mini|hochkant|Historische Tonflasche zum Versand des Rákóczi-Heilwassers durch die Gebrüder Bolzano(Bad Kissingen um 1830) Heilwasser ist ein natürliches, mineralienhaltiges Wasser, dem eine heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung zugesprochen wird. Es zählt zu den ältesten Naturheilmitteln. Ein Heilwasser kann innerlich für Trinkkuren bzw. äußerlich für medizinische Bäder angewendet werden und hat in Deutschland den Status eines Arzneimittels gemäß dem deutschen Arzneimittelgesetz (AMG). 2020 wurden in Deutschland 83,9 Millionen Liter Heilwasser verkauft.

Anforderungen Der Begriff „natürliches Heilwasser“ ist in Deutschland gesetzlich nicht definiert. Er wird jedoch in vielen Gesetzen (z. B. im Arzneimittelgesetz) als eindeutig umschrieben vorausgesetzt. Eine Definition lässt sich aus dem Heilquellenrecht des Bundes, den Landeswassergesetzen und der Kurorte­gesetzgebung (KOG) der Länder ableiten. Deutscher Heilbäderverband e. V. & Deutscher Tourismusverband e. V., 26. November 2017; abgerufen am 22. September 2019. Natürliches Heilwasser stammt aus unterirdischen, ursprünglichen, vor Verunreinigung geschützten, reinen Wasservorkommen, die staatlich als Heilquelle anerkannt sind.Flaschenwässer – Mineralwasser, Tafelwasser und Co. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU); abgerufen am 22. September 2019. Ein die ärztliche Aufsicht über Heilquellen innehabender Mediziner, der als Kurarzt bei einer Heilquelle auch die Behandlung von Heilbad-Besuchern übernimmt, wurde früher als Brunnenarzt bezeichnet. Der Begriff „Heilquelle“ ist im Wasserhaushaltsgesetz des Bundes und in den darauf aufbauenden Landesgesetzen niedergelegt.

Natürliches Heilwasser ist naturbelassen, ihm werden keine Stoffe entzogen oder zugesetzt.Gesetz über Kurorte im Land Nordrhein-Westfalen, § 13. recht.nrw.de Aber auch die bloße Bezeichnung „Heilwasser“ wird für ein natürliches Heilwasser, das aus einer Heilquelle entstammt, verwendet. Die therapeutischen Nutzungs- und Anwendungsarten von Heilwässern umfassen Trinkkuren am Ort, den therapeutischen Einsatz zu Bade- und Inhalationszwecken, Versandheilwässer sowie Gewinnung und Inverkehrbringen von Heilquellenpräparaten. Eine Abfüllung muss am Quellort erfolgen.Wasser ist nicht gleich Wasser. Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM); abgerufen am 22. September 2019.

Rechtliche Einordnung In DeutschlandEva-Maria Schröder: Heilwasser – immer noch aktuell. Deutsche Apothekerzeitung, Nr. 12, 30. März 2008. unterliegen Heilwässer rechtlich der Regulierung als Arzneimittel und benötigen eine amtliche Arzneimittelzulassung. Dadurch unterscheidet Heilwasser sich vom Mineralwasser, das dem Lebensmittelrecht unterliegt. Voraussetzung für die Zulassung eines Arzneimittels ist grundsätzlich der Nachweis einer vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkung. Heilwässer, die unverpackt in den Verkehr kommen bzw. vor Ort äußerlich oder inhalativ angewendet werden, sind nach von der Zulassungspflicht befreit.

Heilwasser ist freiverkäuflich, d. h. weder rezept- noch apothekenpflichtig. AMG „Ausnahme von der Apothekenpflicht“, sofern 1 Liter nicht mehr als 0,01 mg Arsen enthält und die Radioaktivität unter 3,7 Becquerel (226Radium) bzw. unter 100 Becquerel (222Radon) liegt., vgl. Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel (AMVerkRV), Anlage 4 (zu § 7 Abs. 1 Nr. 1 und § 8 Abs. 1 Nr. 1). Bei der Kennzeichnung sind gemäß und AMG verkürzte Angaben möglich. Es wird im Handel meist direkt neben natürlichem Mineralwasser angeboten.Mineralwasser im Test – Testergebnisse für 52 Classic- und Medium-Wässer. test.de, Stiftung Warentest, 27. Juni 2018. Während Mineralwasser seit 1969 zumeist in der transparenten 0,7 l Glas-Perlenflasche vertrieben wird, gibt es für Heilwasser seit 1983 die grüne 0,75 l Glas-Mehrwegflasche.Flaschen und Kästen. Genossenschaft Deutscher Brunnen eG

Wirkung und Inhaltsstoffe Die verschiedenen Heilwassersorten sollen wirken, indem sie die Funktion von Stoffwechsel und Organen wie Magen, Darm, Herz, Kreislauf und Nieren anregen.

In einem Kilogramm beziehungsweise einem Liter Wasser müssen mindestens ein Gramm gelöste Mineralstoffe oder Spurenelemente enthalten sein. Genaue Angaben zu Inhaltsstoffen und deren Wirkweise müssen auf dem Flaschenetikett ausgewiesen werden.

Richtwerte für die Inhaltsstoffe in Heilwasser:Heilwasser – eine natürliche Quelle für Mineralstoffe und Spurenelemente. Deutsche Heilbrunnen im Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V.; abgerufen am 22. September 2019. Magnesium (Mg2+) > 100 mg/l Calcium (Ca2+) > 250 mg/l Fluorid (F−) > 1 mg/l Sulfat (SO42−) > 1200 mg/l Hydrogencarbonat (HCO3−) > 1300 mg/l Kohlenstoffdioxid (CO2) 1000 mg/l (CO2 in der Quelle)

Manche Heilwässer werden aufgrund ihres Geschmacks als Bitterwasser bezeichnet. Der geschmackliche Eindruck beruht auf gelöstem Magnesiumsulfat meist unter anteiligem Gehalt von Natriumsulfat (Glaubersalz). Die Sulfationen entstehen durch Oxydation der Minerale Pyrit oder Markasit unter Zutritt von Luftsauerstoff in Grundwasser führenden Schichten oder bei der Auslaugung von mineralführenden Gesteinseinheiten. Der Luftsauerstoff gerät über Schrumpfrisse mit dem Niederschlagswasser in den Boden bzw. Gesteinsuntergrund. Daher bilden sich Bitterwässer in der Regel in oberflächennahen Grundwässern. Bekannte Lokalitäten in Mitteleuropa mit diesem Chemismus sind die Kisceller Tegel in Budapest, Mergelschichten bei Purbach am Neusiedler See und tertiäre Pyritmergel bei Saidschütz im Egerland.Walter Carlé: Die Mineral- und Thermalwässer von Mitteleuropa. Geologie, Chemismus und Genese. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1975, S. 574.

Vertrieb 1998 gab es in Deutschland 60 Heilwässer. „Deutsche Heilbrunnen“ in Bonn fasst als Interessengemeinschaft alle Heilbrunnenbetriebe unter einem Dach zusammen. Der Deutsche Heilbäderverband e. V. publiziert Begriffsbestimmungen und Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen (zuletzt 11. Auflage, 13. Oktober 1998).

Österreich Die Anerkennung als Heilquelle (Heilwasser) erfolgt in Österreich durch die jeweils zuständige Behörde auf Grund des im jeweiligen Bundesland geltenden Landesgesetzes.Liste der Kurorte in Österreich

Anwendungsbeschränkungen Auf Unverträglichkeiten von größeren Flüssigkeitsmengen bei schweren Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen muss geachtet werden.

Eine typische auf dem Etikett angegebene Wechselwirkung ist, dass die Aufnahme und Ausscheidung von Medikamenten beeinflusst werden kann.

Siehe auch Belebtes Wasser Mineralquelle Thermalquelle Liste der Heilquellen im Rhein-Main-Gebiet

Weblinks

Einzelnachweise Branchendaten Mineralwasser-Markt 2020. (PDF) Verband deutscher Mineralbrunnen, 28. Juni 2021.

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