mini|Apostelkirche mini|Blick zum Altar Die Evangelische Apostelkirche in Bocholt gehört zum zweiten Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Bocholt. Die Kirchengemeinde umfasst 7650 Gemeindeglieder und ist eine Kirchengemeinde im westlichen Münsterland. Die Evangelische Kirchengemeinde Bocholt gehört zur Evangelischen Kirche von Westfalen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken.

Das Gemeindezentrum der Apostelkirche bildet auf einer Fläche von 8948 Quadratmetern mit der Apostelkirche im Osten, dem Pfarrhaus im Süden, dem Kindergarten mit Spielplatz im Westen und dem Gemeindesaal mit Tagesstätte im Norden ein in sich abgerundetes Zentrum. Von den Gebäuden umrandet befindet sich im Zentrum des Geländes die Gemeindewiese. Hinter der Apostelkirche erstreckt sich im Osten das Gebäude der alten evangelischen Volksschule, der damaligen „Melanchthonschule“. Seit 2008 wird dieses Gebäude als ein Zweig der Biemenhorster Schule, einer katholischen Grundschule, genutzt.

Geschichte Der Bau der Apostelkirche war eine Folge des Ausgangs des Zweiten Weltkriegs. Die Bevölkerung deutscher Abstammung aus dem osteuropäischen Raum wurde aus ihrer Heimat vertrieben.

Die Stadt Bocholt, zum Ende des Krieges fast völlig zerstört, musste ebenfalls zu ihrem Teil die Vertriebenen und Flüchtlinge aufnehmen. Der Anteil der evangelischen Bevölkerung wuchs. Gab es in Bocholt 1939 mit dem Gemeindeteil Rhede rund 2300 evangelische Gemeindemitglieder, so war der Anteil im Jahre 1963 auf 7700 Gemeindemitglieder angewachsen. Schon im Jahre 1951 wurde es notwendig, eine zweite Pfarrstelle einzurichten. Unter dem Zustrom immer neuer Menschen dehnte sich das Siedlungsgebiet ständig aus und machte auch an den (alten) Stadtgrenzen Bocholts keinen Halt. In den zur Kirchengemeinde gehörenden Teilen des Amtes Liedern-Werth, den Ortschaften Biemenhorst, Mussum, Teilen von Lankern und Lowick wurde ebenfalls viel gebaut. Im Sommer 1958 konnte mit dem Bau des Pfarrhauses an der Elbestraße begonnen werden, nachdem man vom Bocholter Bauverein das Gelände Gemarkung Bocholt, Flur 53, Grundstück Nr. 147 in der Größe von 8948 Quadratmetern erworben hatte. Der Auftrag für den Bau des kirchlichen Gemeindezentrums wurde als Ergebnis eines im Jahre 1960 von der Stadt Bocholt und der Kirchengemeinde ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs erteilt. Es ging um die Errichtung eines Zentrums Kirche und Schule. Am 12. Juli 1960 entschied ein Preisgericht aus Vertretern der Kirche, der Stadt und einigen Fachleuten über die eingereichten Entwürfe. Den ersten Preis erhielt einstimmig die Architektengemeinschaft Hübotter – Ledeboer – Busch (Peter Hübotter, Bert Ledeboer und Egon Busch) in Hannover, den zweiten Preis erhielt Peter Poelzig in Duisburg.Die Fotos der Modelle des Architektenwettbewerbs sind abgedruckt in: Unser Bocholt, Heft 1, Jahrgang 1961.

Die Kirche und die nach den Plänen von Poelzig gleichzeitig im Bau befindliche evangelische VolksschuleDie Urkunde der Schule, die den Namen Melanchthonschule trägt, lautet wie folgt: „Mark. 10/14: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Himmelreich.“ „Aus der gemeinsamen Erkenntnis der Verantwortung im christlichen Glauben haben die Stadt Bocholt und die Evangelische Kirchengemeinde die Planung und Vorbereitung zum Neubau der evangelischen Kirche und Schule am Rosenberg im Einvernehmen durchgeführt. In Abstimmung mit der Architektengemeinschaft Hübotter/Ledeboer und Busch in Hannover, die die Kirche baut, errichtet Prof. Peter Poelzig aus Duisburg die Schule. Die örtliche Bauleitung hat der Bocholter Architekt Paul Merkel. Wir bitten Gott, daß er die Lehrer dieser Schule mit dem heiligen Geist erfülle, damit sie zusammen mit Kirche und Elternhaus die Kinder in christlicher Geduld, Liebe und Zucht erziehen. Schule, Elternhäuser, Kirche und unsere ganze Stadt befehlen wir der Gnade Gottes. Bocholt, den 22. Juni 1962“. sollten das kulturelle Zentrum des Stadtteiles um den Rosenberg bilden. Turm und Kirchenschiff mit ihren steilen Kupferdächern gaben den baulichen Mittelpunkt.

Am 20. Oktober 1961 beschloss das Presbyterium, die zweite evangelische Kirche in Bocholt am Rosenberg nach den Plänen der Architektengemeinschaft Hübotter – Ledeboer – Busch bauen zu lassen.

Am 12. Januar 1962 begann die erste Tätigkeit auf dem Baugelände. Am 22. Juni fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die feierliche Grundsteinlegung für die Kirche und die Schule statt durch den Superintendenten Brune aus Emsdetten.

Die Evangelische Apostelkirche wurde am 8. Dezember 1963 in Bocholt durch Militärbischof Hermann Kunst geweiht.Ein Auszug aus der Predigt des Militärbischofs zur Weihe der Apostelkirche vom 2. Advent 1963 findet sich in: Unser Bocholt, Zeitschrift für Kultur- und Heimatpflege, Heft 1, Jahrgang 1964, S. 16–17. Sie bildete damit die zweite Kirche innerhalb der Kirchengemeinde neben der Christuskirche an der Münsterstraße.

Kirche und Turm wurden im ersten Bauabschnitt (1963–1964) vollendet. Der Gemeindesaal (1969), der Kindergarten (1966) und Wohnungen für Gemeindeschwester und Kindergärtnerinnen (1966) wurden in den Folgejahren errichtet.

Im Jahre 2003/2004 wurde das Flachdach auf den Gebäuden des Gemeindezentrums durch ein flaches Walmdach mit nur 14 Grad Neigung ersetzt.

Am 18. Januar 2007 beschädigte der Orkan Kyrill die Kirchturmspitze der Apostelkirche. Das Kugelkreuz drohte herunter zu fallen und Teile des Kupferbleches hatten sich am Kirchturm gelöst. So wurde im Sommer 2007 die Kupferverkleidung des Kirchturmdaches zum Teil erneuert. Dabei ließ man auch das Kugelkreuz zur Reparatur herab. Die Kugel des Kreuzes wurde zu diesem Anlass geöffnet. In der Kugel befand sich ein Neues Testament, das Pfarrer Meier bei der Einweihung des Turmes in die Kugel gelegt hatte. Die Kugel des Kreuzes bekam zu diesem Anlass eine neue Goldverzierung. Das Neue Testament wurde gesichtet und befindet sich seitdem wieder in der Kugel des Kreuzes an der Spitze des Kirchturms.Vergleiche die Zeitungsartikel im Bocholter-Borkener Volksblatt vom 22. Juni 2007 und 20. Juli 2007

Architektur Das Kirchenschiff steht frei, nur der flache Anbau an der Nordseite, in dem die Nebenräume untergebracht sind, ist mit dem Turm und auch mit dem Gemeindehaus durch offene überdachte Gänge verbunden. In seiner Architektur soll die Kirche an eine westmünsterländische Bauernscheune beziehungsweise an den Stall zu Bethlehem erinnern.

Von der niedrigen Vorhalle im Anbau betritt man die Kirche und erlebt so die räumliche Steigerung zu dem hohen, doch bergenden Kirchenschiff. Im Zusammenklang strahlen die Schalung aus Fichtenholz unter dem Dach zusammen mit dem weißen Mauerwerk und dem Fußboden aus roten Ziegelplatten in ihrer Einfachheit Ruhe aus.

Zur Grundidee des Kirchenraums heißt es: „Der durch die Mittelachse bestimmte Kirchenraum zeigt eine Fülle von feinen Asymmetrien und eine durch die Schrägen der Dachbalken jede Starrheit vermeidende Haltung. Die vier Hauptstücke, der Altar, der Taufstein, der Radleuchter (Jerusalem-Leuchter) und die Orgel sind auf die Mittelachse ausgerichtet.“Unser Bocholt, Heft 1/1968, S. 6.

Beim Betreten der Kirche wird man unmittelbar an dem Taufbecken vorbeigeführt. Es steht auf der Westseite unter der Orgel- und Chorempore, die den Taufbezirk überdacht und einen gesonderten Raum innerhalb des Kirchenschiffes bildet. Das Tauffenster im Westgiebel mit der Darstellung der Jona-Erzählung gibt diesem Raum eigenes Licht und Gepräge. Beim Einzug in die Kirche wie beim Auszug wird an dieser Stelle zum Taufgedächtnis aufgefordert.

Das von oben durch das Dach einfallende Licht, die zwölf farbigen Fenster in der Südwand und das schmale Lichtband auf der Nordseite führen den Besucher zum Altar. Er steht erhöht vor dem Ostgiebel des Kirchenschiffs. Den Altarraum krönt ein Bild des himmlischen Jerusalem in Form eines mit Kerzen und Edelsteinen geschmückten Leuchters.

Konstruktion und Baustoffe sind so ausgewählt, dass sie dem Entwurfsgedanken entgegenkommen. Das große Holzdach der Kirche wird allein von den Bindern getragen. Das Fichtenholz der Binder, Emporenstützen und Schalungen ist unbehandelt. Es hat im Laufe der Zeit die schöne Färbung alten Holzes bekommen. Die den Raum auf drei Seiten umschließenden massiven Wände bestehen aus Kalksandsteinmauerwerk. Die vierte Wand wird durch die Holzwand des Kirchenanbaus gebildet, der in Fachwerkkonstruktion errichtet ist. Die hier verwendete Außenschalung besteht aus sehr widerstandsfähigem sägerauem Lärchenholz.

Technische Daten Das Kirchenschiff mit einer Länge von 28 Meter und einer Breite von 14,75 Meter nimmt in festen Kniebankreihen 260 Besucher auf. Auf den Bänken an den Seitenwänden finden noch etwa 50 Personen Platz; zusätzlich können etwa 200 Stühle aufgestellt werden.

Der Raum misst bis zur Höhe des Firstes 11 Meter. Er hat einen Inhalt von etwa 2900 Kubikmetern. Verhältnismäßig klein ist die Fläche der belichtenden Fenster mit etwa 14,5 Quadratmeter (oder 3,5 Prozent der Grundfläche des Raumes). Hierzu zählen die Dachgauben auf der Südseite und das Lichtband über dem Anbau, während das Tauffenster, die farbigen Betonglasfenster und die Altarfenster von liturgischer Bedeutung sind. Die Kirche wird durch Warmluft geheizt, und zwar über ein Warmwasserregister, das von der zentralen Heizungsanlage im Gemeindehaus versorgt wird. Die Orgel wurde erbaut von Gustav Steinmann aus Vlotho.

Die Bauführung lag in den Händen von Paul Merkel, Bocholt, und Imke Jansen, Bocholt. Den Jerusalemsleuchter, das Tauffenster und die zwölf Betonglasfenster entwarf Franz Rickert aus München. Das Kruzifix und die Apostelleuchter auf dem Altar sowie die Reliefs an der Kirchenaußentür fertigte Arnold Rickert aus Bielefeld an. Er entwarf auch den Altar und die Taufe. Sein Sohn, der Tischlermeister Dietrich Rickert aus Bielefeld, baute Kanzel und Lesepult und entwarf das Gestühl. Die Heizungsanlage wurde von Fritz Heitmüller aus Hannover ausgearbeitet, die statische Berechnung lieferte Frederick Schroeder aus Hannover. Für die Planung aller gärtnerischen Anlagen wurde von Kirchengemeinde und Stadt Wilhelm Hübotter aus Hannover beauftragt.

Kunstgegenstände Kirchentür Die Tür zeigt zwei bildliche Bronzereliefs, die beide eine Berufungsszene darstellen. Die erste Darstellung ist die Berufung des Mose am Berg Horeb, wo ihm aus dem brennenden Busch die Stimme Gottes zuteilwird, die ihn anweist, das Volk Gottes aus dem Land Ägypten zu führen. Die andere Darstellung ist die Fußwaschung der Jünger durch Jesus. In ihr beruft Jesus seine Jünger zum Dienst in der Nächstenliebe. Beide Berufungen gelten beim Betreten der Kirche als Vorbilder: Die Berufung zur Sammlung und die Berufung zum Dienst der brüderlichen Liebe am Nächsten.

Taufstein Der Taufstein ist rund und aus Basaltlava gefertigt. Auf dem kupfernen Grund der großen Taufschale sieht man das Bild des heiligen Geistes, die Taube in silbriger Verzinnung.

Tauffenster mini|Tauffenster in der Apostelkirche zu Bocholt Jona und der Walfisch. Franz Rickert, 1962 Fenster am Taufstein, Betonglas/Antikglas/Blei

Der Bildinhalt dieses Fensters steht in Beziehung zum Sakrament der Taufe, der Darstellung liegen die Bibelstellen Jona 2,1.2.11 und Jona 3,1+2 zugrunde: „Aber der Herr verschaffte einen großen Fisch Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leib des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem Herrn, seinem Gott, im Leibe des Fisches. Und der Herr sprach zum Fische, und derselbe spie Jona aus ans Land. Und es geschah das Wort des Herrn zum andern Mal zu Jona und sprach: Mache dich auf, gehe in die große Stadt Ninive und predige ihr die Predigt, die ich dir sage.“