mini|Aristolochiasäure I/A, von der sich die anderen Vertreter der Stoffgruppe ableiten Aristolochiasäuren sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in einer Vielzahl von Arten der Gattungen Aristolochia (Pfeifenblumen), Asarum (Haselwurzen), Saruma und Thottea, alle zur Familie der Aristolochiaceae (Osterluzeigewächse) gehörig, nachgewiesen wurden. Biogenetisch leiten sie sich von Aporphin-Alkaloiden ab, wie an der Strukturähnlichkeit mit z. B. den Aporphin-Alkaloiden Apomorphin oder Bulbocapnin zu erkennen ist.Hesse, Alkaloidchemie, Georg Thieme Verlag 1978, ISBN 3-13-381801-5. Die bei Naturstoffen relativ seltene Nitrogruppe entsteht durch Oxidation des Stickstoffatoms im vormaligen Piperidinring.

Vertreter Als Aristolochiasäuren werden verschiedene Derivate der gleichen Grundstruktur bezeichnet. Die drei Reste (R1, R2 und R3) können dabei Wasserstoff-, Hydroxy- oder Methoxygruppen sein.PubChem: Aristolochiasäuren Der wichtigste Vertreter ist Aristolochiasäure I.

Aristolochiasäuren Name Aristolochiasäure I Aristolochiasäure Ia Aristolochiasäure II Aristolochiasäure III Aristolochiasäure IVa Aristolochiasäure IV Aristolochiasäure E andere Namen Aristolochiasäure A Aristolochiasäure B Aristolochiasäure C Aristolochiasäure D Strukturformel 150px|Grundstruktur R1 –H –H –H –OH –OH –OCH3 –H R2 –H –H –H –H –H –H –OCH3 R3 –OCH3 –OH –H –H –OCH3 –OCH3 –OH CAS-Nummer PubChem Summenformel C17H11NO7 C16H9NO7 C16H9NO6 C16H9NO7 C17H11NO8 C18H13NO8 C17H11NO8 Molare Masse 341,27 g·mol−1 327,25 g·mol−1 311,25 g·mol−1 327,25 g·mol−1 357,27 g·mol−1 371,30 g·mol−1 357,27 g·mol−1 Aggregatzustand fest Kurzbeschreibung gelbes Pulver Schmelzpunkt 269–270 °C Löslichkeit löslich in DMSO und Ethanol GHS-Kennzeichnung Gefahr H- und P-Sätze Toxikologische Daten

Vorkommen

mini|links|Osterluzei (Aristolochia clematitis)

Das Vorkommen von Aristolochiasäuren außerhalb der Familie der Aristolochiaceae ist bei Pflanzen nicht dokumentiert. In den Wurzeln der Osterluzei (Aristolochia clematitis) sind bis zu einem Prozent Aristolochiasäuren enthalten, während der Gehalt in den Blättern unter 0,1 % liegt.

Verwendung Verschiedene Aristolochiasäuren waren früher in einigen verbreiteten, vor allem aus der chinesischen Medizin stammenden, Schlankheitsmitteln sowie im Stärkungs-Tonikum Frauengold enthalten. Das Präparat Tardolyt enthielt Aristolochiasäure als Natriumsalz und wurde bei Infektionen als Phagozytose-Aktivator eingesetzt.Rote Liste 1969, Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (Hrsg.), Editio Cantor Verlag Aulendorf.

Toxikologie Aristolochiasäuren besitzen ein hohes toxisches Potenzial. Die Verbindungen wurden in In-vitro- sowie In-vivo-Tests als genotoxisch befundet und wirkten im Tierversuch kanzerogen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat die Aristolochiasäuren und Pflanzen, die diese enthalten, in Gruppe I karzinogen für Menschen eingestuft.IARC Monographs on the Identification of Carcinogenic Hazards to Humans. Website der WHO, abgerufen am 6. September 2023.

Zudem wirken die Aristolochiasäuren nephrotoxisch (nierenschädigend). Die Balkan-Nephropathie ist eine endemisch in einigen Regionen des Balkan auftretende chronisch-toxische Nierenerkrankung, die hauptsächlich durch Aristolochiasäuren verursacht ist. Aristolochiasäuren sind auch gesicherte Risikofaktoren für das Entstehen von Urothelkarzinomen. Der biochemische Mechanismus der Mutagenität der Aristolochiasäuren beruht auf einer Transversion von A-T-Nukleotidpaaren nach T-A an verschiedenen Stellen im Genom.M. L. Hoang, C.-H. Chen u. a.: Mutational Signature of Aristolochic Acid Exposure as Revealed by Whole-Exome Sequencing. In: Science Translational Medicine. 5, 2013, S. 197ra102–197ra102, doi:10.1126/scitranslmed.3006200.

In Deutschland gelten aufgrund eines Stufenplanverfahrens (vom 3. Juni 1981) alle „Aristolochiasäure-haltigen Human- und Tierarzneimittel, einschließlich phytotherapeutischer und homöopathischer Arzneimittel, die unter Verwendung Aristolochiasäure-haltiger Pflanzen hergestellt werden“ als bedenklich. Ein Inverkehrbringen ist gemäß § 5 AMG verboten. Die Anordnung betrifft auch den Verkauf der entsprechenden Arzneidrogen selbst. Ausgenommen vom Stufenplanverfahren sind homöopathische Arzneimittel, die Zubereitungen von Pflanzen der Gattungen Aristolochia und Asarum ab der Potenzstufe D11 – bezogen auf das Fertigarzneimittel – enthalten.

Sonstiges Die Aristolochiasäuren waren die ersten nitrohaltigen organischen Verbindungen, die in Naturprodukten nachgewiesen wurden.Chin-Chung Lin, Pei Lin, Zhaolong Han, Chen-Yu Tsai, David E. Beck, Shuchen Hsieh: Rapid identification and detection of aristolochic acids in the herbal extracts by Raman spectroscopy. In: Spectrochimica Acta Part A: Molecular and Biomolecular Spectroscopy. 2023, Band 300, S. 122918 .

Die Raupen einiger Faltergattungen aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) haben sich auf Pflanzenarten aus den oben genannten Gattungen spezialisiert. Sie sind immun gegen die enthaltenen Giftstoffe und werden durch den Verzehr selbst giftig, was einen gewissen Schutz vor Fressfeinden bringt.J. V. Euw, T. Reichstein, Miriam Rothschild: Aristolochic Acid-I in the Swallowtail Butterfly (Fabr.) (Papilionidae). In: Israel Journal of Chemistry. 6, 1968, S. 659, doi:10.1002/ijch.196800084.

Einzelnachweise

Literatur

, Deutsches Ärzteblatt, 21. Dezember 2007.

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