mini|300px|Leningrad Cowboys auf dem TFF.Rudolstadt 2010 Die Leningrad Cowboys sind eine dreizehnköpfige Band aus Helsinki, Finnland, die vor allem durch ihre musikparodistischen Stücke sowie durch ihr ausgefallenes Äußeres mit „Einhorn“-Frisuren (einer Elvis-Presley-Parodie) und extrem langen, spitz zulaufenden Schuhen bekannt geworden ist.

Entstehung Ursprünglich waren die Leningrad Cowboys eine fiktive Band, die der finnische Regisseur Aki Kaurismäki für seinen Film Leningrad Cowboys Go America (1989) erfand. Das Ensemble setzte er hauptsächlich aus den Mitgliedern einer bestehenden Band, den seit 1975 existierenden, in Finnland sehr bekannten Sleepy Sleepers, die musikalisch dem Punkrock nahestanden, zusammen. Die neun Musiker zu Filmbeginn sind Sakke Järvenpää, Heikki Keskinen, Pimme Korhonen, Sakari Kuosmanen, Puka Oinonen, Silu Seppälä, Mauri Sumén, Mato Valtonen und Pekka Virtanen. Im Lauf der Filmhandlung stößt als zehnter Musiker der „verlorene Cousin“ hinzu, gespielt von Nicky Tesco, dem Gründer der früheren Punkrock-Band The Members.

Die geographische Zuordnung der Band bleibt im Film unklar. Durch den Namen und z. B. den Auftritt eines „sibirischen Parteifunktionärs“ mit rotem Abzeichen sowie durch den Vortrag russischer Volkslieder wird auf eine russische Musikgruppe gedeutet. Trotzdem sprechen alle „Russen“ im Filmoriginal finnisch, solange sie in ihrem Herkunftsland sind.

Nach dem internationalen Erfolg des Films entwickelte die Filmband ein Eigenleben, trat als „Leningrad Cowboys“ auf, brachte Alben heraus und drehte Videos. Aki Kaurismäki drehte 1992 zwei Musikvideos für die Band, Those Were the Days und Thru the Wire (wiederum mit Nicky Tesco). Auch in dem Nachfolge-Spielfilm Leningrad Cowboys Meet Moses (1994) ließ er sie wieder die Hauptrolle übernehmen.

Musikstil und Auftritt mini|Gitarrist mit „Baikonur Girls“ Die Leningrad Cowboys spielen eine Mischung aus Coverversionen bekannter Pop- und Rocksongs und russischen Volksliedern. Einige Eigenkompositionen beschäftigen sich thematisch mit Klischeevorstellungen über die Sowjetunion.

Die Instrumentierung ist ebenfalls eine Mischung aus typischen Rockmusik-Instrumenten wie Schlagzeug, Gitarre und E-Bass sowie traditionellen Musikinstrumenten wie Akkordeon, Tuba, Trompete, Klarinette, Geige und Ukulele. Viele Bandmitglieder spielen mehrere Instrumente, so dass vielfältige Kombinationen eingesetzt werden. Die Arrangements sind bewusst eigenwillig, die Kapelle spielt mit den verschiedensten Stilrichtungen und Tempi, die sie häufig gezielt gegen die traditionelle Spielweise der Stücke stellt. Allein im Film sind neben anderen die höchst unterschiedlichen Stilrichtungen Polka, Rock ’n’ Roll, Country und Mariachi untergemischt. Oft werden die Genres dabei karikiert, die Leningrad Cowboys betätigen sich wesentlich als Musikparodisten. Damit korrespondieren auch die Film- und Bühnenauftritte: Teilweise stehen die Musiker stoisch da, ohne die geringste Miene zu verziehen, teilweise hopsen und albern sie wild herum.

Ebenfalls eine Mischung aus Hommage und Parodie war das Engagement von zwei, mittlerweile auch mehreren Gogo-Tänzerinnen, die seitdem unter dem Namen „Baikonur Girls“ die Auftritte ergänzen. Ihre Kleidung und Frisur soll an die Sowjet-Mode der 1960er Jahre erinnern.

2013 widmete die Anime-Serie „Danganronpa“ den Leningradcowboys eine Figur. Diese trägt die typische Frisur der Leningrad Cowboys und wird in der ersten Folge auch als solcher betitelt.

Zusammenarbeit mit dem Alexandrow-Ensemble Aufsehen erregte die Zusammenarbeit der Leningrad Cowboys mit dem Chor- und Tanz-Ensemble der Sowjetarmee, mit dem sie zahlreiche Rock-Klassiker wie Stairway to Heaven und Yellow Submarine interpretierten. Von dem gemeinsamen Open-Air-Konzert Total Balalaika Show vor 70.000 Zuschauern auf dem Senatsplatz in Helsinki am 12. Juni 1993 drehte Aki Kaurismäki, in Umkehrung der ursprünglichen Verhältnisse nun Dokumentarfilmer der Band, einen 54-minütigen Film. Die Mitglieder der Leningrad Cowboys in diesem Film werden angegeben als Twist-Twist Erkinharju, Ben Granfelt, Sakke Järvenpää, Sakari Kuosmanen, Jore Marjaranta, Ekke Niiva, Pemo Ojala, Silu Seppälä, Mauri Sumén und Mato Valtonen. Die ursprünglich nur für den Auftritt konzipierte Show wurde mit finanzieller Unterstützung finnischer Unternehmen sogar auf Tournee gebracht.

Diskografie

mini|Sänger Tuomas Uusitalo als „Rock Lobster“ Studioalben 1988: 1917–1987 1989: Leningrad Cowboys Go America (Filmmusik) 1992: We Cum from Brooklyn (FI: ) 1994: Happy Together (Coveralbum) 1996: Leningrad Cowboys Go Space 1997: Mongolian Barbecue 2000: Terzo Mondo 2006: Zombie’s Paradise 2011: Buena Vodka Social Club 2013: Merry Christmas 2025: Feliz Navidad (Christmas Gift)

Live-Alben / Kompilationen 1993: Live in Prowinzz 1993: Total Balalaika Show (mit The Alexandrow Red Army Ensemble, FI: ) 1999: Thank You Very Many (Kompilation) 2000: Go Wild (Kompilation) 2003: Global Balalaika Show 2009: Those Were the Days – The Best of Leningrad Cowboys (Kompilation) 2014: Those Were the Hits

Singles 1987: L.A. Woman 1992: Thru the Wire 1993: These Boots 1993: Those Were the Days 1996: Jupiter Calling 1996: Where’s the Moon 1999: Mardi gras ska 2000: Monkey Groove / Harem 2000: Happy Being Miserable 2006: You’re My Heart, You’re My Soul

Filmografie Spielfilme 1989: Leningrad Cowboys Go America 1994: Leningrad Cowboys Meet Moses

Konzertfilme 1993: Total Balalaika Show 2003: Global Balalaika Show

Kurzfilme 1986: Rocky VI 1987: Thru The Wire 1988: L.A. Woman 1991: Those Were The Days 1992: These Boots

Weblinks

Offizielle Website der Band (englisch) Offizielle Facebook Bandseite (englisch) Offizielle YouTube Bandseite (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Rockband Kategorie:Finnische Band Kategorie:Coverband Kategorie:Band (Helsinki)