Die America (CV-66) war ein im Januar 1965 in Dienst gestellter Flugzeugträger der United States Navy. Sie gehörte der aus vier Einheiten bestehenden Kitty-Hawk-Klasse an, die in den Jahren 1961 bis 1968 fertiggestellt wurde. Den ersten aktiven Einsatz hatte das Schiff 1967 während des Sechstagekrieges. Die America verbrachte einen Großteil ihrer aktiven Dienstzeit im Atlantik- und Mittelmeerraum, nahm aber auch an drei Einsätzen während des Vietnamkriegs teil, bei denen ihre Bordflugzeuge an mehreren Luftangriffen beteiligt waren. In den 1970er und 1980er Jahren folgten Operationen in Krisengebieten wie dem Libanon und Libyen. Während des Zweiten Golfkriegs war die America Teil der Operationen Desert Shield und Desert Storm.
Als erste Einheit der Kitty-Hawk-Klasse wurde das für seine Verdienste vielfach ausgezeichnete Schiff 1996 nach 31 Dienstjahren ausgemustert und in die Reserveflotte verlegt, wo es insgesamt 9 Jahre verbrachte. Trotz Versuchen, die America als Museumsschiff zu erhalten, wurde der Träger im Mai 2005 nach mehrwöchigen Waffentests versenkt. Die America ist das größte jemals versenkte Kriegsschiff.
Technik
Die America hatte eine Rumpflänge von 302 Meter, das Flugdeck war 319 Meter lang. Die Rumpfbreite betrug 39,36 Meter, während das Flugdeck an seiner breitesten Stelle 76,8 Meter maß. Das Schiff verfügte wie die meisten großen Flugzeugträger über ein Flugdeck in Winkelbauweise, also mit aus der geraden Achse heraus abgewinkelten Start- und Landebahnen. Der darunter befindliche Hangar konnte nach unterschiedlichen Angaben zwischen maximal 75 und 85 Flugzeuge sowie Hubschrauber aufnehmen, die über vier Aufzüge auf das obere Deck transportiert wurden. Aufzug eins und zwei befanden sich auf Höhe des Flugzeugkatapults am Bug des Trägers, Nummer drei beim Kommandoturm und Nummer vier auf Höhe des Heckkatapults.Brad Elward: US Cold War Aircraft Carriers: Forrestal, Kitty Hawk and Enterprise Classes. Bloomsbury Publishing, London 2014, ISBN 978-1-4728-0777-9, S. 27.
Die America besaß im Gegensatz zu den heutigen Flugzeugträgern der United States Navy keinen nuklearen Antrieb. Acht Dampfkessel trieben vier Getriebeturbinen an, die auf vier Schraubenwellen wirkten. Bei einer Leistung von 280.000 shp erreichte der Träger so eine Höchstgeschwindigkeit von über 30 Knoten. Bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 20 Knoten konnte die America mehr als 9.000 nautische Meilen zurücklegen, ohne dabei neuen Treibstoff zu bunkern.
Neben den im Laufe der langen Dienstzeit wechselnden Fluggeräten verfügte das Schiff über eine eher defensive Bewaffnung. Die RIM-2-Terrier-Raketen und die später ausgerüsteten RIM-7-Sea-Sparrow-Raketen dienten als Flugabwehrsysteme, während die Phalanx-CIWS-Kanonen ergänzend zur Verteidigung des Nahbereichs zum Einsatz kamen. Durch diese eher schwache Bewaffnung reiste die America so wie fast alle Flugzeugträger der United States Navy zumeist mit anderen Schiffen in Flugzeugträgerkampfgruppen, die den Träger vor möglichen Angriffen schützen sollten.
Name und Insigne mini|links|hochkant|Insigne der USS America Die America war das dritte Schiff dieses Namens in der United States Navy. Aufgrund des Namens besaß der Träger einen hohen symbolischen Stellenwert in der Navy. Der Name America war zuvor mehr als vierzig Jahre lang nicht vergeben worden. Zuletzt erhielt im Jahr 1917 der bis 1920 eingesetzte Truppentransporter USAT America (gebaut als Passagierdampfer Amerika der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft) diesen Namen.
Die Insigne der America ist schwarz und hat eine goldene Umrandung, in welcher der Schriftzug United States Ship America steht. Hauptthema der Insigne ist der Seefahrer John Paul Jones, nach dem mehrere Schiffe der United States Navy benannt wurden. Das Innere der Insigne zeigt zwei Hirschkopffische, welche die lebenslange Verbundenheit Jones zur See und dem Marinedienst symbolisieren sollen. Der linke Hirschkopffisch trägt ein Schild mit einem weißen Stern zur Symbolik der Vereinigten Staaten, während das Schild am rechten Hirschkopffisch mit dem Fleur-de-Lys Frankreich darstellen soll, wo Jones längere Zeit gedient hatte.
Beide Hirschkopffische tragen ein Schild, in dem zwei Pfeilspitzen und eine Schlange abgebildet sind. Die Pfeilspitzen stehen für die Verbindung zwischen See- und Luftwaffe in Form des Flugzeugträgers. Die Schlange wiederum war ein beliebtes Symbol in der Kontinentalarmee, besonders auf den Flaggen ihrer Schiffe. Das über dem Schild befindliche Segel mit der US-amerikanischen Flagge symbolisiert die Schlacht John Paul Jones auf der Bonhomme Richard im Kampf gegen die britische Serapis. Das ebenfalls in der Insigne enthaltene Motto der America lautete „Don’t Tread On Me“, ein Zitat von John Paul Jones.
Das Kürzel CV-66 ist eine Kennung der US Navy für Flugzeugträger. Das „C“ steht dabei für „cruiser“ (englisch für „Kreuzer“), das „V“ für eine Klasse von Luftfahrzeugen. Die Kennung CV bekommt ein Fahrzeug mit der Aufgabe, Starrflügelflugzeuge zu tragen. Die auch im militärischen Sprachgebrauch anzutreffenden Deutungen „Carrier Vessel“ oder „Carrier Vehicle“ sind nicht korrekt. Die Zahl 66 steht für den 66. in Auftrag gegebenen Flugzeugträger.
Planung und Bau mini|hochkant|Die USS America während der Bauphase, 1961 Im November 1960 wurde der Auftrag über den Bau der America vergeben. Ursprünglich war das Schiff als Schwesterschiff der nuklear betriebenen Enterprise geplant. Aufgrund zu hoher Kosten wurde das jedoch verworfen und der neue Träger als dritte Einheit der Kitty-Hawk-Klasse mit herkömmlichem statt nuklearem Antrieb gebaut.James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. Jefferson 2016, S. 8
Am Neujahrstag 1961 wurde der Kiel des Trägers bei Newport News Shipbuilding gelegt. Da Schiffe dieser Größe nicht mehr konventionell vom Stapel laufen können, wurde die Taufzeremonie am 1. Februar 1964 beim erstmaligen Aufschwimmen im gefluteten Baudock vorgenommen. Taufpatin war Catherine McDonald, die Gattin des Admirals und damaligen Chief of Naval Operations David L. McDonald. Nach über drei Jahren im Trockendock wurde das Schiff in die Norfolk Naval Shipyard überführt und dort am 23. Januar 1965 von der United States Navy offiziell in Dienst gestellt. Erster Kommandant der America war Konteradmiral Lawrence Heyworth junior (1921–2003).
Der Träger blieb noch bis zum 15. März 1965 zu Ausrüstungszwecken in der Norfolk Naval Shipyard und lag anschließend zehn Tage lang für Übungen in den Hampton Roads. Weitere Probefahrten führten das Schiff anschließend zu den Virginia Capes in der Chesapeake Bay, wo unter anderem am 5. April der erste Katapultstart eines der Bordflugzeuge durchgeführt wurde. Nach Beendigung der Tests traf die America am 23. Juni in der Guantanamo Bay Naval Base ein und ging anschließend wieder in die Werft nach Norfolk zurück, um Verbesserungen am Schiff durchzuführen. Anschließend folgten weitere Testfahrten.James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. Jefferson 2016, S. 14.
Dienstzeit Erste Einsätze mini|Bordflugzeuge vom Typ Douglas A-4C überfliegen die America, ca. 1966 Die erste Einsatzfahrt der America führte sie Ende 1965 bis 1966 ins Mittelmeer. Auf dieser ersten Fahrt verlor der Träger gleich drei seiner Flugzeuge: Am 19. Oktober 1965 kollidierten in der Luft zwei McDonnell F-4 während eines Trainingsflugs 32 Kilometer von der America entfernt. Beide Piloten konnten sich retten. Bei einem weiteren Vorfall verunglückte am 3. September ein Flugzeug aufgrund eines Defekts am Startkatapult, welches beim Start das Bugfahrwerk des Maschine abriss. Das Flugzeug legte sich auf die Seite und fing Feuer. Der Pilot kam ums Leben, ein weiteres Besatzungsmitglied erlitt Verbrennungen.
Die zweite Einsatzfahrt von Januar 1967 bis in den Herbst des Jahres führte die America ebenfalls ins Mittelmeer. Sie löste in dieser Position den Flugzeugträger Independence ab. Während des Einsatzes befand sich der Träger während des Sechstagekrieges vor Ort. Dorthin war er im Mai 1967 berufen worden, als sich eine Krise in der Region andeutete. Nach Kriegsbeginn am 5. Juni wurde das Schiff in Gefechtsbereitschaft versetzt. Nach dem Angriff auf die Liberty flogen Hubschrauber der America verwundete Besatzungsmitglieder an Land, während schwer Verwundete direkt an Bord des Trägers behandelt wurden.James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. Jefferson 2016, S. 32. Drei Tage später starteten von der America Kampfflugzeuge, um Vergeltungsangriffe durchzuführen, die aber nach dem Schuldbekenntnis der Israelis abgebrochen wurden. Nach Ende des Sechstagekrieges nahm die America ihren regulären Einsatz wieder auf. Noch im selben Jahr wurde eine Übung mit dem britischen Träger Hermes, dann ein Übungsschießen mit der Josephus Daniels und der Harry E. Yarnell durchgeführt. Im Anschluss lag die America bis Anfang 1968 wieder in der Norfolk Naval Shipyard und führte dann erste Erprobungsfahrten durch.
Erster Einsatz in Vietnam mini|America (Vordergrund) und Ranger vor der Küste Vietnams, Januar 1973 Im April 1968 folgte der erste Einsatz der America im Vietnamkrieg. Sie fuhr um das Kap der Guten Hoffnung in den Indischen Ozean und lief dann in den Pazifik ein, wo sie zuerst die US-Marinebasis Subic Bay ansteuerte. Von der Yankee Station vor der vietnamesischen Küste aus wurden ab Anfang Juni Angriffe auf nordvietnamesische Stellungen geflogen. Ende des Jahres erreichte sie schließlich wieder Norfolk, wo sie sich einer Überholung unterzog, die neun Monate in Anspruch nahm.
Testflüge für Prototyp U-2R Nach Abschluss der Überholung wurde an Bord der America vom 21. bis zum 23. November 1969 der von Lockheed entwickelte Prototyp U-2R getestet. Trotz erfolgreicher Probeflüge, Starts und Landungen kam die Maschine anschließend vermutlich nie wieder auf einem Flugzeugträger zum Einsatz.
Weitere Einsätze in Vietnam Ab April 1970 folgte der zweite Vietnam-Einsatz, bei dem das Schiff erneut in der Basis von Subic Bay stationiert war. Hauptaufgabe waren Angriffe auf Straßennetze, Wasserwege, Militärfahrzeuge sowie Treibstofflager. Im August 1970 unterbrach die America ihren Einsatz für einen Besuch in Manila, bei dem der philippinische Präsident Ferdinand Marcos in Begleitung seiner Frau Imelda Marcos und des US-Botschafters des Landes an Bord kam.James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. Jefferson 2016, S. 59. Bis November desselben Jahres erfolgten Übungseinsätze vor Korea sowie im Japanischen Meer, ehe der Träger wieder in der Subic Bay zum Kampfeinsatz kam.