Die Wiener Klassifikation ist eine Klassifikation zur international einheitlichen Erschließung der Bildbestandteile von Bild- und Wort-/Bildmarken. Dazu werden die Bildbestandteile in derzeit 29 Kategorien, 145 Abschnitte und 1.734 Unterabschnitte, bestehend aus 816 Hauptunterabschnitten und 918 Hilfsunterabschnitten, aufgeteilt. Zu den Unterzeichnern gehören derzeit 40 Staaten, verwendet wird sie von 3 Organisationen sowie der WIPO.

Geschichte 1967 begann das Büro zum Schutz des geistigen Eigentums (BIRPI), die Vorgängerorganisation der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), eine Klassifizierung der Bildbestandteile zu erarbeiten. Diese wurde am 12. Juni 1973 durch ein Abkommen auf der Wiener Diplomatischen Konferenz vereinbart. Mit Unterschrift durch die Vertreter von Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Monaco, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Serbien und Ungarn trat das Abkommen am 9. August 1985 in Kraft.

Unterzeichner und Vertragsstaaten Mit Stand 1. Oktober 2025 sind 40 Staaten Mitglieder des Abkommen. Einige Staaten haben den Vertrag unterschrieben, sind ihm aber nicht beigetreten.Vienna Agreement, Contracting Parties WIPO, abgerufen am 15. Mai 2020. +StaatDatum der UnterzeichnungErklärung der VerbindlichkeitArt der ErklärungIn Kraft seitAnmerkungen der Vertragsstaaten16. Oktober 2018Beitritt16. Januar 20196. Dezember 2004Beitritt6. März 200527. Dezember 197327. Juli 1999Ratifikation27. Oktober 19993. Juni 2025Beitritt3. September 202510. Dezember 197319. Januar 2010Beitritt19. April 201211. Dezember 197321. November 2000Beitritt21. Februar 200112. Juli 2025Beitritt12. Oktober 20259. Februar 2006Beitritt9. Mai 200618. April 1997Beitritt18. Juli 1997Link12. Juni 197312. Juni 197311. Juni 1975Ratifikation9. August 1985Link12. Juni 197329. November 1973Link5. August 1996Beitritt5. November 199612. Juni 1973Link7. Juni 2019Beitritt7. September 2019Link12. Juni 19737. November 2005Beitritt7. Februar 2006Link14. August 2008Beitritt14. November 200810. September 1988Beitritt10. Dezember 198812. Juni 197316. September 1983Ratifikation9. August 198528. Juni 2007Beitritt28. September 2007Link26. Oktober 2000Beitritt26. Januar 200110. Dezember 19739. Dezember 2011Beitritt9. März 201213. Juli 2023Beitritt13. Oktober 202312. Juni 197323. Dezember 1976Ratifikation9. August 1985Link26. Februar 2010Beitritt26. Mai 201012. Juni 197325. November 2022Beitritt25. Februar 202318. Juli 2022Beitritt18. Juli 2024Link4. Dezember 1996Beitritt4. März 1997Link12. Juni 197317. Januar 2011Beitritt17. April 20111. September 1997Beitritt1. Dezember 199731. Dezember 197331. März 1998Ratifikation30. Juni 199825. September 2001Beitritt25. Dezember 200112. Juni 19733. September 2020Beitritt3. Dezember 2020Link12. Juni 1973Unterschrift noch von Jugoslawien.15. Juli 2009Ratifikation15. Oktober 2009Link10. Mai 2001Beitritt10. August 2001Link19. Dezember 19735. Juni 1980Ratifikation9. August 198512. Juni 197320. Dezember 1995Beitritt20. März 19969. Mai 1985Beitritt9. August 19851. Oktober 1995Beitritt1. Januar 19967. März 2006Beitritt7. Juni 2006Link11. Juni 2013Beitritt11. September 2013Link29. April 2009Beitritt29. Juli 200919. Oktober 1999Beitritt19. Januar 2000

Zweck und Bedeutung Der Zweck der Klassifikation ist die Erleichterung von Recherchen nach entgegenstehenden älteren Marken sowie die Vermeidung von nötigen Umklassifizierungen beim Abgleichen von Marken auf internationaler Ebene.

Dies ist insbesondere sinnvoll, da zuvor jedes Land eine eigene, in der Regel auf textlicher Darstellung basierende Klassifikation betrieb. Zwar ist auch mit der Wiener Klassifikation die Einteilung weiterhin subjektiv, durch die zugrunde liegende Systematik jedoch von weniger Schwankungen betroffen und durch die hierarchische Struktur besser zu selektieren.

Derzeit wenden über 30 Länder die Wiener Klassifizierung an. Da die Einführung in weiteren Ländern jedoch schleppend verläuft, ist die beabsichtigte Vereinfachung nur teilweise nutzbar. Gerade in den angelsächsischen Ländern wird noch fast ausschließlich mit textlicher Beschreibung gearbeitet, was trotz gleicher Sprache (Englisch) zu geringen Trefferquoten in der Suche führt und Prüfverfahren aufwendig macht.

Aufbau der Klassifikation Die Klassifikation erfolgt auf Basis von Kategorie (1–29), Abschnitt (1–19) und Unterabschnitt (1–25). Zur feineren Gliederung gibt es Hilfsabschnitte, welche in den Unterabschnitten kodiert werden. Eine Bildmarke wird meist mehrere Klassifizierungen erhalten, um die einzelnen Bestandteile zu kennzeichnen, bzw. komplexe Strukturen zu beschreiben.

(Beispiel aus der deutschen 8. Ausgabe vom 1. Januar 2018)

So gehört z. B. die Darstellung eines „essenden Mädchens“ in die Kategorie 2 (Menschen), Abschnitt 5 (Kinder), Haupt-Unterabschnitt 3 (Mädchen) und Hilfs-Unterabschnitt 18 (Trinkende oder essende Kinder).

Kodiert wird dies mit Notationen als 2.5.3 und 2.5.18. Um eine Angabe der Wiener Klassifikation eindeutig zu benennen, ist die Abkürzung CFE voranzusetzen. Gehört eine Marke zu mehreren Unterabschnitten, so können diese durch ein Komma getrennt angegeben werden (CFE 2.5.3,18). Gehört eine Marke zu mehreren Kategorien, so können diese durch einen Strichpunkt getrennt angegeben werden (z. B. CFE 1.1.2,10,25; 1.15.17; 2.9.1). Zusätzlich wird empfohlen die zur Kodierung verwendete Ausgabe in Klammern anzugeben (CFE (8) 2.5.3,18).

Viele Datenbanken verwenden eine Eingabe, bei der die Notationen jeder Ebene zweistellig sein müssen und daher mit Nullen aufgefüllt werden, also in unserem Beispiel 02.05.03 und 02.05.18.

Verwandte Klassifikationen Internationale Patentklassifikation zur Definition eines Patentinhalts Markenklassifikation (Nizza-Klassifikation für Dienstleistungen und Waren – Nizzaer Abkommen über die Internationale Klassifikation von Waren und Dienstleistungen für die Eintragung von Marken) Locarno-Klassifikation für Design (Warenklassen für Design, Internationale Klassifikation für Gewerbliche Muster und Modelle nach dem Abkommen von Locarno)

Literatur Wiener Klassifikation, 8. Ausgabe, Deutsches Patent- und Markenamt, München (PDF, Deutsche Übersetzung und Beschreibung)

Weblinks Offizielle Seite des Wiener Klassifikationsabkommens bei der WIPO Text des Wiener Klassifikationsabkommens (englisch) Informationen zur Wiener Klassifikation beim DPMA

Einzelnachweise

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