mini|Jaguar mini|Jaguare (Panthera onca) (Paar)
Der Jaguar (Panthera onca) ist eine Art aus der Familie der Katzen, die in der Neuen Welt verbreitet ist. Nach dem Tiger und dem Löwen ist der Jaguar die drittgrößte Katze überhaupt. Sie ist die einzige auf dem amerikanischen Doppelkontinent vorkommende Art der Großkatzen (Pantherinae), da der kleinere Puma taxonomisch den Kleinkatzen zugeordnet wird. Die Zeichnung des Jaguarfells ähnelt jener des in Afrika und Asien lebenden, allerdings wesentlich kleineren und weniger massigen Leoparden.
Einst war der Jaguar bis in die heutigen US-Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico, Arizona und Texas verbreitet. Heute kommt er fast nur noch in Mexiko, Zentralamerika und der Nordhälfte Südamerikas vor. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) führt die Großkatze in der Roten Liste derzeit als „potenziell gefährdet“ (Near Threatened).
Namen und Etymologie Das Wort Jaguar als Bezeichnung für die Großkatze entstammt der Tupi-Sprache, einer zu den Tupí-Guaraní-Sprachen gehörenden indigenen Sprache Südamerikas. Der alte indigene Begriff yaguar hat in etwa die Bedeutung „der Räuber, der seine Beute mit einem einzigen Sprung erlegt“.Die Welt der wilden Tiere: Raubkatzen. S. 78. Im Guaraní heißt es jaguareté („echter Jaguar“), während das Wort jagua(rá), ursprünglich „fleischfressender Vierfüßler“, nunmehr speziell für den importierten Hund verwendet wird.
In seinen heute noch heimischen Gebieten hat der Jaguar verschiedene spanische und portugiesische Namen: Jaguar, Yaguar, Yaguarete, Otorongo, Jaguarete, „Tiger“ (el tigre) oder „amerikanischer Tiger“. Der portugiesische Name des Jaguars ist onça-pintada oder onça-verdadeira. Ältere deutsche Bezeichnungen für den Jaguar waren davon abgeleitet Unze, Onze oder Onza.
Schwarze Tiere werden im Deutschen wie schwarze Leoparden umgangssprachlich „Panther“ genannt,Heidi Becker: Die Tierart, die es nicht gibt: Was ist eigentlich ein Panther? In: RND, 8. Januar 2023, abgerufen am 3. Februar 2023. in einheimischen Sprachen auch als kuchí kudáu, ming chá oder yagueretehú bezeichnet.
Der ähnlich klingende Jaguarundi ist eine Kleinkatze.
Merkmale Körpergröße und Gewicht Die Kopf-Rumpf-Länge des Jaguars beträgt 112 bis 185 cm, hinzu kommt ein 45 bis 75 cm langer Schwanz. Die Schulterhöhe liegt im Durchschnitt bei etwa 70 cm. Obwohl insgesamt kräftiger und massiger gebaut als der Leopard, ist sein Schwanz deutlich kürzer als der des afrikanisch-asiatischen Verwandten. Das Körpergewicht variiert stark zwischen unterschiedlichen Regionen und schwankt zwischen 36 und 158 kg. Weibchen sind dabei etwa 10–20 % kleiner und entsprechend leichter als männliche Tiere. Darüber hinaus besteht eine ausgeprägte geographische Variation. So sind Jaguare in Nord- und Mittelamerika deutlich kleiner als Jaguare in Südamerika. Männliche Tiere in Belize haben im Schnitt etwa ein Gewicht von 60 kg, während Jaguarmännchen in Venezuela und Brasilien um die 90 bis 100 kg wiegen. Weibliche Jaguare in Brasilien wiegen durchschnittlich fast 80 kg.
Körperbau und Besonderheiten mini|Schädel eines Jaguars mit sichtbar starkem Jochbein sowie Unterkiefer mini|links|Jaguar-Trittsiegel im Manu-Nationalpark
Im Vergleich mit einem Leoparden hat der Jaguar einen massiveren Körperbau, ist wesentlich schwerer und wirkt in seiner Erscheinung sehr „kompakt“ und kraftvoll. Besonders charakteristisch sind die muskulösen Beine, die etwas kürzer als beim Leoparden sind, der breitere und rundere Kopf der Großkatze und die extrem kräftigen Kieferknochen sowie die äußerst starke Kiefermuskulatur. Der Schädel ist sehr robust. Trotz seiner im Vergleich zum Sibirischen Tiger geringeren Körpergröße verfügt der Jaguar von allen Katzen über das kräftigste Gebiss, mit dem er nicht nur mühelos Schildkrötenpanzer knackt, sondern seine Beute häufig durch einen Biss mit den langen Eckzähnen (Canini) durch die Schädeldecke tötet.Hans W. Kothe: Raubkatzen. Arten – Lebensräume – Verhalten. S. 201 Diese Tötungsweise ist für andere Großkatzen nicht belegt,John Seidensticker, Susan Lumpkin: Große Katzen. S. 120 die ihre Beute ersticken oder ihr das Genick brechen. Die Beißkraft eines Jaguars ist zweimal so hoch wie die eines Löwen, und der Jaguar hat nach der Tüpfelhyäne das zweitstärkste Gebiss aller an Land lebenden Raubtiere. Der besonders kräftige Schädel des Tieres stellt vermutlich eine Angepasstheit an das Beutespektrum dar.
Die Vorderpfote im Trittsiegel hat eine Breite von ca. 12 cm und die Hinterpfote von 7,6 cm.
Fellfärbung und Farbvarianten mini|links|Ein Exemplar mit Melanismus (hier ist die Zeichnung teilweise erkennbar). mini|Schwarzes Jaguarweibchen mit normal gefärbtem Jungtier (Zoo Salzburg)
Das Fell des Jaguars ist relativ kurz und nur an Hals, Brust, Bauch sowie den Innenseiten der Pfoten etwas länger. Die Fellgrundfarbe ist ein kräftiges Goldgelb, das manchmal ins Rötliche übergeht. Jaguare, die im Regenwald leben, sind grundsätzlich dunkler gefärbt als Individuen in Savannengebieten.WWF: (PDF; 123 kB) Am Bauch, den Innenseiten der Beine, an der Brust und am Maul ist das Fell jedoch weiß. Die Schwanzunterseite ist ebenfalls weiß, die Schwanzspitze generell schwarz. Der Körper ist mit schwarzen oder auch dunkelbraunen Ringflecken übersät, die manchmal ein oder mehrere kleine Tupfen umschließen. Diese rosettenförmigen Flecken sind viel größer als die des Leoparden. An Kopf, Nacken und Gliedmaßen besteht das Fellmuster aus vollständigen Flecken, die im Brustbereich verlängert sind und häufig zu einer Linie verschmelzen.Hans W. Kothe: Raubkatzen. Arten – Lebensräume – Verhalten. S. 197 Die Ohren des Jaguars sind klein und rund und auf der Rückseite schwarz und mit einem hellen, manchmal weißen Fleck versehen, wie er auch beim Tiger zu finden ist.
Wie beim Leoparden ist beim Jaguar Melanismus eine häufige Erscheinung. Bei diesen Schwärzlingen ist bei schräg einfallendem Licht ebenfalls stets das Fleckenmuster zu erkennen.M. E. Sunquist, F. C. Sunquist (2009). Family Felidae (Cats). In: Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009, ISBN 978-84-96553-49-1 (S. 138). Die Schwärzlinge werden manchmal, wie auch beim Leoparden, als „Panther“ beziehungsweise „Schwarze Panther“ oder, aufgrund des kontinentalen Vorkommens, als „Amerikanischer Panther“ bezeichnet. Neben vollständig schwarzen Tieren kommen gelegentlich auch Tiere vor, die nur zum Teil schwarz sind und daneben helle Stellen besitzen. Albinismus wurde zwar beschrieben, jedoch konnten keine Exemplare mit weißer Fellfärbung gesichtet werden. Die einzige bekannte Großkatze mit weißer Fellgrundfarbe und Zeichnung ist der Bengalische Tiger (Königstiger), wobei es sich hier allerdings um „Teilalbinismus“ (Leuzismus) handelt.
Sind die Elterntiere schwarz und normal gefärbt, kann der Wurf sowohl ein normalfarbiges als auch ein schwarzes Jungtier oder auch nur normalfarbige Junge haben.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Jaguars:ursprünglich (rosa) und heute (rot)
Der Verbreitungsschwerpunkt des Jaguars liegt heute im tropischen, amazonischen Regenwald. Er bevorzugt als Lebensraum dichte Vegetation und die Nähe von Flüssen und Seen. Außerdem gibt es Jaguare in ganz Süd- und Mittelamerika, von Mexiko bis nach Argentinien. Sie waren noch in historischer Zeit im Südwesten der USA verbreitet. Nordwärts erreichte der Jaguar in historischer Zeit mindestens den Grand Canyon, den North Platte River in Colorado, Monterey, California und im Osten Küstengebiete von Louisiana.
Mit zunehmender menschlicher Besiedelung wurde der Jaguar in den USA immer weiter dezimiert, im Jahr 1963 wurde das letzte weibliche Exemplar auf US-Boden geschossen, zwei Jahre später schließlich das letzte männliche Tier. 1969 verbot der Bundesstaat Arizona die Jagd auf Jaguare. 1971 und 1986 tauchten wieder Exemplare in Arizona auf, wurden allerdings von Jägern oder Jagdhunden getötet. Später kam es ab 1996 wiederholt zu Beobachtungen einzelner Tiere in New Mexico und Arizona. Zuletzt wies man 2016 drei verschiedene Jaguare in Arizona nach.
In einem Artikel aus dem Jahr 2021, der von mehreren Experten der Wildlife Conservation Society verfasst wurde, wird festgestellt, dass es sowohl in Arizona als auch in New Mexico große Gebiete für eine mögliche Wiederansiedlung des Jaguars gibt.Sanderson, Eric & Beckmann, Jon & Beier, Paul & Bird, Bryan & Bravo, Juan & Fisher, Kim & Grigione, Melissa & Lopez Gonzalez, Carlos & Miller, Jennifer & Mormorunni, Cristina & Paulson, Laura & Peters, Rob & Polisar, John & Povilitis, Tony & Robinson, Michael & Wilcox, Sharon. (2021). The case for reintroduction: The jaguar (Panthera onca) in the United States as a model. Conservation Science and Practice. 3. 10.1111/csp2.392. Accessed at https://www.researchgate.net/publication/351274005_The_case_for_reintroduction_The_jaguar_Panthera_onca_in_the_United_States_as_a_model. 2003 wurde das Northern Jaguar Project zum Schutz des Jaguars, das von der gleichnamigen Organisation in Arizona in Zusammenarbeit mit der mexikanischen Organisation Naturalia geleitet wird, gestartet. Es konzentriert sich auf den Schutz der Jaguare, die in der Nähe der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko leben. Das Kernstück des Projekts ist das Nördliche Jaguar-Reservat. Das Projekt begann 2003 mit dem Kauf der 10.000 Hektar großen Los Pavos Ranch im Norden Mexikos, nur 201 km südlich der Grenze. Im Jahr 2008 wurde es mit dem Erwerb von Rancho Zetasora auf mehr als das Doppelte seiner Größe erweitert. Beide Ranches sind abgelegen, schwer zugänglich und relativ unberührt, was sie zum perfekten Lebensraum nicht nur für Jaguare, sondern auch für viele andere Tierarten macht. Neben dem Jaguar kommen hier auch Pumas, Rotluchse und Ozelots vor. Das Projekt konzentriert sich auch auf die Bemühungen, eine stabile Jaguar-Population im Nordwesten Mexikos zu schaffen. Langfristig soll der Jaguar jedoch auch in den Südwesten der Vereinigten Staaten zurückkehren. Das Potenzial für eine solche Wiederansiedlung wird als hoch eingeschätzt, da allein 30 % von Arizona als geeigneter Lebensraum für den Jaguar gelten.
Da Jaguare, wie auch Tiger, sehr anpassungsfähig sind, kommen sie in verschiedensten Lebensräumen vor, die genügend Deckung, Beutetiere und Wasserzugang bieten. Zu den Lebensräumen zählen tropische Regenwälder, Trockenwälder, Savannen, Pampasgebiete, Buschland, Sumpfgebiete und auch Halbwüsten. Allerdings bevorzugen Jaguare feuchte und ufernahe Lebensräume und sind dort häufig an Flussläufen anzutreffen. Sie finden in diesen Bereichen nicht nur Beutetiere, sondern verbringen auch ihre Ruhezeit an Uferplätzen.John Seidensticker, Susan Lumpkin: Große Katzen. S. 116 Es gibt jedoch Berichte über Sichtungen, denen zufolge vereinzelte Jaguare in höheren Gebirgslagen, beispielsweise auf Costa Rica, in einer Höhe von bis zu 3800 m angetroffen wurden.Hans W. Kothe: Raubkatzen. Arten – Lebensräume – Verhalten. S. 199 In den Anden kommen Jaguare ab einer Höhe von 2700 m hingegen nicht mehr vor.WWF Artenportrait: (PDF; 123 kB) Generell wird angenommen, dass sich Jaguare eher schlecht auf kältere klimatische Regionen einstellen können.John Seidensticker, Susan Lumpkin: Große Katzen. S. 116
Lebensweise Die Kenntnisse über Verhalten und Lebensweise des Jaguars sind unvollständig. Sie basieren vorwiegend auf mit Sendehalsbändern versehenen Exemplaren oder direkten Beobachtungen. Die Schwierigkeit besteht insgesamt darin, dass Jaguare schwer zu fangen sind, um sie mit Sendehalsbändern zu versehen, und die Großkatze zudem sehr zurückgezogen lebt.John Seidensticker, Susan Lumpkin: Große Katzen. S. 117