mini|Alte Mühle mini|Plane an der Neuen Mühle

Das Straßendorf Gömnigk ist ein Gemeindeteil der Stadt Brück im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark. Der Ort mit etwa 250 EinwohnernAls Gemeindeteil von Brück finden für Gömnigk keine gesonderten Zählungen mehr statt. Laut Telefonat vom 31. Juli 2006 schätzt das Meldeamt Brück die Einwohnerzahl von Gömnigk auf rund 300. Diese Zahl korrespondiert in etwa mit der genauen Zählung aus dem Jahr 1900 mit 245 Einwohnern. liegt im Naturpark Hoher Fläming am Fläminghauptfließ Plane. Der Fluss trieb in dem landwirtschaftlich geprägten Dorf zwei Wassermühlen an. Das 1251 erstmals erwähnte Gömnigk liegt in einem Gebiet, um dessen Besitz Sachsen und Brandenburg bis 1815 stritten.

Da einige mittelalterliche Geschichtsabschnitte Gömnigks mit umfangreichem Quellenmaterial gut dokumentiert sind, lassen sich am Beispiel des Dorfes ländliche Entwicklungslinien in der Mark Brandenburg nachzeichnen. Dazu gehören Veränderungen in der ländlichen Sozialstruktur, die Auswirkung von Bränden auf die Fortschritte im Haus- und Hofbau und die Mühlengeschichte. Die Geschichte der Dorfschule enthält bewahrenswerte Aspekte zur Pädagogik im 19. und 20. Jahrhundert und zur finanziellen Ausstattung der Lehrer in dieser Zeit. Zudem verfügt Gömnigk über eine mittelalterliche Feldsteinkirche mit einem Fachwerk-Giebelturm.

Lage und naturräumliche Einbindung Nachbardörfer und Verkehrsanbindung Der Ort liegt zwischen dem Brücker Vorort Rottstock im Nordosten und dem rund zwei Kilometer entfernten Bad Belziger Ortsteil Neschholz im Südwesten. Längs durch den Ort verläuft die Bundesstraße 246. In unmittelbarer Nachbarschaft schließt sich nordwestlich das Dorf Trebitz an, das als Gemeindeteil gleichfalls zu Brück gehört. Fünf Kilometer östlich liegt neben der Autobahn 9 der Ortsteil Linthe der gleichnamigen Gemeinde.

mini|links|Pharus-Plan von 1903; noch ohne Autobahn A 9 Rund einhundert Meter westlich von Gömnigk führt durch Trebitz die Trasse der Wetzlarer Bahn, der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Dessau. Stündlich verkehrt der Regional-Express (RE 7) nach Berlin und Bad Belzig und zweistündlich nach Dessau (von Bad Belzig). Die nächsten Haltepunkte liegen in Brück oder bei Baitz.

Planetal Gömnigk befindet sich am östlichen Rand innerhalb des Naturparks Hoher Fläming. Westlich des Dorfes fließt die Plane in die Belziger Landschaftswiesen. mini|230px|Planetal bei Gömnigk Der Fluss durchschneidet bei Trebitz/Gömnigk eine kleine Hügelkette des Belziger Vorfläming, die das Baruther Urstromtal von acht Kilometern im Bereich der Belziger Landschaftswiesen auf drei Kilometer im Durchlass bei Brück verengt. Westlich des Planetals und von Gömnigk erhebt sich die Hügelkette mit dem Fuchsberg (64 Meter) und dem Räuberberg (68 Meter) rund 20 Meter über das Höhenniveau der Landschaftswiesen beziehungsweise der Urstromtalung, das zwischen 40 und 44 Metern NN schwankt. Den westlichen Teil des kleinen Plateaus bedeckt die Neschholzer Heide, die weiter westlich an das Tal des Streckerbachs und Baitzer Bachs grenzt.

Nach Norden zieht sich zwischen Trebitz und Brück ein Waldgebiet in leicht erhöhter Lage an der Kleinen Plane entlang. Nach Südosten erstreckt sich jenseits des Planetals ein leicht welliges Plateau mit dem Waldgebiet Oberheide bis zur Autobahn bei Linthe. Wie die Neschholzer Heide weist auch diese Erhebung eine Höhe von knapp 70 Metern auf.

Etymologie und Entwicklung der territorialen Zugehörigkeit Etymologie Die erste überlieferte schriftliche Erwähnung von Gömnigk stammt aus dem Jahr 1251 als Gomenik. Bereits 1596 findet sich die heutige Schreibweise Gömnigk, die laut Reinhard E. Fischer mundartlich Jöömelick, Jöömlick mit langem offenen ö gesprochen wird. Den Namen leitet Fischer aus dem slawischen Gum’n-k ab, […] das ursprünglich »Tenne« bedeutete, aber in den slawischen Sprachen unterschiedliche Bedeutungen entwickelt hat, z. B. im Niedersorbischen »Garten, besonders der Obstgarten hinter der Scheune«, im Polnischen »Scheune«.Theo Engeser, Konstanze Stehr: Ev. Dorfkirche Gömnigk.online. Der Abschnitt zur Dorfkirche beruht komplett auf dieser Darstellung.Reinhard E. Fischer, Jürgen Neuendorf, Joachim Reso: Rund um Belzig. Orts- und Flurnamen, Findlinge und Bäume, Bäche und Teiche. In: Förderkreis Museum Burg Eisenhardt Belzig e. V. (Hrsg.): Buch 4 zur Stadtgeschichte. 1997, S. 19.

1251: Klosterbesitz in Sachsen mini|230px|Klosterruine Lehnin, Gemälde von Eduard Gaertner, 1858 Die angegebene Ersterwähnung Gömnigks befindet sich in einer Schenkungsurkunde, die das Regestenverzeichnis des Klosters Lehnin am 6. August 1251 notierte. Danach erhielten die einflussreichen Zisterziensermönche aus der benachbarten märkischen Zauche die Wassermühle Gömnigk (molendinum Gomenik) am Planezufluss zu den Belziger Landschaftswiesen mit den zugehörigen Gewässern von Graf Bederich von Belzig zum Geschenk. Der Eintrag lautete: „Schenkung Graf Bederichs v. Belzig: eine Mühle bei Rottstock auf dem Fluß Plane mit allen Gewässern bis zum Dorf Trebegotz“Zitat aus der Übersetzung des Regestenverzeichnisses von Warnatsch (Trebegotz = Trebitz). Damit dehnten die Mönche aus der märkischen Zauche ihren Einflussbereich bis ins zu dieser Zeit bereits Sächsische aus und versuchten damit gezielt, den Landesausbau und die Siedlungspolitik der brandenburgischen askanischen Markgrafen zu stützen.

Rund hundert Jahre zuvor, im Jahr 1157, hatte der Askanier Albrecht der Bär nach einem entscheidenden Sieg über den Slawenfürsten Jaxa von Köpenick die Mark Brandenburg gegründet. Allerdings konnten die Brandenburger den Landstrich um Belzig nicht lange halten und mussten ihn trotz Unterstützung durch das Kloster Lehnin dem Erzbistum Magdeburg beziehungsweise der Markgrafschaft Meißen überlassen. Der Weg von Brück über Gömnigk nach Belzig war von hoher strategischer Bedeutung, denn die Enge im sumpfigen Baruther Urstromtal stellte einen begehrten Übergang von der Zauche zum Belziger Vorfläming dar. Handelswege und eine Heerstraße, die eine nicht mehr vorhandene Burg in Brück sicherte, führten hier entlang.

mini|230px|Plane und sächsischer Kurkreis, 1554–1815

Zurück nach Brandenburg ab 1815 Bis zum Wiener Kongress im Jahr 1815 bildeten die Belziger Landschaftswiesen die Grenze zwischen dem Königreich Sachsen und der Mark Brandenburg. Erst mit dieser Konferenz aller politischen Mächte Europas nach der Niederlage des napoleonischen Frankreichs fiel der nördliche Teil des sächsischen Kurkreises und damit auch Gömnigk endgültig an Preußen und zurück an Brandenburg. Eine Kursächsische Postmeilensäule steht noch heute als beredtes steinernes Zeugnis der sächsischen Vergangenheit in Brück.

Rechtsprobleme, die der Übergang von Sachsen nach Preußen bereitete, sind in vielen Gömnigker Dokumenten abzulesen. So war beispielsweise zu klären, ob die Gestaltung der Erbauseinandersetzung um die Gömnigker Schmiede im Jahre 1821 noch nach den Königlich-Sächsischen allgemeinen Landesgesetzen oder nach den Vorschriften des Preußischen Landrechts erfolgen sollte, da der Witwer die Erblasserin im Jahre 1816, mithin nach der vom Russischen Gouvernement unter dem 24. Mai 1814 erfolgten und § 10 des Publikations-Patents zum Landrecht bestätigten Aufhebung der vormals hier geltend gewesenen Statutarischen Rechte zu Zinna geheiratet hatte. Die Wahl blieb dem Schmied überlassen.BLHA (Brandenburgisches Landeshauptarchiv) Rep. 5E Amtsgericht Belzig Grundakte Gömnigk, Bl. 10, zitiert nach: Torsten Hartisch: 750 Jahre Gömnigk … S. 50 (Groß- und Kleinschreibung wurde von Hanisch angepasst) (statutarisch = satzungs-, ordnungsgemäß) Auch Zahlungsregelungen spiegeln die Übergangszeit wider. So bezahlte 1816 der Käufer ebendieser Schmiede 140 Taler in Sächsischem Gelde und 200 Taler in Preußischen Courant.

Eingemeindung Gömnigk wurde am 1. Februar 1974 nach Brück eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt

Entwicklung der Höfe und Sozialhierarchie Erste Zählungen Ungefähr bis zum Jahr 1496 gehörte Gömnigk zur Vogtei Brück und kam um 1500 zum Amt Belzig und später zum Amt Belzig-Rabenstein. mini|230px|Dorfstraße 9, ehemaliges Hüfnergut/Stammgut Nr. 11 mini|230px|Dorfstraße 14, ehemaliges Kossätengut Nr. 7 mini|230px|Dorfstraße 25,24,23 (von links), ehemalige Büdnergüter (Kolonistenhäuser) Nr. 32,33,35 Erste Angaben über die Zahl der Einwohner finden sich in einer Auflistung aus dem Jahr 1496, die im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar liegt. Wie zu dieser Zeit üblich erfasste die Zählung die Namen der Hof- beziehungsweise Hausbesitzer und Hirten. Frauen und Kinder oder auch etwaige Knechte oder Mägde wurden nicht gelistet. Danach gab es 1496 achtzehn Höfe. Neben Familiennamen ohne Vornamen, die wie Der Schulte, Der Hirte oder Der Moller aus der Berufsbezeichnung stammen, verzeichnet die Aufstellung Namen wie Hans Nilius oder Symon Mauritz.Torsten Hartisch: 750 Jahre Gömnigk … S. 8. Einige Jahre später differenziert das Erbbuch des Amtes Belzig-Rabenstein von 1500/1506 die achtzehn Grundstücke in acht Hüfnergüter und zehn Kossätengüter. Danach hatte das Dorf mit dem Hüfner Jorge Lobze einen eigenen Richter und mit dem Kossäten Smith [Schmied] Michael Merten jetzt Jordan einen Schmied.BLHA Rep. 7 Amt Belzig-Rabenstein Nr. 72a, zitiert nach: Torsten Hartisch: 750 Jahre Gömnigk … S. 8.

In der dörflichen Sozialhierarchie standen die Hüfner als Vollbauern und Besitzer eines ganzen Hofes und Ackerland von rund 30 Morgen an der Spitze – ihre Ausstattung mit Land und Vieh sollte so bemessen sein, dass sich eine Bauernfamilie vom eigenen Land ernähren konnte. Die Kossäten besaßen einfache, kleine Höfe oder Kotten und knapper bemessenes Land, dessen Erträge in der Regel nicht zum Lebensunterhalt reichten, sodass sie Nebentätigkeiten annahmen oder von vornherein beispielsweise als Handwerker oder Hirten, später auch als Lehrer einen Hauptberuf abseits des Ackerbaus hatten. Hüfner und Kössäten gemeinsam sind in alten Dokumenten oft auch als Beseßener Mann bezeichnet. Unter den Kossäten standen die Büdner (Häusler, Kolonisten), die in den Gömnigker Quellen ab 1747 gesondert verzeichnet sind. Die Kleinstbauern besaßen zwar oft ein eigenes kleines Haus, aber sehr wenig Land und auch selten eigenes Vieh. Da sie in der Regel im Zuge der Kolonistenströme in strukturierte Dorfgemeinschaften mit weitgehend vollzogener Aufteilung des vorhandenen Landes stießen, verdingten sie sich in der Regel als Tagelöhner und versuchten, als Lehrer, Hirten oder im Kleinsthandwerk ein Auskommen zu finden (allerdings gab es für Kolonisten auch komplette Neugründungen wie beispielsweise das Dorf Freienthal in den Jahren 1754 und 1756 einige Kilometer planeabwärts als Weberkolonie). Mit den Aufteilungen und Teilverkäufen großer Höfe im 19. Jahrhundert bekamen auch die Häusler die Möglichkeit, in größerem Umfang Land zu erwerben.

Für das Jahr 1550 sind insgesamt 24 Hufen verzeichnet, wobei in dieser Angabe sehr wahrscheinlich auch Bolzer Hufen enthalten sind – allerdings bleibt der Begriff Bolzer Hufen unklar. Die Abgaben des Dorfes gingen unter anderem an das Gut Sandberg, das mit einem Teil des gleichnamigen Dorfes Sandberg, der unterhalb der Burg Eisenhardt begann und bis zu Jaegers Hintermühle reichte, 1914 nach Belzig eingemeindet wurde. Ein anderer Abgabenteil kam der Familie von Hake, die hauptsächlich in Kleinmachnow saß, zugute.