Die von Redern (auch von Rädern, von Raedern, von Rödern) waren ein 1155 erstmals erwähntes märkisches Uradelsgeschlecht, das hauptsächlich in der Mark Brandenburg begütert blieb, während Zweige im 16. Jahrhundert nach Oberösterreich und im 18. Jahrhundert in die Oberlausitz gelangten. Die Grafen Redern gehörten zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern Brandenburgs. 1914 sind sie im Mannesstamm erloschen.
Die von Redern bzw. von Roedern sind ein schlesisches Uradelsgeschlecht, das 1287 urkundlich erstmals erscheint. Es kam in Schlesien und im 16. Jahrhundert vor allem in Böhmen und der Oberlausitz zu großem Besitz, der jedoch im Dreißigjährigen Krieg wieder verloren ging. Familienzweige blieben jedoch in Schlesien ansässig und die Grafen Roedern bestehen bis heute in zwei Linien.
Beide Familien führen verschiedene Wappen; ein gemeinsamer Ursprung ist weder nachweisbar noch wahrscheinlich.Dr. Werner Rudolf auf PDF-Boehm-Chronik.com. mit Literaturzitaten. Hermann von Redern-Wansdorf schreibt in seiner Geschichte des Geschlechts von Redern. (1936): „Die schlesischen Redern/Röder, welche später mit den Nachkommen des Erasmus in den Grafenstand erhoben wurden, hatten ursprünglich mit der märkischen (Erasmus entstammte dem Haus Schwante Wansdorf) Familie gar nichts gemein; ihr Wappen, auch das freiherrliche, zeigt, daß sie einem ganz anderen Geschlecht angehörten.“ Gotha und Adelslexikon führen die Familien getrennt. 1669 wurden anlässlich einer Erhebung von Linien beider Familien in den Grafenstand durch kaiserliches Diplom die beiden Wappen allerdings vereinigt.Kaiserliche Wappenvereinigungen aufgrund ähnlich klingender Namen kennt man etwa auch von den Trott/Trotha (1586) oder den sächsischen und den thüringischen Friesen (1653).
Märkische Redern mini|hochkant|Wappen (mit drei Sporenrädern) der märkischen Redern. Das Geschlecht wird erstmals 1155 mit Ardnold de Redere urkundlich erwähnt. Die gesicherte Stammreihe beginnt mit Otto von Redern († um 1482). Stammsitz war wahrscheinlich der anhaltische Ort Rieder (Redere) im Landkreis Harz. Von der Mitte des 13. Jahrhunderts an erscheint eine (im Jahr 1678 erloschene) Linie in der Altmark, neben der Ende des 13. Jahrhunderts auch eine Linie rechts der Elbe im Havelland, in der Prignitz und in der Uckermark erscheint.
Die Redern müssen im Land Löwenberg schon im 13. Jahrhundert als Aftervasallen der Bischöfe von Brandenburg zu Lehnsbesitz gekommen sein, denn sie verkauften 1307 verschiedene Dörfer, darunter Bredereiche, Tangersdorf, Rudow und Stolp, an das Kloster Himmelpfort, welches 1299 Markgraf Albrecht III. von Brandenburg gestiftet hatte.
Im Rahmen des brandenburgischen Interregnum von 1319 bis 1323 traten Redeke von Redern und Droyseke von Kröcher dem nach Brandenburg vordringenden mecklenburgischen Fürsten Heinrich II. für 20.000 Mark die Pfandschaft über weite Teile der Prignitz ab, darunter Havelberg, Kyritz, Perleberg und Pritzwalk, außerdem das Ländchen Grabow.
Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert waren die Redern Grundherren in Wansdorf. Um 1350 erhielten sie die markgräfliche Burg Trebbin als Pfand und 1374 die bischöfliche Burg Löwenberg, deren Pfandbesitz sie bis 1460 behielten. Vor 1375 bis 1608 gehörte ihnen Krumke, vor 1397 bis ins 19. Jahrhundert Beetz.
Von etwa 1380 bis 1888 gehörte der märkischen Linie als Hauptsitz das Schloss Schwante im Havelländischen Luch. Anstelle der Wasserburg entstand ab 1744 ein dreiflügliges barockes Herrenhaus. Mit über 45 Gütern wurden die späteren Grafen Redern die wohlhabendsten Großgrundbesitzer des Niederbarnims. Zu den Gütern zählten Staffelde, Polenzko und Bärenthoren.
Erasmus von Redern (Rödern), Sohn von Claus aus dem Haus Schwante-Wansdorf, ging Anfang des 16. Jahrhunderts aus der Mark nach Österreich und gründete dort eine neue Linie der Familie. Er wurde zunächst Pfleger des Schlosses Weidenholz und dann durch Heirat mit Magdalena Perger Mitbesitzer von Rohrbach-Berg in Oberösterreich, wo er nach 1520 unterhalb der Burg das Schloss Berg bei Rohrbach erbaute. Der Zweig endete mit dem Tod des Grafen Bernhard von Rödern auf Berg († 1743).
Adam Valentin von Redern, kurbrandenburgischer Oberst, erwarb 1605 in der Uckermark das Gut Görlsdorf, zugehörig Steinhöfel, ferner Kerkow, 1618 das altmärkische Wolterslage (das bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in der Familie blieb) und außerdem Besitz im ostpreußischen Amt Memel. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Görlsdorf ruiniert und wurde an die Hake verkauft, jedoch 1720 von den Redern zurückerworben.Märkische Eiszeitstrasse.de/Extern: Der Nordosten Brandenburgs: Görlsdorf. Stand 31. Dezember 2022.
Sigismund Ehrenreich von Redern aus Schwante, Hofmarschall der Königin Sophie Dorothea, erwarb 1773 die Standesherrschaft Königsbrück in der Oberlausitz und das Rittergut Cosel, die seine Söhne Sigismund Ehrenreich Johann von Redern 1795 bzw. Wilhelm 1802 verkauften. Sigismund Ehrenreich ging ins postrevolutionäre Frankreich und beteiligte sich an Landspekulationen mit Emigrantengütern, später mit amerikanischem Farmland. 1888 wurde Schwante verkauft.
1785 erwarben die Redern Rangsdorf im Teltow. In der Uckermark kamen im 19. Jahrhundert noch die Burg Greiffenberg und Frauenhagen und ab 1845 Schönermark hinzu. 1801 erbte die Familie das Gut Packebusch in der Altmark.
Das Görlsdorfer Herrenhaus wurde 1845–50 neu gebaut. Aus diesem Zweig stammte Graf Friedrich Wilhelm von Redern (1802–1883), Generalintendant des Schauspielhauses und der Hofmusik in Berlin. Er erwarb umfangreichen Grundbesitz, darunter 1826 das Schloss Lanke und 1862 das Gut Glambeck im Barnim. Ab 1830 ließ er das Redernsche Palais am Pariser Platz durch Karl Friedrich Schinkel umbauen und 1853 das Schloss Lanke durch Eduard Knoblauch. Erbe wurde sein Bruder Graf Heinrich von Redern. Dessen Sohn Wilhelm von Redern (1842–1909), Herr auf Görlsdorf, Lanke usw., hatte einen Sohn Wilhelm Heinrich, der 1914 Lanke verkaufte und im selben Jahr zu Beginn des Ersten Weltkriegs fiel, als letzter männlicher Namensträger. Görlsdorf erbte die älteste seiner drei Schwestern, Viktoria, die mit Ernst Georg Fürst zu Lynar verheiratet war, der auch den Titel Graf von Redern erhielt. Die beiden jüngeren Schwestern, Margarethe und Hermine, heirateten in die Familie der Grafen Schaesberg. Das Palais Redern musste 1906 dem Hotel Adlon weichen. Das Herrenhaus Görlsdorf wurde 1945 durch Brandstiftung zerstört und der letzte Besitzer, Ernst Wilhelm Fürst zu Lynar, Graf von Redern (1924–2005), enteignet.
Schlesische Redern/Roedern mini|hochkant=0.6|Rad-Wappen der schlesischen Redern / Roedern. Die schlesischen Redern, später auch Roedern, erscheinen erstmals 1287 urkundlich mit Tilemann von Reder (, vom Rad), mit dem auch die Stammreihe beginnt.Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1973. Band VII, Band 58 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1973, ISBN 3-7980-0756-X, S. 353 ff. Er tritt am Hof des Herzogs Heinrich V. († 1296) von Liegnitz, Jauer und Breslau auf. In der nächsten Generation erscheinen Peter (erwähnt 1317–29, auf Karschau im Herzogtum Schweidnitz), Titzko (1319–40 erwähnt im Herzogtum Glogau) und Kunz (erwähnt 1321–50, auf Ruppersdorf bei Breslau).boehm-chronik.com unter Hinweis auf Dr. Tomasz Jurek in Das fremde Rittertum in Schlesien bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts Peters Sohn Johann, erwähnt 1367–91, erhielt nach 1372 das Burgmannslehn Waltersdorf (Nielestno) bei Lähn im Fürstentum Schweidnitz, das bis ins 18. Jahrhundert in der Familie blieb; die dortige landesherrliche Burg Lehnhaus erwarb er 1381 als Pfandbesitz, sie blieb es bis etwa 1460. Die Salzmärkte zu Lähn und Schönau brachten der Familie bedeutende Zinsgefälle; 1428 wurde Probsthain hinzuerworben. In den Hussitenkriegen musste 1428 Tristram von Redern Lehnhaus gegen die Taboriten verteidigen. Vier Redern nahmen im Heer des Deutschen Ordens an der Schlacht bei Tannenberg (1410) teil.
Die Redern erwarben – ausgehend von ihrem Stammsitz in Ruppersdorf, wo das Rittergeschlecht ab etwa 1347 bis nach 1586 ansässig war – im Laufe der Zeit weitere Besitzungen in Schlesien, Böhmen und der Oberlausitz, darunter den Wohnturm Boberröhrsdorf (Ende 14. bis Ende 15. Jh. im Besitz), der – im Unterschied zu den Stammsitzen Ruppersdorf und Waltersdorf – sein Aussehen bis heute nicht verändert hat. Ferner die Herrschaft Arnau im Königgrätzer Kreis im böhmischen Teil des Riesengebirges (um 1400–1415), seit etwa 1500 als Zubehör zu Ruppersdorf auch Bohrau, Schönfeld (bei Saarau), Warkotsch (Ortsteil von Strehlen), Jenkwitz und 1546 Mückendorf. 1546–72 besaßen sie Neudeck.
mini|Schloss Friedland. mini|Schloss Liberec (Reichenberg).
Friedrich von Rödern, Mitherr auf Ruppersdorf usw., leistete dem böhmischen König und deutschen Kaiser Ferdinand I. wichtige diplomatische Dienste; außerdem setzte er als Vitztum in Schlesien Steuererhöhungen durch. Als der Kaiser die Herzogtümer Oppeln und Ratibor aus einer Pfandschaft auslösen wollte, belehnte er Rödern 1554 mit dem nordböhmischen Lehen Friedland mit Schloss Friedland, Burg Reichenberg, Burg Hammerstein und der Stadt Seidenberg für 40.000 Taler; diese Gebiete waren durch das Erlöschen der Biebersteiner 1551 an den Landesherrn heimgefallen. 1557/58 verpfändete der Kaiser ihm auch das Herzogtum Tost mit Burg Tost, der Herrschaft Peiskretscham und acht Dörfern. 1562 erhob er ihn in den Reichsfreiherrenstand. 1564 starb Friedrich von Rödern.
Seine Söhne, Melchior von Redern (1555–1600), kaiserlicher Generalfeldmarschall in den Türkenkriegen, und Christoph erbauten 1583–1587 das Schloss Reichenberg als große Renaissanceanlage (die später barockisiert wurde). 1586 verkauften sie, gemeinsam mit ihren Brüdern Hans und Georg, den schlesischen Stammsitz Ruppersdorf mit Nebengütern. In der Nähe von Reichenberg legten sie eine Siedlung mit einer Glashütte an, die sie nach ihrem Vater Friedrichswald benannten. Melchior ließ 1584 nach der Entdeckung von Zinn-, Kupfer- und Eisenlagerstätten den Bergflecken Böhmisch Neustadt anlegen und erhob diesen acht Jahre später zur Stadt; 1594 gründete er Weißbach. 1593 erwarben die Brüder von Kaiser Rudolf II. auch die Herrschaft Tost-Peiskretscham, die sie zuvor als Pfand besessen hatten; sie blieb bis 1638 im Besitz der Familie. Melchiors Frau Katharina, geborene Gräfin Schlik, verwaltete die großen Ländereien während seiner kriegsbedingten Abwesenheit. 1600 verstarb er und wurde in der Gruftkapelle der Friedländer Dekanatskirche beigesetzt. 1616 erwarben die Erben die Oberlausitzer Herrschaft Reibersdorf hinzu.