Der Gelbe Lerchensporn (Pseudo-fumaria lutea), auch Gelber Scheinerdrauch genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Scheinerdrauche (Pseudo-fumaria) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae).
Beschreibung mini|links|Illustration aus Jakob Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen, Stuttgart 1796 mini|Laubblätter: Blattoberseite und -unterseite mini|links|Illustration aus Flora Batava, Band 15 mini|Blütenstand mit gestielten, zygomorphen Blüten mini|Blüte und Früchte mini|Bestand des Gelben Lerchensporns
Erscheinungsbild und Blatt Beim Gelben Lerchensporn handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 20 Zentimetern erreicht. Er besitzt ein waagrechtes knotiges Rhizom. Ein Pflanzenexemplar ist meist schon von Grunde an stark verzweigt und bilden deshalb einen dichten Bestand. Die Stängel sind vierkantig, markig gefüllt und meist verzweigt. Ein Keimling entwickelt zwei Keimblätter.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die kahle, hellgrüne bis leicht bläulich-grüne Blattspreite ist doppelt bis dreifach gefiedert. Die Fiederabschnitte sind meist nicht mehr als eineinhalb mal so lang wie breit. Am Grunde sind sie lang keilförmig verschmälert und vorne oft gelappt.
Blütenstand und Blüte Die Blütezeit des Gelben Lerchensporns dauert fast den ganzen Sommer (Mai bis September). 4 bis 20 Blüten stehen in endständigen, traubigen Blütenständen zusammen. Diese Blütenstände sind zuerst dicht, aber sie verlängern sich später. Die Tragblätter sind schmal und viel kürzer als der Blütenstiel.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und 14 bis 20 Millimeter lang. Die Kelchblätter sind 4 bis 6 Millimeter lang. Die Blütenhüllblätter sind gelb, wobei die beiden äußeren Blütenhüllblätter oft, aber nicht immer, heller zitronengelb sind, die beiden inneren etwas dunkler orange-gelb. Der Sporn ist 2 bis 4 Millimeter lang.
Frucht und Samen Die Frucht ist hängend, bei einer Länge von etwa 10 Millimetern etwa so lang wie ihr Stiel. Die Samen sind glatt, etwa 1,5 Millimeter lang und glänzend schwarz. Die Samen besitzen Elaiosome.
Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, 56 oder 64.
Vorkommen Der Gelbe Lerchensporn ist ein submediterranes Florenelement, dessen Ursprungsgebiet in den Südalpen vom Lago Maggiore bis Kroatien vermutet wird. Sein eigentliches Areal lässt sich wegen Verwilderung und Einbürgerung kaum noch feststellen. In Mitteleuropa kommt er wohl ursprünglich nur in den Südlichen Kalkalpen zwischen dem Lago Maggiore und den Dolomiten vor; er besiedelt dort Felsspalten und Schutthalden mit kalkhaltigem Gestein. Er steigt in Mitteleuropa bis 1700 Meter Meereshöhe auf.
Ursprünglich wohl ein Bewohner kalkreicher Felsspalten in Pflanzengesellschaften der Klasse Thlaspietea, stammt der Gelbe Lerchensporn wahrscheinlich aus den südlichen Alpen, ist aber in fast alle gemäßigten bis wärmeren Gebiete der Erde verschleppt worden.
In Mitteleuropa ist er in Mauerritzen oder am Grunde von Mauern vielfach verbreitet. Man trifft ihn in Mauerritzen oft selbst noch in Innenstädten an. Er gedeiht in Mitteleuropa im Cymbalarietum aus dem Verband Centrantho-Parietarion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Potentillion caulescentis vor.
Der Gelbe Lerchensporn gedeiht am besten auf gut durchsickerten, felsig-steinigen Böden, die kalkhaltig, ja kalkreich sein sollten. Er gedeiht meist in Gegenden mit milden Wintern. Er wird als Zierpflanze verwendet und er ist daraus in Gegenden mit wintermildem Klima an Mauern, aber auch in warmen Gebüschen und in lichten Wäldern beständig verwildert.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).
Taxonomie Die Erstveröffentlichung erfolgte 1771 unter dem Namen (Basionym) Fumaria lutea durch Carl von Linné in Mantissa Plantarum Altera, Seite 258. Die Neukombination zu Pseudo-fumaria lutea wurde durch Moritz Balthasar Borkhausen 1797 in Archiv für die Botanik (Leipzig), Band 1, Teil 2, Seite 45 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Pseudo-fumaria lutea sind: Capnoides lutea , Corydalis lutea Nach dem Code der Nomenklatur ICN 2018 Artikel 60.11 Note 6 ist der Bindestrich im Gattungsnamen beizubehalten. Der Gattungsname Pseudo-fumaria wurde 1789 von Friedrich Kasimir Medikus in Philosophische Botanik ..., Band 1, Seite 110 veröffentlicht.
Toxikologie Der Gelbe Lerchensporn enthält vor allem in der Knolle giftige Alkaloide.
Nutzung Der Gelbe Lerchensporn wird in den gemäßigten Gebieten in Parks und Gärten als Zierpflanze verwendet.
Quellen und weiterführende Informationen Literatur Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4. Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 14. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen, Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2. Magnus Lidén: Pseudofumaria Medicus. S. 305. In: Thomas Gaskell Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. 2. Auflage, Band 1: Psilotaceae to Platanaceae. Cambridge University Press 1993, ISBN 0-521-41007-X.
Einzelnachweise Gordon Cheers (Hrsg.): Botanica. Random House Australia, 2003. Deutsche Ausgabe: Tandem Verlag GmbH, 2003. ISBN 3-8331-1600-5. Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. 2., ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9. Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Band 2: Eibengewächse bis Schmetterlingsblütengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1994, ISBN 3-440-06192-2. Magnus Lidén: Pseudofumaria Medicus. S. 305. In: Thomas Gaskell Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. 2. Auflage, Band 1: Psilotaceae to Platanaceae. Cambridge University Press 1993, ISBN 0-521-41007-X. Magnus Lidén (2011+): Fumarioideae (excl. Hypecoum). Datenblatt In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Friedrich Markgraf: Familie Papaveraceae. S. 63–65. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt mit Fotos und Verbreitung in Italien bei Schede di Botanica.
Weiterführende Literatur Sylwia Zielińska, Magdalena Dziągwa-Becker, Ewelina Piątczak, Anna Jezierska-Domaradzka, Malwina Brożyna, Adam Junka, Mariusz Kucharski, Serhat Sezai Çiçek, Christian Zidorn, Adam Matkowski, Francesca Mancianti, Valentina Virginia Ebani: Phytochemical Composition and Antimicrobial Activity of Corydalis solida and Pseudofumaria lutea. In: Molecules, 25, 16, 3591, August 2020. DOI:10.3390/molecules25163591 Miguel A. Pérez-Gutiérrez, Ana T. Romero-García, María J. Salinas, Gabriel Blanca, M. Carmen Fernández, Víctor N. Suárez-Santiago: Phylogeny of the tribe Fumarieae (Papaveraceae s.l.) based on chloroplast and nuclear DNA sequences: Evolutionary and biogeographic implications. In: Botany, Volume 99, Issue 3, 2012, S. 517–528. DOI:10.3732/ajb.1100374
Kategorie:Lerchensporne Kategorie:Alpenflora