Jenesien ([]; italienisch San Genesio Atesino) ist eine italienische Gemeinde bei Bozen in Südtirol mit Einwohnern (Stand ).
Geographie links|mini|Der Hauptort Jenesien von Westen Die Gemeinde Jenesien erstreckt sich über den Südteil des Tschögglbergs, eines sich zwischen dem Etschtal und dem Sarntal erhebenden Bergrückens der Sarntaler Alpen. Sie umfasst zwei Dörfer, mehrere Weiler sowie zahlreiche Gehöfte, die sich über das mittelgebirgige, von Wald und Wiesen geprägte Gebiet verteilen. Im Gegensatz zu den anderen Tschögglberger Gemeinden erreicht das Gemeindegebiet von Jenesien auch Talbereiche: Im Osten bildet die Talfer in der Sarner Schlucht über mehrere Kilometer die Gemeindegrenze, im Südwesten berührt ein schmaler Gebietsstreifen beim Kirchlein St. Cosmas und Damian kurz die Sohle des Etschtals.
Der Hauptort Jenesien liegt auf Höhe im Süden des Gemeindegebiets hoch über dem Bozner Talkessel. Die zweite dörfliche Siedlung, Afing, befindet sich auf Höhe im Osten erhöht über der Sarner Schlucht. Die Höfe des Weilers Glaning (unterteilt in Oberglaning und Unterglaning) sind in Höhenlagen zwischen 700 und an den Hängen über dem Etschtal unterhalb des Alten verstreut. Im Westen des Gemeindegebiets befindet sich der Salten, der durch den Wechsel von Weiden, Bergwiesen und verstreut stehenden Lärchen charakterisiert ist. Im Bereich dieser Kulturlandschaft liegt die Streusiedlung Nobls, etwas weiter nördlich auf Höhe die kleine Ortschaft Flaas.
Geschichte Das Gebiet war in der vorchristlichen Zeit spärlich besiedelt. In Flaas, in Rumsein als auch auf dem Sattelkopf und der Groassen Knott fand man prähistorische Siedlungsspuren.
Der Name Jenesiens kommt vom Soldatenheiligen Genesius von Rom, dem Schutzpatron der Pfarrkirche des Ortes, und wird 1186 als „Mons sancti Genesii“ (Jenesienberg) ersturkundlich genannt.Franz Huter (Hrsg.), Hanns Bachmann: Handbuch der historischen Stätten. Band: Österreich. Teilband 2: Alpenländer mit Südtirol (= Kröners Taschenausgabe. Band 279). 2., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1978, ISBN 3-520-27902-9, S. 575. Die Siedlung wird im Gesamttiroler Urbar Graf Meinhards II. von 1288 als „sand Genesien“ genannt, da der Landesfürst hier über abgabenpflichtigen Besitz verfügte.Oswald Zingerle (Hrsg.): Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol. (= Fontes Rerum Austriacarum, Diplomataria et acta 55/I). Wien 1890, S. 123, Nr. 150 u. 161. Der Pfarrbezirk Jenesien ist seit 1328 dem Augustinerchorherrenstift Au – der späteren Abtei Muri-Gries – inkorporiert. Noch im 12. Jahrhundert wurde von den Bozener Grafen von Morit-Greifenstein das „gericht uf sand Genesienperch“ mit Sitz auf Burg Greifenstein eingerichtet.
miniatur|links|Linker Teil der Balkeninschrift von 1799 am Gamperstadel in Jenesien, ausgeführt von Baumeister Christof Oberkofler Auch die wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Zentralort Bozen scheinen bereits seit dem Hochmittelalter eine hohe Intensität aufzuweisen. So wird in der Forschung vermutet, dass der seit 1208 in Bozen bezeugte Genesiusmarkt, einer der Termine der dortigen Jahrmessen, auf den alten Kirchtagsmarkt von Jenesien als unmittelbaren Vorläufer zurückgeht.
Während der Tiroler Kämpfe in der antinapoleonischen Revolte von 1797 und 1809 kam es jeweils zu Waffengängen um die Jenesiener Höhenstellung.
1928 wurde die Gemeinde Jenesien um das bis dato eigenständige Flaas vergrößert.
Der bis zum Bau der neuen Straße in den 1980er Jahren vorherrschende Charakter eines Bergdorfes ging im Laufe der Zeit verloren; in den letzten Jahrzehnten ist der Ort durch Zuzug aus Bozen stark gewachsen.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Wirtschaft Jenesiens ist eng an die nahe gelegene Stadt Bozen gebunden. So wirbt Jenesien schon seit Jahren zusammen mit Bozen um Touristen. Es gibt einige Hotels, Gasthäuser, Pensionen und seit jüngerer Zeit auch Bauernhöfe, die Gäste beherbergen. Außerdem weist Jenesien durch die Nähe zu Bozen und die gute Erreichbarkeit regen Tagestourismus auf.
Viele Bauernhöfe liefern die von ihnen erzeugte Milch nach Bozen in die größte Südtiroler Milcherzeugergenossenschaft Mila. Außerdem werden Obst, Wein und Gemüse angebaut. Die Raiffeisenkasse Bozen betreibt eine Filiale in Jenesien.
Verkehr Von Bozen aus besteht mit der Landesstraße 99 ein gut ausgebauter Verkehrsweg mit mehreren Tunneln nach Jenesien. Diese Straße wurde in Abschnitten von 1969 bis 1992 erbaut und ersetzte die alte, nicht mit Schwerfahrzeugen befahrbare Straße. Viele Jenesier pendeln täglich zur Arbeit nach Bozen aus; auch erhalten viele Handwerker Aufträge in Bozen und Umgebung.
Von 1937 bis 2020 verband die Seilbahn Jenesien den Hauptort der Gemeinde mit Bozen. Die Drahtseilbahn war viele Jahre lang das einzige öffentliche Verkehrsmittel. Daneben bietet die Buslinie 156 eine Verbindung nach Bozen sowie die Buslinie 157 nach Mölten über Flaas und Afing.
Bildung In der Gemeinde Jenesien gibt es Bildungseinrichtungen für die deutsche Sprachgruppe. Zu diesen gehören drei Grundschulen (in Afing, Flaas und im Hauptort Jenesien) sowie eine Mittelschule im Hauptort.
Politik
Bürgermeister Bürgermeister seit 1945: Alois Gamper: 1945–1977 Alois Plattner: 1977–1995 Oswald Egger: 1995–2010 Paul Romen: seit 2010
Partnergemeinde Feldkirchen-Westerham, Bayern
Bevölkerung Jenesien ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 99,07 % 97,82 % 97,29 % 96,79 % 95,03 % Italienisch 0,84 % 1,88 % 2,59 % 3,07 % 4,83 % Ladinisch 0,09 % 0,31 % 0,12 % 0,14 % 0,14 %
Sehenswürdigkeiten
mini|Blick auf das Dorfzentrum mini|Erdpyramiden bei Nobls Etwa 3 km nordwestlich des Hauptortes (bei Nobls, ) existieren Erdpyramiden. Im Vergleich zu denen auf dem Ritten sind es jedoch weniger, außerdem weisen sie eine gedrungene Form auf. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Jenesiener Kirchturm und der danebenliegende Dorfplatz.
Persönlichkeiten Josef Fill (* 1939), Unternehmer und Politiker (ÖVP)
Weblinks
Homepage der Gemeinde Jenesien
Literatur Jenesien am Tschögglberg: Landschaft – Geschichte – Kultur – Kunst. 2 Bände. Hrsg. im Auftrag der Gemeindeverwaltung Jenesien von Othmar Parteli und Harald Toniatti. Lana: Tappeiner 2012. Band I online
Einzelnachweise
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