mini|Émile Cohl in jüngeren Jahren Émile Cohl (eigentlich Émile Eugène Jean Louis Courtet; * 4. Januar 1857 in Paris; † 20. Januar 1938 in Villejuif, Val-de-Marne) war ein französischer Karikaturist und Animationsfilmer. Er war der erste Zeichentrickfilmer in Europa.
Leben
Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war; danach wuchs er hauptsächlich in Internatsschulen auf. Während der Belagerung von Paris 1870/71 entdeckte er das Guignol-Puppentheater (Marionetten) und die politische Karikatur für sich. Als 15-Jähriger begann er auf Drängen seines Vaters eine Berufsausbildung als Juwelier, doch er lebte schließlich als zeichnender Bohemien.
1878 kam Émile Cohl mit André Gill, dem seinerzeit bekanntesten Karikaturisten und Herausgeber einer politischen Satirezeitung, in Kontakt und arbeitete bei ihm für etwa ein Jahr als Assistent und übernahm dessen Karikaturstil der übergroßen, prägnanten Köpfe. Zu dieser Zeit legte Courtet sich das Pseudonym „Émile Cohl“ zu. 1879 wurde er wegen politischer Karikaturen des Präsidenten Patrice de Mac-Mahon kurz inhaftiert und arbeitete dann mit der Künstlergruppe Les Hydropathes, danach bis 1888 mit den Incoherents als Satiriker und Verleger zusammen.
1881 heiratete Cohl; seine Frau verließ ihn trotz einer gemeinsamen Tochter später für einen Autor. Nach dem Bruch seiner Ehe ging Cohl bis 1896 nach London und war beim humoristischen Magazin Pick Me Up tätig. Nach seiner Rückkehr ging er eine zweite Ehe ein und wurde 1899 Vater eines Sohnes. Von 1898 an zeichnete Cohl Comic Strips für L’Illustré National; er entwickelte seine Arbeiten von Einzelszenen zu illustrierten Geschichten weiter.
mini|Bild aus Fantasmagorie (1908) Um 1907 begann er für die Filmproduktionsfirma Gaumont zu arbeiten. Er lernte das filmische Handwerk von anderen angestellten Regisseuren, doch sein Metier war die Herstellung von kurzen Animationsfilmen. Die Idee hierzu kam durch den großen Erfolg von The Haunted Hotel, einem in Stop-Motion-Technik animierten Vitagraph-Film von James Stuart Blackton, der im April 1907 seine Pariser Premiere hatte. Cohls 1908 entstandener erster eigener Zeichentrickfilm Fantasmagorie mit einer Laufzeit von 2 Minuten besteht aus etwa 700 Zeichnungen und gilt als der erste ausschließliche Animationsfilm. Dafür zeichnete Cohl die Einzelbilder mit schwarzem Stift und projizierte später den Negativfilm, womit er einen Effekt erzielte, der dem von Zeichnungen mit weißer Kreide auf einer schwarzen Tafel ähnelte. Der Film wurde am 17. August 1908 in Paris uraufgeführt. Seine einfachen kleinen, mit wenigen Strichen gezeichneten Figuren, in diesem und seinen folgenden beiden Filmen im selben Stil, nannte er „Fantoches“. Cohl wandte sich jedoch wegen des hohen Zeitaufwands der Herstellung dieser Filme zunächst anderen Formen des Animationsfilmes zu.
Mittels Stop-Motion-Technik schuf er „Verwandlungs“filme im Stile von Georges Méliès, aber auch Puppentrickfilme und semi-animierte Kurzfilme. Sein bekanntester Film wurde Le Peintre néo-impressionniste aus dem Jahre 1910, der einzelbildkoloriert ist. Cohls Filme waren auch in den USA erfolgreich, noch bevor Winsor McCay 1911 seinen Little Nemo schuf. McCay ließ sich in diesem und auch seinen weiteren Filmen vom Stil Émile Cohls beeinflussen.
Ab Dezember 1910 wechselte Cohl von Gaumont zu Pathé, wo er nur noch zwei Animationsfilme realisieren konnte. Danach war er Regisseur von Realfilmen. Im Jahr 1911 drehte er zehn burleske Komödien mit der Hauptfigur Jobard (Lucien Cazalis). Einer dieser Filme, Jobard ne peut pas voir les femmes travailler, ist der erste bekannte Film, der die Technik der Pixilation verwendet.
Enttäuscht von Pathé und zu stolz, zu Gaumont zurückzukehren, wechselte Cohl zur Filmgesellschaft Eclipse. Von seiner dortigen Arbeit ist heute nur noch wenig bekannt, nur ganz wenige seiner Filme aus dieser Zeit sind erhalten.In der 2009 erschienenen Sammlung Gaumont - Le cinéma premier 2, die auch zwei DVDs mit knapp 5 Stunden seiner Werke enthält, finden sich Les exploits de Feu Follet und Les métamorphoses comiques. Cohls Freund Arnaud holte ihn schließlich 1912 zu den amerikanischen Studios der französischen Filmgesellschaft Éclair nach New York. Dort arbeitete er für die Wochenschauen und die filmische Umsetzung des Comicstrips The Newlyweds von George McManus in eine Trickfilmserie. In den Ankündigungen hierzu tauchte erstmals der Begriff „animated cartoons“ auf und sie begründeten die Konvention aller folgenden Comic-Adaptionen, der zufolge nur der Name des Cartoonisten, nicht aber der des Trickfilmers im Filmvorspann erwähnt wird. Nur einer der Filme dieser Serie existiert heute noch. Der Erfolg von The Newlyweds war der Beginn einer Welle von Trickfilmproduktionen, darunter Winsor McCays Klassiker The Story of a Mosquito und Gertie the Dinosaur.
Im März 1914 fuhr Cohl mit seiner Familie für einen Besuch von New Jersey nach Paris und blieb dort, da kurz nach seiner Abreise ein Brand die Éclair-Studios in Amerika zerstörte. Dabei wurden bis auf die beiden Filme He Poses for His Portrait und Bewitched Matches alle amerikanischen Arbeiten Cohls für diese Firma vernichtet. Ab Ende 1914 wurden Cohls Techniken von dem von John Randolph Bray neu gegründeten Bray Productions, dem ersten ausschließlichen Trickfilmstudio, weiterentwickelt.
Während des Ersten Weltkrieges lag die französische Filmproduktion darnieder und Gaumont importierte amerikanische Cartoons. 1916 beherrschten die amerikanischen Produktionen den französischen Markt und die Trickfilme wurden erstmals seit den frühen Tagen von James Stuart Blacktons wieder mit dem Namen des Trickfilmers, Raoul Barré, beworben. Zur selben Zeit sollte Cohl für den Kinderbuchillustrator Benjamin Rabier dessen Figuren animieren, als Produzent wurde der Fantômas-Darsteller René Navarre gewonnen. Das Trio trennte sich im Streit, da Cohl über die Nichterwähnung seines Namens in der Filmwerbung verärgert war. Von dieser Serie existiert heute nur noch der 1917 veröffentlichte Streifen Les Fiançailles de Flambeau. Für Éclair schuf Cohl zur selben Zeit die Serie Les Aventures des Pieds Nickelés, eine Trickfilmreihe über eine anarchistische Jugendgang, die ständig mit Untergrundkriminellen und dem Gesetz in Konflikt gerät. Sie wurde kriegsbedingt eingestellt. 1920 drehte Émile Cohl seinen letzten Film und kündigte bei Éclair. Seine Karriere war damit beendet.
Émile Cohl liegt auf dem Friedhof Père-Lachaise begraben.
Nachwelt Die École Émile-Cohl ist nach ihm benannt.
Filmographie Regisseur 1907: Japon de fantaisie 1908: Fantasmagorie 1908: Le cauchemar de Fantoche 1908: Un drame chez les fantoches 1908: Le château de cartes 1908: Le cerceau magique 1908: Les allumettes animées 1908: Les frères Boutdebois 1908: La séquestrée 1908: N.I.-Ni – C’est fini 1908: Le violoniste 1908: Le veau 1908: Les agents magnétiques 1908: Le prince Azur 1908: Le petit soldat qui devient Dieu 1908: Le mouton enragé (Co-Regisseur) 1908: Le miracle des roses (Co-Regisseur) 1908: Le journal animé 1908: Le coffre-fort 1908: La vengeance de Riri 1908: La monnaie de mille francs 1908: La force de l'enfant 1908: La course aux potirons (Co-Regisseur) 1908: L'hôtel du silence 1908: L'automate 1908: Et si nous buvions un coup 1908: Blanche comme neige 1909: Soyons donc sportifs (Co-Regisseur) 1909: La valise diplomatique (Co-Regisseur) 1909: Clair de lune espagnol (Co-Regisseur) 1909: La lampe qui file 1909: L'agent de poche 1909: L'omelette fantastique (Co-Regisseur) 1909: Les beaux-arts de Jocko 1909: La vie à rebours 1909: Pauvre gosse 1909: L'éventail animé (Co-Regisseur) 1909: Les joyeux microbes 1909: Les couronnes - I - La couronne de ronces 1909: Les couronnes - II - La couronne d'épines 1909: Porcelaines tendres 1909: Génération spontanée 1909: Don Quichotte 1909: Le miroir magique 1909: Le ratelier de la belle-mère 1909: La lune dans son tablier 1909: Les lunettes féeriques 1909: Un chirurgien distrait 1909: Monsieur Clown chez les Lilliputiens 1909: Moderne école (Co-Regisseur) 1909: Les transfigurations 1909: Le spirite 1909: Les locataires d'à-côté 1909: Les grincheux 1909: Les chaussures matrimoniales 1909: Les châteaux de la Loire 1909: Les chapeaux des belles dames 1909: Le linge turbulent 1909: Le docteur Carnaval 1909: La bataille d'Austerlitz 1909: L'armée d'Agénor 1909: L'ancêtre 1909: Affaires de coeur 1910: Monsieur Stop 1910: Mobilier fidèle 1910: Le binettoscope 1910: Champion de puzzle 1910: Le petit Chantecler 1910: Le songe d'un garçon de café 1910: Cadres fleuris 1910: Le coup de Jarnac 1910: Le tout petit Faust 1910: Les douze travaux d'Hercule 1910: Singeries humaines 1910: Les quatre petits tailleurs 1910: The Times Are Out of Joint (französischer Titel unbekannt) 1910: Toto devient anarchiste 1910: Rien n'est impossible à l'homme 1910: Rêves enfantins 1910: Les chefs-d'oeuvre de Bébé 1910: Les chaînes 1910: Les beaux-arts mystérieux 1910: Le placier est tenace 1910: Le peintre néo-impressionniste 1910: Le journal Folichon 1910: Le grand machin et le petit chose 1910: La télécouture sans fil 1910: La musicomanie 1910: L'enfance de l'art 1910: Histoire de chapeaux 1910: En route 1910: Dix siècles d'élégance 1910: Bonsoirs russes 1911: Bonsoirs 1911: L'automate acrobatique 1911: Les fantaisies d'Agénor Maltracé 1911: Les bestioles artistes 1911: Le retapeur de cervelles 1911: Le musée des grotesques 1911: Le cheveu délateur 1911: La vengeance des esprits 1911: La chambre ensorcelée 1911: La boîte diabolique 1911: Jobard ne veut pas voir les femmes travailler 1911: Jobard ne peut pas rire 1911: Jobard est demandé en mariage 1911: Jobard chauffeur 1911: Jobard change de bonne 1911: Jobard a tué sa belle-mère 1911: Jobard, portefaix par amour 1911: Jobard, garçon de recettes 1911: Jobard, fiancé par interim 1911: Jobard, amoureux timide 1911: C'est roulant 1911: Aventures d'un bout de papier 1912: Monsieur de Crac 1912: Campbell Soups 1912: Une poule mouillée qui se sèche 1912: Ramoneur malgré lui 1912: Quelle drôle de blanchisserie 1912: Poulot n'est pas sage 1912: Moulay Hafid et Alphonse XIII 1912: Les métamorphoses comiques 1912: Les jouets animés 1912: Les extraordinaires exercices de la famille Coeur-de-Buis 1912: Les exploits de Feu-Follet 1912: Le prince de Galles et Fallières 1912: Le premier jour de vacances de Poulot 1912: Le marié a mal aux dents 1912: La marseillaise 1912: La baignoire 1912: Jeunes gens à marier 1912: Fruits et légumes vivants 1912: Dans la vallée d'Ossau 1913: War in Turkey 1913: Rockefeller 1913: Il joue avec Dodo 1913: Confidence 1913: Castro in New York 1913: The Subway 1913: Milk 1913: Graft 1913: Coal 1913: Wilson and the Hats 1913: Wilson and the Broom 1913: Universal Trade Marks 1913: The Two Presidents 1913: The Police Women 1913: The Auto 1913: Poker 1913: Gaynor and the Night Clubs 1913: When He Wants a Dog, He Wants a Dog 1913: Business Must Not Interfere 1913: Wilson and the Tariffs 1913: The Masquerade 1913: The Brand of California 1913: He Wants What He Wants When He Wants It 1913: Poor Little Chap He Was Only Dreaming 1913: The Two Suffragettes 1913: The Safety Pin 1913: The Red Balloons 1913: The Mosquito 1913: Bewitched Matches 1913: He Loves to Watch the Flight of Time 1913: Uncle Sam and His Suit 1913: The Polo Boat 1913: The Cubists 1913: The Artist 1913: He Ruins His Family's Reputation 1913: He Slept Well 1913: He Was Not Ill, Only Unhappy 1913: Wilson's Row Boat 1913: It Is Hard to Please Him But It Is Worth It 1913: He Poses for His Portrait 1913: The Hat 1913: Thaw and the Lasso 1913: Bryant and the Speeches 1913: Clara and Her Mysterious Toys 1913: Thaw and the Spider 1913: A Vegetarian's Dream 1913: He Loves to Be Amused 1913: Unforeseen Metamorphosis 1913: Unseen Metamorphoses