mini|Modell des Schleusenparks mini|Der Schleusenpark aus der Luft

Der Schleusenpark Waltrop ist ein Ort von historischer Bedeutung für das Ruhrgebiet und die Binnenschifffahrt auf dem westdeutschen Kanalnetz. Rund 20 km nordwestlich von Dortmund stehen in unmittelbarer Nähe vier Abstiegsbauwerke aus einer mehr als 100-jährigen Technikgeschichte des Verkehrswasserbaus. Jedes dieser Bauwerke repräsentiert den jeweiligen Stand der Ingenieurtechnik seiner Zeit. Eingebettet in eine Parklandschaft mit verbindenden Wegen können alle Bauwerke besichtigt werden. Das älteste Bauwerk befindet sich im südlichen Geländeteil, der dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gehört und seit 1979 als Museum genutzt wird. Der nördliche Teil mit den drei weiteren Bauwerken gehört der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die dort eine Ausstellungshalle zur Binnenschifffahrt auf dem westdeutschen Kanalnetz eröffnet hat. Das in Europa einmalige Ensemble ist das Resultat der kontinuierliche Anpassung der Wasserstraßen an die veränderten Schiffsgrößen. Betrieblich genutzt wird nur noch die Großschifffahrtsschleuse. Die drei historischen Abstiegsbauwerke stehen unter Denkmalschutz.

Lage Das Parkgelände liegt zwischen Datteln und Waltrop an der Kanalstufe Henrichenburg des Dortmund-Ems-Kanal (DEK). Der Name der Kanalstufe leitet sich von dem Ortsteil Henrichenburg ab, in dessen Nähe das Hebewerk ursprünglich geplant worden war und der heute ein Stadtteil von Castrop-Rauxel ist. Das Parkgelände liegt auf dem Gebiet der Stadt Waltrop im Ortsteil Oberwiese. Im Unterwasser endet verwaltungsmäßig der aus Süden von der Schleuse Herne-Ost kommende Rhein-Herne-Kanal (RHK), der mit gleichem Wasserspiegel in die Scheitelhaltung des DEK übergeht. Diese führt nach Norden bis zur Schleuse Münster. Die obere Haltung am Schleusenpark bildet den nach Südosten abzweigenden DEK-Stichkanal zum Dortmunder Hafen, dem größten Kanalhafen in Europa.

Gemäß Organisation der WSV ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle lokal zuständig für ihre drei Bauwerke am Schleusenpark. An der Kanalstufe steht heute eine Fallhöhe von 13,5 Meter an, da Ende der 1950er Jahre das Unterwasser von 14,0 Meter um 50 cm angehoben worden ist. Die WSV verortet die Lage der Kanalstufe mit RHK-km 45,6 bzw. DEK-km 14,7.

In zwei bis drei Kilometer Entfernung liegt das Kanalkreuz Datteln, das nicht zum Schleusenpark gehört. Das Wasserstraßenkreuz wird auch als Dattelner Meer bezeichnet. Zunächst zweigt von dem nach Norden führenden DEK nach Osten der Datteln-Hamm-Kanal ab, der am Kraftwerk Westfalen endet. Einen Kilometer weiter verläuft im Bogen nach Westen der Wesel-Datteln-Kanal zum Rhein, in dem direkt hinter dem Abzweig die Schleuse Datteln liegt.

Geschichte mini|Altes Schiffshebewerk vom Oberwasser aus mini|Die Alte Schleuse mit Rampe vom Bootssteg im Unterwasser aus

Für den Anschluss von Dortmund an den im Bau befindlichen Dortmund-Ems-Kanal musste Ende des 19. Jahrhunderts westlich von Waltrop ein Abstiegsbauwerk errichtet werden. Wegen der großen Fallhöhe von damals 14,0 Meter entschied man sich erstmals in Deutschland für ein Hebewerk, das zwischen 1894 und 1899 gebaut und dann zusammen mit dem DEK feierlich eingeweiht wurde. Als Unterstützer des Kanalbaus war bei der Zeremonie am 11. August 1899 Kaiser Wilhelm II. anwesend. Als Reminiszenz trägt der Riegel am Oberhaupt das Kaiserwappen. Die Troglänge beträgt 70 Meter, sodass genau ein Schleppkahn vom DEK-Typ (Länge 67 m) hinein passte. Mehr als 60 Jahre hat die Stahlkonstruktion nahezu störungsfrei funktioniert und ist vom Neuen Hebewerk abgelöst worden. Seine endgültige Stilllegung erfolgte 1969. Als Teil des LWL-Industriemuseum kann das alte Hebewerk mit seinem begehbaren Trog besichtigt werden.

Mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals und der Verbindung mit dem DEK war mit einem Anwachsen des Schiffsverkehrs am Hebewerk zu rechnen. Für den Fall einer Betriebsstörung sah man die Notwendigkeit eines zweiten Abstiegsbauwerks, das in Form einer Sparschleuse geplant wurde. Die zehn Sparbecken waren links und rechts im Halbkreis an der Schleusenkammer angeordnet. Zwischen 1908 und 1914 erfolgte die Baumaßnahme in direkter Nähe zum Hebewerk. Die Schachtschleuse Henrichenburg mit einer Kammerlänge von 95 Metern war seinerzeit eine der größten Sparschleusen der Welt. Sie konnte schon die etwas längeren Kähne vom RHK-Typ (Länge 80 m) über den Geländesprung bringen. Über rund 50 Jahre einschließlich zweier Weltkriege konnten die beiden ältesten Bauwerke zusammen ihre Leistungsfähigkeit für die Schleppschifffahrt unter Beweis stellen. Nach Inbetriebnahme der neuen Großschifffahrtsschleuse wurde die Schachtschleuse 1990 außer Betrieb genommen und in Teilen zurückgebaut.

Die Zunahme des Schiffsverkehrs in den 1950er Jahren und das Anwachsen der Schiffsgrößen bewog die WSV zur Planung eines weiteren Abstiegsbauwerks. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Hebewerks aus, das zwischen 1959 und 1962 gebaut wurde. Es übernahm anschließend die Hauptlast des alten Hebewerks. Im Gegensatz zum alten Hebewerk mit fünf Schwimmern hat das neue Hebewerk nur zwei Schwimmer und ragt nur gering über das Geländeniveau hinaus. Damit die Europaschiffe (Länge 85 m) den Dortmunder Hafen ansteuern können, hat das Hebewerk einen Trog von 90 Meter Länge. Wegen technischer Probleme ist es seit 2005 stillgelegt.

Da der Ausbau der Binnenwasserstraßen seit den 1980er Jahren das Befahren mit Schubverbänden ermöglichen soll, musste ein deutlich längeres Bauwerk angeordnet werden. Ab 1985 erfolgte der Bau einer Großschifffahrtsschleuse mit 190 Meter langer Schleusenkammer, die wegen Platzproblemen nur zwei Sparbecken erhalten konnte. Mit der Einweihung 1989 ersetzte sie die alte Schachtschleuse und ist heute das einzige betriebene Abstiegsbauwerk an der Fallstufe Henrichenburg.

LWL-Industriemuseum Allgemeines mini|Altes Hebewerk – historische Postkarte Das kleine Freilichtmuseum gibt den Besuchern einen Einblick in die Schiffshebetechnik und erläutert die Geschichte der Binnenschifffahrt mit der Entstehung des westdeutschen Kanalnetzes. Den Mittelpunkt bildet das alte Schiffshebewerk mit seinem Trogbauwerk. Nach seiner Außerbetriebnahme waren in den 1970er Jahren die betriebstechnischen Einrichtungen demontiert, verschrottet oder gar geplündert worden. Um es vor dem Verfall zu bewahren, kämpfte eine lokale Bürgerinitiative für den Erhalt des spektakulären Bauwerks und verhinderte den von der WSV schon vorbereiteten Rückbau. Nach zehn Jahren übernahm 1979 in Abstimmung mit dem Land NRW der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Gelände einschließlich des oberen Vorhafens, um das Hebewerk als Technisches Denkmal herzurichten. Die Arbeiten zur gründlichen Restaurierung und Rekonstruktion des Hebewerks starteten 1982, jedoch ohne Wiederherstellung der ursprünglichen Hebewerksfunktion. 1992 konnte die Eröffnung des LWL-Industriemuseums erfolgen.

Hebewerk mini|Alte Ersatzspindel Die fünf Schwimmer wurden bei der Renovierung in den Schächten einbetoniert, sodass der Trog des Hebewerks heute auf Uferhöhe steht. Dadurch können Besucher den Boden direkt von dort aus betreten. Sein Innenraum enthält einen zweiten Blechboden in Form des damaligen Standard-Schleppkahns für den DEK. Ergänzend stellt ein Stahlrohrgerüst die Kubatur des halben Kahns mit seinem Aufbau dar. Vom Ufer her ist die Konstruktion mit den fünf Schwimmern unterhalb des Trogs deutlich auszumachen und kann über eine Treppe erreicht werden. Die steinernen Türme am Ober- und Unterhaupt beinhalten in ihrem Zentrum die Gegengewichte für die Tore. Über eine schmale Wendeltreppe gelangt man auf die kurze Brücke zwischen den beiden Türmen. Von dort aus ist ein guter Blick auf die Stahlkonstruktion und die umgebende Kanallandschaft möglich. In den vier seitlichen Gittermasttürmen liegen die Führungsspindeln, die zur Sicherung des Trogs während der Bewegung erforderlich sind. Eine Ersatzspindel liegt als Anschauungsobjekt neben dem Trog längs der Uferböschung auf der Nordseite.

Kessel- und Maschinenhaus Neben dem Hebewerk steht das ehemalige Kessel- und Maschinenhaus. Das ohne die ursprünglich installierte Maschinentechnik vorgefundene Gebäude war in einem stark beschädigten Zustand. Nach gründlicher Renovierung ist das Gebäude zum Vortragsraum des Museums hergerichtet worden. Über die Eingangstür gelangen die Besucher in den Maschinenraum, wo auf dem Boden die Lage der Maschinen nachgezeichnet ist. Drehbare Bildschirme machen in erweiterter Realität die damals vorhandenen vier Maschinen wieder sichtbar. Zwei Dampfmaschinen erzeugten über Dynamos den zum Betrieb des Hebewerks erforderlichen Strom und zwei großen Pumpen sorgten für den Wasserausgleich in der Haltung des Stichkanals nach Dortmund.

Der Raum daneben enthielt zur damaligen Zeit drei Dampfkessel für die Dampferzeugung und dient heute als Ausstellungsraum. Neben einem Modell des gesamten alten Gebäudes ist dort eine alte Schiffsdampfmaschine mit Schraubenantrieb aufgestellt, die von Mitarbeitenden bisweilen in Bewegung gesetzt wird. In der Ausstellung ist die alte Hebewerkstechnik im Modell nachgebildet und es wird viel Information rings um den Bau und Betrieb der Wasserstraßen vermittelt.

Museumshafen mini|Museumshafen Über die Wendeltreppen in den beiden Oberhaupttürmen gelangen Besucher zum Freigelände am oberen Vorhafen, der zusammen mit einem Teilstück der oberen Haltung zu einem Museumshafen ausgebaut worden ist. Das 28 Jahre trocken stehende Oberwasser konnte nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten 1998 geflutet werden und stellt eine hafenähnliche Szenerie aus der Zeit um die Jahrhundertwende nach. Neben historischen Schiffen und einer Sammlung schwimmender Arbeitsgeräte befindet sich am Nordufer die Helling der ehemalige Werft des Wasserstraßen-Maschinenamts in Herne. Mit Hilfe der vier Wagen der Helling können die Museumsschiffe inspiziert und repariert werden. Das Ensemble wird ergänzt durch einen historischen Hafenkran und einen Dampfdrehkran auf Schienen. Daneben ist eine Treidel-Lokomotive ausgestellt die zum Ein- und Ausschleppen von Schiffen an den Schleusen des Rhein-Herne-Kanals verwendet wurde. Das rekonstruierten Hafengebäude zeigt wechselnde Sonderausstellungen. Im Hintergrund dieses Geländeteils liegt ein Wasserspielplatz für Kinder.

Der Museumsbereich endet nach rund 400 Metern an der alten Hubbrücke von 1897, die von der Schleuse Bollingerfähr stammt und nachträglich als Museumsstück aufgebaut worden ist. Unter der Brücke befindet sich der wasserseitige Abschluss des Museumshafens zum DEK. Das ehemalige Klapptor (Bj. 1914) vom Oberhaupt der alten Schachtschleuse ist dort als Sperrtor eingebaut. Zu besonderen Gelegenheiten kann beides geöffnet werden, um Schiffen die Aus- und Einfahrt zu ermöglichen. Die dahinter befindliche Fussgängerbrücke im Freibereich ist klappbar. Für die Besucher des Museums stellt die alte Hubbrücke eine Verbindung zum Südufer her, wo im Uferweg im Boden alle 100 Meter Hektometermarkierungen des DEK eingelassen sind. Auf ihnen ist jeweils die Jahreszahl der Kanaleröffnung und die Kilometrierung abzulesen.

Zum Museum gehört auch der untere Hebewerksvorhafen, in dem am Nordufer das ehemalige Motorgüterschiff FRANZ CHRISTIAN (Bj. 1929) liegt. Im Laderaum befindet sich die Ausstellung Ein Arbeitsleben an Bord. Auf der gegenüber liegenden Seite ist der Anleger für das Fahrgastschiff HENRICHENBURG, mit dem an Wochenenden Fahrten auf dem DEK angeboten werden. In der Verlängerung zum DEK liegt heute eine Marina für Sportboote.

Parkgelände