mini|Johannes Zimmermann mini|Zimmermann (1. Reihe, stehend, erster von links), Catherine Mulgrave (2. Reihe, sitzend, zweite von links), mit Kindern, 1873 Johannes Zimmermann (* 2. März 1825 in Gerlingen, Königreich Württemberg; † 13. Dezember 1876 ebenda) war ein deutscher evangelischer Missionar, Sprachforscher und Bibelübersetzer in die Ga-Sprache der Ga-Adangme an der Goldküste, heute Ghana, Westafrika.Grace Bansa: Zimmermann, Johannes, 1825-1876, Basel Mission, Ghana, Dictionary of African Christian Biography, Website dacb.org (2017, englisch, abgerufen am 28. Juli 2026)

Leben Zimmermann wuchs als ältester Sohn von fünf Kindern in einer pietistischen Familie an der Kirchstrasse im württembergischen Dorf Gerlingen auf. Nach einer Lehre als Bäcker trat er am 17. August 1844 ins Basler Missionshaus ein. Dort absolvierte er die Ausbildung zum Missionar, nach gut fünf Jahren wurde er am 9. Dezember 1849 von Dekan Kapf in Herrenberg ordiniert und ging 1850 im Alter von 25 Jahren im Dienst der Basler Mission an die afrikanische Goldküste.Zimmermann, Johannes – Leben und Werk, Porträt bei Johannes-Rebmann-Stiftung, Website johannes-rebmann-stiftung.de (abgerufen am 27. Juli 2026) Er reiste am 14. Januar desselben Jahres in Basel ab und kam am 6. April in Accra an.Kurzlebenslauf Johannes Zimmermann, Johannes-Rebmann-Stiftung, Website johannes-rebmann-stiftung.de (als pdf, abgerufen am 27. Juli 2026) Das erste, was er dort sah, und ihn schockierte, waren die ehemaligen Sklavenforts, so dass er lebenslang gegen Sklaverei und Ausbeutung ankämpfte. Im heutigen Ghana verbrachte er 26 Jahre, obwohl er bald an einer gefährlichen Tropenkrankheit erkrankte. Ein traditioneller afrikanischer Heiler half ihm, so dass er genesen konnte.Zimmermann, Johannes – Leben und Werk, Porträt bei Johannes-Rebmann-Stiftung, Website johannes-rebmann-stiftung.de (abgerufen am 27. Juli 2026)

In derselben Missionsstation wie Zimmermann arbeitete auch die Lehrerin und Rektorin Catherine Mulgrave (1827–1891).Johannes Zimmermann, in: Württembergische Kirchengeschichte Online, 2025 (abgerufen am 27. Juli 2026) Sie war in Angola geboren und als Kind von Sklavenhändlern entführt und nach Jamaika gebracht worden, von wo sie 1843 mit einer Gruppe von 25 Freiwilligen an die Goldküste kam. Mulgrave war von ihrem ersten Mann Georg Thompson wegen Untreue und Alkoholismus geschieden worden und hatte zwei Kinder, die ihr zugesprochen wurden.Johannes Zimmermann, in: Württembergische Kirchengeschichte Online, 2025 (abgerufen am 27. Juli 2026) Sie und Zimmermann heirateten am 5. Juni 1851 in Christiansborg, obwohl dies in mehrfacher Hinsicht einer Verordnung des Missionskomitees in Basel widersprach:Dagmar Konrad: Missionsbräute: Pietistinnen des 19. Jahrhunderts in der Basler Mission, Münster 2001; Seiten 247–249 Weder holte Zimmermann vorher eine Heiratsgenehmigung ein noch bat er die Kommission, seine Braut zu akzeptieren.Jon Miller: Missionary Zeal and Institutional Control. Organizational Contradictions in the Basel Mission on the Gold Coast, 1828-1917. Routledge Curzon, London 2003, S. 145 Der Missionar argumentierte mit Mulgraves Situation als alleinerziehende Mutter, stellte sich als ihr Befreier dar und beschrieb seine Sehnsucht nach einem eigenen Haushalt. Dies brachte das Komitee an seine Grenzen. Da die Kommission bereits jeden aus ihrer Sicht zu engen Kontakt zwischen den Ethnien in der Mission strikt ablehnte, war ihr Verbot von sexuellem Kontakt oder gar Heirat unumstößlich. Zimmermann musste mit seiner Entfernung aus dem Missionsdienst rechnen. Gegen jede Wahrscheinlichkeit erkannte die Leitung jedoch widerwillig die Ehe zwischen Mulgrave und Zimmermann mit verhältnismäßig geringen Auflagen an: Zimmermann durfte sich nicht mehr als europäischer Bürger begreifen und Mulgrave und ihre Kinder sollten sich keine Hoffnung darauf machen, jemals nach Europa reisen zu dürfen.Jon Miller: Missionary Zeal and Institutional Control. Organizational Contradictions in the Basel Mission on the Gold Coast, 1828-1917. Routledge Curzon, London 2003, S. 146 Die Begründungen für diese außergewöhnlich milde Entscheidung zielten darauf ab, diese Ehe als Einzelfall darzustellen, um sicher vor Nachahmern zu sein. Nach übereinstimmender Meinung der Missionare der Goldküste war Mulgrave für die Missionsarbeit vor Ort unersetzlich. In einem Brief an die Kommission führte Zimmermann als Motiv für die Heirat an, Mulgrave habe überlegt, zur methodistischen Mission zu wechseln, die in Konkurrenz zur Basler Mission stand. Die Kommission rechtfertigte ihre milde Entscheidung der Missionsöffentlichkeit gegenüber dann auch mit Mulgraves Bedeutung für die Mission und argumentierte, Zimmermann habe nicht aus eigenem Interesse gehandelt, sondern zum Wohle der Mission.Jon Miller: Missionary Zeal and Institutional Control. Organizational Contradictions in the Basel Mission on the Gold Coast, 1828-1917. Routledge Curzon, London 2003, S. 147 Außerdem hob sie hervor, dass Mulgrave nicht etwa erst kürzlich konvertiert sei, ja, dass sie gar nicht aus Afrika stamme, also nach dem Verständnis der Kommission kein «einfaches Mädchen vom Lande» («simple village girl») war und damit als wesentlich «kultivierter» galt als die westafrikanischen Frauen.

1854 zog Zimmermann nach Abokobi, um die lokale Ga-Sprache der Ethnie Ga-Adangme besser zu erlernen.Grace Bansa: Zimmermann, Johannes, 1825-1876, Basel Mission, Ghana, Dictionary of African Christian Biography, Website dacb.org (2017, englisch, abgerufen am 28. Juli 2026) 1855 wurde im Dorf Odumase, das dreihundert Kilometer nordwestlich von Accra liegt und zum Königreich Manya-Krobo gehört, ein Missionsgehilfe namens Daurouwadam stationiert. Am 31. Dezember 1859 siedelte sich Zimmermann mit seiner Familie an diesem Ort an. König Odenku Azzu, ein regionaler Stammesfürst, war der neuen Mission gegenüber aufgeschlossen und freundete sich mit Zimmermann an. Er vertraute ihm seinen Sohn Tei zur Erziehung an, und dieser lebte fortan bei der Familie Zimmermann. Eine neue Kirchgemeinde entstand, sie umfasste nach zehn Jahren etwa hundert Personen und eine erste kleine Kirche konnte 1869 errichtet werden, die Zimmermanns Namen trägt.Zimmermann, Johannes – Leben und Werk, Porträt bei Johannes-Rebmann-Stiftung, Website johannes-rebmann-stiftung.de (abgerufen am 27. Juli 2026)

Dank Unterstützung seiner Kollegen erreichte Zimmermann ab 1871, dass ihre gemeinsamen Kinder in Basel zur Schule gehen konnten, wie es für die Nachkommen von Missionaren damals üblich war. Mulgrave und er konnten 1872 erstmals nach Europa reisen und in Zimmermanns Herkunftsort Gerlingen gehen, als sie ihren Dienst für die Mission erfüllt hatten. In diesem Jahr hielt sich die Familie Zimmermann mehrmals in Gerlingen auf. 1873 nahm er am Basler Missionsfest teil, und im Herbst kehrte er nochmals nach Christiansborg zurück, wo er am 2. Dezember ankam und gleich nach Abokobi weiterging. 1875 wurde die Goldküste zur englischen Kolonie, und aus gesundheitlichen Gründen (Dysenterie) übersiedelte er wieder nach Christiansborg. In seinem letzten Lebensjahr brach er zusammen mit seiner Frau am 8. August nach Europa auf, wo sie am 13. September in Basel ankamen.Kurzlebenslauf Johannes Zimmermann, Johannes-Rebmann-Stiftung, Website johannes-rebmann-stiftung.de (als pdf, abgerufen am 27. Juli 2026)

Nach Zimmermanns Tod am 13. Dezember 1876 kehrte seine Frau Mulgrave nach Afrika zurück und starb dort 1891.Jon Miller: Missionary Zeal and Institutional Control. Organizational Contradictions in the Basel Mission on the Gold Coast, 1828-1917. Routledge Curzon, London 2003, S. 150 Wie es heißt, hatte sie „bei den Gerlingern keinen Kontakt gefunden“.Zit. n. Roller 2007, S. 232.

Berufliche Leistungen Zimmermann wirkte vorwiegend im Königreich Manya-Krobo, dem Kroboland, wo er die Ga-Sprache erlernte, eine neue Schrift mit Grammatik und Rechtschreibung entwickelte und die Bibel und ein aus 500 Liedern bestehendes Gesangbuch in diese Schriftsprache übersetzt hatte.

Für Missionare hatte Zimmermann auch eine angepasste Kleidermode entworfen, die aus europäischen und afrikanischen Elementen bestand, weil er die einheimische Kultur wertschätzen wollte („den Afrikanern ein Afrikaner sein“Zitiert nach Kathrin Roller: Gerlingen – Eine schwäbische Kleinstadt als interkultureller Erinnerungsort. In: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialismus hierzulande – Eine Spurensuche in Deutschland. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-269-8, S. 231.). Außerdem leistete er umfassende Entwicklungshilfe. Er kümmerte sich um eine verbesserte Förderung von Bodenschätzen, modernisierte den Landbau und half auch durch vermehrten Güterexport, die Lebensverhältnisse der einheimischen Bevölkerung zu verbessern.Kurzlebenslauf Johannes Zimmermann, Johannes-Rebmann-Stiftung, Website johannes-rebmann-stiftung.de (als pdf, abgerufen am 27. Juli 2026)

Gedenken In Gerlingen wurde schon 1873 für Zimmermann ein Gedenkstein aufgestellt, dessen Inschrift lautete: „Allmächtiger unsterblicher Gott! Ohne dich kann nichts geschehen, deine Gnade lässt uns täglich neu beginnen. Hilfs, dass wir nicht gleiches mit gleichem vergelten. Du bist die Quelle für alles, wir können uns nicht rühmen. Wir sind in Leben und Tod in dir verbunden. Im Tod sind wir alle gleich. Das Gras verdorrt, die Blume welkt, aber das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit!“ Ein Nachtrag erfolgte nach seinem Tod: „Johannes Zimmermann aus Gerlingen, Missionar, Sprachforscher, Freund Afrikas, 1850–1876 Odumase Abokobi Akropong Ghana.“Basler Mission 21 (Herausgeberin), Hannes Liechti, Jürg Liechti-Möri, Detlef Lienau, Helen Duhm und Christian Weber: Mission Hoffnung. Arbeitsheft Unterricht 2015. S. 4–15.

Durch den Besuch eines Geistlichen der Presbyterianischen Kirche von Ghana im Jahr 1970 wurde die Stadt auf ihren fast vergessenen – in Ghana indes hochgeachteten – Sohn aufmerksam. Seither kam es mehrfach zu gegenseitigen Besuchen zwischen Vertretern der Stadt und westafrikanischen Würdenträgern.Roller 2007, S. 232f.

Schriften (Auswahl) The Four Gospels in the Ga Language, London 1855. An English-Accra or Ga Dictionary, Stuttgart 1858. A Grammatical Sketch of the Akra or Ga Language and Some Specimens of it from the Mount of the Natives, Stuttgart 1858. A Grammatical Sketch of the Akra or Ga Language and a Vocabulary of the Same with an Appendix on the Adanme Dialect, 2 Bände, Stuttgart 1885. The Acts of the Apostles (in Ga−Übersetzung), London, 1858. The Epistle of St. Paul the Apostle to the Romans (in Ga-Übersetzung), London 1859. mit Johann Gottlieb Christaller und C. W. Locher: The New Testament (Ga−Übersetzung), London, 1860, 2. Auflage, London, 1872; revidierte Auflage 1889, reprint 1908 und 1911. English-Tschi-Akra Dictionary, Basel 1894. The Old Testament (in Ga-Übersetzung), London 1907 (revidierte Auflage).

Literatur Hans Anstein: Nicht durch Heer oder Kraft. 125 Jahre Basler Mission, 1815–1940, Missionsbuchhandlung Basel 1940. Die Basler Mission im Spannungsbereich afrikanischer Integrationsversuche und europäische Kolonialpolitik (Kawhu/Ghana, 1875–1888), M. A. Thesis, Universität Basel, Basel 1989. Kwame Bediako: Christianity in Africa: The Renewal of a Non-Western Religion, 1965. Christine Christ-von Wedel, Thomas K. Kuhn (Hrsg.): Basler Mission. Menschen, Geschichte, Perspektiven 1815–2015. Basel 2015. Hans Werner Debrunner: A History of Christianity in Ghana, Waterville, Accra 1967. Anika Hempel: Johannes Zimmermanns "Vermählung mit Afrika". Ein württembergischer Missionar als Wegbereiter des deutschen Kolonialismus? In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, Band 122 (2022), S. 357–381. Johannes Hesse: Ein Missionsjahrhundert, Calw 1893. E. M. L. Odjidja, Mustard Seed: The Growth of the Church in Kroboland, Waterville, Accra 1973. S. S. Odonkor: The Rise of the Krobos, Tema, 1971.