Die Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG (auch Madsack Mediengruppe) ist ein deutscher Medienkonzern mit Sitz in Hannover. Das Kerngeschäft bilden journalistische Produkte, zu denen die Publishing-Plattform des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), 23 regionale Tageszeitungen sowie das überregionale Nachrichtenportal RND.de gehören.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist über ihr Medienbeteiligungsunternehmen Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH mit einem Anteil von 23,1 % größte Kommanditistin der Madsack Mediengruppe.

Die Madsack Mediengruppe ist mit ihrem journalistischen Kerngeschäft in sechs der 16 Bundesländer vertreten; in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die durchschnittlich verkaufte Auflage der Zeitungstitel, an denen die Mediengruppe Mehrheitsbeteiligungen hält, belief sich 2021 auf rund 724.730 Exemplare.

Darüber hinaus engagiert sich die Madsack Mediengruppe in weiteren Mediengattungen (Anzeigenblätter, Online, Apps, Digital Signage, TV-Produktion, Hörfunk) und Dienstleistungsbereichen (Post, Logistik, Call-Center, IT, Werbung, Kommunikation).

Nach einer Untersuchung von 2014 der Fachzeitschrift Media Perspektiven ist die Madsack Mediengruppe das viertgrößte Verlagshaus Deutschlands.

Geschichte mini|hochkant|August Madsack

mini|hochkant|Hannoverscher Anzeiger, Erstausgabe vom 1. März 1893

mini|hochkant|Anzeiger-Hochhaus

mini|hochkant|Jubiläumsfeier „125 Jahre Madsack“ vor dem verhüllten Anzeiger-Hochhaus mit ca. 50000 Gästen; Juni 2018

August Madsack gründete im Jahr 1893 die Gesellschaft Hannoverscher Anzeiger A. Madsack & Co. Der Hannoversche Anzeiger erschien erstmals am 1. März 1893 mit einer Auflage von 48.000 ExemplarenDieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 41. und stieg in den nächsten Jahrzehnten zur auflagenstärksten Zeitung Hannovers und Umgebung auf. Sein ältester Sohn Paul Madsack war als Rechtsanwalt für die Firma seines Vaters tätig und wurde später Leiter des Feuilletons.

Im Jahr 1928 wurde das vom Architekten Fritz Höger entworfene Anzeiger-Hochhaus als neuer Verlagssitz mit angrenzender Druckerei eingeweiht. In dem pressehistorisch bedeutsamen Gebäude wurden 1947 das Nachrichtenmagazin Der SpiegelGeschichte der SPIEGEL-Gruppe, auf gruppe.spiegel.de und 1948 die Zeitschrift Stern gegründet.

Der Verlag wurde nach dem Tod des Gründers August Madsack im Jahr 1933 von dessen jüngerem Sohn Erich Madsack weitergeführt, der 1937 in die NSDAP eintrat. Zudem war er förderndes Mitglied der SS."Der lange Weg der Madsacks - Historiker arbeitet Familien- und Firmengeschichte auf" Am 1. März 1943Geschichte der Madsack Mediengruppe: Wie wir wurden, was wir heute sind, auf madsack.de, MADSACK Mediengruppe. wurde der Verlag kriegsbedingt vom NS-Regime mit der „Niedersächsischen Tageszeitung“ zwangsfusioniert.Dieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 105. Der Verlag wurde 1949 als Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG von Erich Madsack neu gegründet und nahm den Betrieb in denselben Gebäuden wieder auf. Nachfolger des Hannoverschen Anzeigers wurde am 25. August 1949 die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ),Dieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 128 ff. die bis heute auflagenstärkste Tageszeitung in Niedersachsen ist. Erichs Ehefrau Luise Madsack wurde Anfang der 1960er Jahre Mitglied in der Geschäftsleitung der Verlagsgesellschaft in Hannover, 1976 bis 1983 hatte sie den Vorsitz des Aufsichtsrates inne.

Im Jahr 1968 kam es im Zuge der hannoverschen Studentenproteste vor dem Anzeiger-Hochhaus zu gewalttätigen Demonstrationen, da hier die Bild-Zeitung des Springer-Verlags gedruckt und vertrieben wurde.Klaus Mlynek, in: Stadtlexikon Hannover, S. 611 f.

Seit den 1970er-Jahren expandierte das Unternehmen. Zunächst wurden niedersächsische Regionalzeitungen übernommen, darunter das Göttinger Tageblatt (1973) und die Neue Hannoversche Presse (heute: Neue Presse).Dieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 159 ff.

Im Jahr 1974 bezog der Verlag ein neues Druck- und Verlagshaus auf einem Grundstück außerhalb des Stadtzentrums von Hannover, das nach einer Änderung der Stadtteilgrenzen heute zum Stadtteil Bemerode gehört (zuvor gehörte es zum Stadtteil Seelhorst). Zugleich wurde auf das Offsetdruckverfahren umgestellt.Dieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 174 ff.

Anzeigenblätter veränderten in den 1980er-Jahren den Zeitungsmarkt. Die Madsack Mediengruppe reagierte darauf mit eigenen Angeboten. Zum heutigen Unternehmensverbund gehören über 25 Anzeigenblatt-Titel.

Mit der Privatisierung der Fernsehlandschaft stieg die Madsack Mediengruppe in das TV-Geschäft ein, gründete den fernsehtechnischen Dienstleister TVN mit Sitz in Hannover und lieferte täglich Bilder aus Norddeutschland für TV-Nachrichten.Dieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 175 f. Es folgten Produktionen für Regionalsendungen, Image- und Industriefilme sowie Außenübertragungen.

Nach dem Mauerfall bemühte sich die Madsack Mediengruppe in den neuen Bundesländern Fuß zu fassen. Anfang 1991 sprach die Treuhandgesellschaft der Madsack Mediengruppe und dem Axel Springer Verlag zu gleichen Teilen die Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG zu. Dazu zählten neben der Leipziger Volkszeitung auch deren Unterausgaben sowie die Dresdner Neuesten Nachrichten. Die publizistische und verlegerische Führung lag bei der Madsack Mediengruppe.Dieter Tasch: Zeuge einer stürmischen Zeit: 100 Jahre Verlagsgesellschaft Madsack. Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover 1993, S. 181 ff.

Anfang der 1990er-Jahre stellte die Madsack Mediengruppe durch eine eigene Software P.INK auf digitale Zeitungsproduktion um. 1996 begann die Gesellschaft ihr erstes Nachrichtenangebot im Internet (Madsack On Line)., auf madsack.de, MADSACK Mediengruppe. Mit der Zeit folgten, ergänzend zu den Printangeboten, Angebote im Online-Bereich sowie für mobile Endgeräte.

Darüber hinaus wurden neben dem Printgeschäft weitere Geschäftsfelder aufgebaut, wie z. B. im Post- und Logistikgeschäft mit der Gründung der Citipost (1998) und im Bereich Corporate Publishing mit der Gründung der Madsack Medienagentur (2006).

Mit der Übernahme von Mehrheitsbeteiligungen an der Hitzeroth Druck + Medien GmbH & Co. KG (Marburg, Herausgeber Oberhessische Presse) im Jahr 2002, der Wilhelm Bing Druckerei und Verlag GmbH (Korbach, Herausgeber Waldeckische Landeszeitung, Frankenberger Zeitung) im Jahr 2003 und der Druck- und Pressehaus Naumann GmbH & Co. KG (Gelnhausen, Gelnhäuser Neue Zeitung) im Jahr 2006 weitete die Mediengruppe ihr Wirkungsgebiet auf Hessen aus. Im Januar 2015 verkaufte die Mediengruppe ihre Beteiligungen an der Oberhessischen Presse (Hitzeroth Druck + Medien GmbH & Co. KG) sowie an der Waldeckischen Landeszeitung und Frankenberger Zeitung (Wilhelm Bing Druckerei und Verlag GmbH).Pressemeldung: , auf madsack.de, Madsack Mediengruppe.

Im Jahr 2009 erwarb die Madsack Mediengruppe das größte Beteiligungspaket seit Gründung des Unternehmens. Mit der Übernahme von Regionalzeitungsbeteiligungen der Axel Springer AG ist das Unternehmen nun Mehrheitseigner der Leipziger Volkszeitung, der Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.Madsack kauft Springer-Zeitungen. In: Manager Magazin. Seit 2021 hält die Madsack Mediengruppe 50 Prozent und eine Stimme an der KN-Gruppe, die aus den Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung besteht.Madsack erhöht Beteiligung in Kiel. Lübecker Nachrichten, 8. Juni 2021, S. 30. 2022 erhöhte die Madsack Mediengruppe ihre Beteiligung an dem Nienburger Unternehmen J. Hoffmann GmbH & Co. KG (Tageszeitung DIE HARKE) auf 51 Prozent.

Im März 2010 eröffnete die Madsack Mediengruppe in unmittelbarer Nähe zu Parlament und Kanzleramt am Schiffbauerdamm ihr Berliner Büro. Das Hauptstadtbüro des RedaktionsNetzwerks Deutschland befindet sich mittlerweile im Gebäude der Bundespressekonferenz.

Mit der Eröffnung der ersten Madsack Media Store-Filiale in Hannover hat die Mediengruppe im Oktober 2011 ein neues Einzelhandelskonzept gestartet, mit dem die Leser von Tageszeitungen an die digitalen Produkte der Verlagshäuser herangeführt werden sollen. In den Filialen werden Produktpakete für die mobile Mediennutzung verkauft, bestehend aus redaktionellen Apps, Tablet-PCs und Datenflatrate.WuV: Madsack Media-Store: iPad, Flatrate und App im Paket Das Media-Store-Konzept wurde nach dem Franchise-Prinzip von Verlagen adaptiert, die nicht zur Madsack Mediengruppe gehören (Aachener Zeitungsverlag, Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft).

Mit der Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam GmbH (Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung) von der F. A. Z.-Gruppe übernahm die Madsack Mediengruppe zum 30. Dezember 2011 einen weiteren Regionalverlag aus den neuen Bundesländern.Meedia: In: meedia.de

Im März 2012 verkündete die Madsack Mediengruppe, dass exklusive Inhalte auf den zum Konzern gehörenden Online-Portalen zukünftig nur noch kostenpflichtig angeboten werden (Freemium-Modell). Die Madsack Mediengruppe zählte damit zu den ersten Verlagen, die im Internet auf Paid Content setzen.

Im September 2017 übernahm die Madsack Mediengruppe die Mehrheit an der CleverShuttle Leipzig GmbH. Darüber hinaus schloss das Unternehmen mit CleverShuttle einen Franchisevertrag für bis zu fünf weitere Städte.

Zum 1. Januar 2026 übernahm Madsack die Nordwest Mediengruppe mit den Titeln Nordwest-Zeitung, Emder Zeitung und Anzeiger für Harlingerland.

Konzern-Umbau Madsack 2018 mini|Verlagshaus in Hannover-Bemerode mini|Madsack-Verlagsgebäude, Straßenansicht

Mit der Agenda Madsack 2018 kündigte die Konzernspitze am 2. Oktober 2013 bei einer Führungskräftetagung der Mediengruppe in Hannover einen Umbau des Konzerns an. Eine neue Zentralredaktion, die unter RND RedaktionsNetzwerk Deutschland GmbH firmieren werde, solle laut Geschäftsführer Thomas Düffert „überregionale Inhalte in einer besseren Qualität bieten, als eine einzelne Regionalzeitung sie allein liefern könnte“. Aufbau und Leitung der Zentralredaktion übernehme Matthias Koch, ehemaliger Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Meedia, 7. November 2013.

Die Tageszeitung bezeichnete die Pläne als altbekanntes Sparmodell,Madsack-Gruppe mit Zentralredaktion: Alles aus keiner Hand. In: Die Tageszeitung, 4. Oktober 2013. Michael Konken vom Deutschen Journalisten-Verband sprach von einem „Schlag gegen die Medienvielfalt“. Meedia, 4. Oktober 2013. Der Betriebsrat befürchtete Arbeitsplatzverluste, die Schließung von Standorten, weitere tariffreie Zonen, die Abqualifizierung von Tätigkeiten und gravierende Nachteile für die Beschäftigen.Anne Schneller: Total-Umbau bei Madsack. In: Menschen Machen Medien, Nr. 11/2013.