Die Seeschlacht von Gravelines fand am im Ärmelkanal zwischen der Spanischen Armada und der englischen Flotte statt. Es war die Entscheidungsschlacht eines Invasionsversuchs der Spanischen Armada in England.

Vorgeschichte Für die beabsichtigte Invasion Englands waren etwa 30.000 spanische und verbündete Soldaten unter dem Kommando Alejandro Farnesios, des Herzogs von Parma, in den Häfen von Dünkirchen und Nieuwpoort in Flandern zur Einschiffung bereit. Diese Häfen waren durch eine niederländische Flotte von etwa 30 flachgehenden Kriegsschiffen unter Justinus von Nassau so gut blockiert, dass die spanischen Landungstruppen nicht auslaufen konnten. Parmas Transportmittel bestanden im Wesentlichen aus flachen, unbewaffneten Lastkähnen, die zu Kampfhandlungen im offenen Kanal nicht eingerichtet waren und daher der Armada zur Sicherung des Übergangs vor Anfeindungen Schutz bieten mussten. Nach späteren eigenen Angaben verfügte Parma bei Eintreffen der Armada auch über zu wenig Zeit, seine Truppen zur Einschiffung einsatzbereit zu machen.

Nachdem die englische Kriegsflotte den spanischen Oberbefehlshaber Alonso Pérez de Guzmán, Herzog von Medina Sidonia, gezwungen hatte, mehrere Schiffe vor Calais zu ankern, um einen Boten an Land zu setzen, der Parma zur Bereitstellung seiner Truppen aufforderte. Daraufhin ließ der englische Oberbefehlshaber Charles Howard in der Nacht zum acht requirierte Schiffe als Brander gegen die dicht gedrängt liegende spanische Flotte laufen. Diese Feuerschiffe waren mit brennbarem Material, Pech und geladenen Kanonen ausgerüstet und vom italienischen Ingenieur Federigo Giambelli und John Youngs, einem Gefolgsmann Francis Drakes, vorbereitet. Jedoch wurde kein spanisches Schiff durch die Berührung mit den Feuerschiffen in Brand gesetzt. Die Wirkung des Angriffs habe vielmehr darin bestanden, dass die spanischen Kapitäne in Panik die Ankerketten ihrer Schiffe kappten, wodurch die geschlossene Formation der Armada aufgelöst und die Schiffe in alle Richtungen verteilt wurden.

Die Schlacht miniatur|200px|links|Die Route der spanischen Armada Am nächsten Morgen, den , gelang es der englischen Flotte, die auseinandergerissene spanische Formation vor Gravelines anzugreifen, ehe sich die Schiffe wieder neu formieren konnten. Den Nahkampf und das Entern der gegnerischen Schiffe mieden die Engländer, da sie sich, zumal mit zu vielen spanischen Soldaten an Bord, unterlegen fühlten, benutzten aber die größere Reichweite ihrer Geschütze und die größere Wendigkeit ihrer Schiffe, um die spanische Flotte unter Beschuss zu nehmen. König Philipp II. hatte seinem Oberbefehlshaber Pérez den Befehl gegeben, die Schlachtordnung bis ins Letzte zu bewahren und allen Kapitänen, die sich von der Verfolgung der fliehenden Schiffe raschen Gewinn an Prisen versprachen, zu drohen. Dieser Befehl wurde auch befolgt, sodass die spanischen Kapitäne die fliehenden englischen Schiffe nicht verfolgten und diese sicher die Themse erreichten.

Zur Zahl der während der Schlacht versenkten spanischen Schiffe sind in der Fachliteratur verschiedene Angaben zu finden. Es wird von 3 gesunkenen, 1 gekapertem und 4 gestrandeten oder 3 weiteren, später von niederländischen Kräften erbeuteten Einheiten gesprochen. Andere Darstellungen halten fest, dass schließlich von der spanischen Flotte kein einziges Schiff durch feindlichen Beschuss sofort versenkt wurde, die Verluste vielmehr nur aus der stürmischen Fahrt nach der Schlacht herrührten. Auch die Zahl der Schlachtopfer wird sehr verschieden geschätzt. Auf der spanischen Seite schwankt sie zwischen 50 und 600 Toten und 400 bis 800 Verwundeten, auf der englischen zwischen 50 und 100 Getöteten und 400 bis 500 Verwundeten. Den Engländern ging während der Schlacht die Munition aus, insbesondere den vorderen Schiffen, ehe sie weit genug an die spanische Flotte herankamen, während die Spanier offenbar noch über ausreichend Munition verfügten. Gegen 19 Uhr brach der englische Oberbefehlshaber Howard den Angriff ab.

Rückzug und weitere Verluste Nach der Schlacht sammelte sich die spanische Flotte wieder, und da eine Rückkehr durch den Ärmelkanal infolge der englischen Blockade und der widrigen Winde nicht in Frage kam, musste sie die Nordroute um Schottland und Irland zurücklegen. Von den rund 30.000 Mann, die die Armada bei ihrer Abfahrt an Bord hatte, strandeten schätzungsweise 3.000 Spanier lebend an der schottischen und irischen Küste, während weitere etwa 6.000 bei Schiffbruch und Untergang ihrer Schiffe vor dieser Küste ertranken. Ein Teil der an Land gelangten Schiffbrüchigen wurde von englischen Streiftruppen niedergeschlagen, dem anderen Teil half die Freundschaft irischer Dörfer, sich zu verbergen. Spanien verlor während der Schlacht und seiner Rückkehr nach unterschiedlichen Angaben zwischen 51 und 69 Schiffe sowie insgesamt etwa 11.000 bis 20.000 Mann, wobei nur ein geringer Teil dieser Verluste, wenige hundert bis rund 600 Mann, auf die unmittelbaren Kampfhandlungen im Kanal entfiel, während der weit überwiegende Teil, nach manchen Schätzungen bis zu zwei Drittel, auf Schiffbruch, Sturm, Hunger und Krankheiten während der langen Rückfahrt zurückging. Auf englischer Seite starben unter den zusammengepferchten und schlecht versorgten Besatzungen der Schiffe bis zu 8.000 Seeleute vor allem an Ruhr und Flecktyphus.

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Einzelnachweise

Gravelines Kategorie:Englisch-Spanischer Krieg (1585–1604) Kategorie:1588 Gravelines Gravelines Gravelines

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