Hasselbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Weilrod im hessischen Hochtaunuskreis.
Geographie Hasselbach liegt im östlichen Hintertaunus, auf einer Hochfläche, an den nordwestlichen Ausläufern der Feldberg-Langhals-Pferdskopf-Scholle, direkt an der Grenze des Hochtaunuskreises und des Landkreises Limburg-Weilburg im Naturpark Taunus.
Das Dorf liegt in einer Talmulde (Talkessel), die sich nach Süden und Südosten öffnet und den oberhalb des Ortes entspringenden Langenbach in Richtung des Weiltals abfließen lässt. Dadurch wird Hasselbach ringsum von mehreren Erhebungen umschlossen: Das Frohnstück () im Nordwesten, der Tannenkopf () im Nordosten, der Milsenberg () im Südosten und das Kuhbett () im Südwesten. Der Schinnkopf () erhebt sich unbewaldet in der Feldgemarkung am westlichen Ortsrand. Die Höhenlage der Gemarkung liegt im mittleren Bachtalverlauf des Langebachs im Osten auf rund und erreicht in den Erhebungen im Westen bis .
Die Gemarkungsfläche beträgt 9,04 km², davon sind 4,70 km² bewaldet. Die Gemarkung grenzt im Westen und Nordwesten an die Selterser Ortsteile Eisenbach und Haintchen. Im Nordosten und Osten schließen sich Emmershausen und Rod an der Weil an. Im Süden grenzt Hasselbach an Cratzenbach und im Südwesten an die Bad Camberger Ortsteile Dombach und Schwickershausen.
Von den höher gelegenen Stellen des Dorfes besteht bei klarem Wetter eine weite Fernsicht nach Südosten und Osten über den Östlichen Hintertaunus bis zum Hochtaunushauptkamm, mit dem südöstlich gelegenen Großen Feldberg. Weiter südöstlich erhebt sich der Pferdskopf. Der Taunushauptkamm ist in einer ungefähren Entfernung von 15 Kilometer.
Nächste Städte sind Bad Camberg (10 km südwestlich), Limburg an der Lahn (24 km nordwestlich) und Usingen (19 km östlich).
Geschichte Ersterwähnung Die Ersterwähnung Hasselbachs findet sich in einer Urkunde von 1306. Dort heißt es: Imagina, Witwe des römischen Königs Adolf (von Nassau, 1291-1298), beurkundet, dass sämtliche Zehnten von schon bebautem und noch zu bebauendem Rodland in ihren Wäldern oder Büschen innerhalb der Pfarrei Rod und den Bezirken der Kapelle zu Haselbach durch ihren Vater Gerhard von Limburg und ihren Oheim Heinrich von Isenburg dem Kloster Marienborn übergeben worden sind.HHStAW, Abt. 135, Nr. 6 Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (jeweils mit dem Jahr der Erwähnung): 1317 Hashelbach, 1340 Hayselbach, 1394 Hasilbach, 1420 Haselbach, 1427 Haselbach, 1427 Haßelbach, 1442 Hasilbach, 1442 Hasselbach.Rudi Kaethner: Weilrod
Die Landesherren mini|Hasselbach 1674
Die älteste bekannte Urkunde, die das Dorf Hasselbach erwähnt, stammt aus dem Jahre 1217. Kurz berichtet sie, dass Hasselbach damals zu dem Kirchspiel Rod a. d. Weil gehörte. Mehr weiß eine Urkunde aus dem Jahre 1317 zu sagen. Ihr zufolge war in jener Zeit das Dorf im Besitz der Herren von Limburg, deren Burg daselbst auf dem Felsen bei dem berühmten Limburger Dom stand. Sie zogen den Neurodzehnten aus Hasselbach. Dies lässt die Vermutung aufkommen bezüglich des Ursprungs des Dorfes, dass es eine Rodung gewesen ist in dem mächtigen Gebirgswald, der die Höhen zwischen dem Emsbachtal und Weiltal bedeckt.
Hasselbach ist 1420 gemeinsam mit dem Amt Limburg an Kurtrier gekommen, nachdem mit Johann II. im Jahr 1406 der letzte männliche Vertreter der Herren von Limburg gestorben war. In der einer Aufstellung, die Kurfürst Johann II. von Baden 1498 beauftragt hatte, ist das Amt Hasselbach als eines der damals 59 Ämter erwähnt, hatte also zum damaligen Zeitpunkt ein eigenständiges Amt. Nach dem Tausch eines Viertels von Hasselbach (dieses war zuletzt im Besitz von Nassau-Usingen) war Kurtrier bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1803 Besitzer von 3/4 des Ortes, den der kurtrierische Amtmann von Camberg mitverwaltete. Eisenbach gehörte seit 1427 zur Hälfte zu Kurtrier, je ein Viertel besaßen Nassau-Oranien und die Freiherren von Hohenfeld bzw. danach die Freiherren von Schütz zu Holzhausen. Auch hier erfolgte die Verwaltung des trierischen Anteils von Camberg aus, auch wenn Pagenstecher 1772 diese beiden Orte nicht aufführt. Hasselbach gehörte also de jure ein eigenständiges Amt, welches nicht offiziell zum Amt Camberg gehörte, aber von diesem aus mitverwaltet wurde.
Die rechtsrheinischen kurtrierischen Gebiete, also der weltliche Besitz der Kirche und damit auch der Anteil am Amt Camberg bzw. Hasselbach, wurden im Reichsdeputationshauptschluss 1803 dem Fürsten von Nassau-Weilburg zugesprochen, sodass dieser nunmehr das ganze Dorf besaß. Ab 1806 war das Amt Teil des Herzogtums Nassau. Im Jahr 1866 ging das Dorf nach der preußischen Annexion des Herzogtums Nassau an das Königreich Preußen über.
Schloss Hasselbach mini|Zeichnung von 1777 (Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 3011, Nr. 990)
In der Zeit, in der Hasselbach in zweiherrischem Besitz lag, schlug der Verkehr andere Bahnen ein als heute; mit Vorliebe wählte er Höhenwege aus. Eine der verkehrsreichsten Straßen durch den Taunus war die sog. Rennstraße. Der Weg führte von Frankfurt am Main nach Königstein, weiter über den Kamm des Gebirges nach Seelenberg und hielt sich nach Möglichkeit auf dem Höhenrücken, bis er in Weilburg einmündete. Viele Kaufleute zogen auf diesem Wege im Frühjahr und im Herbst zu der weit und breit bekannten Frankfurter Messe. An ihm lag Hasselbach. Noch keine halbe Stunde nördlich von Hasselbach mündeten in die Rennstraße zwei alte Verkehrswege, der Juden-Pfad und die Hessenstraße, die die Verbindung mit der alten Kölner Straße darstellten. Mithin lag Hasselbach nahe bei einem Knotenpunkt belebter Verkehrsstraßen. Die prekäre öffentliche Sicherheit, die damals bedroht wurde durch die Ritterschaft, die teils aus Not, teils aus Habgier auf Raub ausging, war es wohl, was die Landesherren von Hasselbach, den Kurfürst-Erzbischof Jakob v. Sierk und den Grafen Philipp von Nassau, bestimmte, den Ort zu befestigen. Am 1. September 1441 wurde die Genehmigung dazu von Kaiser Friedrich III. erteilt. Der diesbezügliche kaiserliche Erlass ist in einer beglaubigten Abschrift aus dem vorvorigen Jahrhundert im Pfarrarchiv vorhanden. Es heißt darin u. a.: „Die Erlaubnis wird erteilt, daß eine Stadt und Feste gemacht und gebaut werde mit Graben, Mauern und Toren, und daß die Leute, die zu Hasselbach sind oder hernach dahin kommen werden, von Steuern, Diensten, Lagern, Betteln und Beschwerden befreit sein sollen.“ Der in der kaiserlichen Urkunde angegebene Grund dieser besonderen Begünstigungen und Freiheiten bestätigt obige Vermutung: „Gemeiner Nutzwillen der Landleute und Gegenden um Hasselbach, und weil Beschädigungen derselben Lande und Leute und Heer mannigfaltig bestanden haben und noch bestehen möchten.“ Die Bewohner des Dorfes Hasselbach sollten also dieselben Freiheiten und Vergünstigungen genießen wie etwa die freie Reichsstadt Frankfurt/Main. So wurde denn Hasselbach als Schloss ausgebaut. Der Ort wurde in einer Länge von 240 Schritt und einer Breite von 120 Schritt mit Mauern umgeben, so dass die Feste ein Viereck darstellte, das doppelt so lang wie breit war. Die Mauer war viereinhalb Meter hoch und 75 cm breit, so dass man eben noch hinter der Zinne rings um den Ort gehen konnte. Auf jeder Seite war ein Tor. Eines davon war nur ein schmaler Durchgang für Personen; sein Name ist nicht mehr bekannt. Die Namen der anderen drei sind noch in aller Munde: das Untere, das Obere und das Stumpfe Tor. Bei jedem Tor war ein viereckiger Turm. Auf dem Hügel, der im Südwesten unmittelbar vor dem Dorf sich erhebt, auf dem zurzeit ein aus Dankbarkeit für wiedererlangte Gesundheit aufgerichtetes Kreuz steht, mag man sich einen Galgen emporragend denken, weithin sichtbar zur Warnung der Wegelagerer.
Die günstige Lage des Schlosses an einer großen Verkehrsstraße brachte eine schnelle Entwicklung des Ortes mit sich, so dass man schon bald die Befestigung als hemmende Fessel betrachtete. Mit der Zeit legte man deshalb keinen Wert mehr auf deren Instandhaltung; sie zerfiel. Die Tore wurden noch vor 150 Jahren etwa allabendlich geschlossen, wie dies bei den Schlössern üblich war. Von den Türmen erhielten sich am längsten der am Oberen und der am Unteren Tor. Der erstere, der nicht sehr hoch war, wurde vor 130 Jahren auf Abbruch versteigert. Der letztere erging demselben traurigen Los nur infolge seiner stattlichen Höhe. Er wurde vor 100 Jahren von der Gemeinde für 65 Gulden (nicht ganz 100 Mark) an den Besitzer des an ihn angebauten Hauses verkauft. Dieser benutzte ihn als Scheune. Da die Einfahrt ihm zu eng war, brach er ein Stück nach dem anderen aus dem Bogen. Seine Unvorsichtigkeit rächte sich bitter. Am 9. Februar 1888 abends stürzte etwa ein Drittel des Turmes ein, riss einen Teil des daran gelehnten Hauses mit sich und sperrte als Schutthaufen die Ecke Langgasse/Hintergasse. Auf Gemeindekosten musste der Schutt abgefahren und das noch oben hängende Dach und die teilweise eingestürzten Seitenwände gestützt werden, da der Besitzer unvermögend war. Die Gemeinde hatte sich nun zu entscheiden, ob der Turm zurückgekauft und wieder aufgebaut werden sollte, was nach dem Voranschlag etwa 850 Mark Kosten verursacht hätte, oder ob er abgebrochen und der Schutt abgefahren werden sollte; dies wollte einer für 450 Mark tun. Obwohl es nicht am guten Willen des Gemeindevorstandes fehlte, entschied man sich der hohen Kosten wegen für das letztere. Die einzigen heutigen Zeugen des Schloss Hasselbach sind noch bestehende Reste der Festungsmauern.
Gang durch die Jahrhunderte Aufgrund der günstigen Lage an belebter Verkehrsstraße blühte Schloss Hasselbach schnell auf. Hundert Jahre nach dem Ausbau als Schloss, um Mitte des 16. Jahrhunderts, erhielt es eine eigene Pfarrei, um die Mitte des 17. Jahrhunderts erhob es sich schnell aus den Trümmern des Dreißigjährigen Krieges, um die Mitte des 18. Jahrhunderts erstand die neue geräumige Pfarrkirche, um die Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte es die höchste Einwohnerzahl.
Eigene Pfarrei 1545 Noch bis zum Jahre 1536 gehörte Hasselbach zum Kirchspiel Rod an der Weil; es hatte wohl eine eigene Kapelle und eigenen Gottesdienst, aber keinen eigenen Geistlichen. Damals war Rod zur „neuen Lehre“ übergetreten. Hasselbach dagegen blieb beim „alten Glauben“, denn es unterstand zu dreiviertel dem Kurfürst-Erzbischof von Trier. Die Landesfürsten aber bestimmten schon damals vielfach die Religion ihrer Landeskinder, was bald danach allgemein gültiger Grundsatz wurde. Zunächst amtierte nun der Pfarrer von Rod eine Zeit lang in seinem Pfarrsitz nach der evangelischen Lehre und in seiner Filiale Hasselbach katholisch, bis die kirchliche Aufsichtsbehörde gegen diesen unhaltbaren Zustand einschritt. Schloss Hasselbach wurde vom Kirchspiel Rod gelöst und wurde eigene Pfarrei, da es wohlhabend genug war, um einen eigenen Geistlichen zu unterhalten. Im Jahre 1545 zog der erste Pfarrer ein.
In jener Zeit scheint der Ritter Philipp von Rheinberg auf der nahen Burg Eichelbach der Kirche zu Hasselbach sehr gewogen gewesen zu sein. Er unterhielt auf seiner Burg eine Zeit lang seine eigene Kapelle mit einem Schlosskaplan, der die Seelsorge in dem nahen Kratzenbach und in Gemünden versah. Wahrscheinlich hat Philipp von Rheinberg gegen Ende seines Lebens die ganze Ausstattung dieser Kapelle der Kirche zu Hasselbach vermacht und so der Errichtung der Pfarrei vorgearbeitet, denn bei seinem Hinscheiden wurde er in der Kirche zu Hasselbach beerdigt. Und nur den Erbauer oder großen Wohltäter einer Kirche pflegte man so zu ehren. Sein Grabstein wurde später beim Bau der neuen Kirche rechts neben dem Hochaltar in der Chorwand eingemauert. Er zeigt uns das Brustbild eines geharnischten Ritters mit langem Bart und gefalteten Händen. Die Umarmung ist stilgerecht in Renaissance ausgeführt. Es ist dies eines der frühesten Denkmäler dieses Stils in Nassau. Ein Nachkommen von ihm hat 41 Jahre später den Hof Eichelbach angelegt und ist von der alten Burg dahin übergesiedelt.