r) 8,4 42,55 188 Salzbödetal L 3061 25834-8 Bieber Lahn (r) 13,5 34,68 217 155 Krofdorf-Königsberger Forst,Gießener Lahntalsenke L 3474,L 3286 258-394 Lemp Dill (l) 11,7 34,97 274 170 Krofdorf-Königsberger Forst,Krofdorf-Königsberger/Hörre L 3052 2584-92 Aar Dill (l) 20,6 148,76 1602 210 Niederweidbacher Becken,Hörre/Schelder Wald,Unteres Dilltal B 255 2584-6 Siegbach Aar (r) 12,2 28,67 260 Bottenhorner Hochflächen,Zollbuche - / L 3050, - / L 3049 25846-6 Schelde Dill (l) 12,0 35,03 426 221 Schelder Wald L 3042 2584-56 Dietzhölze Dill (l) 23,7 88,44 1431 233 Rothaargebirge, Oberes Dilltal B 253 2584-4 Die äußere Umrahmung des Gladenbacher Berglandes durch Lahn und Dill wird im Norden (Oberlauf der Lahn) von der B 62, im Osten von der B 3 Marburg–Gießen (größtenteils autobahnähnlich, im Marburger Gebiet deutlich außerhalb), im östlichen Süden von der B 49 Gießen–Wetzlar (größtenteils autobahnähnlich) und im Südwesten (Unterlauf der Dill) von der A 45 begleitet. Die Bundesstraße 253 Dillenburg-Biedenkopf (s. o.) schließt in etwa die verbleibende Lücke.

Stillgewässer Der wichtigste Stausee im Gladenbacher Bergland ist der Aartalsee (57 ha, 270 m ü. NHN) im Niederweidbacher Becken, gefolgt vom Perfstausee (18 ha, 301 m ü. NHN) im Breidenbacher Grund.

Berge

Hauptberge Die folgende Tabelle enthält ein paar besonders wichtige Berge des Gladenbacher Berglands nebst Höhe über NHN, Dominanz, Prominenz und der daraus ermittelten rechnerischen Eigenständigkeit E; die Helligkeit des Hintergrunds deutet die jeweilige Eigenständigkeit als Berg an (hellste Stufe für E < 3,7, mittlere für E < 4,1): Zur besseren Differenzierung sind die Gemarkungen den alten Landkreisen zugeordnet, also Lahn-Dill-Kreis in Dillkreis (DIL) und Landkreis Wetzlar (WZ) sowie Kreis Marburg-Biedenkopf in Landkreis Marburg (MR) und Landkreis Biedenkopf (BID) aufgeteilt (und GI steht für Landkreis Gießen). Es sind insbesondere die höchsten sechs Gipfel aufgeführt, von denen drei nicht sehr eigenständig sind, sowie alle Berge mit einer Dominanz von mehr als 2 km.